05.07.2012, Festung Kufstein

JETHRO TULL - Thick As A Brick

Text: mat
Veröffentlicht am 07.07.2012

It's a honour! Das ist der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, als ich an die britische Progressive Rock-Band JETHRO TULL und deren Mastermind Ian Anderson dachte. Seit über 40 Jahren ist der Mann bereits mit Querflöte, Gitarre und Mikro unterwegs und unterhält ein globales Publikum mit einer Mischung aus lässigen Hard Rock-Elementen, Folk-Stilistiken und die seiner Musik eigenen Rhythmuswechseln, die manchmal für aufgehende Herzen, ein anderes Mal für fragende Gesichter und rauchende Köpfe sorgen. Nachdem bereits 1968 JETHRO TULLs Debütalbum "This Was" erschien, ging es mit der Karriere der Band bereits 1971 und dem hervorragenden "Aqualung" steil aufwärts. Grund genug, um 1972 ein Konzeptalbum namens "Thick As A Brick" zu veröffentlichen, das lediglich aus einem überlangen Song bestand und die Geschichte eines hochbegabten Kindes erzählt, das in seiner Zeit nicht ganz zurecht kommt. Alles in allem ein wildes Sammelsurium an Melodiebögen, Stilbrüchen, Querflötenorgien und wunderschönen Bridges - ein Album, das aufgrund seiner Machart irgendwie einzigartig ist!

Knappe vier Jahrzehnte später ist es nun also soweit und Ian Anderson hat vor kurzem den zweiten Teil dieser Geschichte als Audiopaket veröffentlicht und das Jubiläum der Scheibe als Anlass genommen, um diese kleine Rock-Oper in Gänze live aufzuführen. Der Auftakt seiner Europa-Tournee fand in Montreux/Schweiz statt und führte ihn über das tschechische Loket ins beschauliche Kufstein in Tirol. Eine passendere Location hätte man für die Musik JETHRO TULLs wahrscheinlich gar nicht finden können. Auf der wunderschönen Kufsteiner Festungsarena, unter freiem Himmel und bei herrlichem Wetter präsentierten die fünf Musiker, die unter dem Banner JETHRO TULL auftreten, die gesamte "Thick As A Brick"-Story (beide Teile) und zwei, drei weitere Highlights aus den restlichen Alben der Band. Nachdem wir aufgrund eines Staus auf der Autobahn den kurzfristig gebuchten Support SERENITY, der meiner Meinung nach (so gut die Musik SERENITYs auch ist) nicht ganz zu Ian Anderson und Co gepasst hat, versäumten, startete das Konzert um Punkt 21.00 Uhr. Mit vollem, voluminösem, aber immer stimmigem Sound spielte die Band ihre immens komplexen und langen Kompositionen nahe der Perfektion herunter. Dem Publikum blieb aufgrund der umfangreichen Songstrukturen nur wenig Raum zum Durchatmen, denn Anderson wechselte stakkatoartig zwischen Flöte, Gitarre und Mikro und wandelte unbeirrt in seiner typischen Rumpelstilzchen-Haltung über die Bühne. Die vorrangig älteren BesucherInnen gingen dabei gut mit und zeigten sich von der immer noch anhaltenden Spielfreude des Mr. Anderson begeistert.

Und das war auch gut so, denn der 1947 in Schottland geborene Anderson war fit wie ein Turnschuh und spielte ohne Pause eine immens kräfteraubende Setlist. Auch wenn der Mann nicht gerade sehr redefreudig ist, herrschte in der Festungsarena gute Stimmung vor. Und das, obwohl JEHTRO TULLs Musik alles andere als massentauglich ist. Komplex, sperrig, ohne eingängige Refrains oder dauernd wiederkehrende Elemente ist vor allem das "Thick As A Brick"-Opus sehr intellektuell geraten und umso schwieriger ist es, die Aufmerksamkeit des Publikums über Konzertlänge zu halten. Irgendwie ist es JETHRO TULL aber gelungen, die Fans bei Laune zu halten, denn die gut eineinhalb Stunden Spielzeit vergingen auf den Kasematten wie im Flug und schon waren die letzten Töne von "Locomotive Breath" ausgeklungen. Ein schöner Konzertabend, der perfekt umgesetzt, wenn auch manchmal etwas schwer zu verdauen war, ging in Kufstein zu Ende! Ausgezahlt hat es sich aber auf alle Fälle, die schottische Querflöten-Legende im Herbst seiner Karriere noch einmal live zu sehen...


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