11.10.2012, PPC Bar

PARADISE LOST

Veröffentlicht am 16.10.2012

An diesem wenig lauschigen Oktoberabend zogen wir wieder erhobenen Hauptes und guter Dinge von der Südweststeiermark aus gen Graz, genauer in den Bezirk Lend und ins sich dort befindende ppc. Grund dafür war wieder einmal ein Besuch der britischen Traditions-Gothen von PARADISE LOST. Bang und voller Fragen trat ich diese Reise an, hörte man doch nicht viel Gutes über die Live-Darbietungen der Engländer in letzter Zeit. Wie auch immer, als wir am Ort des Sich-Bald-Ereignenden eintrafen, sahen wir erstmals niemanden. Tour-Bus war da, aber ansonsten war alles rundherum eher ruhig. Auch im gegenüberligenden "Immervoll" waren grad mal ein paar wenige Schwarzgekleidete anzutreffen. So wenige Leute bei einem Konzert einer doch mehr als bekannten Band? Mitnichten, wie sich bald herausstellte. Als ich schlussendlich in das ppc ging, waren schon alle da. Und zwar wirklich alle. Selten zuvor habe ich ein Konzert gesehen, bei dem schon bei der Vorgruppe, SEON, das gesamte Publikum anwesend war. Gut so, die Jungs hatten Spaß bei ihrem Vortrag. In den heftigeren Momenten wussten sie mit TOOL-Anleihen zu gefallen, in den ruhigen Momenten, waren sie, ähm, eindeutig zu ruhig. Vor allem der Gesang und die Präsenz des Barden waren ein wenig zu eindimensional. Da geht noch mehr, das Songmaterial ist auf jeden Fall schon einmal vielversprechend.

PARADISE LOST enterten die eher heimelige Bühne, der Sound hat sich bereits während des ersten Songs eingepegelt und war salopp formuliert ziemlich gut. Chapeau an den Livesound-Verantwortlichen. Angenehm laut aber nie übersteuernd und selbst die Absenz des Gesangs wurde sofort dahingehend verändert, dass man den guten Nick schön hören konnte. Was leider nicht unbedingt von großem Vorteil war, da Nick Holmes nicht seinen besten Tag erwischt hat und vor allem in den Höhen arge Schwierigkeiten hatte. Schade, ist seine Stimme doch eine der großen im Metier - und das meine ich durchaus ernst. Weiter ging es mit der Umbaupause - wie überraschend. Das Publikum zeigte sich angenehm entspannt, deutlich ruhiger als bei heftigeren Konzerten. Die sonst schon zur liebgewonnenen Tradition gewordene Bierdusche für mich blieb diesmal aus.

Es ist doch schon eine Weile her, dass ich die Jungs aus Halifax, West Yorkshire live gesehen habe und da mir die aktuelle Scheibe "Tragic Idol" sehr gefallen hat, war ich dann doch auch etwas gespannt. Die Band war guter, bester Dinge, vor allem Aaron Aedy an der Rhytmusgitarre viecherte ab, als ginge es um sein Leben. Selten hat man einen Musikern bei Songs über Tod, Verderben und Kindeswegholung so gut aufgelegt gesehen. Bassist Steve Edmondson nebenan war das genaue Gegenteil, cool ohne Ende. Gregor Mackintosh, auch ein Gründungsmitglied, agiert souverän metallisch und Nick Holmes am Bühnenrand ist in seinen Ansagen zwischendurch so dermaßen britisch, mehr geht eigentlich nicht. Prinzipiell also nichts auszusetzen, sieht man von den Problemen mit dem Gesang ab.

Viele Hits der Band wurden gespielt, das Publikum erwies sich auch bei den neuen Songs als sehr textsicher und man merkt schon immer wieder, welche großen Songs die Engländer in ihrer nun schon 13 Studioalben währenden Karriere geschrieben haben. So weit, so gut - ich wiederhole mich. Was mich ein wenig erzürnte, war die Spieldauer. Nach 13 Alben und einer Karriere, die 1987 begonnen hat, gerade mal 75 Minuten zu spielen (und da rechne ich die Pause vor der Zugabe nicht ab), ist für einen Preis von rund 30 Euro - gelinde gesagt - eine Frechheit. Niemand von den Anwesenden wäre wohl wild beleidigt gewesen, wenn da noch eine halbe Stunde draufgelegt worden wäre, aber nein. Das ist, mit Verlaub gesagt, eine Unsitte. Und daran liegt es wohl unter anderem auch, dass Bands mittlerweile im eher kuscheligen ppc auftreten müssen und nicht im geräumigeren Orpheum. Bei dem Preis-Leistungs-Verhältnis ziehen scheinbar viele einen Abend zuhause vor.

Seitlist (Powered by Markus Wechtitsch):

Genug gelästert, alles in allem war es kein schlechter Abend. Ein solider Auftritt der Briten mit ein paar Schönheitsfehlern. Aber, wie sagt der Philosoph so zutreffend, alles kamma nicht haben.


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