05.07.2012, Viper Room

SAINT VITUS

Text: Reini
Veröffentlicht am 09.07.2012

Ein mehr als lauer Sommerabend wäre nicht unbedingt für eine Doom Metal Show geeignet, sollte man meinen, aber eine der Legenden dieses Genres straften an diesem heißen und schwülen Donnerstagabend alle Zweifler lügen. SAINT VITUS beehrten mit ihrer aktuellen Europa Headliner Tour auch die Bundeshauptstadt und schlugen im Wiener Viper Room auf. Mit im Gepäck die Weinviertler Funeral Doomster VORTIGAN und die weit fröhlicheren Ungarn von MAGMA RISE. VORTIGAN legten in Dreierbesetzung gleich einen zünftigen Doomteppich und im Gegensatz zu den zwei noch folgenden Bands, zogen die Drei aus dem Weinviertel diesen auch konsequent durch. Der Bass metertief in die Magengrube bohrend, die Vocals mehr als dezent, dann aber mächtig hoch Drei eingesetzt, sowie ein massives Schlagzeug dienten als solides Gerüst, welches vom Publikum nicht nur mehr als wohlwollend aufgenommen wurde, sondern auch ein dickes Ausrufezeichen der heimischen (Funeral) Doomszene war. Feiner Gig!

Weit lebensbejahender und auch flotter im Tempo agierten die Vier Ungarn von MAGMA RISE. Oft konnte man – wenn man den Blick von der Bühne weg wagte – annehmen, wir hätten es hier mit einer leicht gedrosselten (vom Tempo her) Version von LIFE OF AGONY zu tun. Gerade Sänger (und Bassist) Gábor Holdampf klang des Öfteren nach Keith (?) Minor (?) Caputo und zog allein ob dieser Ähnlichkeit vermehrt die Aufmerksamkeit auf sich. Die gebührt aber auch ex-NECK SPRAIN Schlagwerker Sándor Bánfalvi, der während des gut 50 Minuten dauernden Gigs nicht nur einmal zum Hulk mutierte. Auch MAGMA RISE muss man einen feinen Auftritt attestieren, zwar komplett anders, weil zigmal fröhlicher als die Opener, aber trotzdem gut.

Nach kurzem Warten erschien dann jene Legende, die nicht nur einmal schon als Vorreiter des Doom Genres genannt wurden. SAINT VITUS, in der klassischen Besetzung mit Rauschebart Dave Chandler und dem Hypersympathischen Scott Wino Weinrich on Vocals. Auch Original Basser Mark Adams schleppt nach wie vor seine ansehnliche Bierplautze auf die Bühne und seit 2009 werkelt mit Henry Vasquez ein Mann hinter dem Schlagzeug, der mindestens nur halb so jung wie Chandler/Weinrich/Adams ist, dafür aber locker das doppelte auf die Waage bringt wie die Drei vor ihm. Ein neues Album (das erste seit 17 Jahren und das erste mit Weinrich on Vocals gar seit sage und schreibe 23 Jahren) hatten SAINT VITUS auch mit auf Tour. Das nennt sich „Lillie: F-65“, erschien via Seasons of Mist Records im Mai dieses Jahres und wurde natürlich auch gleich adäquat promotet. Der wohl besten Song des Albums, „Blessed Night“, diente als idealer Einstieg und sofort wurde augenscheinlich, dass gerade Dave Chandler weit fitter wirkte als im Frühjahr 2010, als SAINT VITUS in einer fast schon besorgniserregend vollen kleinen Arena Halle aufgeigten.

In weiterer Folge wurde die neuen Stücke (vier an der Zahl) dann schön unter die alten Hadern gemischt, gerade der Doppelschlag „Let Them Fall“ und „Bleeding Ground“ zeigte, dass sich das neue Material zu keiner Sekunde hinter Klassikern der Sorte „I Bleed Black“, „Living Backwards“ (beide vom 90er „V“ Album), oder den „Born Too Late“ Hämmern „Clear Windowpane“ bzw. „Dying Inside“ zu verstecken brauchen. Überraschend, dass Wino auch die Scott Reagers Phase intonierte, so gab es sowohl „White Stallions“ und „Mystic Lady“ von „Hallow’s Victim“, als auch den Titeltrack des 84er Debütalbums zu bestaunen. Aussehen tun SAINT VITUS ja sowieso wie wenn die Kerle seit Jahrzehnten in einer Hippiekommune konserviert wurden. Mark Adams mit einem Aktionsradius gleich einem Bierdeckel versehen, Wino’s Jean hing derart tief, dass man bei jeder Rückenansicht auch gleich die Arschritze präsentiert bekam und Dave Chandler ist sowieso eine Kultfigur und ein wahrer Meister an der Gitarre, der seinem Instrument ebenso schräge, wie wahnwitzige Töne entlockte. Nach gut 75 Minuten gab es dann zum nach Hause gehen noch den SAINT VITUS Klassiker schlechthin – „Born Too Late“ vom gleichnamigen, 1986 erschienen Album und die einzige Frage, welche mich auch am Heimweg noch ein wenig beschäftigte: Warum habt ihr Kerle keinen einzigen Track von „Mournful Cries“ rausgehauen? Sonst aber Hammergig einer Band, die viele (zugegeben auch ich) schon längst in den Annalen der Rockmusik gewähnt hatten.

Setlist SAINT VITUS, Viper Room Vienna, 05.07.2012: Blessed Night I Bleed Black Clear Windowpane Let Them Fall The Bleeding Ground Living Backwards Look Behind You The Waste of Time White Stallions Mystic Lady Saint Vitus Dying Inside Born Too Late


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