13.09.2012, HARLY Coffee Bar

LILLIAN AXE, MORTICIAN

Veröffentlicht am 21.09.2012

Das “Harly“ in Innsbruck hat ein riesengroßes Herz für Rockfans. Neben der sonst üblichen Beschallung mit Rockclassics kann man sich dort, das lässig-kernige Interieur im Bikerstyle genießend, klassische Burger einverleiben und bei einem gepflegten Corona alle Viere grade sein lassen und den Feierabend genießen. Neben dem einmal jährlich stattfindenden Harly-Fest, das sich riesiger Beliebtheit erfreut und diversen (Nachwuchs-)Bands Auftrittsmöglichkeiten bietet, greifen die Verantwortlichen seit geraumer Zeit tiefer in die Tasche, um internationale Szenegrößen wie DIAMOND HEAD, JEFF SCOTT SOTO, MAERZFELD, SHAKRA, HOUSE OF LORDS und nun LILLIAN AXE nach Innsbruck zu holen. Das Besondere daran: Dies alles bei freiem Eintritt! Keine Ausrede also für die Rockgebrandmarkten Herzen diesen tollen Shows fernzubleiben, zumal das Ganze bei Schönwetter (wie bei J.S. Soto) als Open Air stattfindet.

SEVEN THORNS Die Dänen durften am heutigen Tage den kultigen Konzertabend eröffnen. Bestens gelaunt quetschte sich das Sextett auf der doch engen Harly-Bühne zusammen. Begleitet von recht gutem Sound vermochte das gar nicht mal schlechte, an STRATOVARIUS, HELLOWEEN und Konsorten erinnernde Songmaterial leider nicht alle Besucher zu fesseln. Die Songs wurden vom jungen Sänger zünftig intoniert und von der Instrumentalfraktion ansprechend dargebracht, erwähnenswert dabei noch die Gitarrenfraktion, welche die eine oder andere kleine, aber feine Soloeinlage zum Besten gab. Dass die Band quasi in Straßenklamotten die Bühne betrat veredelte das Set allerdings nicht wirklich. Setlist SEVEN THORNS: - Revelation - End Of The Road - Eye Of The Storm - Queen Of Swords - Liberty - Freedom Call

MORTICIAN Die kultumwehten Vorarlberger Szeneveteranen hatten im Anschluß fast Heimspiel, schließlich konnte das Quartett mit energetischen Liveauftritten (z.B. Keep It True-Festival) und tollem Songmaterial schon bei vielen Tiroler Metalfans punkten. Der Bandklassiker „No War“ wurde von der kleinen Schar MORTICIAN-Fans dankbar aufgenommen und lautstark skandiert. Der stimmlich sehr variable und originell knurrende Sänger Daniel gebärdete sich wie ein wildes Tier und peitschte nicht nur diese Nummer mit irrer Bühnenmimik ein. Ungeachtet der anfänglichen Soundprobleme bewies die Band ihre Routine und ihre Fannähe, die ihnen Sympathiepunkte bei den Anwesenden verschaffte. Im Gedenken an die glorreichen Metalzeiten in den 1980ern widmete man sich neben dem kultigen Relikt „Street Warrior“ dem überragenden ersten Full-Length-Album, das durchgehend tolle Kritiken einheimsen konnte und von dem live kompakte Kracher und einprägsame Mitbrüller wie „Reflection Of Your Soul“ und „Dead Beauty“ besonders im Gedächtnis blieben. Vor allem Gitarrist Thomas mimte den Metalmeister, poste, schnitt Grimassen und visualisierte den Heavy Metal der erfahrenen Vorarlberger Haudegen in schier greifbarer Art und Weise. Basser Patrick legte derweil mit abgeklärt-cooler Mine gemeinsam mit dem bangenden Drummer Greg Nagy den Rhythmusteppich, der die Basis für die abschließenden, ja überragenden „Mortician“ (die Bandhymne!) und das obergeile „Worship Metal“ (eine DER Metalhymnen der letzten Jahre - UP THE HAMMERS!!!) bildete. Unter beachtlichem Applaus durfte sich die Band nach diesem bombigen Auftritt auf ihr nahendes „Heimspiel“ im schweizerischen Uster freuen. Setlist MORTICIAN: - No War - Prepare For Death - Street Warrior - Reflection Of Your Soul - Dead Beauty - Mortician - Worship Metal

LILLIAN AXE Mit LILLIAN AXE wartete ein exquisiter MelodicRock-Hochkaräter auf die geneigten Zuhörer im nunmehr proppevollen Harlys. Die Südstaatenrocker waren ja schon zu ihren Hochzeiten eher ein Orchideenthema und eher Spezialisten vorbehalten. Das sollte auch im Jahre 2012 nicht wirklich anders sein, konnte man auf den letzten Dates nur auf einen Zuschauerschnitt von rund 60 zurückblicken. Was die fehlenden Zuschauer so alles verpasst hatten und welch geiles Songmaterial die Band zu bieten hat, sollte sich am heutigen Konzertabend zeigen. Mit Major-Deal in der Tasche hätte den NOLA-Rockern um das einzig verbliebene Originalmitglied und Bandkopf Steve Blaze (Gitarre) aufgrund der ersten 4 hochwertigen Alben (vom Debut bis zu “Psychoschizophrenia”), welche als Gernreperlen gelten, eigentlich der breitere Durchbruch gelingen sollen. Nach dem Einbruch der Szene und der folgenden Erfolglosigkeit ereilte die Band jedoch das Schicksal der meisten damaligen Mitstreiter. Nach den üblichen Reunion-Geschichten versucht die Band nun vom aufkeimenden Hardrock-Revival-Kuchen mitzunaschen und ihre späten Lorbeeren einzufahren, was ihnen (zumindest am heutigen Abend) mit dem Songmaterial aus der Hochphase der Band Ende der 80er/Anfang der 90er-Jahre, mit dem die Band naturgemäß bei den Anwesenden am Meisten punkten konnte, auch zu gelingen vermochte. Sägende und fetzige Rocker („Deepfreeze“, „Misery Loves Company“ oder „Crucified“) brachten Schwung in das wippende Rhythmusbein, Melodic-Schätze wie “Show A Little Love“ oder „All's Fair In Love & War“ veredelten den Gig und setzten ihm das Sahnehäubchen auf. Die Show musste auch primär über die Musik funktionieren, da für die etwas weiter hinten Stehenden wenig vom Treiben auf der niedrigen Bühne zu sehen war. Erstaunlich hart galoppierten die Nummern durch den leider nicht so exzellenten Soundmix. Obwohl im Vorfeld des Konzerts Stimmen laut wurden, dass ohne den klassischen LILLIAN AXE-Shouter Ron Taylor wenig für die Band zu holen sei und der ursprüngliche Spirit verflogen sei, vermochte der ehemalige und augenscheinliche Jetzt-wieder-Sänger Derrick LeFevre zu reüssieren. Warum Brian Jones (der das letzte, lässige Album „The Days Before Tomorrow“ einsang) die Band nicht auf Tour begleitete bleibt unklar.

Die emotional dargebrachten Balladen „The World Stopped Turning“ oder „Ghost Of Winter“ ließen so manchen in alten Erinnerungen an schwülstige Gefühlsausbrüche, Herzschmerz und heiße Küsse zu METAL BALLADS-Samplern, feuchte Träume unterm LITA FORD-Poster oder WHITESNAKE-Videoclips denken. Das kleine Intermezzo, als der Band seitens des umtriebigen Haus- und Hof-DJ´s Tito Drinks gereicht wurden, lockerte das Konzert auf und sorgte bei der Band naturgemäß für Erheiterung und Begeisterung. Sein großes Finale fand das Konzert in der Übernummer “True Believer” samt „Dream Of A Lifetime“. Nachdem die Begeisterung im Publikum dermaßen groß war, wurde sogar eine Zugabe, dem Sänger zufolge die erste auf der laufenden, insgesamt 12 Dates zählenden Euro-Tour. Tosender Applaus verabschiedete die Band, welche das Innsbruck-Konzert wohl als ein sehr einprägsames in Erinnerung behalten wird. Ein weiterer Abend im Zeichen Hi-Quality Melodic Metals/Rocks fand nach über 90 Minuten ein fulminantes Ende. Dennoch sollte das Szenario bei der Band keine falschen Erwartungen schüren, schließlich handelte es sich beim heutigen Konzert um ein Gratiskonzert, das einige wenige Spezialisten erfreute und die Band aufgrund der überzeugenden Liveleistung und der augenscheinlichen Spielfreude bei den zahlreichen Anwesenden schwer punkten konnte und die Location für sich gewinnen konnte. Die Harly-Macher sollten sich durch diesen lässigen Donnerstagabend bestärkt sehen, den geneigten Rock- und Metalfans auch weiterhin das eine oder andere musikalische Schmankerl zu präsentieren. Mit dem geplanten Gig der Schwedenrocker BONAFIDE sollte aber weiter für erstklassige Unterhaltung bestens gesorgt sein! Setlist LILLIAN AXE: -Misery Loves Company -Deepfreeze -All's Fair In Love And War -Crucified -Jesus Wept -Show A Little Love -Death Comes Tomorrow -Waters Rising -Ghost Of Winter -Letters In The Rain -Babylon -Hard Luck -The World Stopped Turning -Take The Bullet -The Grand Scale Of Finality -Antarctica -True Believer -Dream Of A Lifetime ---------- -No Matter What Unser Dank für die lässigen Livepix gilt Alex Schrattenthaler!


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