20.10.2011, Planet.tt, Bank Austria Halle, Gasometer

WITHIN TEMPTATION

Veröffentlicht am 14.11.2011

Es ist nun schon ein paar Semester her - stolze acht Jahre, immerhin - dass ich

WITHIN TEMPTATION

rund um Frontlady Sharon Den Adel das letzte Mal live erleben durfte, damals noch auf dem MetalFest Vienna. Und ich erinnerte mich mit wenig wohligem Schaudern an fürchterlich kitschige Bühnenaufbauten, das weiße Kleid und den legendären Schlangentanz von Sängerin Sharon über die gesamte Länge des Konzerts. Dazu kam noch die mir immer etwas zu schrill vorkommende Stimme von Sharon, bei der man immer irgendwie das Gefühl hatte, sie wäre mit dem eigenen Songmaterial überfordert. Nachdem WITHIN TEMPTATION nun aber im Laufe der Jahre doch so richtig, richtig groß geworden sind, dachte ich, es wäre mal an der Zeit, den Herrschaften eine zweite Chance zu geben, und so gönnte ich mir die diesjährige Show von WITHIN TEMPTATION in der Planet Music-Halle des Wiener Gasometer. Diese ist auch beinahe zum Bersten gefüllt (gut, die Ränge sind nicht geöffnet, aber unten ist es doch sehr kuschelig), was beredtes Zeugnis für die gestiegene Popularität der Niederländer ablegt. Nun lag es aber an der Band, mich im Jahre 2011 zu überzeugen - und ich muss gestehen, WITHIN TEMPTATION legten sich an diesem Abend im wiener Gasometer echt ins Zeug. Eine beeindruckende Bühnenproduktion mit goßer LED-Wand und beeindruckender Lichtshow erwartet den geneigten Gast an diesem Abend, und der Videoscreen wird auch zu Beginn des Gigs gleich für ein sehr langes, aber stimmungsvolles Intro-Video genutzt, ehe dann die Band gleich mit "Shot In The Dark" vom aktuellen Langeisen "The Unforgiving", und schon hier bemerke ich die stilistische Veränderung, die WITHIN TEMPTATION im Laufe der Jahre durchgemacht haben. Man hat sich wegbewegt von der großen Theatralik und den düsteren Emotionen der "Mother Earth"-Phase, in der ja der erste Durchbruch gelang, und ist nun weitaus geradliniger und - ja, ich sag es jetzt - poppiger unterwegs als früher. Das tut meiner Meinung nach dem Sound von WITHIN TEMPTATION aber gut - denn wie eingangs erwähnt fand ich immer, dass Sharon, die allerdings auf der Bühne sehr sympathisch rüberkommt, mit dem opernhaften Gesangsstil früherer Tage einfach überfordert war; heute bewegt sie sich in etwas angenehmeren Regionen, die ihrer Stimme weitaus zuträglicher sind. Und auf ähnlichem Niveau rocken sich WITHIN TEMPTATION an diesem Abend durch ihr Set, das von Songs ähnlicher Stilprägung dominiert wird. Denn egal ob Tracks wie "In The Middle Of The Night", "Faster" oder "Stand My Ground" - die stets mit schönen Visuals auf der Videowall und opulenter Lichtshow untermalten Songs wandern direkt ins Ohr, fordern den Hörer aber selten wirklich zur Aufmerksamkeit. Stattdessen wird einfach gestrickte Popularmusik präsentiert, die aber gut produziert und gefällig arrangiert ist und vom Zielpublikum begeistert aufgenommen und abgefeiert wird.

Gut, bei Stimmbandbrechern wie dem unvermeidlichen "Ice Queen", dem wohl ersten großen Hit der Band, ist die gute Sharon immer noch ein wenig überfordert, aber diese für sie ungeeigneten Nummern machen anno 2011 nur mehr einen kleinen Teil des Livesets aus. Man setzt einfach auf die neueren Songs der Marke "Lost", "Sinéad" und "Iron", und liefert bei gutem (wenn auch verhältnismäßig leisem) Sounds eine routinierte, aber sehr sympathische Show mit vornehmlich leichter musikalischer Kost. Highlights sind sicher "Angels", "Deceiver Of Fools" und das schöne, abschließende "Stairway To The Skies". Fazit: Nun, ich muss zugeben, es hat sich gelohnt, WITHIN TEMPTATION nochmal eine Chance zu geben. Zwar werde ich wohl nie der große Fan der Band werden, doch gefällt mir die mehr am Mainstream orientierte neue Ausrichtung der Truppe weitaus besser als das orchestral-gotische, mit dem sie es noch zu Beginn ihrer Karriere versucht hatten, aber meines Erachtens musikalisch ein wenig überfordert waren. Jetzt haben sie aber ihren Stil gefunden, und auch wenn dieser sicher recht simpel geworden ist, so machen WITHIN TEMPTATION ihre Sache doch sehr gut und wissen ihre Fans zu unterhalten - und darum geht's ja schließlich auch. Wer also auf leichte Klänge mit einem gewissen Kitschanteil steht, und generell etwas für Female Fronted Rock übrig hat, der sollte sich WITHIN TEMPTATION live doch mal ansehen - man bekommt hier eine gute Show für sein Geld geboten.

Setlist WITHIN TEMPTATION

Mother Maiden (Film-Intro) Shot In The Dark In The Middle Of The Night Faster Fire And Ice Ice Queen The Howling Our Solemn Hour Stand My Ground Sinéad What Have You Done Iron Angels Lost Deceiver Of Fools Mother Earth -------------- tairway to the Skies


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