01.08.2013 - 03.08.2013, Wacken Festival Area

W:O:A 2013

Veröffentlicht am 11.08.2013

Kult oder Kommerz? Metal Mekka oder El Dorado für Festival Touris? Das "Einzig Wahre" oder inzwischen nur noch eines von vielen? Viele dieser und ähnlicher Fragen darf man sich stellen, wenn man heutzutage auf das Wacken Open Air schaut. Denn unbestreitbar hat sich das einstige Superevent, bei dem sich Metaller aus aller Welt treffen um eine Woche lang harmonisch wie in einer Familie ihre größte Leidenschaft zu feiern weiterentwickelt zu einem der kommerziell wichtigsten Musikevents des Jahres, das lange nicht mehr nur Metaller anzieht. In wie fern das dem Festival gut tut frage auch ich mich, der anno 2013 zum sechsten Mal in den hohen Norden fährt, um dem Spektakel beizuwohnen. Vorweg, diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Den Ruf als bestes Metal Festival der Welt muss man sich ja immerhin erstmal verdienen. Es gibt nach wie vor viel Positives zu berichten. Auf der anderen Seite aber auch genug Negatives. Und da in Wacken schon lange nicht mehr nur die Musik zählt (soviel dürfte jedem klar sein bei Slogans wie "Das Festival ist der Headliner") muss auch in einem Nachbericht auf die vielen weiteren Details eingegangen werden. Daher werde ich nicht, wie in einem klassischen Festivalbericht üblich, sämtliche gesehenen Bands runterrattern, sondern euch versuchen in einer Art Rundgang einen Überblick mit vielen Pros und Cons zu verschaffen, damit ihr zukünftig besser einschätzen könnt, ob das WACKEN nach wie vor noch auf eure To-Do-List gehört oder nicht. Fangen wir an mit der

INFRASTRUKTUR

des Festivals und damit auch dem größten Plus. Das gigantische Besuchervolumen muss koordiniert werden, und wenn der Einzelne vom ganzen logistischen Aufwand kaum etwas mitbekommt, macht man vieles richtig. Von der problemlosen, meist staufreien Anreise zu dem gigantischen, in zig Areale eingeteilten Campground, welcher zur einfacheren Orientierung mit Straßennamen versehen wurde, über Shuttlebusse zum Dorfschwimmbad bis hin zur morgentlichen Versorgung mit Kaffee und Festivaltageszeitung am eigenen Campingplatz, hier wirkt keine Aktion fehl am Platz. Welcher gigantische logistische Aufwand hinter allem, auch der Grundversorgung auf Infield, der Technik usw. steckt und wie problemlos das ganze funktioniert muss einfach gewürdigt werden. Bei einem persönlichen Gespräch mit einem Anreisekoordinator wird mir erklärt, dass täglich zur Kontrolle ein Luftbild geschossen wird, ob auch jede Fläche ausreichend genutzt wird, ansonsten werden Lücken rigoros nachgefüllt. Gerechnet wird mit ganzen zwei Quadratmetern pro Person. Unglaublich eigentlich, wie die ganzen Partytrupps mit ihren riesigen Zelten dabei überhaupt noch ihren Platz finden. Lediglich die Abreise bringt alljährlich einen ewigen Stau, der schon auf dem Campground beginnt. Wer hier nicht abseits der Stoßzeiten aufbricht wird für seine Heimreise einen kompletten Tag mehr einplanen dürfen. Machen wir weiter mit den

CAMPGROUNDS

. Wie schon erwähnt, diese sind zur einfacheren Orientierung in einzelne Areale und Straßennamen geteilt. Zur Vermeidung allzugroßer Überflutungen bei Schlechtwetter sind viele Entwässerungsgräben vorhanden (sollte man in der Näher dieser campen, nehmt Popcorn und Stühle mit, es wird nicht langweilig), generell sind die Campflächen in einem relativ guten Zustand. Ich erinnere mich an andere Festivals, bei denen man sich fühlt, als wäre man alleine in der Wildniss ausgesetzt. Ausreichend Dixiklos sind theoretisch verteilt, länger als fünf Minuten muss kaum einer zur nächsten Batterie laufen. Hier muss man im Vergleich zu den Vorjahren aber etwas Kritik anbringen, denn die Reinigung dieser läuft bei Weitem nicht so einwandfrei wie sonst. Oft fragen wir uns, wozu das WACKEN eine eigene Seelsorge auf dem Festival zur Verfügung stellt. Beim Gang auf eines der Dixis in diesem Jahr können wir es nachvollziehen, denn der Zustand dieser kommt häufig einer seelischen und körperlichen Vergewaltigung nahe. Wer diese Tortur vermeiden will muss auf eine der kostenpflichtigen wassergespülten Toiletten ausweichen, darf dort aber im Schnitt mit einer halben Stunde Wartezeit rechnen. Positiv zu erwähnen sind die häufig verteilten Frühstücksstände, bei denen man zu noch verträglichen Preisen Kaffee und Backwaren erwerben kann, wenn man den Kaffeemann am Campground mal verpasst haben sollte. Die Stimmung auf dem Campground war in den Vergangengen Jahren immer eines der Highlights und Besonderheiten des Festivals. Hier gibt es dicke Minuspunkte, dazu aber später mehr. Kein anderes mir bekanntes Festival bietet so viele

UNTERHALTUNGSMÖGLICHKEITEN

wie das WACKEN. Wer abseits des Trubels auf den Hauptbühnen lieber gemütlich im Rasen liegen und einen Film schauen möchte, der kann das auf dem MOVIE FIELD tun. Grade Mittwochs, wenn die Mainstages noch nicht bespielt werden eine schöne und entspannende Alternative. Wer sich sportlich betätigen möchte nimmt am alljährlichen SOCCER CUP teil oder kann beim PFAHLSITZEN seine Arschmuskeln trainieren. Im BULLHEAD TENT gibt es neben zahlreichen Bands auch die Möglichkeit WRESTLING-Matches zu begutachten. Positiv hier dran ist eigentlich nur, dass dies das inzwischen einzige Zusatzgeplänkel im Zelt ist (früher gab es Schlammcatchen, Wet T-Shirt Contests etc.). Dennoch klaut der Ring, in dem die Kämpfe ausgetragen werden einiges an Sicht auf die zwei Bühnen. Vielleicht hört man hier auf die Fans und schafft dies zukünftig auch noch ab. Das TRASH OF THE TITANS FIELD entführt den Besucher in düstere Endzeitszenarien, in denen monströse, feuerspuckende Roboter die Weltherrschaft übernommen haben. Gerade bei Dunkelheit sehr imposant. In direkter Umgebung hierzu findet sich das WACKINGER VILLAGE, ein Mittelalterdorf, in dem zahlreiche Schwertkämpfe, Ritterturniere und eine Art vorindustrialisiertes Rugby namens Bruchenball aufgeführt werden. Auch kulinarisch findet man hier viele schmackhafte Kuriositäten, was direkt zum nächsten Punkt leitet... ...nämlich der

VERPFLEGUNG

. Das WACKEN bietet auch auf diesem Gebiet so viel wie kein anderes Festival in Europa, man muss allerdings suchen. Denn qualitativ ist von "Mjam" bis "Würg" alles Vertreten. Eine Empfehlung guten Herzens jedweder Art kann man fürs WACKINGER VILLAGE aussprechen. Hier gibt es für Festivals Ausgefallenes und Schmackhaftes für jeden Gaumen, auch wenn es sich manchmal ziemlich im Bauch breitmacht. Da brauch man eigentlich schon gar keinen herkömmlichen Festivalfraß à la Pizza, Mega Burger (FINGER WEG!!), Döner oder Pommes. Lediglich der WACKEN-Nacken bleibt auch nach Jahren absolutem Kult-Status noch lecker, auch wenn ganze fünf Euronen für ein Schweinesteakbrötchen ziemlich heftig sind. Die Getränkepreise gehen mit drei Euro für ein 0,3 l Gläserl Bier und Softdrink in Ordnung. Heftig schlagen Cocktails zu buche und dreist ist es, wenn man im Infield bei der Megahitze in diesem Jahr nach einem Glas Leitungswasser fragt und man tatsächlich einen Euro plus Pfand hinlegen soll. A propos dreist: Zum wiederholten Male wird den Gästen die Mitnahme von Sonnencreme aufs Infield von der Security untersagt. Bei Temperaturen über 35 Grad, fast durchweg knallender Sonne und lauter blasser Metaller und Gruftis grenzt das an Körperverletzung. Zwischenfazit bis jetzt: Ganz schön viel Trubel, ganz schön viel drumherum, und das meiste davon ist auch richtig gut gelungen. Wem ist aber was aufgefallen?? RICHTIG!! Das alles hat so gut wie gar nichts mit METAL zu tun. Der Name "Headbanger's Home" für Dorf und Festival muss ja irgendwo seine Berechtigung her haben, oder? Daher wirds mal Zeit, ins Infield zu schauen, ins

HOLY WACKEN LAND

, wo das eigentliche Geschehen stattfindet. Im Vorfeld gab es ja einige Lärmbelästigungsanliegen aus den Nachbarorten, so war es in den Medien zu lesen. Zu hören war davon allerdings nichts. Im Gegenteil, die zwei Hauptbühnen TRUE und BLACK Stage knallen mit solch brachialer, dennoch glasklarer Wucht, dass es einem die Freudentränen in die Augen treibt. Hier wurde definitiv im Vergleich zu den Vorjahren Holz nachgelegt. Dies hat allerdings zur Folge, dass die PARTY STAGE am Rande des Infields noch schlechter wegkommt als sonst. Die meisten dort auftretenden Bands gehen im dröhnenden Bassgewitter der BLACK Stage komplett unter, sofern man sich nicht nach vorne ins Getümmel quetscht. Gemütlich Band anschauen und nen Cocktail schlürfen is daher zumindest auf der PARTY STAGE nicht drin. An der sanitären Situation im Infield hat sich so gut wie gar nichts geändert. Vorteil: Es gibt fast ausschließlich Wassergespülte Klos, und die sogar meistens in gutem Zustand. Nachteil: Fast immer längere Wartezeiten. Ein Paar Dixis als Auffangmöglichkeit am Geländerand könnte hier schnell Abhilfe schaffen. Gute Technik macht aber noch lange kein gutes Festival: Bands müssen her. Das sollte ja eigentlich die Hauptmotivation sein, um auf ein MUSIKfestival zu fahren, oder? Objektiv macht man mit der Bandauswahl dieses Jahr auch nicht viel verkehrt.

SKYLINE

eröffnen traditionell den Reigen mit einer Auswahl an Coversongs, die üblicherweise auch immer recht vielfältig ausfällt, zumal man immer eine kleine Schar Gäste auf der Bühne begrüßt. Dieses Jahr? Fehlanzeige, keine Gäste, keine Abwechslung. "Cashmere", "Paradise City", "T.N.T.", "Turbo Lover" - 2013 regiert der Hardrock, dargeboten in mittelmäßiger Performance grade im Gesangsbereich. Dass sich mit "Paranoid" und "Bark At The Moon" gleich zwei Nummern aus dem Hause OSBOURNE ins Set schleichen fasst der eine oder andere allerdings als freudiges Omen fürs kommende Jubiläum auf. Trotzdem, war schonmal deutlich besser.

ANNIHILATOR

dagegen säbeln dem Publikum vor der BLACK STAGE mit messerscharfen Speed Riffs und einer einzigartig tighten Darbietung die Rüben ab. Zehn ganze Jahre waren Jeff Waters und Co. nicht mehr auf dem heiligen Acker, da will man heute eine besonders gute Show abliefern. Das gelingt auf Grund einer extremst eingespielten Band und ansteckend guter Laune auf der Bühne. Mit Stücken wie "W.T.Y.D", "Set The World On Fire", "No Way Out" und "Allison Hell" im Gepäck hätte man zwar sowieso schon gewonnen, aber so macht das noch mehr Laune. Tageshighlight! Für Altherrenrock der Marke

THUNDER

und

DEEP PURPLE

bin ich leider der komplett falsche Ansprechpartner. Die Zeit während ersterer Band nutze ich komplett zum regenerieren, bei Letzteren stecke ich sprichwörtlich quer in der Menge fest, so dass ich fast gar nichts von der Musik mitbekomme. Das ist Wahnsinn, was sich da für RAMMSTEIN schon alles an Menschenmasse versammelt. Einzelne aus der Wiese ragende Kanaldeckel im Boden sind aus Sicherheitsgründen mit Zäunen abgesperrt, die wiederum Nadelöhre für die reinkommenden Menschenmassen bilden. Durch diese weniger als fünf Meter breiten Öffnungen brauch man dann auch geschlagene 30 Minuten in kompletter menschlicher Umquetschung. Ich fühle mich zwischenzeitlich ziemlich unsicher. Wenn ich meine Aufmerksamkeit dann mal auf die Bühne richten kann, bekomme ich fast immer ein ausgedehntes Hammond- oder Gitarrensolo mit. Stimmung kommt eigentlich nur beim obligatorischen "Smoke On The Water" auf. Dank mangelnder Kenntnis im Classic Rock Bereich ist es nicht an mir, die Show objektiv zu bewerten, aber eingefleischte Fans der ersten Stunde werden mir später berichten, dass das Dargebotene mit dem Spirit des Originals kaum noch etwas gemein hat.

RAMMSTEIN

ist der eigentliche Indikator für alles in diesem Jahr. Sie zeigen, wie groß das Festival inzwischen ist, sie zeigen aber auch, was alles dank der überbordenen Popularität flöten geht. Statt eine wohlgefüllte Headlinershow in der Menge zu genießen, dürfte den Meisten das Glück zukommen, mit Ach und Krach auf dem letzten freien Fleck grünen Untergrundes ein Viertel der nächstgelegenen Videoleinwand zu erahnen. Spaß macht das keinen. Die Show mindert das natürlich nicht im Geringsten, RAMMSTEIN erwischen einen guten Tag, selbst Till ist auffallend geschwätzig im Vergleich zu sonst. Der Gastauftritt von HEINO geht jedoch in die Hose. Nicht nur, dass dieser Herr bei aller Toleranz bei seinen eigenen Leisten bleiben sollte, er hat auf der Bühne auch mächtig Schiss und zuckt bei jeder Feuerfontäne ängstlich zusammen. RAMMSTEIN bleibt auch ohne HEINO für sich Erlebnis genug. Dennoch, denkt man an MAIDEN 2008 zurück, so kann man sich kaum vorstellen, wie es noch voller werden kann. Bei RAMMSTEIN realisiert man, dass da doch noch viel mehr reingeht. Ich wiederhole mich: Spaß macht das keinen! Freitags ist zum Glück wieder etwas mehr Platz auf dem Infield, auch bei den Headlinern. Trotzdem wundert's, welch vergleichsweise großer Andrang schon um elf Uhr bei

NEAERA

vor der BLACK STAGE herrscht. Zu Recht wie sich rausstellt, der sehr melodische Death Metal gepaart mit einer Prise Hardcore macht einfach Spaß.

TRISTANIA

kümmern sich dagegen weniger um Animation und lassen ihre sperrigen Gothic-Kompositionen für sich alleine stehen. Könnte aufgehen, leider ist der Sound dermaßen übersteuert, das grade Sängerin Marys Passagen eher wehtun als begeistern. Bewegung herrscht auf der Bühne auch kaum, da bleibt außer schmerzvoller Langeweile heute leider nichts hängen. Wer meinen ROCK HARZ Bericht gelesen hat, dem wird meine kleine Stichelei in Richtung

EISB(R)ECHER

nicht entgangen sein. Heute aber kann ich Alexx Wesselsky und seinen Mannen nur gratulieren, da sie bei aller Hitze eine wieder extremst kurzweilige Show voller Humor präsentieren. Alexx versucht heute nicht, sein Publikum um den Finger zu wickeln und wirkt dreimal symphatischer als noch vor 14 Tagen in Ballenstedt. Liegt vielleicht an Ansagen der Marke "Bin ich Heino?! Seid ihr Rammstein?!?". Sehr gelungen!

POWERWOLF

versuchens wie immer auch auf die humorige Art und Weise, obwohl man die "Rumänen" (*hust*) auch schon mal lustiger erlebt hat. Ein Paar Ansagen nutzen sich auf Dauer leider etwas ab (ich sag nur "Vielen Dankeschön" oder "Meine sehr verehrte Gemeinde"). Spaßig isses trotzdem, die einfachen Wolfshymnen klingen von Menschenmassen gegrölt (geheult) auch weit am besten. Und was Sänger Attila Dorn jedes Mal an Leistung abliefert ist einfach gigantisch. Kaum Andrang herrscht unverständlicherweise bei den

PRETTY MAIDS

, aber jeder, der diese Show verpasst ist selbst schuld. Ronnie Atkins singt und agiert, als wäre der Unfall vor zwei Wochen nicht geschehen, über die Instrumentalfraktion brauch man keine Worte verlieren und die Setlist ist zum Bersten mit Hits gespickt. Trotzdem das magerste Publikum am Wochenende. Tja, klassischer 80ger Metal ist scheinbar so gar nicht mehr gefragt. Es sei denn er handelt von Weltkriegen, denn bei

SABATON

ist wie zu erwarten die Hütte brechend voll. Für mich persönlich auf Platte nach wie vor unhörbar (denn dann hinterfragt man tatsächlich das Konzept, tragische und heftige Texte mit Trallala-Melodien zu unterlegen) kann man dem Fun-Faktor der Schweden live tatsächlich nicht widerstehen. Ein kleines Highlight zwischendurch findet übrigens im Zelt statt, wenn die Jungspunde

HEAVENS BASEMENT

den alten Recken zeigen, wo im Rock'n'Roll der Dampfhammer hängt. Ohne auf unsägliches Gepose à la KISSIN' DYNAMITE zu setzen rockt sich der fünfer mit einer im klassischen Rocksektor brachialen Härte ungekünstelt an die Spitze der Symphatieflagge. Unbedingt anschauen, wenn ihr mal die Gelegenheit habt! Das

MOTÖRHEAD

überhaupt spielen is klasse, dass sie nach kaum 30 Minuten abbrechen kann man bei der Hitze und Lemmy's Gesundheitszustand auch nachvollziehen. Beim ersten Song fällt schon auf, dass Lemmy seinem Traum, auf der Bühne zu sterben, momentan wohl näher ist als ihm lieb sein dürfte. Aber ganz ehrlich: Es war doch vorher schon irgendwie klar? Warum gibt man den Slot nicht weiter? Und wenn man einfach die Spielzeit der anderen Bands etwas verlängert hätte, wäre kein Ersatz mehr zu finden gewesen? Bei allem Respekt und Schöngerede, lieber eine Legende weniger als eine Hauptbühne, die 50 Minuten lang stillsteht. Zu

DORO

verlier ich keine Worte. Denn außer, dass ein Paar Gäste wie Eric Fish und Byff Byford auf der Bühne stehen spielt hier DORO. DO! RO! 'nuff said! Mit

ASP

ist dann auch was für die Goth-Fraktion anwesend und das wirkt richtig erfrischend. Der soundtechnische Außenseiter dieses Wochenende punktet mit einer durch Special Effects aufgemotzten Show, Sänger Alex's guter Laune und die ausgewogene Setlist. Neues wie "GeistErfahrer" stimmt aufs kommende Album ein, das "Wechselbalg" heizt ein, damit man bei den absoluten Klassikern "Ich bin ein wahrer Satan" und "Ich will brennen" vollends abspacken kann. Normalerweise nicht mein Fall, heute aber sehr spaßig. An ihren legendären Gig von 2010 kann

GRAVE DIGGER

heute leider nicht anknüpfen, auch wenn ein ähnlicher Aufwand betrieben wurde. SABATON Fronter Joakim Brodén unterstützt bei "Rebellion", die Jungs und Mädels von VAN CANTO sind sogar das ganze Konzert über auf der Bühne und liefern die Chöre ab, die auf GRAVE DIGGER Alben üblich sind, live aber nicht mal durch nen Zweitgesang umgesetzt werden. Zumindest so der Plan, denn wirklich hören kann man die Truppe nicht. Diesmal gibt’s nicht nur schottische Geschichte, sondern einen Mix durch alle Alben, selbst weniger Bekanntes wie "Wedding Day" und "The House" schmuggelt sich ins Set. Um kurz vor drei Nachts vielleicht nicht die beste Idee, denn die müde Meute will Hits Marke "Hangman", "Knights Of The Cross" und "Heavy Metal Breakdown" hören. Was sie nach etwas Wartezeit aber auch artig bekommt. Nach soviel Aufopferung am Freitag ziehe ich mir dummerweise nen Sonnenstich UND nen Kater zu, weshalb ich über den Samstag nicht ganz so ausführlich berichten kann (LEUTE: tragt irgendwas aufm Schädel außer Haaren bei 35 Grad und praller Sonne, sonst macht ihr ewig mit den Nachwehen rum. Ich hänge fast eine Woche später noch in den Seilen). Da ich der Einzige aus unserem Magazin vor Ort bin gibt es auch leider kein Backup. Andererseits berichte ich komplett spontan und vollends freiwillig ohne "Pressegoodies" oder ähnlichem Schnickschnack, daher sei es mir hoffentlich verziehen.

ALESTORM

haben den selben beschissenen Sound wie aufm ROCK HARZ, was zusätzlich zum generell schlechten Sound der PARTY STAGE desaströse Ausmaße annimmt. Weit vorne hört man wohl was, denn da sieht man ein Paar Leute feiern und tanzen. Wer hinterm Cocktailstand steht hört ausschließlich FEAR FACTORY. Damit verleihe ich den Schotten feierlich die Kackfarbene Gehörmuschel für die Kategorie "Grottigster Live Sound 2013".

SONATA ARCTICA

langweilen mit ihrem "Stones Grow Her Name" Material nur noch vor sich hin. Leider sind die Finnen so arg von diesem Album überzeugt, dass auch heute 80% der Setlist aus Songs dieses Albums besteht. Ich selbst sehe genau diese Show schon zum fünften Mal und nicht einmal konnte man von Stimmung reden, daher wundert mich langsam die Verbissenheit von Tony & Co. Naja, vielleicht wirds mit dem nächsten Album wieder besser. Man muss ja nicht zwingend zurück in die Melo-Speed Ecke, die Prog-Phase zwischendurch war weitaus interessanter. Hauptsache man bringt wieder mehr Spannung ins Songwriting, dann klappt's auch mit der Stimmung. Das Gewitter mittendrin macht es übrigens nicht wirklich besser.

DIE APOKALYPTISCHEN REITER

,

TRIVIUM

und

ANTHRAX

sind alle drei auch absolut empfehlenswert von dem was man so mitbekommt, aber ich ziehe mich auf Grund von Fitnessproblemen zurück. Wenigstens

NIGHTWISH

bekomme ich noch ausreichend zu Hören, die Neugierde, wie sich Floor Jansen an den Vocals macht ist einfach zu groß! Und selbst aus weiter Entfernung, wenn der Sound eigentlich verwaschen sollte, kann man mit Fug und Recht behaupten dass Mme Jansen das beste ist was NIGHTWISH passieren kann. Ohne Trouble meistert sie alte Tarja-Klassiker wie "Ever Dream", an dem Anette regelmäßig scheiterte, selbst ganz altes wie "She Is My Sin" erlebt seine Wiederauferstehung und klingt besser denn je. Dass ich "Ghost Love Score" noch einmal in der ursprünglichen Pracht zu hören bekomme hätte ich vorher nicht für möglich gehalten. Aber auch die rockigen Nummern wie "Nemo" und "Amaranth" klingen mit Floor an den Vocals gleich wieder dreimal dynamischer. Der "Last Ride Of The Day" löst dann die heftigste Gänsehaut des gesamten Festivals aus. Im Gegensatz zu vielen war mir Anette nie unsympathisch oder fehl am Platz. Im Gegenteil, ich war einer ihrer wenigen Fürsprecher. Ich gestehe meinen Fehler allerdings ein, NIGHTWISH entfalten ihre ganze Magie nur mit einer Sängerin, die den Sopran wirklich auch beherrscht. Für die Zukunft kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass nichts mehr an die Klasse des heutigen Abends heranreichen wird, sollte man ohne Floor weitermachen. -------------- So weit zu den Bands, so weit so gut! Sollte man meinen. WACKEN! "Full Metal Village", das Zuhause der Metaller auf dieser Welt. Warum ist die Aufregung im Nachhinein dieses mal so groß? Ich schließe unseren Rundgang mit einem rückblickenden Spaziergang und ein Paar unzusammenhängenden Eindrücken. Man lässt den Blick schweifen und sieht lustige, bunte Hüte und oberkörperfreie, dauergrölende Menschen. Gummipuppen und Aufblasdildos. Alkoholleichen, Geschupse, Leute, die auf ihre Umgebung und Mitmenschen keine Rücksicht nehmen. Erinnerungen an den letzten Mallorca-Urlaub werden wach. Auf der Bühne steht eine Band, der Clique vor mir ist es scheiß egal, wer das überhaupt ist. Sie stehen im Kreis zueinander, führen eine lautstarke Unterhaltung, die die Ansagen übertüncht. Im Eingangsbereich wird gepöbelt, weil es nicht schnell genug geht. Ich spaziere über den Campground und höre aus den mitgebrachten Anlagen der Festivalbesucher laute Ballermannmusik, Techno, Sauflieder. Unsere Nachbarn haben genau EIN Metal-Album für die Hochdruckanlage dabei. ALESTORM natürlich. Ach, ne RAMMSTEIN Best Of gibts noch, auf der sich aber auch ein Paar ONKELZ Nummern verstecken.Alle haben Spaß, das sieht man, aber die "Familie" ist nicht die gleiche, die sie noch vor ein Paar Jahren war. Sie ist gewachsen, deutlich, und viele von den Neuzugängen sind am Ursprung, der Musik, nicht mehr interessiert. Das Flair, was ausschließlich dem WACKEN OPEN AIR zuzuordnen war, die Einzigartigkeit, sie ist tatsächlich gewichen. In wie Fern kann man dem Festival an sich da jetzt die Schuld geben? Organisatorisch leistet man bis auf kleinere Mängel unterm Strich fantastisches. Über die Art und Weise der Gäste hat man auch nicht die Oberhand...oder doch? Das Wacken hat sich schließlich früher auch gut verkauft, ohne Spiegel TV, RTL, ZDF & Co. Die Leute schwärmten früher vom Ort, von den Menschen, vom Zusammenhalt, von der Stimmung, nicht von RAMMSTEIN, SANTIANO und Wrestling. Unterm Strich bleibt es jedem Einzelnen selbst überlassen, wie und was er übers WACKEN denkt. Zum persönlichen, subjektiven (Miss-)gelingen des Festivals spielen eben noch unzählige weitere Faktoren eine Rolle, die in einem solchen Bericht keine Rolle spielen. Ich hoffe, ich konnte wenigstens einen guten Eindruck darüber geben, was man heutzutage auf den "Heiligen Äckern" im Norden erwarten darf und was nicht. Dort, wo Licht ist, ist viel Schafften, dort wo es Schatten gibt, gibt es auch Licht. Ihr entscheidet, ob ihr euch bei der Tickettauschbörse anmeldet, um mit Glück für nächstes Jahr noch ein Ticket zu ergattern. Denn mit Fertigstellung dieses Artikels ist auch die Ausgabe im Jahre 2014 bereits in Rekordzeitausverkauft. Nachwort: Einen ganz besonderen Gruß möchte ich an dieser Stelle noch an eines der besten Comedyduos auf diesem Planeten loswerden, nämlich

PAMPATUT

! Trotz Vorwarnung waren wir uns alle nicht im Klaren darüber, was uns in einer Stunde PAMPATUT blüht. Bauchkrämpfe und Tränen vor Lachen inklusive. Es ist bezeichnend, dass in einer Stunde Bühnenzeit ganze fünf (!!!) Lieder gespielt werden, die an sich auch eigentlich nicht länger als drei Minuten dauern. Die werden durch Ulk und Quatsch aber dermaßen in die Länge gezogen, dass einfach nicht mehr passt. Selbst eine Stunde reicht nicht, wie wir festgestellt haben, denn bei der Show am folgenden Tag erwarten uns 95% neuer Schwachsinn. Ja, wir waren so begeistert, dass wir uns die Show jeden einzelnen Tag angeschaut haben. Vielen Dank PAMPATUT, auch wenns nicht viele mitbekommen haben, für uns persönlich seid ihr mit das Highlight und eine der wesentlichen Erinnerungen ans WACKEN 2013!!


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