17.02.2012 - 18.02.0000, Cable Factory

FINNISH METAL MEETING 2012

Veröffentlicht am 24.02.2012

Finnland gilt ja als eines der Heimatländer des europäischen Metal und aus Suomi kommen ja auch einige der erfolgreichsten und populärsten Bands unserer Lieblingsmusik: Denn egal ob NIGHTWISH, STRATOVARIUS oder CHILDREN OF BODOM - der kalte Boden Finnlands ist offenbar reich an Edelmetallen und sonstigen Nährstoffen für unser Genre. Umso mehr freute es mich natürlich, als es sich zufällig so begab, dass zum gleichen Zeitpunkt meines ersten Helsinki-Besuchs vergangenes Wochenende auch die diesjährige FINNISH METAL EXPO (ja, in Finnland gibt's tatsächlich eine eigene Messe (!) zum Thema Metal) in Kombination mit dem FINNISH METAL MEETING stattfand. Da wurde natürlich nicht lange gefackelt, und euer Drachentöter begab sich in die "Kabelfabrik" im Bezirk Ruoholahti, um ein paar Eindrücke des finnischen Metal-Lebens für Stormbringer einzufangen.



FREITAG, 17.02.2012

Etwas spät angereist versäumte ich zwar leider ein paar der Shows, wie etwa jene der APOKALYPTISCHEN REITER oder ICS VORTEX, glücklicherweise erwischte ich aber perfektes Timing für die Show von PARADISE LOST. Also schnell noch zur Bar und das erste Getränk besorgt - die Schauermärchen über finnische Alkoholpreise sind im Übrigen nur bedingt wahr; zwar sind diese vor allem für Bier durchaus gesalzen, da aber das sonstige Alltagsleben in Finnland auch um eine gute Ecke teurer ist als in Österreich, fällt das in der Relation dann gar nicht mehr so auf - und dann starteten PARADISE LOST auch schon in ihr Set. Atmosphärisch dicht und vom Publikum frenetisch abgefeiert bieten die Herren Tracks wie "The Rise Of Denial", "Erased" und "Requiem" und mit "Honesty In Death" bringt man auch einen neuen Song erstmals live. Vom Bandklassiker "Draconian Times" bringt man "Forever Failure" und "Enchantment, und mit "Faith Divides Us - Death Unites Us" und "Say Just Words" endete das Program von PARADISE LOST an diesem Abend, und für euren Dragonslayer ist der Einstand gelungen; nun hieß es aber noch etwas warten für mein persönliches Highlight des Wochenendes, nämlich EDGUY.

Setlist PARADISE LOST:

The Rise Of Denial Erased Pity The Sadness Forever Failure The Enemy Enchantment Honesty In Death Requiem One Second As I Die Faith Divides Us - Death Unites Us Say Just Words Die derzeit wohl erfolgreichste Power Metal Band der Welt rund um Front-Spaßmacher Tobias Sammet enttäuscht mich an diesem Abend fast ein wenig von der Setlist her: Man vertraut doch sehr auf neues Material vom aktuellen Album "Age Of The Joker", und wenn auch Songs wie "Nobody's Hero", "The Arcane Guild" oder "Robin Hood" durchaus gefällig sind, so können sie doch nicht mit den großen Bandklassikern früherer Tage mithalten. Aber immerhin bringt man zumindest die unvermeidlichen "Tears Of A Mandrake" und "Babylon" ebenso wie "Vain Glory Opera" und "King Of Fools". Das Schlagzeugsolo von Felix Bohnke fällt dabei ebenso humoristisch angehaucht aus wie die Ansagen von Tobias Sammet, der natürlich extra oft betont, dass Helsinki die Metal-Hauptstadt der Welt ist, und das nur, und wirklich nur, in Finnland die großartigsten Fans des Heavy Metal leben. Obwohl, so ganz bestreiten kann ich das eigentlich nicht... Ansonsten präsentiert sich Tobi gut bei Stimme, und auch seine restliche Truppe agiert mit viel Spielfreude. Neben "Ministry Of Saints" und "Lavatory Love Machine" darf natürlich mit "Save Me" auch eine Ballade im Set einer EDGUY-Show nicht fehlen, ehe man sich mit "Superheroes" in die Zugabe verabschiedet. Alles in allem ein unterhaltsamer Gig von EDGUY, wenngleich ich von "Age Of The Joker" abgesehen von "Robin Hood" doch lieber ein paar andere Songs gehört hätte. Nun ja, man darf gespannt bleiben, was uns die Jungs im Rahmen ihrer Show beim diesjährigen Masters Of Rock präsentieren werden.

Setlist EDGUY:

Nobody's Hero The Arcane Guild Tears Of A Mandrake Rock Of Cashel Lavatory Love Machine Robin Hood Drum Solo Ministry Of Saints Save Me Babylon Superheroes ------------ Vain Glory Opera King Of Fools

SAMSTAG, 18.02.2012

Am zweiten und letzten Tag der FINNISH METAL EXPO begab ich mich dann allerdings schon recht früh aufs Gelände der Kabelfabrik, um möglichst viele Eindrücke der FME mit nach Hause nehmen zu können. So füllen sich bereits gegen 15.30 Uhr die Hallen, und direkt vor der großen Main Stage hat sich schon eine kleine Menschentraube versammelt - sollen doch die großartigen EVERGREY den heutigen Band-Reigen eröffnen. Und die Mannen rund um Sangesgott Tom Englund tun dies auch in fulminanter Weise. Bei erneut wunderbar transparentem Sound kommen die zahlreichen mehrstimmigen Gesänge erstklassig zur Geltung, insbesondere Gitarrist Marcus Jidell liefert einige Gustostückerl seines Könnens, und das Songmaterial von EVERGREY ist sowieso über sämtliche Zweifel erhaben: Egal, ob man den Opener "Leave It Behind Us" hernimmt, oder das atmosphärische "Blinded"; egal ob das druckvolle "The Masterplan" oder die Ballade "I'm Sorry" - die Schweden werden hier zu Recht lautstark abgefeiert, und mit einer Zugabe bestehend aus "Recreation Day", "Broken Wings" und natürlich "A Touch Of Blessing" bleiben beim Publikum kaum Wünsche offen. Die wohl großartigste Show des gesamten Wochenendes, da ist es fast schade, dass EVERGREY zu dieser unchristlichen Zeit bereits antreten mussten.

Setlist EVERGREY:

Leave It Behind Us Monday Morning Apocalypse Wrong Blinded Rulers Of The Mind The Masterplan I'm Sorry Frozen --------- Recreation Day Broken Wings A Touch Of Blessing

Die anschließenden Shows von GHOUL PATROL und AMORAL auf der Main Stage schenkte ich mir dann allerdings zugunsten einer Besichtigung des "Expo"-Teils der Veranstaltung: Gut, mehrere riesige Hallen voll von Metal-affinem Kleinod darf man sich nicht erwarten, aber gute zwanzig Stände gibt's dann doch, und von Plattenlabels über Merchandise-Shops bis hin zu Konzertveranstaltern und Musik-Stores ist alles vertreten, was den geneigten Metal-Fan interessieren könnte; und für das leibliche Wohl sorgt ein charmantes Ständchen, an dem es Hamburger, Pommes Frites und dergleichen mehr gibt. Bei den FINNISH METAL AWARDS selbst gehen diesmal überraschend TURISAS als die großen Sieger hervor, und lassen dabei sogar NIGHTWISH hinter sich, aber ehe es Zeit für deren Headliner-Show ist, schaue ich mir auf der Second Stage auf Empfehlung einer netten finnisch-amerikanischen Bekanntschaft lieber SINISTHRA an - denn hier agiert niemand geringerer als AMORPHIS-Fronter Tomi Joutsen als Sänger, und so nimmt natürlich auch der Andrang vor der kleineren Bühne plötzlich deutlich zu. Zwischendurch verzieht sich euer Dragonslayer dann auch mal in die VIP-Area, wo es noch ein paar Vorträge zu einigen interessanten Themen gibt: So präsentieren etwa die Organisatoren der derzeit immens populären Metal-Cruises wie der Sweden Rock Cruise, 70.000 Tons Of Metal und Spinefeast At Sea ihre Projekte, und auch Elias Raam des neuen Musik-Streaming-Dienstes steht Gunnar Sauermann vom deutschen Metal Hammer Rede und Antwort.

Schließlich wird es aber dann doch Zeit für den Headliner des Festivals, und für TURISAS wird das natürlich ein fulminantes Heimspiel: Gute 2.000 begeisterte Fans feiern ihre Helden hier lautstark ab, und Tracks wie "The March Of The Varangian Guard", "Take The Day" und natürlich "Battle Metal" sorgen für sensationelle Stimmung von Anfang bis Ende des Sets der finnischen Viking-und-Folk-Metaller. Hier bleibt natürlich kein Stein auf dem anderen, und TURISAS liefern sicher die stimmungstechnisch beste Show des Festivals. Hut ab, und gerne wieder!

Setlist TURISAS:

The March Of The Varangian Guard Take The Day! To Holmgard and Beyond The Dnieper Rapids One More The Great Escape A Portage To The Unknown Battle Metal End Of An Empire So beliebt die abschließenden STAM1NA beim heimischen Publikum in Finnland auch sein mögen, muss ich mich dann leider doch vor deren Show vom Gelände der Kabelfabrik verabschieden; nichtsdestoweniger bleiben verklärte Erinnerungen zurück: Die Finnen sind ein richtig nettes Volk, und für den Metal gibt's dort halt auch eine richtig nette Community - dort ist immerhin so etwas wie eine "Metal Expo" überhaupt möglich; hierzulande im diesbezüglich faden, um nicht zu sagen, ignoranten Österreich wäre so etwas ja undenkbar. Wenn man sich dann noch vor Augen hält, dass Finnland mit nur etwa 5,5 Millionen Einwohnern auch noch eine deutlich geringere Bevölkerung aufzuweisen hat, wird es nur noch unverständlicher, wie Metal dort so einen großen Stellenwert haben kann, hierzulande aber so geradezu übersehen wird.

Gut, die finnischen Preise sind zwar ebenso hart wie der Winter dort, aber dafür sind die Leute um so netter - und wenn du dann noch an jeder Ecke überdurchschnittlich gutaussehende Menschen (vornehmlich Damen) antriffst, und sogar die Wurstwarenfachverkäuferinnen in Helsinki aussehen wie Models, dann fragst du dich langsam schon, warum genau du eigentlich in Österreich bleibst.(Beschwerden unserer hübschen weiblichen Leser bitte per Private-Message an den Drachentöter! - Anm. d. Red.) Na gut, ganz so schlecht geht's uns hier ja auch nicht - aber im Vergleich zur Hochburg des Metal in Finnland können sich die Österreicher - in jedem Sinne - warm anziehen! Mich hat Finnland jedenfalls restlos überzeugt, und diesmal war uns ja auch der Wettergott wohlgesonnen: Bei gemütlichen Temperaturen um die 0°C, die für finnische Verhältnisse ja wirklich äußerst mild waren, ließ es sich in Helsinki schon ganz gut leben. Zwar klafft nun ein recht amtliches Loch im Geldbeutel, aber das war's allemal wert - und spätestens zur FINNISH METAL EXPO 2012 ist das ja dann eh wieder geschlossen. Wenn ihr also die Möglichkeit habt, schaut euch Finnland an - und wenn ihr dabei noch das eine oder andere Konzert einschieben könnt, umso besser! Und so schließt nun euer Drachentöter diesen Bericht mit Worten, wie sie nur ein Österreicher richtig betonen kann: "I'll Be Back."


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