06.03.2013, Olympiahalle München

ROCK MEETS CLASSIC 2013

Veröffentlicht am 12.03.2013

Die ROCK-MEETS-CLASSIC-Produktionen konnten sich in den vergangenen Jahren als Fixpunkt der jährlichen Konzertsaison etablieren und das Konzept ist dabei ebenso einfach wie genial: Man nehme eine Handvoll Künstler, die mit ihren jeweiligen Bands im Lauf der Jahre größere Erfolge gefeiert haben, packe sie zusammen mit einem Orchester und einer Rockband in einen Tourbus und lasse Sie ihre größten Hits performen. Das belebt nicht nur Karrieren wieder, sondern bietet auch dem geneigten Fan eine grandiose Möglichkeit, wieder mal Lieblinge "von gestern" in angemessenem Ambiente erleben zu können - und dabei vielleicht auch die eine oder andere Überraschung zu erleben. In den letzten Jahren machte der Tourtross dabei auch in Wien Halt, nach dem promotiontechnischen Debakel des Vorjahres, das zu lediglich etwa 1400 zahlenden Gästen in der Wiener Stadthalle und eine damit verbundene Verlegung in die ambientefeindliche Containerhalle E führte, wurde allerdings auf ein Date in Österreich verzichtet. Das ist natürlich schade, aber nichtsdestotrotz machte ich mich dann Anfang März 2013 auf den Weg nach München, um mir ROCK MEETS CLASSIC 2013 in der Olympiahalle live einzuverleiben. Nach einem kurzen Aperitif im kleinen Café der Olympiahalle füllte sich auch die Halle recht rasch und so lässt sich ein ROCK-MEETS-CLASSIC-Konzert natürlich in der passenden Atmosphäre genießen: Eine große Halle, ausreichend begeisterungsfähiges Publikum - geschätzt etwa 6500 Besucher - und eine imposante Bühne; das gefällt, und verpasst dem Konzert gleich zu Beginn den passenden Anstrich. Nach einem kurzen Intro geht's auch gleich los, und zwar mit einem der Überraschungserfolge des vergangenen Jahres, namentlich CHRIS THOMPSON von der MANFRED MANN'S EARTH BAND, der erneut einige seiner großen Hits (von denen man oft überrascht ist, dass diese Songs überhaupt aus seiner Feder stammen!) hervorragend gelaunt zum Besten gibt. Zunächst wird das Set mit "For You" eröffnet - wobei es sich dabei ja strenggenommen auch um ein Cover von BRUCE SPRINGSTEEN handelt - welches Publikum, Band und Orchester gleich mal auf Betriebstemperatur bringt; und Chris legt auch in ähnlichem Tempo weiter vor, mit der erneut großartigen Darbietung von "Davy's On The Road Again", wobei die ROCK-MEETS-CLASSIC-Versionen dieses Songs wohl zu den besten zählen, die man von dieser Nummer kennt. Ein absolutes Highlight! Schließlich schaltet man dann zum Ende des ersten Sets von CHRIS THOMPSON einen Gang zurück, und bringt mit "Questions" die erste Ballade des Abends. Kurz darauf gibt Meister Thompson auch schon die Bühne frei und zwar für einen der Sänger einer der wohl größten Rockbands der Achtziger, STEVE AUGERI von JOURNEY. Und der eröffnet gleich standesgemäß mit keiner geringeren Nummer als dem legendären "Separate Ways", welches das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Mit "Wheel In The Sky" folgt ein weiterer Klassiker, und auch die Ballade "Faithfully" wird von Mr. AUGERI in exzellenter Manier dargeboten. Generell präsentiert sich STEVE AUGERI stimmlich in sehr guter Form und bewältigt auch eine herausfordernde Nummer wie das abschließende "Don't Stop Believin'" souverän. Neben STEVE AUGERI selbst steht bei diesen Songs auch Keyboarder Jimmy Kresic immer wieder im Scheinweferlicht und kann mit seinen sympathischen Peformances an Keyboards und Piano überzeugen. Dann aber folgt wohl das musikalische Highlight der Show, und zugleich die (wohl nicht nur) für mich größte Überraschung der diesjährigen ROCK-MEETS-CLASSIC-Tour: ERIC BAZILIAN von THE HOOTERS. Die in den Achtzigern gegründete Band aus Philadelphia hatte hierzulande zwar vielleicht nie die ganz großen Erfolge, auch wenn man die Hits natürlich kennt; aber die eigentliche Überraschung sind einerseits die sympathische Art und hohe Musikalität von Sänger ERIC BAZILIAN, der nebst Gesang auch noch zu Gitarre, Mandoline und Flöte greift, und die überaus gelungenen Arrangements von Songs wie "All You Zombies", dem Cover von "500 Miles" und auch der von JOAN OSBOURNE bekannt gemachten Nummer "One Of Us". Spätestens bei diesem Song hat Herr Bazilian aber die Lacher und besonders die Fans aus Deutschland vollends auf seiner Seite, als er eine Strophe des Songs mit deutschem (und nicht ganz so ernst zu nehmenden) Text singt. Ganz großes Kino, gekonnt eingesetzt; so wird das gemacht, und das beschert ERIC BAZILIAN dann auch nach dem abschließenden "Johnny B" einen fulminanten Applaus. Nach einem orchestralen Interludium in Form einer kurzen Suite zum "Pirates Of The Carribean"-Soundtrack geht's zunächst mal in die zwanzigminütige Pause, ehe nach dieser noch einmal CHRIS THOMPSON ran darf, und mit seinen Hits "You're The Voice" und "Mighty Quinn" nochmal formidabel nachlegt. Mittlerweile ist auch das Publikum in der Olympiahalle in Partystimmung und freut sich auf den Special Guest des Abends, die große BONNIE TYLER. Die ist auch wieder gut in Form, nachdem sie sich ja leider zu Beginn der Tour mit einer Erkältung herumschlagen musste und eröffnet ihr Set auch gleich mit "Total Eclipse Of The Heart". Beeindruckend ist sie immer noch, die Röhre der guten Mrs. TYLER, auch wenn die ganz hohen Noten vielleicht heute ein bisschen außen vor bleiben müssen. Das tut der Stimmung aber keinen Abbruch, auch die neue Single "Believe In Me" vom kommenden Album wird gut angenommen. Stimmungstechnisch besser kommt dann allerdings die TYLER-Version von "Simply The Best" an, auch wenn die gute Bonnie ein paar Schwierigkeiten mit dem Einsatz hat. Das wird ihr aber vom Publikum nachgesehen und auch Band und Orchester tun ihr Möglichstes, um kleine Fehltritte bestens zu kaschieren. Aber sei's drum - BONNIE TYLER ist und bleibt einfach eine Kultfigur, und auch das abschließende "Holding Out For A Hero" wird natürlich amtlich abgefeiert. Schön, auch diese Songs mal live erlebt zu haben! Allerdings, so muss man sagen, hat es der Headliner des Abends dann einigermaßen schwer. PAUL RODGERS ist zwar ein absolut großartiger Sänger, und auch ich habe spätestens seit seinen gemeinsamen Touren mit QUEEN vor einigen Jahren viel für den souligen Touch seiner Stimme übrig; allein, es fehlen dem Sänger von FREE und BAD COMPANY ein bisschen die ganz großen Hits, die andere Herrschaften des ROCK-MEETS-CLASSIC-Ensembles schon vorweisen können. Klar, die FREE-Hymne "All Right Now" unter Beteiligung der gesamten Tourbelegschaft wird formidabel abgefeiert, aber andere Songs der Marke "Wishing Well", "Can't Get Enough" und "Feel Like Makin' Love" haben nicht ganz so die zündende Wirkung wie manch andere Klassiker in der Setlist an diesem Abend. Freilich, auch PAUL RODGERS wird nach der "Rock'n'Roll Fantasy" gebührend abgefeiert, aber man kommt nicht umhin zu bemerken, dass wohl doch ERIC BAZILIAN der große Gewinner und "heimliche Headliner" der ROCK-MEETS-CLASSIC-Tour 2013 war. Nichtsdestoweniger wurde auch 2013 von Mat Sinner und seiner Band (unterstützt unter anderem von beinahe der gesamten PRIMAL FEAR-Belegschaft in Form von Drummer Randy Black, Sänger Ralf Scheepers und Gitarrist Alex Beyrodt, der neben niemand geringerem als ex-AT VANCE-Röhre und AVANTASIA-Dauergast OLIVER HARTMANN in die Saiten greift), dem Bohemian Symphony Orchestra Prague und natürlich den einzelnen Gaststars eine tolle Show geboten, bei der viele Hits und auch die eine odere andere musikalische Überraschung gebracht wurden, und die einfach ein tolles Ambiente für Freunde der etwas traditionelleren Rockmusik bietet, um "ihre" Helden der Jugend noch einmal ordentlich und verdient abzufeiern. Ein wenig schade war es zwar, dass keiner der sensationellen Background-Vokalisten diesmal ein Solo bekam, wie etwa im vergangenen Jahr Ralf Scheepers bei "Rosanna" gemeinsam mit Steve Lukather, oder Sascha Krebs, der damals mit VAN HALENs "Jump" eröffnen durfte, oder auch die immer großartigte Amanda Somerville, die im Jahr davor einen sensationellen Solo-Auftritt hatte; und schade war es auch, dass diese Tour 2013 in Österreich nicht stattgefunden hat. Klar, diese Musik hat es natürlich etwas schwer auf österreichischem Boden, aber eine so erstklassige Produktion sollte man doch auch hierher holen können. Es bleibt also zu hoffen, dass sich für 2014 ein heimischer Promoter ein Herz fasst und ROCK MEETS CLASSIC auch wieder hierzulande stattfinden lässt. Mein Fazit also zu ROCK MEETS CLASSIC 2013: Auch wenn mit PAUL RODGERS als Headliner vielleicht ein hierzulande nicht ganz so bekannter Act als Headliner gewählt wurde, so ist RMC auch 2013 wieder ein absolut gelungenes Konzerterlebnis geworden, und wenn sich die Möglichkeit bietet - sehen Sie sich das an, meine Damen und Herren!

Setlist ROCK MEETS CLASSIC 2013

Child's Anthem (Toto-Cover) CHRIS THOMPSON: I Came For You Davy's On The Road Again Questions You're The Voice Mighty Quinn STEVE AUGERI (ex-JOURNEY): Separate Ways Wheel In The Sky Faithfully Don't Stop Believin' ERIC BAZILIAN (THE HOOTERS): All You Zombies 500 Miles One Of Us Johnny B Pirates Of The Carribean Suite Ungarischer Tanz No. 5 (Brahms) BONNIE TYLER: Total Eclipse Of The Heart Believe In Me Simply The Best Holding Out For A Hero PAUL RODGERS (ex-FREE, ex-BAD COMPANY): Wishing Well Can't Get Enough Feel Like Makin' Love All Right Now Rock'n'Roll Fantasy


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