25.09.2012, Viper Room

TIM "RIPPER" OWENS

Veröffentlicht am 28.09.2012

Dieser Tage gastierte wieder einmal eine der besten Stimmen des Heavy Metal in heimischen Gefilden: Der ehemalige Sänger von JUDAS PRIEST und ICED EARTH, und nunmehrige Solokünstler TIM "RIPPER" OWENS, gab sich gemeinsam mit den Iren von SANDSTONE in Wien die Ehre. Wir waren dabei und wollen euch nun an unseren Eindrücken teilhaben lassen. Bereits früh sollte der Abend beginnen: Einlass ab 18:30 und die erste Band SANDSTONE enterte bereits um etwa 19:15 die Bühne. Der Viper Room war zu diesem Zeitpunkt noch sehr spärlich befüllt, das trübte wohl auch ein wenig die Motivation bei den Iren, die sich zwar routiniert durch ihr Set spielen, wobei insbesondere die Gitarrenarbeit zu begeistern wusste und auch Sänger Sean McBay gefällt, wenn er auch mit dürftigem Sound zu kämpfen hat. Aber das ist ein Phänomen, das uns an diesem Abend - wie leider so oft im Viper Room - stetig begleiten sollte. Stolze drei Local Support Acts waren nach SANDSTONE für den Abend noch gebucht und den Anfang machten hier ENCLAVE aus Wien. Der Fünfer gab gleich von Anfang an absolut Vollgas: Hier bretterte die Doublebass beinahe durchgehend aus den Boxen, besonders das flinke Spiel der Gitarreros Martin Zahedi und Mathias Karner sorgte für Aufhorch-Momente bei diesem Rezensenten. Sehr stimmig und passend kamen auch die mal thrashigen, mal melodiöseren Vocals von Basser und Sänger Rainer Höllersberger, der zwischendurch auch mal einen hochfrequenten Schrei in bester Tom-Araya-Manier abließ. ENCLAVE waren für mich ganz klar die Überraschung des Abends; ihr Mix aus Thrash- und klassischem Heavy Metal konnte von Anfang bis Ende überzeugen und es bleibt der Band zu wünschen, dass auch abseits des Underground Notiz von ihr genommen wird. Klasse Show! Die Herren und Dame von SCUMSHOT schienen beim Publikum dagegen mit gemischten Gefühlen aufgenommen zu werden: Während die mitgereisten Fans die Band natürlich lautstark abfeierten, hörte man aus anderen Ecken, dass die Truppe um Gitarrist Christoph "Etzi" Etzmannsdorfer stilistisch beim RIPPER-Publikum nicht überall in gleichem Umfang Anklang fand. Aber sei's drum; die Band feierte an diesem Abend ihr fünfjähriges Bandjuiläum und ein Gig im Vorprogramm einer waschechten Metal-Legende ist sicher ein amtlicher Weg, eine solche Feierlichkeit zu begehen. So rockten sich denn auch SCUMSHOT durch ihr Set, um das langsam wachsende Publikum auf Betriebstemperatur für TIM OWENS zu bringen. Solide Show, wenngleich an diesem Abend aber wohl ENCLAVE die beste Show der heimischen Bands abliefern konnten. Das lag aber nicht zuletzt an den stetig zunehmenden technischen Schwierigkeiten, mit denen die Crew des Viper Room (und letztlich alle Bands, vor allem aber SCUMSHOT und SIREN'S CRY) an diesem Abend zu kämpfen hatte. Die Wiener Prog-Metaller von SIREN'S CRY hatten schließlich das Pech, dass unmittelbar vor deren Gig dann auch noch einige Kabel den Geist aufgaben und es zu massiven Zeitverzögerungen im Umbau kam, was wiederum zur Folge hatte, dass die Band ihr Set auf regelrecht mickrige vier Songs kürzen musste. Dazu kam dann noch ein unterirdischer Mix der Haustechnik des Viper Room - anfangs war außer den viel zu lauten Keyboards von Tastenhexer Michael Siskov kaum etwas zu hören und selbst als man den Band-Sound halbwegs im Griff hatte, war Sängerin Katie Joanne über zwei Songs hinweg zu keinem Zeitpunkt hörbar. Das war sehr schade, zumal SIREN'S CRY zu den technisch versiertesten Bands Österreichs zählen und insbesondere in der Livesituation üblicherweise für staunende Gesichter sorgen. An diesem Abend reichte es aber gerade mal für eine gute und gefällige Performance von "Draconian Spectrum" und "Serpents Of War"; davor war der Sound einfach zu grottig, um die gespielten Songs auch nur erahnen zu können. Der Band ist hier allerdings kein Vorwurf zu machen - wenn hier an der Technik so viel geschlampt wird und es zu solchen massiven Verzögerungen kommt, dass eine Band ihr halbes Set streichen muss, dann muss sich wohl die Haustechnik diesmal entsprechende Kritik gefallen lassen. Denn auch wenn es sich "nur" um einen Local Supoprt Act handelt - auch ein solcher verbringt viel Zeit im Proberaum, investiert viel Arbeit und Mühe in seine Musik und sorgt auch für zahlende Gäste; eine entsprechende korrekte Umgangsweise und Behandlung durch Haustechnik und Crews sollte da eigentlich auch selbstverständlich sein. Eine wirklich unglückliche Situation für SIREN'S CRY, die aber letztlich das Beste daraus machten und bei ihren letzten zwei Nummern bei passablem Sound dann das Publikum noch ordentlich rocken konnten. Man darf jedoch auf baldige Wiederholung unter besseren Umständen hoffen! Schließlich war die Wartezeit aber um und TIM "RIPPER" OWENS stand in den Startlöchern. Diesmal überraschte die ehemalige JUDAS PRIEST-Sirene mit einem fast ungewöhnlichen Set: Statt der ewigen großen Klassiker der britischen Priester gab's so einige Tracks aus eigener Feder von BEYOND FEAR, wie etwa "And... You Will Die" und "Scream Machine", dann ein paar Raritäten aus dem JUDAS PRIEST-Backkatalog die man nicht so oft hört: "The Ripper" darf natürlich nach obligatorischer Ansage mit "What's My Name???" durch Maestro OWENS nicht fehlen, aber Songs wie "Victim Of Changes", "Burn In Hell" und "Beyond The Realms Of Death" zählen an diesem Abend noch zu den bekannteren Klassikern der NWoBHM-Legende. Aber statt auf Mitgröl-Hymnen wie "Breaking The Law", "Metal Gods" oder den "Painkiller" zu setzen, bringt TIM OWENS an diesem Septemberabend vornehmlich Material seiner eigenen Zeit bei JUDAS PRIEST, von den "Jugulator"- und "Demolition"-Alben: "Blood Stained" ist da ebenso vertreten wie "Hell Is Home" und das famose "One On One". Eine schöne Geste folgte dann etwa zur Mitte des RIPPER'schen Sets: Hier lud der Meister nochmal die Iren von SANDSTONE auf die Bühne, die zwischendurch noch drei ihrer Songs performen durften, da Tim Owens es der Band noch ermöglichen wollte, vor besser gefüllter Halle ihr Material zu präsentieren. Dadurch, dass sich mittlerweile doch knapp über hundert gut gelaunte Gäste vor der Bühne versammelt hatten, schienen auch die Jungs von SANDSTONE motivierter und rockten weitaus launiger als noch vor einigen Stunden. Nach mehr als nur Achtungsapplaus verabschiedeten sich die Iren aber dann und machten wieder Platz für den RIPPER. Der, weiterhin in höchsten Tönen screamed, machte dann aber zunächst mit der ruhigen Version des JOAN BAEZ-Covers "Diamonds And Rust" weiter, ehe dann gegen Ende des Sets bei der BLACK SABBATH-Hymne "The Mob Rules" so richtig dick Stimmung aufkommt. Kurz darauf verabschiedet sich der RIPPER dann aber auch schon, kommt aber natürlich nochmals für eine beeindruckende Zugabe in Form von "Heaven And Hell", ebenfalls von BLACK SABBATH, auf die Bühne zurück. Alles in allem ein gesanglich brillanter Gig des Meisters, einige wenig gehörte Tracks machten Laune, wobei man natürlich als geneigter Fan vielleicht den einen oder anderen ganz großen Klassiker noch gerne gehört hätte - sei das jetzt ein "Painkiller", den wohl derzeit niemand so singen kann wie der RIPPER, oder ein abschließendes "Living After Midnight". Die größte Überraschung im Set war wohl "When The Eagle Cries" aus seiner Zeit bei ICED EARTH, an die der Ripper ja sonst, wie man hört, nicht unbedingt die besten Erinnerungen hat. Nichtsdestoweniger boten TIM OWENS sowie seine nationalen und internationalen Supports einen sehr stimmigen und gut unterhaltenden Metal-Abend und es bleibt die Hoffnung, dass uns dieser großartige Sänger trotz des leider recht bescheiden ausgerückten Publikums bald wieder in Wien besuchen wird.

Setlist TIM "RIPPER" OWENS:

And... You Will Die The Ripper Victim Of Changes Burn In Hell Scream Machine When The Eagle Cries Beyond The Realms Of Death Blood Stained Heart Of A Killer Diamonds & Rust Hell Is Home The Mob Rules The Human Race One On One ---------------- Heaven And Hell


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