09.11.2011, Arena

HAMMERFALL - European Outbreak Tour 2011 / WIEN

Veröffentlicht am 10.11.2011

Es ist der 9. November 2011, und es ist wieder einmal Zeit für schwedischen Edelstahl: Denn die True-Metal-Haudegen von HAMMERFALL finden sich samt Tourtross im Rahmen ihrer "European Outbreak" Tour in Wien ein, um den geneigten Kuttenträger mit ihrem klassischen Heavy Metal zu unterhalten. Besagter Tourtross besteht aus DEATH DESTRUCTION, AMARANTHE und niemand geringerem als VICIOUS RUMORS, die für die leider ausgefallenen RIOT einspringen, da diese auf Grund einer Erkrankung des zurückgekehrten Tony Moore die Tour leider absagen mussten. Nichtsdestotrotz verspricht auch dieses Lineup gute Unterhaltung im zeichen des melodischen Met... Moment, melodischen Metals?! Nicht ganz, zumindest sorgen

DEATH DESTRUCTION

als Opener für leicht verwirrt dreinblickende Gesichter. Denn die Jungs schmieden so ganz und gar nicht "wahres Metall", sondern sind vielmehr sehr deutlich auf der Metalcore-Schiene unterwegs; und es wundert sich bestimmt so mancher Gast, was die Truppe denn eigentlich im Vorprogramm von HAMMERFALL zu suchen hat. So auch meine Wenigkeit, doch bei genauerer Betrachtung des Lineups von DEATH DESTRUCTION findet sich rasch eine Erklärung: So ist nämlich Fredrik Larsson, der als Bassist in Diensten von HAMMERFALL steht, auch bei DEATH DESTRUCTIOn tätig. Alles klar. Nun, stilistisch passen die Jungs natürlich so gar nicht zum restlichen Programm, und so finden sich zunächst auch nur vereinzelte Gäste vor der Bühne ein, um sich die Show anzusehen. Dabei machen DEATH DESTRUCTION ihre Sache ja gar nicht mal schlecht, und können mit einem weitaus druckvolleren Sound überzeugen, als ihn im Anschluss etwa AMARANTHE haben sollten. Leider bietet die Mischung aus Thrash, Death und Metalcore allerdings auch nicht viel Neues, und so reihen sich DEATH DESTRUCTION in eine mittlerweile schon sehr lang werdende Liste von ziemlich gleich klingenden Screamo-Truppen ein, die kaum eigene Akzente setzen können. Dazu kommt noch die eigentliche Fehlplatzierung im Vorprogramm genau dieser Tour, die offensichtlich nur ob der Personalunion von Herrn Larsson möglich gewesen sein dürfte, und die Show von DEATH DESTRUCTION kann getrost als erste Getränkeholphase des Abends abgestempelt werden. Wie gesagt, kein schlechter Auftritt, aber wirklich brauchen tut die Truppe wohl auch niemand. Vermeintlich interessanter sollte dann

AMARANTHE

werden; immerhin ist die Formation rund um die drei(!) Sänger Jake E (DREAMLAND, DIGNITY u.a.), Andy Solvestrom und Frontlady Eliza Ryd mittlerweile international durchaus erfolgreich, und so wollte ich mir die Damen und Herren natürlich gerne mal genauer ansehen. Leider haben AMARANTHE von Anfang an mit dem miesesten Sound des Abends zu kämpfen, und zu Beginn gibt auch noch Jakes Funkmikro den Geist auf, was zu höchst unangenehmen Störgeräuschen im Sound führt. Nach der zweiten Nummer in diesem unerträglichen Zustand wird der gute Jake dann kurzerhand auf ein verkabeltes Mikro verwiesen, was die Störungen zwar unterbindet - allerdings auch den Gesang von Jake, denn der ist nun auch nicht mehr hörbar. Immerhin grunzt sich Sänger Andy brav durch seine Parts, und die schmucke Dame an der Front reitet flugs zur Rettung heran - denn die gute Frau sieht nicht nur nett aus, sondern hat auch ein nettes Stimmchen, und weiß mit ebendiesem sowie einer sympathischen Bühnenpräsenz zu überzeugen. Und so rocken sich AMARANTHE nach den Startschwierigkeiten dann doch solide durch ihr Set, das aus einer gesunden Mischung Heavy-, Power und Melodic Death Metal besteht, und liefern eine formidable Show, wobei vor allem poppige Tracks wie "1.000.000 Lightyears" flott kommen und auch das Publikum mitreißen. Ein paar wackelige Chöre verzeiht man da gerne, und auch der grottige Sound wird mit zunehmender Gigdauer etwas besser, wenn auch immer noch das überpräsente Schlagzeug alles niederzuwalzen droht.

Setlist AMARANTHE:

Leave Everything Behind Enter The Maze 1.000.000 Lightyears Automatic Call Out My Name It's All About Me (Rain) Serendipity Hunger Tja, auf die göttlichen RIOT musste der geneigte Fan zwar an diesem Abend leider verzichten, dafür hatte man mit den VICIOUS RUMORS doch einen formidablen Ersatz am Start, und die Routiniers gehen auch gleich von Minute eins an in die Vollen, und zeigen den beiden anderen Supports, wo der Hammer hängt (no pun intended!). Schade leider auch hier, dass der Sound in der Arena an diesem Abend nicht gerade durch Großartigkeit überzeugt - insbesondere Sänger Brian Allen, der sich augenscheinlich in beeindruckenden Höhen die Seele aus dem Leib shoutet, bleibt über weite Strecken nur sehr schlecht hörbar; erneut drücken die Drums die restliche Band zu Boden. Gegen Ende des Sets können sich dann aber zumindest die Gitarristen (deren Backing-Vocals teilweise auch lauter gemischt sind als die Leadvocals ihres Frontmannes!) durchsetzen, und nach einer eher verhaltenen Reaktion des Publikums bei den Openern "Don't Wait For Me" und "Digital Dictator" geht spätestens bei "Hellraiser" ordentlich die Post ab, und nach den klassischen "Soldiers Of The Night" werden VICIOUS RUMORS dann auch endlich statusgemäß abgefeiert und in den verdienten Feierabend geschickt. Genau so kann, ja muss man seine Zuhörerschaft begeistern und mitreißen! Absolut verdienter Slot auf dieser Tour für die Routiniers, und bis hierher auch klar die beste Show des Abends.

Setlist VICIOUS RUMORS

Don't Wait For Me Digital Dictator Minute To Kill Murderball Lady Took a Chance Abandoned Let the Garden Burn Hellraiser Soldiers of the Night Die Frage war nun nur noch: Können HAMMERFALL mit ihrem eingängigen, aber doch relativ simplen Songmaterial in der Livesituation ausreichend punkten, und den starken Gig von VICIOUS RUMORS noch toppen? Die Antwort fiel leicht: Ja, können sie!

Denn

HAMMERFALL

sind mittlerweile nicht umsonst zu einer der Referenzbands des Genres geworden; gut, über das Songwriting auf dem aktuellen Langeisen "Infected" lässt sich sicherlich streiten, aber dankenswerterweise beschränkt man sich live auch auf jene Tracks des etwas missglückten Albums, die dann doch noch zu den brauchbareren Songs der Scheibe zählen. So wird der infizierte Reigen gleich einmal mit rotem Alarmlicht von den LED-Wänden und "Patient Zero" eröffnet, ehe man dann in den Klassikerfundus der Band greift und eines der Highlights vom "Legacy Of Kings"-Album, nämlich "Heeding The Call", in the Meute pfeffert. Das kommt natürlich gut an, darum geht man auch mit dem nächsten Track auf Nummer sicher, und legt mit "Any Means Necessary" nach. Spätestens jetzt ist das Publikum auch absolut auf Betriebstemperatur, und auch die Herren rund um Fronter Joacim Cans und Bandleader Oscar Dronjak zeigen sich auch sichtlich beeindruckt von der frenetischen Reaktion der Wiener Fans an diesem Mittwoch(!) Abend. "Bang Your Head" vom aktuellen Album "Infected" ist natürlich in der Livesituation auch eine Bank, genauso wie das erneut mit Akustik-Intro eingeleitete "Blood Bound". Auch "Let's Get It On" wird gebracht, ehe man mit "Last Man Standing" erneut ein Highlight liefert, das das Stimmungsbarometer ordentlich in die Höhe schnellen lässt, ehe man mit "Always Will Be" dem Publikum eine kurze Verschnaufpause gönnt - und der hier von Sänger Joacim gelieferte Spruch, es wäre nun ein Song für die Mädels angesagt und die Jungs sollen währenddessen einfach mal pinkeln gehen, fällt wohl auch in die Kategorie: "Ansagen während eines Konzerts, die auf jeder einzelnen Show einer Tour genau so gebracht werden müssen." Aber sei's drum, auch solche Routinen gehören zu einer professionellen Show dazu, und diese liefern HAMMERFALL auch heute ab: Klarer, druckvoller Sound, endlich auch transparent und sauber abgemischt, das freut das Metal Heart (an dieser Stelle gibt's eine kurze Gedenkminute für U.D.O., die ja leider am selben(!) Abend in der Szene Wien aufgeigen durften - schade dass sich diese Konzerte so überschneiden mussten, gerade bei dem ohnehin vorhandenen Überangebot in der heimischen Konzertlandschaft muss sowas nicht auch noch sein). Überraschend im Set dann noch enthalten sind Tracks wie "Riders Of The Storm" und "The Templar Flame" (auf das man vielleicht zugunsten eines "Templars of Steel" hätte verzichten können), weniger überraschend dagegen Bandklassiker wie "Renegade" und "Let The Hammer Fall". Zur Zugabe schließlich lässt man sich vornehmlich aus Zeitgründen nicht lange bitten, und liefert noch mit "Glory To The Brave" (wie immer famos), "One More Time" (wie immer unnötig und kaum zündend, die wohl größte Niederlage des "Infected"-Albums) und natürllich "Hearts On Fire" (wie immer unvermeidlich) eine gut kalkulierte, aber nicht restlos begeisternde Zugabe. Alles in allem konnten HAMMERFALL aber ihren Status als eine der Speerspitzen des europäischen Metal erneut unter Beweis stellen, Gitarrist Pontus Norgren hat sich mittlerweile auch schon sehr gut in die Band eingefügt und legte einige Gustostückerln hin, und auch Fronter Joacim Cans präsentiere sich in sehr guter Form. Spielfreude merkt man den Jungs auch noch immer an, und die Pro-Wrestling-Posen von Hüne Oscar regen immer wieder zum Schmunzeln an. Um den verhältnismäßig günstigen Ticketpreis von EUR 24.- im Vorverkauf ein absoluter guter Deal und eine sehr sehenswerte Show! Danke, immer gerne wieder!

Setlist HAMMERFALL:

Patient Zero Heeding the Call Any Means Necessary B.Y.H. Blood Bound Let's Get It On Last Man Standing Always Will Be Dia De Los Muertos Riders of the Storm Renegade Steel Meets Steel Legacy of Kings Let the Hammer Fall The Dragon Lies Bleeding The Templar Flame --------------------- Glory to the Brave One More Time Hearts on Fire


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