26.06.2011, Schwabenhalle Augsburg

ROCK THE NATION feat. JOURNEY, FOREIGNER and more

Text: manfred
Veröffentlicht am 27.06.2011

Gerne denke ich an die Zeit zurück, als ich Fan gepflegter Rockmusik wurde. Es waren NIGHT RANGER die dieses Werk vollbrachten. Denn ohne deren Song „Sister Christian“, der Anfang der 80er die Hitparaden in den USA und Kanada aufgemischt hatte, wäre ich wahrscheinlich nicht ins Hardrock-Lager gewechselt. Und heute war es soweit. Ich konnte meine Helden von damals und andere großartige Bands dieser Zeit das erste Mal live erleben. Leider hatten sie an diesen Abend die undankbare Aufgabe, dieses Festival zu eröffnen. Die Herren Jack Blades, Brad Gillis, Kelly Keagy, Joel Hoekstra und Eric Levy stürmten pünktlich die Bühne und starteten famos mit „Touch Of Madness“ . Das Publikum ging sofort mit und das pushte die Jungs zu wahren Höchstleistungen. Mit ihrer Spielfreude heizten die sympathischen Kanadier den Fans so richtig ein. Kein Problem mit Jack Blades, einem Sänger und Entertainer der Extraklasse, der vor Selbstvertrauen und Power nur so strotzte. Die Band bot intelligenten Hardrock, darunter viele Klassiker und unvergessliche Songs wie „Sing Me Away“, „When You Close Your Eyes“ oder „You Can Still Rock In America“ und natürlich den Megahit „Sister Christian“. Mit „Growing Up In California“ wurde der Titeltrack vom neuen Album vorgestellt. Nach diesem glanzvollen und überzeugenden, aber leider viel zu kurzen Auftritt, sollten sich viele das neue Album ganz oben auf die Liste der CDs schreiben, die es anzutesten gilt. Hammerauftritt einer Truppe, die aus lauter Persönlichkeiten besteht und welche mit ihrer musikalischen Fähigkeit voll überzeugt hat. Hier stimmte alles: Präsentation, Songs, Musikalität und auch die Resonanz - SENSATIONELL!!

Setlist Night Ranger:

Touch Of Madness Sing Me Away Growing Up In California When You Close Your Eyes Don't Tell Me You Love Me Sister Christian You Can Still Rock In America

Mit den folgenden KANSAS hatte ich mich noch nie so richtig beschäftigt. Daher dachte ich nach der Galavorstellung von NIGHT RANGER an einen langweiligen Auftritt. Doch KANSAS wussten sofort musikalisch zu überzeugen. Songs wie „Dust in the Wind“ und „Fight Fire With Fire“ kennt ja fast jeder und diese wurden auch lautstark mitgesungen. Wem jetzt bei „Carry On My Wayward Son“ nicht die Tränen der Nostalgie über das Gesicht liefen, lag entweder total breit im Koma oder war schon wieder auf den Weg zur Bar, um Nachschub zu holen. Den Fans in Augsburg gefiel das Auftreten der schon etwas angegrauten Amerikaner, der ohne Effekthascherei auskam und lediglich die Musik sprechen ließ. Da fand sich jeder Schritt im Einklang mit dem mächtigen Sound. Und so war es dann mehr als Höflichkeitsbeifall als die sympathische Truppe nach circa 45 Minuten die Bretter verließ.

Setlist Kansas:

Magnum Opus Point Of Know Return Hold On Dust In The Wind Miracles Out Of Nowhere Portrait (He Knew) Fight Fire With Fire Cary On My Wayward Son

Nach dem Set von KANSAS sollte es zum „Meet and Greet“ mit JOURNEY kommen. Einige Fans waren mit einem ganzen Arsenal an JOURNEY-Raritäten angerückt, um sich diese signieren zu lassen. Nur leider kam vor dem besagten Treffen ein Bodyguard und teilte den wartenden Leuten mit, dass es diesmal keine Autogramme gibt, sondern nur ein Foto mit der Band. Also schnell rein in den Backstagebereich, mal kurz ein Bild geschossen, kein Smalltalk und der Spuk war schon wieder vorbei. Soviel zum Thema "Meet and Greet", aber aufregend war es doch.

Viele Fans assoziieren FOREIGNER mit Hausfrauenrock und dementsprechend führten an diesen Abend viele ältere Hardrocker ihre Frauen aus, um ihnen die Vorzüge der Rockmusik näherzubringen. Los ging’s mit „Double Vision“. Alleine durch das veränderte Licht entstand eine völlig neue Atmosphäre. Dies und die überzeugt gespielten Hits der britisch-amerikanischen Truppe, sind der beste Beweis dafür, dass FOREIGNER keine aufwendige Bühnenshow benötigen, um zu brillieren. Das Gitarrenspiel von Mike Jones war es, das meine Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Dieser Mann überzeugt allein durch seine Ausstrahlung und nicht durch sein Ego, mit einem Gitarrenhero hat er nichts gemein. Er grinste einfach vor sich hin, übernahm ab und zu das Keyboard und überließ dem überragend singenden Kelly Hansen oft das Feld. Keine FOREIGNER-Show ohne die Klassiker „Head Games", “Urgent“ und „That Was Yesterday“, aber auch „Can't Slow Down“ vom letzten Album fügte sich nahtlos in die Reihe der Hits ein. Die circa 6.000 Fans in der Schwabenhalle staunten und konnten es kaum fassen, zu welchen Glanztaten die Herren auch ohne Lou Gramm im Stande sind. Spätestens nach „I Want To Know What Love is“ war die Hölle los und die Damen, deren Frisuren schon ein wenig unter dem Einfluss der Stromgitarren gelitten haben, dürften nicht nur feuchte Hände bekommen haben. (also so ein Schweindl... - Anm. d. Red.) Alle Achtung meine Herren, ihr habt heute Glanzlichter gesetzt und ich denke, dass FOREIGNER noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Mit Kelly Hansen kam es 2005 zu einer Blutauffrischung, der den Songs genau den richtigen Kick verleiht und sogar den unvergleichlichen Lou Gramm bestens ersetzt. Von „Hausfrauenrock“ hat man wegen der berühmten FOREIGNER-Balladen gesprochen, doch Mick Jones, Kelly Hansen, die tight aufspielende Rhythmusfraktion und das originell zusammengestellte Programm widerlegte dies überzeugend!

Setlist Foreigner:

Double Vision Head Games Cold As Ice Waiting For A Girl Like You Can’t Slow Down That Was Yesterday Starrider Feels Like The First Time Urgent I Want To Know What Love Is Hot Blooded Juke Box Hero

Für Unverständnis sorgte ein älteres Ehepaar neben uns in der Halle. Diese Unterhaltung möchte ich niemand vorenthalten. Als JOURNEY ihr Set mit „Separate Ways“ starteten, sagte plötzlich die Dame zu ihrem Mann: „Komisch, wer steht denn da auf der Bühne, der sieht aber nicht wie der Steve Perry aus. Klaus, warum hast du mir nicht gesagt, dass ein anderer Sänger dabei ist. Jetzt bin ich extra mit dir mitgefahren um Steve zu sehen und der ist nicht da“. ABER HALLO, haben die zwei die letzten fünfzehn Jahre in einer Höhle gewohnt? UNGLAUBLICH, ABER WAHR. JOURNEY gehören mittlerweile wieder zu den Top Acts der melodischen Hardrockszene und stellen das heute eindrucksvoll unter Beweis. Sänger Arnel Pineda liegt stimmlich oft sehr nahe an Steve Perry und er rannte auf der Bühne herum, als wäre der Teufel hinter ihm her. Geniale Songs wie „Faithfully“, „Open Arms“, „Stone in Love“ oder “Wheel In The Sky“ lud die Fans zum mitsingen und schunkeln ein. Arnel sang glasklar, emotional, aber niemals kitschig, daher kann man ohne Übertreibung von einer perfekten Performance sprechen. Vom neuen Album "Eclipse" kamen mit „City Of Hope“ und „Edge Of The Moment“ zum Zug, die genauso gefeiert wurden, wie alle anderen Hits der groß aufspielenden Veteranen der Rockmusik. Neal Schon ist ein Genie an der Klampfe, die Saiten seiner Gitarre explodierten förmlich unter seinen Fingern. Aber auch die übrigen Musiker, Johnathan Cain, Ross Valory und Deen Castronovo sorgten in Augsburg für einen unvergesslichen Auftritt und Standing Ovations. Nach der Zugabe „Anyway You Want It“ beendete ein Konfettihagel einen Abend, der immer als einmalig in meiner Erinnerung bleiben wird.

Setlist Journey:

Seperate Ways Ask The Lonely City Of Hope Guitar Solo Stone In Love Keep On Running Edge Of The Moment Lights Wheel In The Sky Piano Solo Open Arms Escape Faithfully Be Good To Yourself Don't Stop Believin' Anyway You Want It Fazit: Die vier Bands schafften es, jeden der anwesenden Fans glücklich zu machen. Alle boten eine überzeugende Vorstellung und unterstrichen damit nochmals nachdrücklich ihren Ruf als erstklassige Liveacts. Ein Triumphzug der melodischen Hardrock Musik, der vielen noch lange Zeit im Gedächtnis bleiben wird. Mein Dank geht an die charmante Christine Heinrich, die es mir ermöglichte JOURNEY zu treffen und dem grandiosen Augsburger Publikum, das nie müde wurde unsere Helden zu feiern.


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