10.02.2013, Planet.tt, Bank Austria Halle, Gasometer

SLASH feat. MYLES KENNEDY & THE CONSPIRATORS

Veröffentlicht am 13.02.2013

Er ist eine der ikonischsten Figuren im Rock'n'Roll-Zirkus: Der Mann mit dem markanten Zylinder, den man quasi nie ohne Sonnebrille antrifft (Gerüchten zufolge trägt er sie sogar beim Schlafen) zählt zu den Gitarrenhelden gleich mehrerer Generationen, hat mit dem wohl besten Debütalbum aller Zeiten, "Appetite for Destruction" Musikgeschichte geschrieben, war bereits dreimal quasi tot, und rockt trotz alledem noch immer: SLASH, seines Zeichenes ehemaliger Gitarrist von GUNS 'N ROSES, gastierte im Februar 2013 wieder einmal in Wien, und brachte die Gasometer-Halle zum Kochen. Wir waren für euch mittendrin statt nur dabei, und unsere Eindrücke der Show könnt ihr nun hier nachlesen. Es war ein saukalter Februarabend, trotzdem war die Venue restlos ausverkauft, und bereits beim Support Act tummelte sich eine ansehnliche Fanschar vor der Bühne. Diese, freilich für den Maestro angereiste, Meute durfte sich jedoch zunächst von SAINT LU akustisch verwöhnen lassen. Der Name mag vielleicht nicht allen Lesern von Stormbringer.at ein Begriff sein, handelt es sich dabei doch um eine ursprünglich aus Wels kommende, nunmehr aber in Berlin residierende Sängerin, die gemeinsam mit ihrer sehr internationalen Band (so kommen etwa der Gitarrist aus Italien und der Drummer aus Chile) mal bluesigen, mal jazzigen Rock zelebriert, und zu deren Einflüssen Acts wie JANIS JOPLIN und andere 68-er Rock-Acts zählen, wie Sängerin Lu (mit bürgerlichem Namen übrigens Luise Gruber) uns im Interview vor der Show wissen ließ.

Musikalisch lässt die gute Frau bei ihrer Performance auch gar keine Zweifel aufkeimen, präsentiert sie sich doch stimmlich sehr sattelfest, und auch ihre Band kann sich sehen bzw. hören lassen. Einzig stilistisch mag ihr bluesiger, mitunter auch etwas schleppender Rock wohl beim aufgepeitschten SLASH-Publikum nicht so ganz ankommen. Doch sei's drum - SAINT LU wird es trotzdem Spaß gemacht haben, für einen der ganz Großen der Rock-Geschichte zu eröffnen, und mit dem neuen Album "Two" in den Startlöchern wird sich die Performance jedenfalls gelohnt haben. Nach kurzer Umbauzeit war es dann aber auch schon soweit, und - für Mitglieder von GUNS 'N ROSES ja nicht unbedingt immer typisch - ohne Verspätung finden sich SLASH und seine Mitstreiter MYLES KENNEDY & THE CONSPIRATORS auf der Bühne ein, und starten mit "Ghost" und "Standing in the Sun" in ihr Set, wobei der frenetische Jubel des Publikums beim GUNS-Klassiker "Nightrain" nochmals ordentlich zulegt. Von der ankgekündigten Erkältung beim Gitarrengott erfreulicherweise keine Spur, legt die Band eine unheimliche Spielfreude an den Tag, und liefert mit "Mean Bone" aus der SLASH'S SNAKEPIT-Ära auch eine erste Überraschung im Set. Klassisch geht es dann mit "Mr. Brownstone" weiter, und die atmosphärische Ballade "Gotten" wird gänsehauterzeugend von Sänger Myles Kennedy dargeboten. Der Song fand übrigens in Wien erstmals seinen Weg ins Set, dafür musste der Live-Knaller "Civil War" leider weichen.

Das verschmerzt man aber gerne, denn nach einer kleinen Einlage von Bassist Todd Kerns, der die Leadvocals bei "Doctor Alibi" übernimmt, und dem folgenden "Jizz Da Pit", ebenfalls aus der SNAKEPIT-Zeit, gibt es dann mit "Rocket Queen" wieder einen amtlichen GUNS 'N ROSES-Gassenhauer, der vor allem durch das lange - wirklich lange - Gitarrensolo von Meister SLASH auffällt. Gut, ganz so lange hätte dieses vielleicht nicht ausfallen müssen, doch seien wir mal ehrlich: Das ist SLASH, der darf sowas. "No More Heroes" wird ebenso dankend angenommen wie "Starlight", richtig stimmungsvoll kommt dann aber die neue Single vom aktuellen Album "Apocalyptic Love", namentlich "Anastasia" rüber und ja, als Abschluss des regulären Sets dürfen natürlich auch "Sweet Child O' Mine" und "Slither" aus SLASHs Zeit mit VELVET REVOLVER nicht fehlen. Überhaupt, dieser Intro-Riff von "Sweet Child O'Mine" - wenn es eine Möglichkeit gibt, all das, wofür Rockmusik steht, in zehn Sekunden zusammenzufassen, dann wäre das für mich wohl dieses Intro. Und dann noch vom Meister selbst intoniert - das ist Gänsehaut garantiert.

Und so werden SLASH und seine Mannen, allen voran der an diesem Abend grandiose Myles Kennedy, verdient abgefeiert und melden sich nach kurzer Wartezeit nochmal zu den abschließenden Zugaben "Welcome To The Jungle", das erneut von Basser Todd Kerns gesungen wird, und dem unvermeidlichen "Paradise City" zurück. Nach knapp zwei Stunden Spielzeit wird das dankbare und glückliche Publikum dann in den Feierabend entlassen, und zurück bleibt die Erkenntnis, dass es wohl die bodenständige Erdigkeit eines SLASH war, die kombiniert mit der Over-The-Top Theatralik eines AXL ROSE wohl GUNS 'N ROSES überhaupt erst zu dem gemacht hat, was diese Band zu den Zeiten ihres größten Erfolges war. Die Performances von Axls GUNS 'N ROSES sind heute fast schon eine überstilisierte Musical-Inszenzierung denn eine Rock'n'Roll-Show, und SLASH kann trotz erstklassiger Band alleine auch nicht mehr diese ganz großen Stadien füllen.

Nichtsdestoweniger lieferte der Kult-Gitarrist mit seiner Truppe eine großartige Show mit einer Setlist, die kaum Wünsche offen ließ, und beweist, dass er trotz seiner früheren Eskapaden noch immer gut drauf ist und ordentlich abzurocken weiß. Es bleibt zu hoffen, dass diese Kultfigur uns bald wieder in Österreich besuchen wird. Sollte man einfach gesehen haben! Setlist SLASH feat. MYLES KENNEDY & THE CONSPIRATORS: Ghost Standing in the Sun Nightrain Mean Bone Back From Cali Mr. Brownstone Nothing to Say Shots Fired Gotten Doctor Alibi Jizz Da Pit Rocket Queen No More Heroes Starlight Anastasia You're a Lie Sweet Child O' Mine Slither --------------- Welcome to the Jungle Paradise City


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