20.11.2012, Planet.tt, Bank Austria Halle, Gasometer

GOTTHARD

Veröffentlicht am 22.11.2012

Die Schweiz. Das sind malerische Berge, der genfer See, gute Skifahrer, CERN und viel Käse. Und - feiner Hardrock. Denn wie wir wissen kommen auch die Herrschaften von GOTTHARD aus unserem Nachbarland, und glücklicherweise gibt es sie noch, auch nach dem tragischen Unfalltod von Sänger Steve Lee vor zwei Jahren. Mittlerweile hat man mit Nic Maeder, einem Australier mit schweizer Wurzeln, aber auch einen talentierten Nachfolger gefunden, hat mit "Firebirth" ein gutes neues Album am Start, und tourt wieder durch die Länder - und an diesem Novemberabend auch durch Wien. Die BA-Halle im Wiener Gasometer war dabei bereits bei der Supportband relativ ansehnlich gefüllt, auch wenn natürlich erst beim Hauptact sich auch wirklich alle Besucher (wohl so um die 800 an der Zahl) vor der Bühne versammeln sollten. Der Grund dafür war nicht zuletzt der Support selbst: BLIND PETITION wurden dafür reaktiviert, und wieder auf eine der großen Bühnen Wiens zurückgeholt... doch ob das so eine kluge Entscheidung war, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Klar, BLIND PETITION sind ein Urgestein der Wiener Musikszene, aber an diesem Abend konnte man wohl nicht anders als hinterfragen, ob die Reunion vor einigen Jahren wirklich so eine Gute Idee war. Bereits das Auftreten der Band versprühte nicht gerade großes "Rockstar"-Feeling, als Bandchef Hannes Bartsch mit einem lapidaren "Griaß eich" die Bühne entert, und leider sollte sich der Eindruck im Laufe der Show nicht unbedingt verbessern. Eher unlustige Ansagen versuchen da, das Publikum zwischen den Songs aufzuwärmen, aber das gelingt ebensowenig, wie mit den erwähnten Songs selbst: Diese werden leider recht energiearm dargebracht, die Tightness lässt oftmals zu wünschen übrig, über die Sinnhaftigkeit von drei Gitarren auf der Bühne kann man ohnehin streiten (man Frage Jannick Gers von IRON MAIDEN - wobei, zugegebenermaßen, auch GOTTHARD später streckenweise mit drei Sechssaitern arbeiten sollten; dort wurden diese aber weitaus differenzierter und effizienter eingesetzt), und Sängerin Petra wirkte ein bisschen wie beim Karaokesingen: aus einem vermeintlich sicheren gewissen Fünftonraum bewegte man sich nicht weg, sang zwischen gelangweilt, unentschlossen und verängstigt, und war sich offenbar auch nicht wirklich sicher, ob man nun ein bisschen Show und Action reinbringen sollte oder nicht. Das Songmaterial selbst konnte ebensowenig überzeugen wie die Show; auch die netten Auftritte von Schlagzeug-Nachwuchs hinter den Fellen und Gastgitarristen konnten das nicht mehr retten - und ob dieser Slot auch unbedingt das richtige Forum für so etwas war, sei ebenfalls dahingestellt; meines Erachtens würde so etwas eher in eine BLIND PETITION Jubiläums-Headliner-Show oder so gehören, aber nicht ins Vorprogramm einer großen internationalen Band. Und wenn dann Gitarrist Hannes fragt, ob das Publikum denn "gebrochene Händ'" hätte, weil der erhoffte Applaus ausbleibt, kann man wohl nur still denn Kopf schütteln und denken: "Nein - aber funktionierende Ohren". Ich bin ja nun, da selbst auch als Musiker unterwegs, sicher jemand, der gerne das Gute an einer Show versucht herauszupicken, und über allfällige Schwächen hinwegzusehen, wenn das Gesamtpaket stimmig ist. Nur leider - bei dieser Show war das rundum einfach nicht der Fall, und es ist regelrecht schade, dass man diesen Support-Slot vor einem doch großen Publikum nicht einer jungen, aufstrebenden Band aus dem Genre ermöglicht hat, wie etwa den Hardrockern von EASY, die schon zuletzt vor STEEL PANTHER eine sehr formidable Leistung gezeigt hatten, oder auch den Heavy Metallern ECLIPTICA, die ebenfalls für ihre starken Live-Auftritte bekannt sind - meines Erachtens hätten da solche Acts weitaus mehr davon profitieren können als mehr oder minder sinnhaft reanimierte Acts aus den Siebzigern beziehungsweise Achtzigern, die wohl hauptsächlich nur noch aus Sentimentalitätsgründen betrieben werden. Ich möchte jetzt bei aller Kritik an der gestrigen Show (mit der ich aber auch beileibe nicht alleine dastand, den Gesprächen im Publikum während der Umbauphase nach zu urteilen) BLIND PETITION keinesfalls absprechen, dass sie sicherlich ein wichtiger Bestandteil der österreichischen Rockszene waren - allerdings zu ihrer Zeit. Und vielleicht wäre es nun langsam an der Zeit, jetzt die Energie in die Jugendförderung zu investieren und neue Acts mit Erfahrung und Know-How zu unterstützen, um diesen Chancen zu ermöglichen. Die Show gestern, das war wohl nichts mehr und nichts weniger als eine vergebene Chance für den österreichischen Rock-Nachwuchs. Und wenn dann zum Abschluss Hannes Bartsch noch einmal mit ausgebreiteten Armen meint: "Ich liebe euch alle!" - Dann kann ich nochmals nicht anders als still zu denken: "Hey, es liegt nicht an dir - es liegt an mir; aber das mit uns, das wird wohl nichts mehr." Ich wünsche natürlich BLIND PETITION auch weiterhin alles Gute, aber eine Empfehlung für einen Konzertbesuch, die kann ich hier nicht abgeben. Dann aber war es dankenswerterweise bald Zeit für den Headliner des Abends, und da mich GOTTHARD schon beim diesjährigen Masters of Rock Festival mehr als überzeugen konnten, hatte ich diesmal entsprechend hohe Erwartungen an deren Show. Hohe Erwartungen, die bedingt erfüllt werden konnten. Denn erneut großartig präsentierte sich Neo-Sänger Nic Maeder in Bestform, der die schwere Aufgabe, Nachfolger von Über-Sänger Steve Lee zu sein, amtlich meistert und mit seiner klassischen Rockröhre nicht nur dem verschiedenen Ur-Fronter phasenweise sehr ähnlich klingt, sondern einfach eine rundum gute Rock-Performance abliefert, und seine Mitstreiter rund um Leo Leoni wirkten gut gelaunt und energiegeladen wie eh und je. Beeindruckend wieder die mehrstimmigen Backing-Vocals, ebenso stimmig die Song-Auswahl (selbstredend mit der für GOTTHARD zu erwartenden heftigen Balladen-Schlagseite), wobei hier natürlich erneut das Steve Lee gewidmete "One Life, One Soul" herauszupicken ist, bei dem einmal mehr Gänsehautstimmung aufkommt; das stets beliebte Cover von "Hush", bei dem erstmals auch das Publikum so richtig in Mitsinglaune kommt, und natürlich das launige "Lift U Up", welches das reguläre Set beendet.

Zwischendurch gibt's noch ein kurzes (und recht unspektakuläres) Drumsolo, über dessen Sinnhaftigkeit sich streiten lässt; witziger kommt da das Anspielen von Songs wie "Hell's Bells" durch Leo Leoni anstatt des Introriffs zu Mountain Momma. Mit "Master Of Illusion" geht man dann in den Zugabenblock, der dann noch mit dem obligatorischen "Anytime, Anywhere" abgerundet wird. Alles in allem liefern GOTTHARD die erwartet gutklassige Show; ich muss aber sagen, dass mir ihre Show im Juli beim Masters Of Rock doch um einige Längen besser gefallen hat. Das mag aber auch ein wenig am Publikum gelegen haben; das ist bei einer Show an einem Dienstag in Wien naturgemäß ein etwas gesetzteres als bei einem Sommerfestival in Tschechien, und so wurde wohl in Wien eher geschunkelt als geheadbangt. Nichtsdestoweniger kann man für GOTTHARD immer eine Empfehlung aussprechen, wenn man etwas für klassischen, einfachen Hardrock im Stile von BON JOVI und Co. etwas übrig hat. Hier bekommt man einfach noch gute, alte, handgemachte Rockmusik, die erstklassig dargeboten wird und einfach zu unterhalten weiß. Kein Jahrhundertgig an diesem Abend in Wien, aber eine gute Möglichkeit, einen gewöhnlichen Dienstagabend etwas ungewöhnlicher zu gestalten. Gerne wieder!

Setlist GOTTHARD:

Dream On Gone Too Far Starlight Remember It's Me Sister Moon Hush One Life, One Soul The Story's Over Fist in Your Face Give Me Real Drum Solo Falling Tell Me Heaven Mountain Mama Right On Lift U Up --------------- Master of Illusion Anytime Anywhere Top of the World


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