05.07.2012 - 07.07.2012, VAZ St. Pölten

EXTREMEFEST Austria

Text: Vár
Veröffentlicht am 12.07.2012

Das Extremefest Austria hat schon im Vorfeld für einige Berichterstattung gesorgt, sei es wegen (christlichem) Protest oder der Änderung des Veranstaltungsortes. Die Aussage des St. Pöltner Diözesanbischofs DDr. Klaus Küng wurde zum vielfältigen Stichwortgeber an den Festivaltagen. Neben „Ich bete“- Plakaten an den Merchständen wurde sie auch in der einen oder anderen Anmoderation aufgegriffen. Mit dem neuen Austragungsort, dem VAZ-Gelände in St. Pölten wurde ein „wunderschönes und wetterfestes Open Air Gelände“ versprochen und auch durchaus geboten. Die Anfahrt gestaltete sich dank zentraler Lage an der Westautobahn und mit geringer Entfernung zum Stadtkern sowohl für die Anreise mit Zug als auch mit dem Auto als unproblematisch. Selbst der Weg vom hintersten Winkel des Campinggeländes zu den Bühnen konnte nicht als lang bezeichnet werden. Ebenso ließen sich die Einkaufsmöglichkeiten um das Gelände zu Fuß rasch erreichen. Essen und Getränke waren auch am Gelände reichlich vorhanden, wenn auch, gerade was das Mineralwasser im Bühnenbereich betrifft, nicht sonderlich günstig. Hingegen kann man den Ticketpreis für die drei Tage und dieses Line-Up als recht moderat bezeichnen. Einen Besuch der Duschanlagen konnte man sich mitunter sparen und den nahe gelegenen Fluss besuchen, um auch etwas Abkühlung zu finden, denn das Wetter zeigte sich vor allem an den ersten Tagen von seiner schönen Seite. Strahlender Sonnenschein und heiße Temperaturen ließen mich aber zuerst etwas zweifeln, ob die Wahl von überdachten Bühnen in einer Halle so klug war. Zum Glück war dies unberechtigt, und die Temperaturen innerhalb der Halle waren erträglich. Die Wasserleitung am Eingang kam aber doch mehrmals sehr gelegen. Dank dieser Location konnte auch der kleine Regenschauer am letzten Abend das Konzertvergnügen nicht im mindesten trüben. Weniger positiv war aber der Schotterboden am Campingplatz, auf dem sich nur ganz wenige Fleckchen mit etwas Wiese fanden. Außerdem hätte man den zweiten und größeren Teil der Fläche schon am Vormittag aufsperren lassen sollen. Einige später angereiste Gruppen mussten vor dem versperrten Tor warten, bis der Schlüssel endlich aufgetrieben wurde. Nach einer Weile waren dann aber auch die Zeltheringe in den widerspenstigen Boden eingehämmert und mein Festival startete mit ARAFEL.

Die spannenden Arrangements von ARAFEL zwischen schwarzmetallischer Härte und wirkungsvollen Melodien überzeugen auch live, wobei der gute Sound auf der Hauptbühne dem nicht hinderlich war. Das setzte sich zum Glück auch an den folgenden Tagen fort, und sogar bei der Nebenbühne gab es kaum etwas am Sound zu bemängeln. Etwas später wurde auf der Nebenbühne ein Skelett am Mikrofon angebracht und kurz darauf begannen SELBSTENTLEIBUNG mit ihrer Show. Mit dem wortkargen Tötung am Mikro tauchten sie die kleine Bühne in eine ganz eigene Atmosphäre. Im Anschluss schmückten auch BELPHEGOR die Hauptbühne mit skelettierter Deko. Nach einem mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt und Rehabilitation von Fronter Helmuth spielte die Band 2012 erstmals wieder Konzerte nach der Zwangspause. Allerdings konnte man sie diesmal mit einer ungewöhnlichen Zusammensetzung auf der Bühne sehen, denn Helmuth war noch nicht völlig genesen und daher nur für die Gitarrenklänge zuständig. Den Gesang übernahm Bloodbrother Barth, der stimmlich völlig überzeugen konnte. Es handelte sich sichtlich um ein eingespieltes Team. Dennoch entfaltete sich nicht die gewohnte brachiale Gewalt, eine Form, zu der BELPHEGOR aber sicher bald wieder zurückfinden wird. Vielleicht hätten auch etwas mehr „Klassiker“ in der Songauswahl für den Auftritt gut getan. Auf der Nebenbühne konnte ich noch die letzten Songs von SPASM miterleben. Der Sänger im grünen Mankini ist ein ganz eigener Anblick. Mit extensiven pig-squeals begeisterten SPASM die dichtgedrängte Menge. Auch auf der Bühne sollte bald kein Millimeter mehr Platz sein, denn zum Schluss holte man einige Goregrind-Fans noch auf die Bühne, um zum letzten Song so richtig Gas zu geben. Kontrastreich ging es mit dem Pagan Metal von RIGER weiter. Sogleich verbreitete sich eine epische Stimmung und Titel wie „Des Blutes Stimme“ fesselten das Publikum. Kraftvolle Rhythmen überzeugten, wie die abwechslungsreiche Stimme von Ingo Tauer, mit der noch die eine oder andere Hymne dargeboten wurde. Nach RIGER konnte ich noch das Ende von SUICIDE SILENCE sehen. Auch sie holten ihre Fans auf die große Bühne, die nicht weniger gefüllt war als bei SPASM. Zum Glück war der Weg zwischen Haupt- und Nebenbühne sehr kurz, denn die Running Order war so gestaltet, dass gerade Bands des gleichen Genres oft parallel spielten. So war es aber zumindest gut möglich, die Bühne nach der Hälfte des Auftritts zu wechseln, ohne allzu viel zu verpassen. Nach einer kleinen Pause endete der erste Festivalabend mit dem soliden, wenn auch nicht überwältigenden Auftritt von FORGOTTEN TOMB.

Der Freitag startete, nach einem Kurzbesuch bei ROMPEPROP, bei denen es dann doch kleinere Soundprobleme zu geben schien, mit OUTRAGE. Die österreichische Death Metal Band konnte sich schon einen Namen machen. Auch am Extremfest wurden sie diesem mit einem mitreißenden Auftritt gerecht. Zu einer durchmischten Songauswahl konnte das Publikum ausgiebig die Köpfe kreisen lassen. Nach diesem energiegeladenen Auftritt ging es nicht weniger motiviert weiter mit MILKING THE GOATMACHINE. Die Band schürte schon im Vorfeld die Vorfreude auf ihren Auftritt auf dem Extremefest mit einem Videoclip und wie versprochen, konnten die Fans der Ziegenherde ein exklusives Bandshirt erwerben. Der Auftritt ließ auch nicht viel zu wünschen übrig. Wie üblich maskiert, heizte man der Menge vor der Bühne ein, denn MILKING THE GOATMACHINE haben nicht nur einen gewissen visuellen Unterhaltungsfaktor und eine kreative Hintergrundgeschichte, sondern mit Titeln wie „Goat on the Water“ oder „More Humour Than Human“ auch musikalisch etwas zu bieten. Auch wenn man am Auftritt von IMPERIUM DEKADENZ nur schlecht etwas kritisieren kann, wechselte ich doch rasch zu ARKONA, die ihren Fans auf der Hauptbühne eine starke Show boten. Obwohl ich die Russen nun schon mehrmals live sehen konnte, begeistert mich die Bühnenpräsenz von Masha "Scream" jedes Mal aufs Neue. Energiegeladen tobte sie wieder über die Bühne und präsentierte die Songs mit unglaublich variabler Stimme, wobei das Publikum es sich nicht nehmen ließ, bei Titeln wie „Slavsia Rus'“ ebenso motiviert mitzufeiern. Eine Stimmung, die bei MARDUK im Anschluss nicht so recht aufkommen wollte. Erst CANNIBAL CORPSE konnten wieder Bewegung in die Menge bringen, und ich glaube, ich spekuliere nicht zu viel, wenn ich behaupte, dass die brachialen Töne das Publikum auch bis zum Schluss mitreißen konnten. Mich verschlug es aber schon nach wenigen Titeln auf die Nebenbühne zu DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT, die ich am Extremefest das erste Mal live sehen konnte. Zwar stellt sich angesichts der etwas monotonen Songs rasch etwas Langeweile ein, was aber alleine durch Onielars Erscheinung kompensiert wird. (Kunst)Blutüberströmte Kinn- und Halspartie sowie eine Haarpracht, die nicht zu enden scheint, tragen viel zur Bühnenshow bei. Noch nach dem Konzert konnte man gut erkennen, wer bei DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT in den ersten Reihen gestanden hatte. Die Kunstblutspritzer waren kaum zu übersehen. DORNENREICH bestritten diesmal den Auftritt ohne abgetrennten Akustikteil. Ihre Konzerte wurden ja schon oft für ihre unausweichlichen Eindrücke und Faszinationsgewalt gelobt, und das kann man fast nicht oft genug tun. Auch am Extremefest boten sie wieder eine unvergessliche Liveshow. Virtuose Violinenklänge von Inve und fesselnder Gesang von Eviga machten das Konzert wieder zu einem Erlebnis. Gespielt wurde von „Wer Hat Angst Vor Einsamkeit?“ und „Jagd“ bis zu „Schwarz Schaut Tiefsten Lichterglanz“ eine ausgewogene Songauswahl. Der Auftritt der letzten Band DER WEG EINER FREIHEIT zog sich zu fortgeschrittener Stunde schon etwas in die Länge. Die Fans dürfte es aber gefreut haben, dass sie den Abend mit zwei Zugaben abschlossen.

FARSOT konnten am letzten Tag viel Publikum anziehen. Wer dort war, freute sich über einen stimmigen souveränen Gig. Man mag die etwas starre Performance bemängeln, aber gerade diese gewisse Statik ist es, die viel zur Atmosphäre beiträgt und zu dem Songmaterial passt. Von starr konnte bei EXODUS hingegen nicht die Rede sein, was bei dem Thrash Metal aus den USA auch gar nicht denkbar wäre. Rob Dukes stachelte das Publikum in gewohnt rotziger Art an, mit Erfolg, der Moshpit war gut gefüllt und die Circle Pits ließen sich mehr als sehen. Das Gitarrenteam Rick Hunolt und Lee Altus gab sich keine Blöße und machte jeden Song zu einem Genuss. „Shroud Of Urine“ und „Blacklist“ schienen das Publikum besonders zu begeistern. Zuletzt verabschiedeten sich EXODUS mit einer Wall of Death, die nach kleinen Startschwierigkeiten- scheinbar dauerte einigen das Warten auf das Startsignal zu lange- doch als gelungen zu bezeichnen ist. Darauf folgte das kolumbianische Duo INQUISITION. Ihr Auftritt kann als solide bezeichnet werden, verlief aber weitgehend ohne Höhepunkte. Trotzdem ist es erstaunlich, was zwei Personen doch auf einer Bühne bewerkstelligen können. Einer Autopanne ist es zu verdanken, dass man danach nicht ULTRAWURSCHT, sondern EISREGEN sehen konnte. „Blutkehle“ Michael Roth erklärte die Verspätung und forderte nach einigen Songs auch die „Eisregenchöre“ ein, die ihm bisher wohl abgegangen waren. Das Publikum antwortete natürlich sofort bereitwillig. Am letzten Tag war man mit dem Zeitplan einigermaßen in Verzug gekommen, weshalb ich schon recht bald während „Meine tote russische Freundin“ wieder die Nebenbühne aufsuchte, um noch das Ende von KETZER zu sehen. Besonders erwähnenswert an diesem Tag ist aber noch AGRYPNIE, die wegen einer Panne erst um 2:15 (bzw. auch bei diesem verschobenen Termin mit Verspätung) zu spielen begannen. Torsten Hirsch sprach ungewöhnlich viele Worte an diesem Abend, um die Verspätung zu erklären. In der hinteren Hälfte der kleinen Halle war zwar nicht jedes Wort zu verstehen, aber so viel, als dass es um eine wohl sehr nervenraubende Panne ging, konnte man hören. Umso höher ist es der Band anzurechnen, dass sie ihren Auftritt auch noch zu solch später Stunde absolvierten. Wenn auch noch etwas Unmut zu spüren war, man verzichtete etwa auf den Soundcheck, entwickelte sich der Auftritt doch rasch zu einem stimmigen Konzert. Trotz, oder vielleicht gerade wegen der langen Wartezeit, sprang der Funke auch bald auf das Publikum über, das sich sichtlich begeistert zeigte. Man kann also sagen, dass der Samstagabend und somit das Festival, mit einem Highlight beendet wurde.

Die Bilanz der drei Tage sind rund 20.000 Festivalbesucher in den Austragungsorten Schweiz, Deutschland und Österreich. Alles in allem kann man über die Organisation nicht klagen. Auch die Bandauswahl garantierte ein einmaliges Festivalerlebnis. Nächstes Jahr gerne wieder! Vielleicht kann der reibungslose Ablauf dazu beitragen, kritischen Stimmen und Petitionsstellern zu zeigen, dass eine Veranstaltung wie das EXTREMEFEST keine „ernsthafte Bedrohung für (…) die Zukunft unseres Landes” darstellt, wie es auf der Protestseite der „Österreichischen Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum“ (TFP) befürchtet wird.


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