18.08.2012, Dinkelsbühl

SUMMER BREEZE FESTIVAL 2012 - SAMSTAG

Veröffentlicht am 25.08.2012

Der letzte Tag in Dinkelsbühl versprach viel Party, viel Metal und vor allem viel Hitze. Bereits vor dem Mittag war es auf dem Platz für den Bühnen sehr warm, am Nachmittag steigerten sich die Temperaturen auf 30 und mehr Grad. Aber bloss nicht jammern – Matsch ist auch nicht das allein seligmachende. Mein Konzertauftakt waren NIGHT IN GALES. Sie traten mit ihrem neuen Album „Five Scars“ an, welches im letzten November veröffentlicht wurde. Mit Ausnahme von „Tragedians“, „Intruder „ und „Autumn Waters“ bestimmten die Nummern des neuen Silberlings auch das Programm. Sänger Björn Goosses und seine Mitstreiter liessen sich von den relativ wenigen Zuschauern nicht abschrecken – sie lieferten eine musikalische saubere Leistung ab, fegten über die Bühne, als wäre der Teufel hinter ihnen her und bauten eine gute Stimmung auf. Und das trotz der zunehmenden Hitze, welche die Musiker auch traf, da die Sonne zu diesem Zeitpunkt noch einen Weg auf die Bühne fand. Gleich anschliessend wechselte ich zur Painstage, wo die Punkformation BETONTOD Songs wie „Schwarzes Blut“, „Kinder des Zorns“, „Viva Punk“ oder „Entschuldigung Für Nichts“ darboten. Es zeugt von der Qualität der deutschen Combo, dass sich trotz der sengenden Sonne eine Pogoparty entwickelte. Nachdem das Publikum bewässert worden war, stieg die Stimmung nochmals an, die Action vor der Bühne nahm zu und die Hitze wurde zweitrangig. BETONTOD boten hochklassigen Punk mit einem motivierten Engagement auf der Bühne. Den Siedepunkt erreichte die Show, als gemeinsam „Wir müssen aufhör’n weniger zu trinken“ quasi als Chor intoniert wurde. „Auf Eine Gute Zeit“ schloss das Set ab und entliess die Jungs backstage – wahrscheinlich zu einem kühlen Bierchen.

Einen spannenden Stilwechsel erlebte das Summerbreeze-Publikum dann mit THE UNGUIDED. Sie spielten, was ihnen das Material ihres Erstlings „Hell Frost“ bot. Und das war ein Wunderwerk an Variationen. Auf den ersten Blick wollte die Musik nur schwer zum Outfit der Band passen. Muscle Shirt und rote Handschuhe, kurze Haare und enge Jeans – nicht gerade das typische Outfit für eine Band, die irgendwo zwischen Melodic Deathmetal und Metalcore herumstreunt. Schnell wurde klar, dass diese moderne Metalinterpretation nur einen Teil des Publikums interessierte. Das wiederum schien die ungeführten Schweden kalt zu lassen. Sie rockten sauber ab und boten in den ihnen zustehenden 45 Minuten eine gute, kompakte Show. Ein überzeugender Auftritt, der mehr Wohlwollen von Seiten der Festivalgemeinde verdient hätte. Ein erstes Highlight setzten dann die Medieval-Rocker von TANZWUT. Sänger Teufel – der wie gewohnt auch so aussah – gab dann auch sofort den Tarif durch, als er berichtete, dass er „wie ein Vulkan“ mit dem Publikum durchdrehen wolle. TANZWUT konnten erstaunlich viele Fans mobilisieren, der Platz vor der Bühne füllte sich. Die Ordner hatten dann erneut ein Einsehen und der Feuerwehrschlauch sorgte für Abkühlung. Nicht zum letzten Mal an diesem Tag! Die tanzwütigen Berliner schossen ein musikalisches Feuerwerk ab, geprägt von Dudelsäcken, Synthesizer und natürlich verzerrten Gitarren. Und Sänger Teufel machte dem Ruf der Berliner, eine (gross/freche…) Schnauze zu haben, alle Ehre. Er spielte mit dem Publikum, animierte es und schaffte viel Bewegung vor der Bühne. Ein erfrischender Auftritt sowohl für das Auge als auch die Gehörgänge. „Pale Horse“, „Spoken Words of Venom“, „The Darkest Road“, „The Perpetual Horrors“, „III: Death Dimension Phantasma“, „I Am Vengeance“, „The Brimstone Gate“, „A Swarm Of Plagues“, „Harves“ – so liest sich das Lineup von NAGLFAR. Die Blackmetaller aus Schweden boten also vorwiegend Kost aus ihrem letzten Album „Téras“, welches nach der letzten Scheibe „Harvest“ von 2007 seit Langem sehnlichst erwartet worden war. Und für Blackmetal-Fans hat sich das Warten wahrlich gelohnt. Dass die Live-Auftritte von NAGLFAR beliebt sind, weiss jeder, der Frontmann Kris Olivius einmal erlebt hat. Charismatisch und mit viel Gefühl für das Spiel auf der Bühne und mit dem Publikum sorgt er für die richtige Stimmung. Dass das jetzt mit neuem Material gemixt werden konnte, war umso erfreulicher.

Noch einmal Schweden – dieses Mal von der Front der Todesmetallisten – wurde von UNLEASHED geboten. Interessanterweise fanden sich auf der Setlist nur gerade zwei Nummern vom aktuellen Album „Odalheim“. Ansonsten bot die Band, weil sie sich das wirklich leisten kann, einen Kracher um den anderen wie „The Longships Are Coming“ oder „To Aasgard We Fly“. Und das Publikum, jetzt wirklich in grosser Zahl und brütender Hitze, dankte es mit riesigem Einsatz. Die Schweden rockten das Summerbreeze und setzten definitiv einen Glanzpunkt. Und der sollte – aus meiner Sicht – nur noch einmal an diesem Tag überboten werden. Und dann kam es nochmals knüppeldick. Stelle drei Brasilianer im Hochsommer auf eine Bühne und gib ihnen ein überhitztes Publikum. Dann kommt ein SEPULTURA-Set zustande, wie es besser nicht sein kann. Derrick Green und Andreas Kisser liessen Dünkelsbühl sofort wissen, wo der Hammer hängt. In der Waschküche werkelt neu Eloy Casagrande , druckvoll und präzise und mit einem Namen, der wenigstens ein bisschen auf die Copacabana hinweist. SEPULTURA bot Hammernummer um Hammernummer; „Beneath The Remains“, „Refuse/Resist“, „Rattamahatta“ oder „Roots, Bloody Roots“. Und die Liste kann fast beliebig verlängert werden. Ein gutes Stück Arbeit; Zahltag verdient! Dann wurde es – auf der Painstage – wieder etwas ruhiger – aber nur etwas. LACUNA COIL zeigten auch am Summerbreeze, dass sie wieder Bock auf Bühne haben. Und das volle Kanne. Scabbia und ihre Italos schienen sich bereits für ihre Herbsttour aufzuwärmen. Musikalisch ohne Tadel sorgte das Stimmduo Scabbia-Ferro für mächtig Dampf vor der Bühne. Sie verdienten sich den Publikumsaufmarsch mit einem Set, das kaum Anlass zur Kritik bot. Insgesamt zwölf Nummern boten sie in vierzig Minuten, dabei Songs wie „Kill The Light“ oder „Give Me Something More“. Man kann sagen, was man will, aber der Höhepunkt des Festivals wurde kontinuierlich angesteuert. Es schien, als hätten sich alle Bands darauf geeinigt, dem Summerbreeze des 15. Geburtstag zu versüssen. LACUNA COIL besonders, gibt es die Band doch genauso lange. PARADISE LOST bekam ich nur aus der Ferne mit. Der Auftritt schien aber wenig motiviert, das Publikum ging nicht so richtig mit und der Sound war – gelinde gesagt – bescheiden. Für einmal genoss ich das kalte Bierchen ohne das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Da ich mich – nach dem Bierchen, versteht sich – schon mal auf SICK OF IT ALL“ freute, bekam ich OOMPH! Ebenfalls nur von der Mainstage aus mit. Die boten hingegen eine wirklich gute Show und bekamen das Publikum gut in den Griff. Mir wurde mit der Zeit das Geplauder von Frontmann Dero etwas zu viel, wenig witzig fand ich seine Kombi aus Matrosenanzug und Joker-Schminke. Wer’s braucht – musikalisch gibt es in jedem Fall nichts zu meckern.

Dann aber stieg die Klasse um mindestens zwei Treppen nach oben. Hardcore aus New York – bekannt durch den hyperaktiven Gitarristen Pete Koller und seinen Bruder Lou, der sein Publikum innert Kürze in seinen Bann zog. Pete hingegen, der wohl komplett unter Ritalin gesetzt werden würde, ginge er heute noch zur Schule, war nicht zu bändigen. Er kriegte kaum einen Fuss auf den Boden, war unterwegs wie ein hüpfender PingPong-Ball auf Speed. Hardcore Punk aus New York vom Allerfeinsten – und das von Jungs, die seit 1986 zusammenspielen und sich demnach deutlich um die 50 herum bewegen. Wie hätte ich mir am schweizerischen Greenfield-Festival nur die Hälfte dieser Power von OFFSPRING gewünscht! Und als Fotofuzzi hatte ich meine liebe Mühe, den Gitarrero zu verfolgen. So war ich ein wenig stolz, dass sich nachher auf der Kamera der eine oder andere Luftsprung in den Sensor eingegraben hatte. Der Übergang zur Gothicgrösse ASP war dann nur musikalisch etwas abrupt. Showmässig brauchte sich die Sprengertruppe vor Niemandem zu verstecken und der Pyroeinsatz war bisher sowieso einmalig. „Wechselbalg“, „How Far Would You Go“ „Krabat“ oder „Schwarzes Blut“ – ASP bboten, was sie zu bieten hatten. Der bekennende „Wahre Satan“ ASP schaffte es, einen Gig zu liefern, der die Leute weit über die Genregrenze hinaus faszinierte. Einer der besten Auftritte dieses Festivals überhaupt. Und wäre sie nicht schon für die „Guardians of Aasgard“ reserviert gewesen, APS hätten auch die Mainstage verdient gehabt.

Der Höhepunkt – und das sage ich nicht nur als AMON AMARTH-Fan – stellte dann aber alles bisher Dagewesene in den Schatten. Wobei man den um diese Zeit gar nicht mehr sah – ausser beim Pyrointro der schwedischen Überwikinger. Was für eine Show! Musikalisch absolut perfekt, mehr als eine Stunde voller Hits, jede Nummer konnte mitgegrowlt werden. Die Pyroshow korrespondierte perfekt mit der Musik und war so genial, dass das Langboot der 2009er Tour kaum vermisst wurde. Das Feld vor der Bühne war proppevoll. Es schien, als wäre der letzte Besucher aus seinem Zelt gekrochen und hätte sich – egal in welchem Zustand – vor die Bühne geschleppt. Massen von Fans, Johan Hegg und seine Mannen in bester Konzertlaune, eine Stimmung, die nicht zu beschreiben ist. AMOM AMARTH waren mehr als der Headliner auf der Mainstage, sie waren der echte und hammermässige Höhepunkt. Dass dabei alle Nummern gespielt wurden, welche das Publikum erwartete, versteht sich von selber. „War Of The Gods“, „Runes To My Memory“, „Destroyer Of The Universe“, „Death In Fire“, „Live For The Kill“, „Cry of the Black Birds“, „Fate Of Norns“, „Pursuit of Vikings“, „Northern Star“, „For Victory Or Death“, „Victorious March“, „Twilight Of The Thunder God“ und „Guardians Of Asgaard“ – die Setlist liest sich wie die ersten 13 Plätze der Viking-Hitparade. AMON AMARTH sind das grösste Geschenk, welches man den Machern des Summerbreeze darbringen konnte. Und ich muss an dieser Stelle wohl kaum erklären, welche CD in welcher Lautstärke mich auf meinem zweieinhalbstündigen Heimweg an den Bodensee begleitete. Hail The Horns!


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