31.05.2013 - 02.06.2013, Lochotin Cirque

METALFEST Pilsen 2013

Veröffentlicht am 06.06.2013



METALFEST 2013

Was ist nur mit der Welt am ersten Juni Wochenende 2013 los? Tornados wüten in den USA, der FC Bayern gewinnt das Triple und der seit gefühlten Ewigkeiten andauernde Regen sorgt in vielen Teilen Deutschlands und Europa für Hochwasser, selbst von Jahrhunderthochwasser ist in einigen Regionen die Rede. Und was kann sich der geneigte Metaller bei überlaufenden Flüssen und Dämmen, überschwemmten Straßen und unbetretbaren Wiesen nicht sehnlicher Wünschen? Richtig, solch ein Wetter live am eigenen Körper auf einem Festival zu erleben. Gleich zwei Festivals liegen an diesem Wochenende mitten im Auge des Sturms. Während man im fränkischen Geiselwind beim BEASTIVAL zusammen mit den „Big Teutonic 4“ den Fluten trotzt, begeben wir uns ins tschechische Pilsen zum

METALFEST

. Und ja, soviel sei schonmal vorweggenommen, das Klima wird uns tatsächlich mehr als übel mitspielen. TAG 1 Am Freitag Vormittag bei unserer Ankunft sind die Parkwiesen, auf die wir geleitet werden, schon kaum mehr befahrbar, der Campground gleicht einem Schlammloch und auch das Festivalgelände ist in Mitleidenschaft gezogen. Schließlich handelt es sich beim „Lochotin Cirque“ nicht gerade um das befestigteste aller Amphitheater dieser Welt. Dennoch büßt das Auditorium auch bei grauem Himmel und Sturzbächen nichts von seiner Imposanz ein, stellt die Tontechniker aber Jahr für Jahr vor neue Herausforderungen. Knallt es in den unteren Reihen meist druckvoll und ausgewogen, verkommt das akustische Geschehen in den ganz hohen Reihen (in denen sich unpassenderweise auch die Food-Area befindet) zu einen undefinierbaren Brei. Den Power-Metallern von, jetzt kommts,

POWER 5

, kann dieser Fakt zunächst mal egal sein, denn nur eine handvoll Leute erscheinen beim Opening Act, um den stark an STRATOVARIUS erinnernden Melodic-Metal der Tschechen zu feiern. Die ersten Songs auf der Setlist fallen tief in das Tal der Belanglosigkeit. Schwung in das Ganze bringt man erst im späteren Verlauf des kurzen Gigs, wenn man allzu TOLKKIesque Midtempo Stampfer hinter sich lässt und endlich ein bisschen Gas gibt. Der kleinen Menge vor der Bühne gefällts trotzdem. Gespielte Songtitel sind für den Schreiber leider Schall und Rauch, weil dieser dem Tschechischen nicht mächtig ist. STRATOVARIUS Klon die zweite:

SALAMANDRA

übernehmen das sich langsam füllende Feld, aber trotz inzwischen verständlicher Lyrics kann der an Seichtheit kaum zu überbietende Sound der Tschechen nicht überzeugen. Da klingt eine runde übers Gelände viel interessanter und so gehen die Melodic-Metaller schneller wieder vergessen als sie wahrgenommen werden. Zum ersten Mal Festivlatmosphäre kommt bei der einheimisch wohlbekannten Kombo von

CITRÓN

auf. Deren klassischer 80er Jahre Metal ACCEPTscher Prägung zieht die bis jetzt größten Massen ins Infield . Der Sound knallt, die Band hat sichtlich Spielfreude, die meist doppelstimmigen Soli sitzen auf den Punkt und dabei macht man noch ordentlich Party, auch wenn Mitsingspielchen Marke „Kiss Him Goodbye“ ziemlich ausgelutscht sind. Auch hier leider keine Infos über Songtitel, unser Tschechisch hat sich leider während den letzten zwei Bands nicht verbessert. Nein liebe Kerle, keine Angst. Auch wenn ihr bestimmt einige Biere vernichtet, ihr habt noch lange nicht so viel intus, dass ihr euch GIRLSCHOOL schöngesoffen habt. Das auf der Bühne sind die Schwedinnen von

CRUCIFIED BARBARA

und, ja, der männliche Teil des Publikums staunt nicht schlecht, WER diesen rotzigen Rock'n'Roll Sound ins Rund schmettert. Optisch eher hübsch und zierlich, transportieren die vier Mädels ihre stark von ROSE TATOO und MOTÖRHEAD beeinflussten Songs mit einer gehörigen Protion Credibility, so dass von Anfang an keine Fragen aufkommen, wer hier wen besser nicht blöd anmachen sollte. Songs wie das Eröffnungsdoppel vom „Midnight Chase“-Album „Crucifier“ und „Shut Your Mouth“ knallen energetisch wie Hölle, „Motorfucker“ und „In Distortion We Trust“ bringen den Kessel zum kochen, bevor er mit dem MOTÖRHEAD-Cover „Killed By Death“ zum überlaufen gebracht wird. Definitiv eines der Highlights des Tages. Dagegen wirken die Recken von

PINK CREAM 69

schon fast harmlos, was auch vom Publikum mit einem leichten Stimmungsabfall quittiert wird. Dabei machen die Mannen um Dennis Ward und Ausnahmesänger David Readman ihre Sache gewohnt gut. Wie in den letzten Jahren steigt man mit „Children Of The Damned“ in das 60-minütige Set ein, welches neben Klassikern wie dem großartigen Rausschmeißer „Shame“ auch Material des jüngst erschienenen Werkes „Ceremonial“ wie zum Beispiel den Stadionrocker „Wasted Years“ enthält. Unterm Strich steht ein routinierter, gutklassiger, aber auch höhepunktarmer Gig der Karlsruher. Das sieht beim heutigen Co-Headliner

U.D.O.

auf dem Papier nicht wirklich anders aus, denn Herr Dirkschneider und seine zum Teil neue Besatzung durften dieses Jahr schon einige Festivals mit Ihrer Präsenz beglücken. Daher unterscheiden sich die Shows von FULL METAL CRUISE, ROCK HARD FESTIVAL, BEASTIVAL und eben METALFEST auch nur marginal. Aber wen kümmerts wenns jedes mal wieder geil is? Punktgenau zum Opener „Steelhammer“ drückt der Sound der fünfköpfigen Truppe wie ein Heavy Metal Tsunami ins Lochotín und hinterlässt spätestens beim abschließenden ACCEPT-Knaller „Balls To The Wall“ pure Verwüstung. Bei völligem Verzicht auf Ansagen (Wer brauch die auch schon bei dem Songmaterial?) rockt sich der Herr durch powervolle Highlights der jüngeren Geschichte („Rev-Raptor“, „Metal Machine“, „Leatherhead“) und Klassiker des eigenen Backkataloges („Man And Machine“, „Animal House“, „Timebomb“). Der Rezensent freut sich übrigens ein Loch in die persönliche Mütze, dass sich mit „Screaming For A Love Bite“ und „Head Over Heels“ auch mal zwei nicht ganz so todgenudelte ACCEPT-Cover ins Set geschlichen haben. Das neue Gitarrenduo Smirnov und Heikkinen lässt dabei keine Wünsche offen und zockt sich so tight durch die brachialen Riffs und melodischen Leads als wären sie seit Gründungstagen mit dabei. Ladys And Gentleman, hier haben wir unseren eigentlichen Headliner.... ….denn

SATYRICON

versagen leider voll und ganz. Okay, warum auch immer man die norwegischen Schwarzheimer als Headliner nach einem sonst klassisch orientierten Tag hinstellen muss, weiß sicher nur der Veranstalter. Aber das irgendwo zwischen gewollter Moderne und klassischem Schwarz hin- und hergekünstelte Bassgewitter passt nach so einer Stimmungsgranate wie U.D.O. mal gar nicht in das Gemüt der meisten, und so leert sich das Auditorium, als ob jemand nen Stöpsel gezogen hat. Wir werden davon übrigens mitgesaugt und bereiten uns auf den noch verregneter werdenden Tag 2 des „Muddelfest 2013“ vor.

TAG 2 Wow, es ist kurz mal halbwegs trocken von oben, als die erneut einheimische Powermetal-Band

EAGLEHEART

trotz des schlimme Vorahnungen hervorrufenden Namens keinen STRATOVARIUS-Sound in das um 10:30 Uhr fast komplett leere Infield bläst. Anstatt skandinavischem Geklimpere servieren uns die Tschechen druckvolles Material zwischen ICED EARTH und BRAINSTORM und können die kleine Runde damit im laufe des 35-minütigen Sets deutlich vergrößern. Definitiv nicht der schlechteste Start in einen Tag. METALLICA, SLAYER, EXODUS,

ACCU§ER

!! Und nein, ich untertreibe nicht, die 2002 reformierte Siegener Truppe in einem Atemzug mit den anderen Heroen zu nennen, denn was hier um kurz vor 12 im Theater passiert wird sicherlich jedem Old-School Thrasher die Freudentränen in die Augen treiben. Bereits beim Opener drückt der Sound so gewaltig, dass die Fugenrisse im Fundament des Theaters bedenklich größer werden. Agiert die Truppe zunächst noch etwas steif, so taut man dank der verdient großartigen Reaktion des Publikums nach und nach auf. Die ersten kleinen Moshpits entstehen im Graben vor der Bühne während Riffs und Soli um die Wette donnern, und so fragt man sich letztendlich nur, wieso man den Thrashern nicht einen besseren Slot im Line-Up verpasst hat. Denn wer während ACCU§ER noch verkatert im Zelt schwimmt verpasst eines der Festivalhighlights. Leider ist mir noch absolut gar nichts vom Songmaterial der Siegener bekannt, was ich zuhause schleunigst ändern werde. Einheimischer Powermetal, die [bitte exorbitant sarkastisch hohe Zahl eintragen]te:

SEBASTIEN

, und wieder mal haben wir von der Band keinen blassen Schimmer, was bei lediglich einem erschienenen Album aus dem Jahre 2010 auch nicht verwunderlich ist. Das Infield leert sich indes deutlich. Um so mehr sind wir überrascht, als plötzlich Mr. RHAPSODY (OF FIRE), VISION DIVINE, ANGRA und ex-KAMELOT Fabio Leone als Special Guest auf der Bühne erscheint, um bei der Darbietung des schätzungsweise ausschließlichen Material des Debüts „Tears Of White Roses“ kräftig zu supporten. Und auch performancetechnisch erleben wir hier von den [bitte vorherige sarkastisch hohe Zahl noch einmal erhöhen] Powermetalkapellen den mit Abstand besten Auftritt. Hier ist ständig Bewegung auf der Bühne, der Sound ist klar und differenziert, das Live-Keyboard klingt angenehm organisch, bei den druckvollen Drums und düsteren Riffs sitzt alles, wo es hingehört. Das Songmaterial bewegt sich zwischen KAMELOT, jüngeren DARK MOOR und AVANTASIA, und kann selbst manchen Kitsch unaffinen Teilnehmern ein symphatisch gemeintes Lächeln entlocken. Mal merken! Danach leider wieder ein Flop auf ganzer Linie.

DANIEL KROB

, ex-Gitarrist der Tschechischen Thrash-Legende ARAKAIN jammert seine in Landessprache vorgetragene Melange aus seichtem Heavy-Metal und Rock trotz dominanter Marshall-Wand komplett druck- und lustlos daher, sodass wir schnell zwecks Nahrungssuche das Weite suchen. Bei

EX-DEO

kommen die dieses Jahr sträflich vernachlässigten Death-Metal Anhänger endlich zum Zuge. Und das Warten hat sich gelohnt, schließlich haben wir es hier mit dem fast kompletten Line-Up von den später auftretenden KATAKLYSM zuzüglich ASHES OF EDEN Basser Dano Apekian zu tun. Das man performancetechnisch also nichts zu befürchten hat dürfte klar sein. Und nach dem man sich ein Paar Lacher ob des leicht peinlichen Outfits verkniffen hat lässt man die Matte zum Eröffnungsdoppel „I, Caligvla“ und „The Tiberius Cliff“ kreisen. Der epische und symphonische Death-Metal der Kanadier, welcher hin und wieder gen AMON AMARTH und SEPTIC FLESH schielt kommt beim Publikum sehr gut an. Die dominanten Orchesterparts stammen leider alle aus der Konserve, weshalb der Live-Sound zuweilen etwas klinisch klingt, vielleicht sollte man hier zukünftig mal über einen Keyboarder nachdenken. Aber bei Songperlen wie dem Rausschmeißer „Romulus“ ist das Problem schnell vergessen und auch bei stärker werdendem Regen steigt die Stimmung unaufhaltsam. Der Härtegrad wird erneut gesteigert und man öffnet für

MILKING THE GOATMACHINE

die Stalltür. Fortan übernehmen die hinter Ziegenmasken versteckten Berliner mit ihrem Death- und Grindcore das Kommando. Langsam aber sicher erreicht der Moshpit eine annehmbare Größe, die ersten Teilnehmer liegen im Schlamm, wandeln anschließend aber glücklich und zufrieden übers Gelände. Grade die Songs des neuen Albums „Stallzeit“ wie „Goatrider In The Sky“ liefern angemessen amtliche Partyatmosphäre, welche bei konstant mieser werdendem Wetter auch zwingend nötig wird. Anschließend wirds TRVE in Pilsen, die Schweden von

BLOODBOUND

entern mit ihrem pathosgeschwängerten HAMMERFALL/HELLOWEEN Mix die Bühne. Zugegebenermaßen kommt es recht lächerlich, wenn in mindestens 50% der heute dargebotenen Songs das Wort „Metal“ im Titel auftauchen muss, doch glücklicherweise spart man sich bei der Performance größtenteils das Gepose und agiert natürlich mit mächtig Spaß in den Backen. Ob beim Opener „Moria“ und dem Mitschreier „Drop The Bomb“ (beide vom 2011er Output „Unholy Cross“), in Pilsen kommt der symphatische True-Metal voll an. „Metalheads Unite“, da stehen Tschechen, Österreicher und Deutsche zusammen mit einem leckeren Pivo in der Hand und grölen sich die Stimmbänder kaputt, so soll das sein! Setlisttechnisch liegt der Schwerpunkt auf dem eher durchwachsenen neuen Streich „In The Name Of Metal“, doch als zum Schluss die beiden Evergreens „Book Of The Dead“ und „Nosferatu“ erklingen gibt es für viele kein Halten mehr. Warum man auf dem Rest des Kontinents noch nicht wirklich Fuß fassen kann, erschließt sich mir zumindest aus der heutigen Bühnenleistung nicht. Die Welt erobert haben

KATAKLYSM

bereits. Was die Kanadier noch nicht wissen ist, dass ihr Publikum bei „As I Slither“ und dem patentierten „KATAKLYSM-Security-Stress-Test“ die eigene Bühne erobern wird. Doch von vorne: Bereits beim genialen Opener der 2006er Outputs „In The Arms Of Devastation“ namens „Like Angels Weeping (The Dark)“ herrscht Headlinerandrang, die Death Metal Hymnen werden vom Publikum im Refrain mitgegrölt, in den Strophen herrscht der Moshpit. Das neuere „Push The Venom“ heizt die Kessel an, die mächtigen Drums und die tief gestimmten Gitarren brettern gewaltig. Generell liegt der Schwerpunkt im Set heute auf neueren Songs der Marke „Taking The World By Storm“, „The Resurrected“ und „The Night They Returned“, das „Epic“ Album wird zum Leidwesen einiger Old-School Fans komplett ausgeklammert. Der Meute ist das egal, Maurizio Iacono und seine Mannen feuern unbarmherzig weiter. Und dann sind wir bei „As I Slither“ angekommen, dem „Stress-Test“ Song, Crowdsurfer werden gefordert. Die kommen auch, und denken gar nicht mehr daran, wieder aus dem Bühnengraben zu verschwinden. Nach und nach entert der ganze Pit den Catwalk vor der eigentlichen Bühne, Maurizio steht mittendrin und weiß kaum, wie ihm geschieht. „You're crazy“, „You're insane“...der gewichtige Kanadier ist merklich geflasht. Einen ganzen weiteren Song lang („At The Edge Of The World“) bleiben wir auf der Bühne und moshen was das Zeug hält. Bevor die Situation eskaliert, werden wir beim dramatischen „The Road To Devastation“ höflich gebeten, wieder in den Pit zurückzukehren. Müßig zu erwähnen, das dem ohne irgendwelche Form der Beanstandung Folge geleistet wird, und so feiern wir ausgelassen zum Finale aus „Crippled & Broken“, „Face The Face Of War“ und „Shadows & Dust“. Legendär Freunde! Wie am Vortag tut der Veranstalter sich und seinem Festival keinen Gefallen, den größten Stimmungsmachern einen depressiven Downer entgegenzusetzen. Die ohne Frage großartigen

KATATONIA

setzen daher auch dem Drum und Bassgewitter, den wir vom Festivalvorplatz wahrnehmen glücklicherweise eher auf das Death-Metal-lastige Frühwerk des eigenen Schaffens als auf die verkopfte Schwermut der letzten zwei Alben und ernten damit auch mehr als nur Anstandsapplaus. Das Fanboytum des Schreiberlings nimmt zu dieser Zeit aber überhand, wieso er sich lieber mit Fest- und Flüssignahrung gestärkt an der Meet & Greet Stage anstellt, um dem Headliner des heutigen Abends die Hand zu schütteln. Dieser hört auf den Namen

SONATA ARCTICA

, kommt aus Finnland (was wir in der ersten Strophe von „Black Sheep“ nochmals erläutert bekommen), und spielte mal melancholischen, leicht progressiven, aber stets melodischen, oftmals pfeilschnellen und verdammt emotionalen Power-Metal. Zumindest tat man das noch, als man anno 2010 die gleiche Bühne als Headliner beehren durfte. Zwischenzeitlich hat man aber ein neues Album Namens „Stones Grow Her Name“ veröffentlicht, mit welchem man die seit 2007 angekündigte Abkehr vom Power-Metal besiegeln möchte. Und so zockt man sich heute auch konsequent durch ganze sieben Songs dieses Outputs, welches leider mit der Magie der früheren Releases so gar nichts zu tun haben will. Sicher hat sich die fünfköpfige Truppe um Frontsau Tony Kakko in all den Jahren eine beachtliche Fanbase erspielt, die auch einen Headlinerslot rechtfertigt, nur stößt man dieser Base mit der heutigen Songauswahl schön vor den Kopf. Flottere Rocker wie „Cinderblox“ und „Losing My Insanity“ folgen auf verkopftes Material wie „The Last Amazing Grays“ und dem totlangweiligen „The Day“. „Shitload Of Money“ ist für mich auch live nur ein billiger Partymacher. Dagegen blitzen ältere Hymnen wie „Fullmoon“, „Paid In Full“ und „Don't Say A Word“ mit ihrer grenzenlosen Energie und erinnern daran, wie glückselig man vor drei Jahren nach dem Konzert sein konnte. Schlecht ist das ganze auch heute nicht. Das geht bei einem Frontmann wie Tony Kakko, der sein Publikum genauestens zu dirigieren weiß fast gar nicht. Und teilweise fällt das Publikum wieder komplett in Trance, doch an die grandiose Show von 2010 kommt man heute nicht ansatzweise heran. Und jetzt wird es interessant: Als ich zu meinem Auto zurückkehren will, stelle ich nicht nur fest, dass der schon vorher schon völligst desolate Parkplatz komplett überflutet ist und Wacken 2012 als müdes Planschbecken aussehen lässt, sondern dass außer fünf Autos (meinem eingeschlossen) NIEMAND mehr auf diesem Parkplatz steht. Auch der Campground ist bis auf wenige Zelte abgeräumt. Kann es sein, dass sich dank des Wetters tatsächlich alle aus dem Staub machen? Ich beschließe, hierrüber morgen früh weiterzudenken, schwimme zu meinem Auto (welchem ich spätestens jetzt eine Innenraumreinigung spendieren darf) und trete die Nachtruhe an. Tag 3 Am nächsten Morgen dann erklärt sich alles beim Gespräch mit einem der ungelogen freundlichsten und hilfsbereitesten Ordnerkräfte, die ich jemals auf einem Festival getroffen habe. Großes Lob an dieser Stelle!! Der Parkplatz und Campground wurde am gestrigen Nachmittag offenbar zum Evakuierungsgebiet erklärt, ein nicht näher genanntes größeres Wasserdepot muss auf Grund der Fluten geöffnet werden und wird auf unseren Acker abgelassen. Natürlich stellt man kostenlose Abschleppfahrzeuge bereit, die den Karren sprichwörtlich aus dem Dreck ziehen sollen. Allerdings nur Samstag Nachmittags, später muss das Abschleppen in Eigenregie und auf eigene Kosten erfolgen. Freundlicherweise klärt man das Publikum in einer der zahllosen Ansagen zwischen den Bands über den Sachverhalt auf, so dass der Großteil der metallischen Bevölkerung schnell reagieren kann. Pech gehabt haben nur die Nicht-Tschechen, denn auf eine englische Übersetzung der Ansagen wird rigoros verzichtet. Und auch wenn ganze vier Starke Ordner am nächsten Morgen mit aller Kraft versuchen, mein Auto aus den Everglades zu retten, bleibt mir nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen und meine Rettung zu bezahlen. Danke hier nochmal für die freundliche Hilfe vom Festival und das Runterhandeln (natürlich wollen die örtlichen Anbieter aus der Not anderer Profit schlagen). Dankenswerterweise ist bis zum Opener des letzten Tages

ENFORCER

alles „in trockenen Tüchern“ (sorry, den konnt ich mir nicht verkneifen) und wir ergeben uns freudig der Überdosis 80er Jahre Heavy Metal PRIESTscher Prägung. Die Schweden, welche zu den Klängen von „Diamonds & Rust“ die Bühne betreten fackeln nicht lange und hauen mit „Death Rides This Night“ gleich einen der größten Ohrwürmer des Tages raus, bevor mit „Mistress From Hell“ und der aktuellen Single „Mesmerized By Fire“ nicht weniger stark nachgelegt wird. Optisch jedem Klischee entsprechend rockt man sich wie die ganz großen von Anno Dazumal durch das restliche Set, springt, post und fällt auf die Knie. Was Fronter Olof Wikstrand da an Leads und Riffs parallel zum Singen vom Stapel lässt muss der Hobbymetaller erstmal nachmachen. Großes Kino gleich zu Anfang. Mir langt's jetzt vollkommen mit dem einheimischen Power-Metal. Als ich zu den mal wieder in landessprache vorgetragenen Texten von

KREYSON

die wohl steifste Performance des Festivals erblicke, flüchte ich zur Fressmeile und hole mir einen leckeren Teller „Was-Auch-Immer-In-Dem-Kessel-Da-Drin-Rum-Schwimmt“. Ich möchte mich gar nicht darüber beschweren, dass einheimischen Bands hier Platz geschaffen wird, schließlich passiert so etwas auf jedem anderen Festival der Welt auch und das sollte auch immer so sein, also bitte nicht falsch verstehen. Dennoch hat Tschechien deutlich bessere und abwechslungsreichere Bands zu bieten, als die, die uns dieses Jahr hier präsentiert werden. Den dänischen Power-Death Recken von

MERCENARY

schenke ich dann wieder mehr Euphorie. Mit der Schnittmenge aus AT THE GATES Riffs und Power-Metal Refrains zeigt vor allem Sänger und Bassist René Pedersen eine beeindruckende stilistische Breite. Leider will der Funke trotz Krachern wie „On The Edge Of Sanity“, „The Black Brigade“ und der Albumkostprobe „Through Our Darkest Days“ nicht wirklich aufs Publikum überspringen. Der Aufforderung zur Wall Of Death wird trotz gut gefülltem Pit nicht ansatzweise nachgegeben. Am arschtighten Auftreten, der motivierten Performance und dem gutklassigen Songmaterial kanns eigentlich nicht liegen. Und dann passiert es leider, die Wetterstrapazen der letzten Tage zollen ihren Tribut. Während die ersten Erkältungsnasen schon abgereist sind erlebt jemand aus unserem Kreise einen waschechten Kreislaufzusammenbruch, weswegen auch wir uns gezwungen sehen, die lädierten Zelte vorzeitig abzubrechen und die mühselige Heimreise anzutreten, wobei uns durch Nachrichtenberichte und eigenen Erlebnissen das Ausmaß der Wetterkatastrophe erst bewusst wird. Leider verpassen wir dadurch die restlichen Auftritte von

VARG

,

FREEDOM CALL

,

KORPIKLAANI

,

AIRBOURNE

und

KING DIAMOND

. Gesundheit geht nunmal vor. Fazit: Das METALFEST in Pilsen zeichnet sich auch dieses Jahr durch seine einzigartige Location mit allen Vor- und Nachteilen aus. Leider kann man Line-Up-technisch nicht mit den letzten Jahren mithalten. Fürs Wetter kann man nichts und man kann den Veranstaltern auch keine Arbeitsverweigerung zur Lösung der Probleme vorwerfen. Es ist halt grade für von weit her Anreisende echt schade, dass nicht mal versucht wird, solch wichtige Infos wie das Evakuieren von Camp- und Parkground auf Englisch durchzusagen und man darüber auch keine Aushänge macht. Bleibt zu hoffen, die Gerüchte, dies war das letzte METALFEST in Pilsen erweisen sich als Ente und wir sehen uns nächstes Jahr im Sonnenschein wieder. Over and out!


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