10.05.2011, KuFa (Kulturfabrik)

Rotting Christ AEALO Tour 2011 - KUFSTEIN

Text: El Greco
Veröffentlicht am 13.05.2011

Ein Konzert an einem Dienstagabend im beschaulichen Kufstein zu spielen, dürfte für viele Musiker nicht unbedingt das Highlight einer Tour darstellen. Es macht die Sache nicht unbedingt leichter, wenn man bedenkt, dass die Headliner ROTTING CHRIST erst vor wenigen Monaten in eben diesem Örtchen gespielt haben. Somit war die Erwartungshaltung eine sehr niedrige: Wer soll sich an einem Werktag gen KUFA bewegen um erneut eine Band zu sehen, die erst vor kurzem dort gespielt hat? Als die Engländer

DE PROFUNDIS

die Bühne enterten spielten sie demnach vor einer zu erwartenden Kulisse von 10 Zusehern. Wundern darf man sich darüber ob der „Größe“ Kufsteins und der frühen Beginnzeit leider nicht. Doch die Engländer nahmen es mit Humor und konnten auch sogleich positiv überraschen. Ihre Mischung aus melodischem Death Metal, Doom Metal und dunklen Elementen a la My Dying Bride sticht durchaus aus der breiten Masse heraus. Die Herren hatten sichtlich Spaß auf der Bühne und konnten auch spielerisch überzeugen. Den Namen DE PROFUNDIS sollte man sich für die Zukunft merken! Als

DARKEND

aus Italien auf die Bühne stürmten, merkte man sofort, dass diese Band eine komplett andere musikalische Ausrichtung haben musste: Die jungen Herren sahen aus wie Cradle of Filth-Klone und hörten sich auch dementsprechend an. Für Fans dieser Band ist DARKEND absolut zu empfehlen. Meinen musikalischen Geschmack traf dies aber leider absolut nicht. Der kleine und schmächtige Sänger Animae verstand es zu posen, wie die ganz großen Helden des kitschig-käsigen Black Metals. Dies wirkte natürlich mitunter etwas peinlich, wenn man bedenkt, dass sich ungefähr 20 Fans vor der Bühne befanden, die sich zwar dem Hörgenuss widmeten, aber der Band natürlich nicht so verfallen waren, um den Ritualcharakter des Konzertes so anzunehmen. Als

DAYLIGHT MISERY

aus HELLas loslegten, fühlte man sich wieder in ganz andere musikalische Gefilde versetzt. Musikalisch sind die Herren durchaus „typisch griechisch“: Dunkel, leicht melancholisch, aber in diesem Fall nicht besonders kitschig. Man bietet melodischen Death/Dark Metal mit wunderschönen Gitarrenmelodien. Bezüglich des Songwritings ist manchmal noch etwas Luft nach oben vorhanden. Insgesamt präsentieren sich Sänger Vasilis und co. aber als spieltechnisch solide und durchaus interessante Band. Auch ohne Efthimis Karadimas von Nightfall klingt der Bandhit “Meadows of Desire“ live sehr stark. Zudem erfolgte eine Verbeugung vor Edge of Sanity und die eine oder andere Nummer der letzten Veröffentlichung “Depressive Icons“, die übrigens von George Bokos (dem Gitarristen von ROTTING CHRIST) produziert wurde. Auch sein Bandkollege Sakis gesellte sich zwischendurch unter das Publikum und nickte anerkennend ob des gelungenen Auftritts der jungen Band. In diesem Fall hat sich die griechische Nachbarschaftshilfe sicherlich bezahlt gemacht. Wenn DAYLIGHT MISERY noch etwas mehr an Selbstsicherheit dazu gewinnen, sollte man noch einiges von den fünf Griechen hören. Mit großer Spannung wurde auch der Gig OMNIUM GATHERUMs erwartet. Leider erwiesen sich die Kufsteiner nach wie vor als schüchternes Publikum. Oder mit anderen Worten: Die erste Reihe war fest in der Hand einiger volltrunkener Herren, was dazu führte, dass die anderen Fans das metallische Treiben mit etwas Sicherheitsabstand in der Mitte des Saales verfolgten. Hatte ich auf den Silberlingen bis dato nicht immer meine Freunde mit

OMNIUM GATHERUM

, so haben sie live durchaus Spaß gemacht. Mit vollem Elan und musikalischem Können hat man das Beste aus der Situation gemacht und sich von der geringen Menschenansammlung nicht abschrecken lassen. Jukka ist wohl einer der wenigen wirklich extrovertierten finnischen Frontmänner und versteht es, den Showman zu spielen. Leider hat ein einigermaßen kurioser Herr im Publikum der Band viel an Aufmerksamkeit gestohlen, da er wie eine kaputtere Version von Ozzy (ja, sowas gibt es) vor der Bühne herumwandelte und dauernd den Kontakt zur Band suchte, um seine „Regieanweisungen“ an den Mann zu bringen. Immerhin nahm es die Band mit Humor, was z.B. am Lachanfall des Bassisten deutlich wurde. Eigentlich ein blitzsauberer Gig, der nur bei den klaren Gesangspassagen noch etwas Luft nach oben offenbarte. Die Fans quittierten den grundsoliden Auftritt der aufstrebenden Finnen mit wohlwollendem Applaus. Nach einer kurzen Umbaupause konnte man bereits das Intro von AEALO vernehmen und schon stürmten

ROTTING CHRIST

auf die Bühne. Die große Überraschung dabei: Die wenigen Fans sind nicht nur allesamt geblieben, sondern drängten sich nun näher ran an die Bühne. Darunter mischten sich auch Musiker der Vorbands, die zusammen mit den anderen Fans den Auftritt ROTTING CHRISTs bewundern wollten. Die Dichte an ROTTING CHRIST-Shirts im Publikum ließ das bereits vermuten: Müdigkeit kam bei den Fans noch keine auf. Die Band zeigte sich trotz der kleinen Meute im Publikum durchaus erleichtert und schien sich über die “horns“ im Publikum heute besonders zu freuen. Man spielte in erster Linie Stücke der letzten Veröffentlichungen, sowie einige Klassiker wie z.B. „Kings of a stellar war“ oder “Non Serviam“. Die Gothic-Phase der Spätneunziger ist definitiv überwunden und wird live komplett ignoriert. Nun regiert wieder der originelle und bisweilen eventuell kauzig erscheinende Metal, mit dem die Band bekannt wurde. Vor allem die harten Stücke wie „Xaos Geneto“ oder auch das unverwüstliche „Athanatoi Este“ haben es dem Publikum angetan. Der Prozentsatz an fliegenden Matten wird deutlich höher und Sakis und co. entkommt der eine oder andere Grinser. Besonders die Leads von Gitarrist George erfreuen die Masse, während die Rhythmussektion um Themis und Andreas wie immer kompromisslos und perfekt eingespielt agiert. Sakis hat das Publikum sowieso perfekt im Griff und dirigiert die kleine Masse vor der Bühne nach Belieben. Leider war nach einer viel zu schnell vergangenen Stunde wieder Schluss: Mit “Non Serviam“ wurde zu guter Letzt einer der großen Klassiker des Black Metals auf die geifernde Meute losgelassen. Bereits kurz nach der Show zeigten sich die Musiker in der Bar der KUFA und plauderten noch mit ihren Fans bzw. gaben das eine oder andere Autogramm. Starallüren gibt es da keine. Nach eigenen Worten des Bandchefs waren ROTTING CHRIST über jeden Fan froh, der sich das Konzert ansah. Mit stolz geschwellter Brust erzählte er, wie er sich gefreut habe zu sehen, dass doch so einige Metaller für ROTTING CHRIST in das kleine Städtchen angereist waren. Somit endet ein Konzertabend mit durchaus positiven Überraschungen. Wobei er doch noch nicht für alle endete: Man plauderte noch länger mit den Musikern und konnte das eine oder andere interessante Gespräch mit ROTTING CHRIST führen. Was jedem im Rahmen des Konzertes rasch auffiel: Der Sound war durchwegs gut bis sehr gut. Sogar die erste Vorband bekam einen fairen und recht klaren Sound, was für den Charakter der Headliner spricht. Umgekehrt mischten sich die Bandmitglieder der jeweils nicht spielenden Bands gerne unter das Publikum, um die auf der Bühne agierende Band zu unterstützen. Neid und Missgunst schien bei diesem Tourtross nicht aufzukommen. Und doch stellt man sich eine Frage: Warum lässt man Bands so oft in der zugegebenermaßen recht netten KUFA im malerischen Kufstein spielen, während in größeren Städten wie Innsbruck oder Salzburg gar nichts mehr los zu sein scheint? Zudem hätte man auch mit Linz eine (ob der Erreichbarkeit und des vorhandenen Publikums relevante) Option, die mit zu wenig Aufmerksamkeit gesegnet wird. So nett die bisherigen Veranstaltungen in Kufstein auch oft waren – man muss sich doch fragen, ob eine Metal Tour in einem Städtchen mit weniger als 20.000 Einwohnern und ohne größere Städte in einem Umkreis von 50 km wirklich so erfolgsversprechend sind. Diese Frage führte wohl bei allen Beteiligten für Verwirrung. Die involvierten Bands hätten sich an diesem Abend noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Somit endete ein Konzert das in manchen Aspekten an ein großes Familienfest erinnerte. Hoffentlich gibt es bereits bald wieder eine solche “family reunion“ mit den hierzulande sträflich unterbewerteten ROTTING CHRIST! PS: Fotos gibt es dazu leider keine, da wir nach der ersten Vorband gebeten wurden keinen Blitz zu verwenden und die Fotos ohne Blitzlicht leider qualitativ nicht hochwertig genug waren, um sie offiziell zu publizieren.


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