14.07.2012, Wiesen

FORESTGLADE FESTIVAL 2012

Text: bender
Veröffentlicht am 18.07.2012

Das 1995 erstmals gestartete FORESTGLADE Festival wird ja gerne als die „Mutter aller Festivals“ bezeichnet, doch im Laufe der Jahre wurde die Konkurrenz immer größer und Riesenveranstaltungen wie das Nova Rock entwickelten sich zu einer ernsthaften Bedrohung. Nach einer zwischenzeitlichen Pause von 2006-2009 wurde 2010 ein fulminantes Comeback gefeiert, aber nachdem man bereits letztes Jahr aufgrund der Absage des ursprünglich geplanten Headliners BUSH einen ziemlichen Dämpfer hinnehmen musste, wird das FORESTGLADE dieses Jahr nun also leider endgültig zu Grabe getragen.

Den abschließenden Reigen durften zunächst FIN und die YOUNG GUNS eröffnen, zwei gefällige aber alles andere als aufregende britische Bands, denen der pünktlich zum Festivalstart einsetzende Regen ziemlich entgegenkam, da die meisten der bereits anwesenden Gäste die überdachte Bühne den nassen Wiesen vorzogen. Danach folgten mit THERAPY? bereits viel zu zeitig die emotionalen Helden des FORESTGLADE Festivals. Bei der Debütveranstaltung 1995 waren die Nordiren noch der Hauptact, und seit dem haben sie beinahe jede Fortsetzung mit ihrer Anwesenheit beehrt. Diesmal hat sich die Band dem Anlass entsprechend auch noch einmal fein herausgeputzt, denn direkt nach ihrem Auftritt gab es auf der Bühne noch ein gemeinsames Abschiedsfoto mit Trägern des zum Kult avancierten Erika T-Shirts. Davor wurden in einer knappen Stunde neben dem ein oder anderen Song ihres aktuellen Albums „A Brief Crack Of Light“ vor allem viele Klassiker wie „Isolation“, „Diane“ oder „Screamager“ dargeboten.

Wieso REA GARVEY nach THERAPY? spielen durfte schien vielen Leuten ein Rätsel zu sein, da der REAMONN Sänger vom Großteil des Publikums doch ziemlich ignoriert wurde. Er wirkte allgemein irgendwie deplaziert und seine Performance hätte wohl auch eher in den ZDF Fernsehgarten gepasst. Die Musik ging als recht nett bis vollkommen belanglos gerade noch so durch, aber seine Ansagen waren dafür schon beinahe schmerzhaft peinlich. Der letzte Song hieß dann tatsächlich „End Of The Show“, was aber nur halb so lustig war wie die buschigen rosa Augenbrauen der Backgroundsängerin. Völlig anders präsentierten sich THE TING TINGS, die mit ihrer jugendlich vitalen Show das krasse Gegenteil zum biederen REA GARVEY darstellten. Das britische Indie-Pop-Dance Duo war sicher der trendigste Act des Tages, weshalb sie wohl vor allem das jüngere Publikum angesprochen haben dürften. Mit der Zeit ging dem doch recht ähnlich klingenden Songmaterial ein wenig die Substanz aus, aber spätestens beim abschließenden Hit „That`s Not My Name“ sangen und tanzten dann alle wieder brav und artig mit.

Als BILLY IDOL zu den kommerziell erfolgreichsten Künstlern überhaupt gezählt wurde waren THE TING TINGS sowie ein großer Teil des Publikums noch nicht einmal auf der Welt, seine unzähligen Gassenhauer kennt allerdings auch heute noch jedes Kind. So mancher Zuschauer mag einen alten Mann erwartet haben der lustlos ein paar angestaubte Evergreens runterspielt, doch diese Zweifler wurden von der ersten Sekunde an eines Besseren belehrt. Mit hochkarätigen Musikern wie dem Ausnahmegitarristen Steve Stevens oder dem ehemaligen DREAM THEATER Keyboarder Derek Sherinian im Rücken lief BILLY IDOL zur absoluten Hochform auf. Seine vollkommen entfesselte Performance war reich an überzogenen Grimassen und Posen, mit denen er es locker schaffte sowohl für Begeisterung als auch für Belustigung zu sorgen. Die Songauswahl konnte ebenfalls rundum überzeugen, denn neben den zu erwartenden Hits wie „Flesh For Fantasy“, „Sweet Sixteen“, „White Wedding“ und natürlich „Rebel Yell“ wurden überraschenderweise sogar gleich sechs Songs seiner alten Punk-Band GENERATION X dargeboten. BILLY IDOL mag seit Jahrzehnten keine relevanten Platten mehr veröffentlicht haben, aber an diesem Abend hat er es allen noch einmal gezeigt. Definitiv die positivste Überraschung des gesamten Festivals. Setlist BILLY IDOL: 1. Ready Steady Go 2. Dancing with Myself 3. (Do Not) Stand in the Shadows 4. Postcards from the Past 5. Flesh for Fantasy 6. Too Far to Fall 7. Sweet Sixteen 8. Eyes Without a Face 9. Kings and Queens of the Underground 10. Heaven's Inside 11. L.A. Woman 12. Steve Stevens Acoustic Guitar Solo 13. King Rocker 14. Running with the Boss Sound 15. Tutti Frutti 16. Love Like Fire 17. Blue Highway 18. Rebel Yell Zugaben: 19. White Wedding 20. Mony Mony

Nach dieser hochenergetischen Darbietung wirkten INCUBUS anfangs noch ein wenig gebremst und zurückhaltend, aber spätestens als sich der Frauenschwarm und Sänger Brandon Boyd ebenfalls seiner Oberkleidung entledigte war das Eis endgültig gebrochen. Die Songauswahl bot einen homogenen Querschnitt durch all ihre Veröffentlichungen (nur die ersten beiden Alben wurden bis auf „A Certain Shade Of Green“ sträflich vernachlässigt), wobei natürlich die beiden größten Hits „Drive“ und „Love Hurts“ für die meiste Begeisterung sorgen konnten. Nach dem passend gewählten „Sick Sad Little World“ zum Abschluss war das letzte FORESTGLADE dann tatsächlich Geschichte, und die verbliebenen Zuschauer traten im wieder erstarkten Regen die Heimreise an. Aber vielleicht gibt es in einigen Jahren ja doch wieder eine Auferstehung, denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und dank seiner gemütlicheren Atmosphäre ist Wiesen jedem Mega-Event bei weitem vorzuziehen. Setlist INCUBUS: 1. Privilege 2. Megalomaniac 3. Adolescents 4. Pardon Me 5. Made For TV Movie 6. Circles 7. Are You In? 8. A Kiss to Send Us Off 9. In the Company of Wolves 10. Drive 11. Anna Molly 12. Talk Shows On Mute 13. Love Hurts 14. Switchblade 15. Nice to Know You Zugaben: 16. If Not Now, When? 17. A Certain Shade Of Green 18. Sick Sad Little World


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