28.10.2012, Planet.tt, Bank Austria Halle, Gasometer

STEEL PANTHER

Veröffentlicht am 31.10.2012

Es ist ein lauer Sommerabend 1987 in Los Angeles, und es tümmeln sich sehr viele langhaarige Männer in Kajal und Spandex-Hosen im Areal; es werden zerrissene Motley-Crüe-Shirts getragen und rosarote Fingerlinge zu neongrünen Stirnbändern. Und doch... irgendwas stimmt nicht. Denn eigentlich ist es ein (sehr) kalter Oktoberabend 2012 im Wiener Gasometer, die langen Haare sind oftmals Perücken (die Spandex-Hosen allerdings echt), ebenso wie die Motley-Crüe-Shirts, und diese Generations-Verwirrung hat einen guten Grund: STEEL PANTHER gastieren erstmals in der Hauptstadt, und laden zum feucht-fröhlichen Stelldichein. Bereits der Auftritt beim Nova Rock dieses Jahr dürfte für Aufsehen gesorgt haben, denn nunmehr können sich die Jungs aus LA rund um Fronter Michael Starr über eine ausverkaufte (kleine) Gasometer-Halle freuen, und wollen mit ihrem derben Humor und einer ordentlichen Prise Selbstironie auch als Headliner für Furore sorgen. Doch zunächst darf eine der wohl besten heimischen Hardrock-Bands zu Werke schreiten: Schlicht und einfach EASY nennt sich die Truppe rund um Frontmann Kurt Mathyus, die seit 2010 für wohlige Rock-Sounds im Stile der Achtziger und Neunziger sorgt, und zumindest in Punkto Optik dem Hauptact des Abends in nichts nachsteht. Zerrissene Jeans, enge Leggings und ein Sänger im Axl-Rose-Memorial-Look mit strahlend weißer Hose und passendem Jacket hinter einem mit zahlreichen Schals und Federboa beschmücktem Mikrofonstativ prägen hier das Bild, und auch aus den Boxen dröhnt der Sound der Achtziger.

Etwas verhalten sind allerdings die Rekationen im (bereits ansehnlichen) Publikum, vornehmlich in den vorderen Reihen wird aber brav zu Songs wie "Shotgun City" mitgeklatscht und abgerockt, und die heimischen Hardrocker verkaufen sich alles andere als schlecht. Sänger Kurt kann mit einer amtlichen Röhre trotz hörbarer Verkühlung punkten, und auch die groovigen Rocksongs von EASY passen heute sehr gut ins Gesamtbild. Irgendwie will bei mir der letzte zündende Funke aber nicht so wirklich überspringen; zu wenig zwingend sind da manche Refrains, hier und da eckt man noch ob des einen odere anderen unsauberen Solos an - aber EASY verbreiten dennoch beste Hard Rock-Laune in einem stimmigen Konzept, und sollten sich an diesem Abend definitiv viele neue Fans erspielt haben. Nach der Umbauphase und mit den ersten Takten von "Supersonic Sex Machine" ist aber sofort klar, weswegen das Publikum sich trotz des grimmigen Wetters an diesem Abend so zahlreich in den Wiener Gasomer verirrt hat: STEEL PANTHER rocken los, und präsentieren eine fetzige Rock'n'Roll-Show der allerersten Güteklasse, die in ein ebenso einfaches wie geniales Konzept verpackt ist und zur Perfektion durchzelebriert wird. Augenblicklich bemerkt man den US-amerikanischen Ursprung der Band: Hier sind Vollprofis am Werk, die genau wissen, dass es die "Show" ist, die zählt. Denn obgleich STEEL PANTHER sicher einige gefällige Rocksongs in Petto haben, so sind es doch eher Image, Witz und Look der Band, die hier Alben verkaufen. Die stählernen Panther wissen das auch ganz genau, uns setzen daher auch schon nach dem zweiten Song "Tomorrow Night" eher auf derben Humor und witzige Moderation denn auf puren musikalischen Inhalt. Sofort wird jeder Anflug von "politicial correctness" über Bord geworfen (so etwa, wenn die Vermehrungspraxis mexikanischer Einwanderer mit jener von Nagetieren verglichen wird) und der Humor bewegt sich selten oberhalb der Gürtellinie - eigentlich ist jedes zweite Wort entweder "Pussy", "Cock" oder "Balls". Fronter Michael Starr und Gitarrist Satchel liefern sich großteils eine Doppelconference, die gelegentlich durch infantile Kommentare von Bassist Lexxi Foxxx (wenn dieser gerade mal nicht mit seinem Glitzerspiegel bewaffnet seinen Lippenstift nachzieht) unterbrochen wird.

Doch auch bei diesen kabarettistischen Momenten erweisen sich STEEL PANTHER als perfekt eingespielte Truppe, die ihr Ding (sic!) absolut routiniert durchzieht und auch auf spontane Ereignisse (wie einem im Häschenkostüm angereisten Gast) reagieren kann, ohne auch nur einen Augenblick aus dem Takt zu kommen. Aber es wird natürlich nicht nur gelabert, sondern auch gerockt: Songs wie "Fat Girl" und "Just Like Tiger Woods" werden vom Wiener Publikum überraschend frenetisch abgefeiert, und auch der untergriffige Humor in den Songtexten kommt bei uns natürlich an - und so stellen STEEL PANTHER quasi DIE HINICHEN für Reiche dar. Grandiose Stimmung kommt auch bei Satchels Gitarrensolo auf, bei dem er einfach hochdreist einen bekannten Metal-Riff nach dem anderen anspielt, und von "Master of Puppets" über "2 Minutes To Midnight" und "Breaking The Law" bis hin zu "Iron Man" wird das von der geifernden Meute auch bestens angenommen. Da verdient er sich auch ein bisschen Jubel, der gute Satchel, und fordert diesen auch gleich ganz bescheiden ein: "Make some Noise for ME!!!" Stolz wird dann erzählt, dass man in Österreich immerhin schon über dreihundert Exemplare des neuen Albums "Balls Out" verkauft habe; es wird über die Penislänge diverser Akteure genauso diskutiert wie über die Figur von Sänger Michael, und auch ein unterhaltsames Mitsing-Duell wird mit dem Publikum erfolgreich inszeniert.

Dann gibt's auch wieder ein bisschen Metal mit "Turn Out The Lights" und "It Won't Suck Itself", und ihre musikalische Profizienz beweisen STEEL PANTHER dann vor allem bei einer kurzen Akustik-Einlage in Form von "Girl From Oklahoma". Schließlich holt man dann noch eine Handvoll Girls aus dem Publikum auf die Bühne, die dann bei "Party All Day (Fuck All Night)" und "Death To All But Metal" auf der Bühne ein bisschen mittanzen und -singen dürfen, ehe man sich in die wohlverdiente Zugabe verabschiedet. Und nach knappen zwei Stunden ist die Chose auch schon wieder gelaufen, und die lüsternen Glam-Metal-Fans Wiens verlassen höchst befriedigt den Gasometer. Und auch wenn bei STEEL PANTHER vielleicht nicht alles 100% live war (so schien Fronter Michael vor allem bei einigen Refrains eher vom Band zu singen denn selbst), so wäre auch das leicht verschmerzbar; denn STEEL PANTHER wissen einfach, dass es nicht (immer) nur um die Musik geht, sondern das Gesamtpaket "Show" einfach extrem wichtig ist. Und die Jungs aus LA haben schlicht und ergreifend ein gut funktionierendes Konzept entwickelt, dieses bis zur Perfektion ausgearbeitet und die Liebesmaschine STEEL PANTHER läuft nun bestens eingeölt auf Hochtouren. Wer sich an derbem Humor nicht stößt, der sollte sich den kollektiven Hüftschwung von STEEL PANTHER definitiv einmal gönnen - das ist einfach "Entertainment", und das ist auch verdammt nochmal gut so. Und in diesem Sinne bleibt neben einem "Dankeschön" an Sabine Böhm von www.moremetal.org für die schmucken Fotos eigentlich nur noch eins zu sagen: "BOOBIES!"

Setlist STEEL PANTHER:

Supersonic Sex Machine Tomorrow Night Fat Girl Asian Hooker Just Like Tiger Woods Let Me Cum In If You Really Really Love Me Guitar Solo Turn Out the Lights The Shocker It Won't Suck Itself Girl From Oklahoma Party All Day (Fuck All Night) Death to All but Metal ----------------- Community Property Eyes of a Panther 17 Girls in a Row


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Enslaved - Utgard
ANZEIGE