16.08.2012, Dinkelsbühl

SUMMER BREEZE FESTIVAL 2012 - FREITAG

Veröffentlicht am 23.08.2012



Summerbreeze - Dinkelsbühl im Ausnahmezustand

CROWBAR – MONO INC – UNEARTHED, so sieht meine Bilanz bis zum Freitagabend aus. Nicht, dass ich morgens lange geschlafen hätte – um neun war ich bereits geduscht und damit dem Ansturm entkommen. Dann gleich zum Pressezelt, Akkus und Laptop aufladen… …wenn das denn schon offen gewesen wäre. Immerhin liess mich die Security schon um zehn durch und ich konnte den Artikel vom Vortag auf meinem viertelgeladenen Laptop tippen. Und siehe da, das WLAN erreicht nie dagewesene Geschwindigkeiten, sogar beim Upload der Bilder. Beim Speichern war dann aber noch jemand im Netz und es brauchte mehrere Anläufe… Dem Genuss der diversesten Bands tat das alles keinen Abbruch.

CROWBAR aus Louisiana fanden ein schon massenhaft vorhandenes und aufgewärmtes Publikum vor. Da ihnen die Wärme nichts ausmachte – gefühlte 40 Grad am frühen Nachmittag, Sonne pur und die kalte Nacht bereits vergessen – bretterte das Quartett auch gleich los. Sludge oder Doom? Ich würde mich auf Ersteres festlegen. Schnell, präzise und hart – nicht mein Lieblingsmetal, aber die Band um Sänger und Gitarrist Kirk Windstein versteht es, Stimmung zu machen und legt tadelloses Handwerk auf die Bühne. Das Publikum vor der Mainstage dankte es jedenfalls. Die deutschen MONO INC schickten erst ihre Drumfrau Katha Mia auf die Bühne, füllten der Reihe nach auf und spielten sodann vor allem Songs ihres neuen Albums „After The War“ – die Scheibe erschien am selben Tag und konnte direkt auf dem Gelände gekauft werden. Der Titeltrack ist so melodisch, dass er beinahe hitparadentauglich genannt werden kann. Die Stimmen von Martin Engler und Katha Mia harmonieren sehr gut, das Gesamtbild der Band erfreute die grosse Menge von Gothic Fans bestimmt. Ein guter Auftritt, selbstverständlich auch mit Feuerbällen am Bühnenrand. Pyroeffekte waren übrigens gut vertreten am Summerbreeze. Es scheint, dass die gross in Mode sind, sehr zur Freude des Publikums. Sehr stimmungsvoll auch der Soloauftritt von Engler mit dem Song „Passenger“, einer Hommage an Iggy Pop. Neben dem Titeltrack des neuen Albums spielten MONO INC auch „Arabia“, „Get Some Sleep“ oder „This Is The Day“. Insgesamt ein rundum gelungener Auftritt.

Mit UNEARTH schloss eine Band meinen persönlichen Nachmittag ab – Metalcore vom Jack Daniels animierten Trevor Phipps und seinen hyperaktiven Gitarristen Buz Mc Grath und Ken Susi. Viel Power, viel Growl und viel Action – wer Core mag, kam voll auf seine Rechnung. Ich persönlich frage mich, warum Musiker, die auf der Bühne Whiskey saufen müssen, dies nicht mit ordentlichem Malzstoff machen können. Die Auftritte von NILE und JASTA VS WINDSTEIN verfolgte ich rein akustisch aus einiger Distanz. JASTA VS WINDSTEIN war übrigens eine Rarität – die beiden Sänger von Hatebreed und Crowbar gaben sich mit diesem speziellen Projekt die Ehre. Symphonic Metal erster Güte bot anschliessend das holländische Septett WITHIN TEMPTATION. Sharon Janny den Adel gewann mit ihrer sehr Art auch die Sympathien vieler schwerer Jungs. Die Frau verfügt über eine enorme Präsenz, die Arbeit auf der Bühne scheint ihr wirklich Spass zu machen. Sie zog das Summerbreeze-Publikum auf jeden Fall in ihren Bann. Und uns Fotografen lieferte die Band eine wunderbare Showkulisse, bunt, bombastisch, kreativ. Thanks to WITHIN TEMPTATION! Der Wechsel zur Pain Stage und zu DARK TRANQUILLITY war einigermassen abrupt. Sänger Mikael Stanne und seine schwedischen Kumpels boten melodischen Death Metal an, wie wir ihn auch von IN FLAMES kennen. Sie knüpften stimmungsmässig recht gut an die Band vorher an. Sauberer Sound mit einer enormen Bandbreite mit Stücken wie „In My Absence“ oder „Shadow In Our Blood“. Ein gelungener Auftritt, fette Riffs und ein Drummer, der seinen Job rennenderweise macht.

Aus dem Photo Pit schloss ich den Abend mit IMMORTAL ab. Dazu lässt sich nur sagen; nett geschminkt, voll archaisch und fast so eintönig wie BEHEMOTH. Diese Metalcore-Geschichte ist einfach nicht mein Thema. Wahrscheinlich hat das aber nur mit der fehlenden Haarpracht zu tun, die mich am korrekten Bangen hindert Fazit; „All Shall Fall“, und auch wenn ich diese bösen Jungs nicht so richtig mag – was fürs Auge waren sie allemal. (Anm. der Redaktion: Lieber Herr Kollege: BEHEMOTH als eintönig zu bezeichnen ist an sich schon Frevel genug, dann ABER IMMORTAL noch als Metalcore (????) abzuqualifizieren setzt dem ganzen die Krone auf - fehlende Haarpracht hin oder her...)

Das kann man übrigens auch von CORVUS CORAX sagen, welche den Abend auf der Painstage beschlossen. Da wurde keltisch und mittelalterlich und mystisch getrommelt, tanzten Hohepriester auf der Bühne umher und wurden Dudalsäcke malträtiert, dass es eine wahre Freude war. Allerdings schlich sich mit der Zeit der Wunsch nach etwas mehr Abwechslung ein. Zum Tanz beim Beltane-Ritus würde ich die Knaben und Mädels unbedingt aufbieten und jedem Mittelalterspektakel würden sie gut anstehen. Am Summerbreeze waren sie mir letztlich zu langfädig. Und so liess ich mich auf den Schwingen der Kolkraben zu meiner Luftmatratze geleiten.


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