22.09.2011, ((szene)) Wien

FIREWIND

Veröffentlicht am 24.09.2011

Drei lange Jahre mussten sich heimische Fans von griechischem Power Metal der allerersten Güteklasse gedulden, aber schließlich war es am 22. September des seinem Ende entgegenschreitenden Jahres 2011 wieder soweit, und die hellenischen Helden von FIREWIND rund um Axt-Zauberer Gus G. beehrten uns wieder in ostarrichischen Gefilden. Ein Abend voller zündender melodischer Metal-Granaten und vor allem voller spektakulärer Soloeinlagen schien somit garantiert – und der geneigte Gast sollte in dieser Hinsicht auch keineswegs enttäuscht werden. Den Anfang durften an diesem Abend allerdings die schwedischen Heavy Metal-Haudegen von WOLF machen, und unglaublicherweise war dies das erste Mal seit Bandgründung anno 1995, dass es die Nordmänner rund um Bandchef Niklas Olsson nach Wien geschafft haben. Doch was lange währt, wird endlich gut – und so werden die Schweden von einer formidablen Anzahl bereits jetzt anwesender Kuttenträger amtlich abgefeiert, und die Stimmung ist beinahe von Anfang an auf dem Höhepunkt. Auch kein Wunder, pfeffern die Routiniers doch mit tightem, druckvollem Sound Tracks wie „Evil Star“, „Skull Crusher“, „Hail Caesar“, „Full Moon Possession“ oder natürlich „Speed On“ unter energiegeladener Performance ins ausgehungerte Wolfsrudel vor der Bühne. Der Fan klassischen Schwermetalls mit deutlicher IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST und auch kleiner ACCEPT-Schlagseite dankt’s, und revanchiert sich mit begeisterter Helikopter-Haupthaarrotation und lautstarker Beteiligung an diversen Mitsingspielchen. Feine Performance einer erfahrenen Band, die damit bewiesen hat, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehört, sondern immer noch als edelster Stahl bezeichnet werden kann. Schade eigentlich, dass den sympathischen Herren nicht auch so ein Erfolg wie ihren Landsmännern von HAMMERFALL vergönnt war, die ja zur gleichen Zeit durchstarteten und heute zur Speerspitze des europäischen Metal zählen. Aber gut, dafür ist die Musik von WOLF wahrscheinlich eine Spur zu traditionell-metallisch und entwickelt nicht den gleichen Mainstream-Appeal, den HAMMERFALL vor allem mit späteren Werken angestrebt haben. Sei’s drum: Starker Support-Act und toller Stimmungsmacher, und der glückliche Fan darf nun in freudiger Erwartung der Ankunft von Gus G., Bob Katsionis und ihren Mannen harren. Diese legen nach einem etwas schrägen Intro auch gleich amtlich mit „The Ark of Lies“ los, und starten in eine technisch perfekte, mit viel Spielfreude und guter Laune dargebotene Performance, die im internationalen Metalzirkus Ihresgleichen sucht. Denn nicht nur Flitzefinger und neo-OZZY-Axeman Gus G. weiß durch überdurchschnittliche Feinmotorik und beeindruckende Griffbrettintermezzi zu überzeugen, auch Keyboarder/Gitarrist Bob Katsionis sorgt wieder für offene Münder, wenn er die Rhythmusgitarre und die Keyboards gleichermaßen sensationell bedient, dies stellenweise sogar gleichzeitig. Was natürlich dem informierten Fan sofort auffällt, ist die Abwesenheit von Sänger Apollo, der aus persönlichen Gründen an dieser Tour nicht teilnehmen kann. Dafür haben die Herren von FIREWIND in Form von Mats Levén mehr als ordentlichen Ersatz gefunden, zählt doch der gute Mann, der schon Engagements bei YNGWIE MALMSTEEN, AT VANCE oder THERION in seinem Lebenslauf stehen hat, zu den besten Power Metal-Sängern der Welt.

Und so liefert auch Mats Levén eine sensationelle, fehlerfreie Performance, und bringt sämtliche der FIREWIND’schen Bandklassiker wie „Head Up High“, „Destination Forever“, „Mercenary Man“ oder auch „Angels Forgive Me“ auf allerhöchstem Niveau. Dennoch – und das muss bei aller Perfektion und Achtung vor der Gesangsleistung eines Mats Levén zugegeben werden – rein vom Timbre her passt wohl Haupt-Sänger Apollo doch einen Tick besser zur Musik von FIREWIND; Mats Levén kann wirklich eher in höheren Lagen sein ganzes Talent ausspielen, und dazu bekommt er beim Songmaterial der Griechen nicht immer genug Gelegenheit. Aber dennoch – Chapeau vor einer wie gewohnt hervorragenden Performance des schwedischen Ausnahmesängers. Aber nicht nur am Mikro steht ein „neuer“ Mann, auch hinter den Drums hat auf dieser Tour NIGHTRAGE-Drummer Johan Nunez Platz genommen. Der sieht vielleicht aus, als hätte er erst in der vergangenen Woche seinen sechzehnten Geburtstag gefeiert, dafür spielt er wie ein alter Hase, und verleiht dem FIREWIND-Sound den nötigen Wumms. Rundum also eine technisch brillante, super eingespielte Truppe, eine Vielzahl von starken Songs und witzigen Einlagen – das darf man sich von FIREWIND erwarten, und die sympathischen Griechen enttäuschen nicht: Mit „The Fire And The Fury“ sowie „SKG“ hat man formidable Instrumentals im Gepäck, die beim Publikum für staunende Augen sorgen, und nach dem abschließenden „Tyranny“ gibt man sich im Zugabenblock nochmal mit „Into The Fire“, „I Am The Anger“ und dem finalen „Falling To Pieces“ die Ehre.

Setlist FIREWIND:

The Ark of Lies Destination Forever Kill to Live Head Up High World on Fire The Fire and the Fury Angels Forgive Me Heading For the Dawn Mercenary Man SKG My Loneliness Ready to Strike Till the End of Time P Tyranny ----------------- Into the Fire I am The Anger Falling To Pieces Wie nicht anders zu erwarten eine beeindruckende Zurschaustellung technischer Profizienz, kombiniert mit viel Spaß an der Sache – schön, dass es solche Bands noch gibt; allzu oft hat man ja das Gefühl, dass bei vielen Truppen die Kür mittlerweile zur Pflicht geworden ist. Nicht so hier: Tausendsassa Gus G. bringt sogar FIREWIND und OZZY OSBOURNE unter einen Hut, Bob Katsionis gelingt ein ähnlich schwieriger Drahtseilakt mit seinem Zweitprojekt OUTLOUD, und so ganz nebenbei zählen die Griechen sicher den stärksten Melodic Metal Bands Europas, sowohl live als auch im Studio – auch wenn ihnen vielleicht der eine oder andere ganz, ganz große Hit im Backkatalog für den Durchbruch noch fehlt. Schade ist es zwar, dass im traditionell dem melodischen Metal ja nicht sonderlich zugetanen Österreich sich die Menge an Menschen vor der Bühne in Grenzen hält – ob man überhaupt an der 200er-Marke gekratzt hat an diesem Abend in der Szene, wage ich mal zu bezweifeln – doch sowohl WOLF als auch FIREWIND konnten mit ihren Shows überzeugen und es darf gehofft werden, dass sich die Kunde über die Live-Qualitäten dieser Bands wie ein Lauffeuer weiterverbreitet, und die Herrschaften das nächste Mal vor besser gefüllten Hallen spielen dürfen. Für mich persönlich ist allerdings das 2008er-Konzert vor noch weniger Leuten im noch kleineren Viper Room aber stimmungstechnisch sogar über der diesjährigen Show anzusiedeln, und auch Bob Katsionis selbst bestätigte mir im Interview, dass er sich noch immer gerne an diese sensationelle Atmosphäre damals erinnert. Dennoch sind und bleiben FIREWIND live absolut sehenswert, denn diese Klasse erreichen dieser Tage nicht viele Bands. Wenn also der FIREWIND durch eure Stadt fegt - anschauen!


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