23.07.2011, Gasthof "Alter Senninger"

TORTOUR FESTIVAL 2011

Veröffentlicht am 28.07.2011

Weil auch immer alles an ein einziges Wochenende fallen muss. Das "Hell Over Vellach" in Kärnten wäre, "Feel The Fire II" in der Arena, und halt das TORTOUR Festival im südlichen Niederösterreich. Wegen der komfortablen Nähe zu Wien und dem nicht ganz uninteressanten Headliner war die Wahl aber relativ schnell klar: auf nach Warth, knapp 65 Kilometer südlich der Bundeshauptstadt, wo dieses kleine aber feine Festival heuer bereits in die zweite Runde geht. Nachdem man im Vorjahr mit MASTIC SCUM als Hauptact punkten konnte, dürfen wir uns dieses Mal auf die deutschen Düster-Melo-Deather DARK AGE freuen. Die Hamburger kommen extra für dieses Ereignis eingeflogen, und wie fein, dass es im benachbarten Gasthof Fremdenzimmer mit Frühstück gibt. Was auch den Verfasser dieser Zeilen natürlich sofort veranlasst, dort einzuchecken - also: lasset die Party beginnen!

Den Anfang machen BLIND OF 69 aus dem nahen Kirchberg am Wechsel, die zu dritt Gute-Laune-Punk im Stile von BLINK 182 und GREEN DAY zocken, und trotz ihrer offensichtlichen Jugend eine ganze Menge vor allem weiblicher Fans im (um diese Zeit noch sehr spärlich vorhandenen) Publikum vorweisen können. DRAINED THOUGHTS kontrastieren das Programm dann mit einer Melange aus Death Metal und ein bisserl Hardcore, und die Wiener Neustädter schaffen es zumindest, das Stimmungsniveau hoch zu halten, um diese nachtschlafene Zeit steht aber natürlich keiner vor der Bühne, sondern alle lehnen an den zahlreichen Cocktail-Tischchen herum. Was solls, Hauptsache die Befindlichkeit passt. Und sie passt echt, was die schon länger durch heimische Konzerthallen gondelnden EMILY'S BLEEDING dann nochmal eindrucksvoll zu unterstreichen wissen. Aufgepeppt durch ein MACHINE HEAD-Cover ("Imperium") ziehen sie ihren Gig aber nur zu dreiviertel durch. Der neue Drummer ist schweinegut an seinem Instrument, aber noch relativ frisch in der Band, und so ist nach etwas mehr als einer halben Stunde auch schon wieder Schicht im Schacht. Dann folgt Kontrastprogramm der nostalgischen Art: die Wiener Neustädter Punk-Urväter von den ZECKEN geben sich nach langer Zeit wieder mal ein Live-Stelldichein, und man kann den drei Herren attestieren, soweit nicht wirklich was verlernt zu haben. Souverän geigen sich DIE ZECKEN durch ein Feuerwerk der Funpunk/Ska/Rock'n'Roll-Geschichte und der Saal ist mittlerweile auch relativ gut gefüllt, die Stimmung am Kochen. DEATH MENTALITY aus Scheiblingkirchen haben heute quasi ein Heimspiel, da kann nicht viel schiefgehen. Mit einer ziemlich druckvollen Mixtur aus Death, Metal- und Hardcore überzeugt der Fünfer auf voller Linie, und dürfte sowohl einige Fans mitgebracht, als auch einige dazu gewonnen haben. Besser kann man den Set des Headliners auch gar nicht vorbereiten, denn eigentlich warten die meisten ja auf DARK AGE. Das ist halt so, wenn mal eine Band aus Hamburg in der Industrieviertel-Provinz spielt. Und von Beginn an punkten die fünf Jungs mit Sympathie und ihrem unvergleichlichen Stil irgendwo zwischen Dark-Metal und Göteborger Schule. Da gibt's dann Jahrhundert-Refrains im Akkord, wenn Klassiker wie "Minus Exitus" oder "Ghost In A Machine" in den altehrwürdigen Wirtshaussaal geschmettert werden. Nach doch fast eineinhalb Stunden und mehreren erfolglosen Versuchen, das Warther Publikum doch bitte an die vordere Bühnenkante zu bekommen, verabschieden sich die Fischköppe. Die Party geht aber trotzdem noch weiter.

Und spätestens hier muss ich in Lob schwelgen: perfekt organisiert von "Tortour"-Kerstin und ihren fleißigen Helferleins, die Getränke sind erschwinglich, die Stimmung ist trotz nicht ganz gefüllter Location top, und alles ist echt übersichtlich und irgendwie urig. Fürs Merchandise gibt's einen eigenen Stand, das Label "Transwaved" und " MThree Metalshop" aus der Steiermark sind mit Infodesks zugegen. Ja sogar piercen kann man sich lassen:der Shop "Raciel " aus Wiener Neustadt besorgt das hier mitten im Geschehen! Alles zusammen ein rundes Paket, das ganz in dem Sinne steht: gebt lokalen Bands eine Chance! Durch die Hinzunahme eines bekannten Headliners ist diese Idee finde ich ziemlich fein, die Umsetzung reibungslos und immer sympathisch, und die Athmosphäre des "Alten Senninger" unvergleichlich urig. Noch dazu kann man - so man rechtzeitig bucht - gleich nebenan ein Zimmer ergattern, und sich somit auch trinktechnisch mehr oder weniger gehen lassen. Eines steht fest: ich bin hier nächstes Jahr wieder vertreten, und verlasse mich ganz auf Kerstin und Markus, dass sie wieder ein Line-Up zusammenbasteln, welches das TORTOUR Festival zu dem macht was es ist: eine wirklich gelungene Metalparty für alle Altersschichten und quer durch alle Stile in kleinem, familiären Rahmen. Danke an http://www.kr-design.at für das Foto!


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