10.06.2011, Arena

WIZO

Text: Luka
Veröffentlicht am 12.06.2011

Sommer, Sonne, Punkrock in der Arena: das sind Sachen, die einfach perfekt zusammenpassen. Nach der vielumjubelten Reunion 2009 beehren die legendären WIZO zum ersten Mal seit der Abschiedstournee 2005 wieder Wien. Aufgrund der extrem hohen Nachfrage wurde das Konzert von der Halle aufs Open Air Gelände verlegt, und vor einer riesigen Menschenmasse zeigten die altgedienten Punker, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören. Die erste Vorband, THE SAVANTS aus Deutschland, begannen ihr Set pünktlich um 19:30. Während es noch hell war, zogen es die meisten Leute vor, in der Wiese zu sitzen und gemütlich ein paar Biere zu trinken, anstatt vor der Bühne abzugehen. Eigentlich schade, die gute Mischung aus schnellem Punk Marke PENNYWISE und Spaßpunk hätte sich mehr Aufmerksamkeit verdient. Der Höhepunkt des Sets, der dann doch auch zu anerkennenden Beifall beim Publikum führte, war eine Coverversion von „Always look on the bright side of life“. Die nächste Band, die versuchen sollte, die Menge für WIZO aufzuwärmen, waren PASCOW. Manchen mag der auf Punk instrumentierte pseudo-intellektuelle Studentenrock der Deutschen gefallen, auf die meisten Zuhörer sprang kein Funke über. Dazu trug wohl auch bei, dass die Lieder nur kurz mit Titel angesagt wurden, von Kommunikation mit dem Publikum war da keine Rede. Das haben ihre Vorgänger THE SAVANTS deutlich besser hingekriegt. Aber wegen der Vorbands ist wohl sowieso kein Besucher gekommen. Alles wartete gespannt auf die Headliner WIZO, und als die Sindelfingener Punker die Bühne betraten, war auf einmal die Hölle los. Das Open Air-Gelände war bis zum Bersten gefüllt, sowohl im Raum vor der Bühne als auch auf den seitlichen Galerien gab es fast kein Durchkommen mehr, und vor der Bühne wurde hemmungslos gepogt. Der Altersschnitt des Publikums war im Vergleich zu anderen Konzert eher gehoben. Abgesehen von einigen jüngeren Punks waren die meisten Zuseher eher solche, die in der Blütezeit von WIZO Anfang/Mitte der 90er mit der Band aufgewachsen sind. Insofern hat die Band fast schon IRON MAIDEN-Status: die meisten Zuhörer können jedes Wort der alten Songs auswendig, es wird inbrünstig mitgesungen und jede Ansage eines Songs frenetisch bejubelt. Von der Original-Besetzung ist ja nur noch Sänger/Gitarrist Axel geblieben. Verstärkt durch Thorsten („Karachoo“) am Bass und Thomas Guhl am Schlagzeug sowie Ralf Dietel (der neben dem Gitarrespiel auch durch die blond-schwarzen Rastazöpfe auffiel), bekannt von seinem kurzen Gastspiel bei NINE INCH NAILS und der Rock-/Metal-Formation KRASHKARMA, sind WIZO auf Reunion-Tour unterwegs und geben neben alten Hadern auch neue Stücke zum besten, die auf dem nächsten Studio-Album erscheinen werden. Dem Sound der Band tut der zusätzliche Gitarrist gut, und Axel kann sich mehr auf die Frontmann-Aktivitäten konzentrieren. Wie gesagt werden die alten Stück am meisten abgefeiert – und dass solche Kracher wie „Hey Thomas“ oder „Das goldene Stück Scheiße“ schon am Anfang gespielt werden, versetzt das Publikum ins Delirium. Wohin man blickt, frohe, lachende Gesichter, die voll Inbrunst jedes Wort der Songs mitsingt – Wahnsinns-Stimmung! Im Vergleich dazu kommen die neueren Stücke nicht ganz so gut weg, aber das hält keinen vom Abfeiern der Idole ab. Sänger Axel ist auch bestens aufgelegt, die Ansagen kommen gut herüber. Und einige Gags werden auch geboten – Axel im Katzenkostüm, oder das gesprochen Intro zu „Raum der Zeit“, das fast wie Hiphop herüberkommt. Und bei „W8ing 4 You“ werden die Zuhörer dazu aufgefordert, die T-Shirts auszuziehen und herumzuschwenken („wie ein Helikopter!“, „wir brauchen Luft!“), dem aber die Damenwelt leider nur sporadisch nachkommt. Insgesamt ganz klar ein Hammerkonzert – hier hat echt alles gepasst: gut aufgelegte Band, ein Programm voller Hits, ein sehr zahlreiches, enthusiastisches Publikum, und gutes Wetter. Wie anfangs erwähnt ist die Kombination von Punkrock und Arena-Open Air im Sommer immer ein ganz heißer Tipp, und der wurde eindrucksvoll bestätigt. Die mittlerweile Legenden-Status genießenden WIZO haben die Zuhörer begeistern können – ein hoher Favorit auf „Konzert des Jahres“!


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