10.04.2012, Wiener Stadthalle (Halle D)

DAVID GARRETT

Veröffentlicht am 16.04.2012

Er mag ja ein bisschen sowas wie der André Rieu unserer Generation sein, dennoch ist es auch für den Rock- und Metal-affinen Hörer ein Erlebnis, DAVID GARRETT live zu erleben. Unlängst bot sich dazu gute Gelegenheit, gastierte doch der in Deutschland geborene Ausnahmegeiger, der bis 2010 immerhin auch einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde für die schnellste Interpretation von Rimski-Korsakows Hummelflug verzeichnen durfte, mit seiner neuen Tour "Rock Anthems" in Wien. Und mit einer amtlichen Rockhymne legte der gute David auch gleich los: "Welcome To The Jungle" leitet ein mit Rock- und Klassik-Klassikern gespicktes Set sein, das der talentierte Saitenzauberer vor beeindruckender Kulisse in der fast bis auf den letzten Platz ausverkauften Stadthalle präsentiert. Betont lässig zeigt sich dabei der Maestro selbst, in Jackett, dafür mit der wohl unvorteilhaftesten Jogging/Pyjama(?)-Hose, die ich je abseits von "Saturday Night Fever" auf ATV gesehen habe, und legt dann mal moderner ("Cry Me A River"), mal traditioneller mit einer wirklich starken Performance von "Live And Let Die" nach.

Hübsch anzusehen sind neben dem Wunsch-Schwiegersohn wohl zahlreicher Gäste selbst an diesem Abend auch noch vier Tänzerinnen sowie gelegentliche Nebel- und Feuereinlagen, die das Rock-und-Orchester-Spektakel abrunden. Ein Kompliment an die Backing-Band und die Neue Philharmonie Frankfurt darf an dieser Stelle auch angebracht sein; die Damen und Herren liefern nämlich eine rundum perfekte Show und bieten Herrn Garrett eine mehr als angemessene Plattform, um sein zugegebenermaßen auch durchaus sehenswertes Violinenspiel zu präsentieren. Denn egal ob bei BILLY JOEL's "Leningrad", "Human Nature" von MICHAEL JACKSON oder "Groovy Kind Of Love", das vor allem von PHIL COLLINS durch "Buster" bekannt gemacht wurde - die Interpretationen und Arrangements von Garrett sind stimmig, wobei natürlich der Hörer nicht überfordert werden soll - ein wenig mehr Ernsthaftigkeit und Detailverliebtheit hätte da etwa der Version von "Pirates Of The Carribean" gut getan; da will selbst bei diesem so beliebten Stück der Funke nicht so richtig überspringen. Dies lässt sich aber schnell verschmerzen, legt der Maestro doch dann wieder klassisch-rockig mit dem LED ZEPPELIN-Gassenhauer "Kashmir" formidabel nach, und bringt mit "1000 Battles" auch seine irischen Wurzeln ein bisschen ins Spiel. Ein paar wirklich klassische Einlagen gibt's auch - etwa das Scherzo aus Beethovens Neunter, dem "Säbeltanz" von Chatschaturjan oder auch dem bekannten italienischen Volkslied "Funiculi Funicula" von dem man ja auch schon unzählige Versionen gehört hat. Freilich, die ganz schwere Kost wird an diesem Abend nicht ausgepackt - aber darum geht's ja auch nicht.

Stattdessen vergnügt sich DAVID GARRETT mit einer von einem unterhaltsamen Video hinterlegten Interpretation des "James Bond Theme" ebenso wie mit einer mittels Sample-Pad zunächst alleine vom Maestro eingespielten Version von COLDPLAYs "Viva La Vida" und einem doch sehr schnulzigen Moment mit BON JOVIs "Thank You For Loving Me", bei dem auch noch Dankesnachrichten an seine Crew auf der überdimensionierten LED-Wand im Hintergrund eingeblendet werden. Naja, den schwelgerischen Wunsch-Schwiegermüttern wird's wohl gefallen haben. Und er kann sich halt schon sehr gut selbst inszenieren, der gute Herr Garrett, und weiß auch, was seine Fans sehen wollen: So wird dann für "Stop Crying Your Heart Out" auch eine Dame aus dem Publikum - Claudia mit Namen - auf die Bühne gebeten, wo Maestro Garrett dann "nur für sie" diesen Song auf einer extra dafür bereitgestellten Couch darbringt. Ja, da setzt der Herzschlag schonmal kurz aus - Garrett aber, ganz der Profi, lässt sich auch von zaghaften Umarmungen der erwählten Dame nicht aus dem Konzept bringen, und beendet auch diesen Song souverän.

Schließlich wird's zum Ende hin nochmal rockiger mit "Highway To Hell", welches die Band ausnahmsweise ohne Garrett'scher Beteiligung darbietet, ehe dann der Meister zu NIRVANAs "Smells Like Teen Spirit" einen auf PAUL STANLEY macht, und während seines Spiels einmal quer durch die Halle fliegt. Und wenn dann als Rausschmeißer noch Songs wie QUEENs unsterbliches "We Will Rock You", der JOHN MILES-Klassiker "Music" und "Let It Be" von den BEATLES gebracht wird, dann geht nach über zwei Stunden Nettospielzeit wohl wirklich jeder Fan begeistert nach Hause.

Fazit: Klar, es ist Unterhaltung für die breite Masse, die DAVID GARRETT mit seinen Crossover-Alben zelebriert; aber wie der bereits angesprochene André Rieu schon gezeigt hat, das Konzept geht auf - und wenn man dann neben musikalischem Talent auch noch ein so smartes Auftreten hat wie DAVID GARRETT, dann lässt sich das Gesamtpaket natürlich hervorragend vermarkten. So ist die "Rock Anthems"-Tour von DAVID GARRETT sicher auch für Freunde der etwas härteren Klänge sehenswert, wobei aber gesagt werden kann, dass man wohl bei seinen reinen Klassik-Touren mehr von seinem Spiel hat - bei vielen der adaptierten Poposongs kann er seine spielerischen Fähigkeiten gar nicht wirklich demonstrieren, und so blitzen diese eben eher bei den "richtigen" Klassik-Stücken durch. Nichtsdestoweniger bietet DAVID GARRETT auch auf seiner neuen Tour wieder vergnügliche und kurzweilige Unterhaltung, die zu keinem Zeitpunkt überfordert und so auch die teilweise doch recht stolzen Preise rechtfertigt. Sollte man gesehen haben!


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