05.05.2012, TIPS Arena Linz

JUDAS PRIEST "Farewell Tour"

Veröffentlicht am 09.05.2012

Legenden sterben nie, so sagt man, und so versuchten auch wir dieser Tage, eine der letzten wahren Legenden der Metalszene noch ein wenig länger am Laufen zu halten: Denn die Herren von JUDAS PRIEST gaben sich auf ihrer "Epitaph"-Tour, die zugleich deren letzte große Welttournee sein soll, noch einmal in Linz die Ehre. Und dass sich der geneigte Freund des klassischen Schwermetalls solch ein Großereignis nicht entgehen lässt, ist natürlich klar. Mit dabei hatten die Gentlemen rund um Fronter Rob Halford auch diesmal wieder THIN LIZZY, die ja auch schon beim Wien-Gig im vergangenen Jahr nebst WHITNESNAKE Unterstützung geliefert haben. Die weiße Schlange rund um David Coverdale ist diesmal zwar nicht mitgereist, das sollte sich aber in anderer Hinsicht durchaus als positiv erweisen. Doch zunächst durften natürlich THIN LIZZY ran, und die brachten eine ähnlich erdige Rock-Show wie schon in Wien: Relativ schnörkellos ohne viel Extravaganz und Tamtam spielte man sich durch groovende Rocker der Marke "Jailbreak" und "Killer On the Lose", lieferte das unvermeidliche "Whiskey in the Jar" genauso wie das immer noch sehr beliebte Rosalie, und endete mit einer Back-to-Back Performance des "Cowboy Song" und natürlich "The Boys Are Back In Town".

Abgefeiert wurden THIN LIZZY dabei auch wieder amtlich, wenngleich die Show in Wien im vergangenen Jahr ein wenig druckvoller war; auch gab's diesmal ein paar Rumpler im Gebälk zu bemerken, und die Band schien nicht immer ganz tight zu sein. Dennoch legte sich die Truppe ordentlich ins Zeug, um das leider nur spärlich angereiste Linzer Publikum auf Betriebstemperatur für etwas britischen Stahl zu bekommen.

Setlist THIN LIZZY:

Are You Ready Jailbreak Killer On The Loose Don't Believe a Word Whiskey in the Jar Suicide Rosalie Black Rose Cowboy Song Als anschließend nach einer doch formidablen Umbauphase der große rote "Epitaph"-Vorhang fällt, und die legendären schleppenden Riffs von BLACK SABBATHs "War Pigs" die wohl letzte Show der legendären Mitbegründer des Heavy Metal und der NWoBHM aus Birmingham einläutet, überkommt den geneigten Gast eine ungewöhnliche Gefühlsmischung: Einerseits ein wenig Nostalgie, einerseits ein wenig ängstliche Spannung - wird es die Metal-Legende schaffen, den starken Gig vom Vorjahr zu wiederholen?

Und als dann JUDAS PRIEST schließlich gleich mit einem "Rapid Fire" und "Metal Gods"-Doppelpack loslegen, ist schnell klargestellt: "The Priest Is Back"! Denn schon wie in Wien 2011 lassen auch heute JUDAS PRIEST nichts anbrennen, und liefern ein mit Klassikern gespicktes Set, das soviele Hymnen enthält, die eigentlich synonym mit "Heavy Metal" sind, wie es wohl daneben nur noch IRON MAIDEN und METALLICA vorweisen können. Denn neben alten Rockern der Marke "Heading Out To The Highway" und "Starbreaker" stehen den Priestern auch Kracher jüngerer Generation wie "Judas Rising" und "Prophecy" vom "Nostradamus"-Album gut zu Gesicht. Aber die Highlights sind und bleiben natürlich gewisse unsterbliche Tracks, ohne die eine JUDAS PRIEST-Show einfach nicht stattfinden kann. Und derer gibt es auch in Linz zuhauf: "Victim Of Changes" ist hier genauso dabei wie das beliebte JOAN BAEZ-Cover "Diamonds & Rust", gute Stimmung kommt bei "Nightcrawler" und "Turbo Lover" auf, atmosphärisch dicht wird es bei "Beyond The Realms Of Death". Hauptkritikpunkt vieler jüngerer JUDAS PRIEST-Songs war ja die Konstitution von Rob Halford, der im fortgeschrittenen Alter von stolzen 60 Jahren natürlich nicht mehr all die stimmlichen Möglichkeiten hat, wie manch jüngerer Kollege, der aber an diesem Abend - genauso wie in Wien knapp ein Jahr zuvor - sich dennoch ordentlich ins Zeug legt, gut gelaunt wirkt und auch so manchen spitzen Schrei wie "in alten Zeiten" zum Besten gibt.

Und als es dann mit "The Green Manalishi" in die Endphase des regulären Sets geht, die spektakuläre Laser-, Licht- und Feuershow nochmal zulegt und dann mit wohl DER definitiven PRIEST-Nummer "Breaking The Law", die Rob Halford gänzlich vom Publikum singen lässt, die Stimmung ihren Höhepunkt erreicht, kann getrost gesagt werden: JUDAS PRIEST haben's immer noch drauf. Schließlich legt man dann sogar noch mit dem "Painkiller" nach, der von Scott Travis mit einem kurzen Drumsolo zunächst angeteased und dann mit der traditionellen Drum-Kanonade eingeläutet wird, und sogar dieser Stimmbandbrecher wird von Rob Halford tapfer absolviert - auch wenn man hier natürlich schon ein paar Abnützungserscheinungen feststellt. Danach verabschieden sich die Priester kurz hinter die Bühne, um aber gleich mit dem von "The Hellion" obligatorisch eingeläuteten "Electric Eye" zurück auf die Bühne zu kommen, und dann die erste Zugabe mit "Hell Bent For Leather" und "You've Got Another Thing Coming" etatgemäß inklusive kleiner Österreich-Fahne in Händen von Rob Halford zu beenden.

Schließlich fragt noch Drummer Scott Travis nach erneutem Abgang der Band, ob wir denn nicht noch einen Song hören wollen - und nach lautstarker Antwort der etwa 4.000 Fans an diesem Abend gibt's natürlich noch das famose "Living After Midnight" als Rausschmeißer zum Drüberstreuen. Fazit: Es war ein durchaus auratisches Erlebnis, die lebende Legende JUDAS PRIEST noch einmal in Aktion - und noch dazu in Bestform - zu erleben. Vielleicht war die Show im vergangenen Jahr in Wien noch einen Tick besser, dafür gab's diesmal ein unglaubliches Set, und JUDAS PRIEST rockten sich durch mehr als zweieinhalb Stunden (!) Nettospielzeit - sowas gibt's heutzutage ja kaum mehr von Bands zu sehen, und dafür gebührt den alten Herren ordentlich Respekt. Da sieht man einfach die alte Schule nochmal durchblitzen. Wer also die Möglichkeit hat, JUDAS PRIEST noch einmal auf dieser vielleicht letzten großen Tour zu sehen, der möge dies unbedingt tun - man bekommt jedenfalls viel für sein Geld geboten.

Setlist JUDAS PRIEST:

Rapid Fire Metal Gods Heading Out to the Highway Judas Rising Starbreaker Victim of Changes Never Satisfied Diamonds & Rust Dawn of Creation Prophecy Night Crawler Turbo Lover Beyond the Realms of Death The Sentinel Blood Red Skies The Green Manalishi (With the Two Pronged Crown) Breaking the Law Painkiller ---------- The Hellion Electric Eye Hell Bent for Leather You've Got Another Thing Comin' ---------- Living After Midnight


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