23.10.2012, Arena

EUROPE

Veröffentlicht am 28.10.2012

Totgesagte leben länger - und wer hätte gedacht, dass diese Binsenweisheit gerade bei den Schweden von EUROPE so deutlich zum Tragen kommen würde? In den Achtzigern feierte man unglaubliche Erfolge, wurde als "One-Hit-Wonder" dank einem kleinen, nicht unbedeutenden Song namens "The Final Countdown" aber auch schnell abgehakt, und als dann mit den Neunzigern der Grunge Einzug in die Wohnzimmer und CD-Player der jungen Generation fand; ja, da waren EUROPE erstmal abgeschrieben. Aber die Jungs um Frontröhre Joey Tempest und Gitarrenheld John Norum ließen sich nicht klein kriegen, und 2004 veröffentlichte man mit "Start From The Dark" ein überraschend starkes Comeback-Album, das - genauso wie sein Nachfolger "Last Look At Eden" - einigermaßen für Aufsehen in der Rock- und Metalszene sorgte. Mittlerweile ist man bei "Bag Of Bones" angelangt, einem fast bluesigen Hard Rock-Album, das in diesem Jahr veröffentlicht wurde, und nun im Rahmen einer ausgedehnten Tour präsentiert werden möchte. Klar, die großen Stadien füllen EUROPE anno 2012 nicht mehr, aber an diesem Oktoberabend reicht es auf jeden Fall für die große Halle der Arena. Diese ist zwar auch nicht ganz befüllt - da nicht ganz geöffnet - aber dennoch hat sich eine amtliche Anzahl von Fans aller Altersschichten an diesem Dienstag in die Arena bemüht, um noch einmal den Klängen der alten Helden zu lauschen. Zunächst durften aber die Jungs von STONE RIDER den Abend eröffnen, und die Truppe wurde als Supportact durchaus trefflich gewählt: Authentisch gekleidet in feinstem Hippie-Leder mit allerlei Gefrans und Glockenhose, zelebriert man hier leicht psychedelisch angehauchten ganz klassischen Rock im Stile von CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL, und während auf CD der Rock der Jungs aus Atlanta auf Grund seiner charmanten Retro-Ausrichtung gut zu gefallen weiß, können sie mich in der Livesituation nur bedingt überzeugen. Etwas zu ausgedehnte Gitarrensoli hier, ein bisschen zu blasser Gesang da; STONE RIDER tun zwar niemandem weh, ein bisschen fehlte mir hier aber heute der Drive und die nötige Bissigkeit, um wirklich begeistern zu können. Ein netter Opener für EUROPE - aber eben auch nicht mehr. Die Altvorderen Meister allerdings, ja die sind immer noch fit. Wie schon bei ihrem letzten Gastspiel in Wien können die Herren um Joey Tempest erneut restlos überzeugen, und starten mit einem Dreifachschlag vom neuen Album "Bag Of Bones" in ihr Set. "Riches To Rags" eröffnet den Reigen, und sofort werden "Not Supposed To Sing The Blues" und "Firebox" nachgelegt. Bereits an diesen drei Songs erkennt man sofort den seit einigen Jahren doch ziemlich runderneuerten Sound von EUROPE: Vorbei sind die Tage der großen, kitschigen Keyboard-Orgien und Flitzefinger-Soli; stattdessen bedient man sich lieber einiger kräftiger Blues-Skalen und der klassischen Hammond-Orgel. Das ist anders, funktioniert aber. Dennoch lechzen die Fans natürlich auch nach den Klassikern, und die bekommt man auch - wie etwa das folgende "Superstitious". Dennoch hat man viel Neues im Programm: Das wunderbar stimmungsvolle "No Stone Unturned" kann hier begeistern, während bei "New Love In Town" das Stimmungsbarometer leider etwas sinkt. "Demon Head" gibt dann aber nochmal Gas, bevor man - siehe da - in ein kurzes Akustik-Set wechselt. Und das ist leider ein recht zweischneidiges Schwert: Musikalisch ist das nämlich ziemlich geil, wenn da Songs wie insbesondere das schöne "Dreamer" dargeboten werden, stimmungstechnisch kostet es EUROPE allerdings ein paar Punkte auf der "Blut, Schweiß und Tränen-Skala".

Nach Rück-Umbau möchten es ein wie immer hyperaktiver, gesanglich großartiger Joey Tempest und der Mann mit dem wohl besten Leadgitarren-Sound aller Zeit, John Norum, aber nochmal wissen, und legen mit "Bag of Bones" und "Girl From Lebanon" nach; richtig große Stimmung kommt aber dann doch erst beim uralt-Schmachtfetzen allererster Güteklasse auf: Der Song heißt "Carrie", ist eine Edelschnulze vor dem Herren, und funktioniert auch 2012 noch prächtig. Da sind dann die folgenden Nummern "The Beast", "Let The Good Times Rock" und "Doghouse" eher nebensächlich, bevor man mit "Rock The Night" das reguläre Set beendet. Schließlich gibt's nach kurzen "Zugabe"-Rufen auch noch den "Last Look At Eden" und ja - auch das unvermeidliche "The Final Countdown" wird gebracht. Und EUROPE scheint auch diese millionenfach überspielte Nummer immer noch Spaß zu machen; oder zumindest wissen sie, was sie diesem Song zu verdanken haben. Und so geht ein gelungener Abend im Zeichen der Rockmusik zu Ende, EUROPE konnten erneut durch handgemachte Musik, viel Herzblut und einen grandiosen Sänger überzeugen und beweisen, dass sie auch im fortgeschrittenen Alter ihr Handwerk noch beherrschen und noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Die Setlist war vielleicht nicht ganz überzeugend gewählt; zwischendurch kam die Stimmung in der Halle immer wieder ein bisschen ins Stocken - aber vielleicht lag das ja auch am bereits höheren Durchschnittsalter des Publikums. Alles in allem jedoch ein sehr sehenswertes Konzert von einer Band, die uns hoffentlich noch viele Jahre erfreuen wird. Setlist Europe: Riches to Rags Not Supposed to Sing the Blues Firebox Superstitious Scream of Anger No Stone Unturned New Love in Town Demon Head The World Keep on Turning (Fleetwood Mac cover) Drink and a Smile Dreamer Bag of Bones Girl From Lebanon Carrie The Beast Let the Good Times Rock Doghouse Rock the Night --------------- Last Look at Eden The Final Countdown


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