17.08.2013, Dinkelsbühl

Summer Breeze 2013 - Tag 3

Veröffentlicht am 05.09.2013

Der letzte Tag des SUMMER BREEZE FESTIVALS ward gekommen und dieser sollte für mich auch der längste und anstrengendste der insgesamt drei Veranstaltungstage werden, stand ich doch bereits kurz nach Mittag vor der Hauptbühne. Grund dafür waren die deutschen Powermetaller von ORDEN OGAN, die in Wien im “Escape“ vor einigen Jahren leider Zeuge bedauernswerter österreichischer Konzertkultur wurden, wo sie als Headliner vor den wenigsten Leuten (nur ca. 30) von allen Bands des Abends spielten. Da war es für mich eine Ehrensache, diese Band, die in Deutschland auf Festivals locker vor 1000 Leuten spielt, zu unterstützen. Und für ihre erste SUMMER BREEZE-Show ließen sie sich ein besonderes optisches Schmankerl einfallen: Sämtliche Bandmitglieder wurden von kostümierten Wachen in postapokalyptischen “Power Armors”, wie man sie vom Comuterspiel “Fallout” kennt, auf die Bühne geschleift. Diese Wachen passten auch die gesamte Show auf, dass ihre “Gefangenen” ja nicht vorzeitig die Bühne verließen. Auch die Bandmitglieder selbst hatten coole “Mad Max”-Oufits und musikalisch boten ORDEN OGAN einen Querschnitt durch ihre gesamte Diskografie von “Testimonium A.D.” über “Vale” und “Easton Hope” zum neuen Album “To the End”. Ein Mitsingspielchen gab es dann beim letzten Song “The Things we believe in”, bei welchem die Menge die Zeilen “Cold, Dead and gone” rufen durfte. Sichtlich begeistert von der Publikumsreaktion verabschiedeten sich ORDEN OGAN danach anständig von ihren Fans. Da zur Mittagszeit die Sonne doch sehr stark meine Kondition herausforderte, verzog ich mich lieber in den Schatten. Dabei traf ich dann auf ehemalige “Metal Hammer“-Mitarbeiter, die über die Lead-Sängerin von VAN CANTO lästerten, die im Hintergrund zu hören waren. Geschmackssache, nach einer längeren Diskussion und Berichten über Gespräche mit BRUCE DICKINSON, konnte ich vor MOONSPELL noch ein wenig relaxen.

Um Punkt vier Uhr Nachmittag standen dann auch schon die Portugiesen auf der Mainstage und als eine der Überraschungen des Metalfests des letzten Jahres, waren meine Erwartungen dementsprechend hoch. Und MOONSPELL lieferten auch dieses Mal eine gelungene Show. Es war sehr schwierig, die Düsternis der Songs zu dieser Tageszeit bei bestem Festivalwetter rüberzubringen. Fans der Band erhielten nach einem Start mit aktuellen Songs dann aber die Vollbedienung mit den Songs “Opium” und “Raven Claws” des Klassiker-Albums “Irreligious”. Viele warteten aber auf “Vampiria” vom Debüt “Wolfheart” bei dem dann Fernando Ribeiro seiner schwarzen Seele so richtig freien Lauf lassen konnte. Nach “Alma Mater” wurde die finstere Show mit “Full Moon Madness" um fünf Uhr bei strahlendem Sonnenschein beendet. Fazit war trotz der guten Show aber, dass diese Band im Club sicher um einiges geiler wirkt. Danach machten KNORKATOR die Painstage unsicher und konnten dabei eine unglaubliche Masse an Zusehern verbuchen. Mein Geschmack ist das nicht, und somit war ich erst bei DEVILDRIVER kurz vor 18 Uhr wieder am Start. Nach dem kurzen melodischen Intro des Songs “End of the Line” groovte sich die Cirlce-Pit provozierende Truppe dann konsequent durch ihr Set. Ein bestens gelaunter Dez Fafara gab den übercoolen Frontman und seine Mannen traten ordentlich Ärsche.

Weiter ging‘s mit “Cry for me sky” vom Debütwerk und somit wurden eher Fans der älteren Schaffensperiode von DEVILDRIVER bedient. Denn von “Pray for villains” spielte die Band keinen einzigen Song und vom aktuellen, sehr gelungenen Material von “Winter Kills” wurde lediglich “Ruthless” und “The Appetite”, vom Vorgängeralbum “Beast” nur “Dead to Rights” gezockt. Dem Unterhaltungswert und dem Feeling der Show tat dies jedoch keinen Abbruch. Die auf der Mainstage folgenden HATEBREED überzeugten mit noch fetterem Sound und einem Tick mehr Partytauglichkeit. Ich zog mir die Band aber nur im Vorbeigehen rein, da ich überredet wurde, mir die Old-School Death Metal Truppe GRAVE reinzuziehen. Und das war sicher nicht die schlechteste Entscheidung dieses Wochenendes, mied ich dadurch doch die Menschenmassen und kam – umringt von "echten" Metalfans – in den Genuss eines durch und durch überzeugenden Konzerts dieser Szene-Urgesteine. Ein weiteres Highlight für mich waren dann AMORPHIS, die zwar auf ihren letzten Alben weniger Old-School-mäßig unterwegs sind, was Fans älteren Semesters durchaus kritisieren. Ich finde die Entwicklung dieser Band jedoch faszinierend, und wer mit einem so genialen Song wie “Shades of gray” vom aktuellen Album die Fans gleich in den Bann ziehen kann, macht garantiert nicht so vieles falsch. Diese eingängigen Melodien und dann der ohrwurmdienliche Refrain können keinen kalt lassen. Danach ging es mit “Skyforger”-Material weiter und es wurden die Songs “Sampo” und “Silver Bride” den nach mehr lechzenden Fans vor die Ohren geschleudert. Die Rückbesinnung auf ihre Wurzeln von “Tales from the Thousand Lakes” war mit “The Castaway” und “On Rich and Poor” vom 1996er Werk “Elegy” die Ausnahme. Danach wurden nochmals Songs vom aktuellen Album “Cirlce” präsentiert, bevor mit “House of Sleep” und “The Smoke” vom Überalbum “Eclipse" ein geniales Konzert beendet wurde. Um noch ein wenig von ENSLAVED mitzubekommen, musste ich rasch von der Painstage zum Partyzelt wechseln, was im Gegensatz zu den Verhältnissen am Novarock auf diesem Festival unter zehn Minuten möglich war. Und die letzten Songs, die ich mitbekam, waren sehr stimmig vorgetragen, die Uhrzeit ward schon fortgeschritten und somit tat sich diese norwegische Band nicht schwer, ihre Fans zu befriedigen. Auch TRISTANIA bekam ich dann noch kurz mit, weil mich die wuchtigen Drums beim Vorbeigehen neugierig machten. Musikalisch sicher erhaben, störte mich jedoch die Aufteilung des Gesangs, da es mir vorkam, als ob die Sängerin Mariangela Demurtas einen ganzen Song nur auf ihren Einsatz wartete. Dem Headliner-Status wurden IN FLAMES dann um halb elf Uhr abends mehr als gerecht. Das Areal vor der Mainstage wurde so voll wie nie zuvor auf diesem Festival. Dies war die letzte Show ihrer langen “Sounds of a Playground Fading”-Tour, und da gaben die Göteburger noch einmal ordentlich Stoff. Hauptaugenmerk wurde auf das aktuelle Album gelegt, das gleich mit sechs Songs vertreten war. So manchen Fans der Frühwerke war dies vermutlich um einiges zu viel, dem Mainstream-Publikum schien es aber zu gefallen. Bei dieser Show wurde es aufgrund der Menschenmassen fast ungemütlich, und ich muss gestehen, dass ich letztes Jahr am Two Days a Week mehr Spaß hatte, als bei dieser Show von IN FLAMES.

Der Sound, besonders bei den stilprägenden Gitarren, kam aber extrem fett rüber. Lediglich der Gesang – bei aller Sympathie für Anders Fridén, der die Menge über die komplette Konzertlänge im Griff hatte – kam mir zu schwachbrüstig vor. Brutal ist das nicht, aber geht‘s bei IN FLAMES nicht ohnehin mehr um die Gitarren? An alten Songs wurden lediglich “The Hive” von “Whoracle” sowie von “Clayman” selbstverständlich die IN FLAMES-Hymne “Only for the Weak” und das aggressivere “Pinball Map” geboten. Die Anzahl an kommerziell erfolgreichen Hits, die IN FLAMES im Laufe ihrer Karriere geschrieben haben, ist schon fast übermenschlich für eine Melodic-Death-Metal-Band. “Cloud Connected”, “My Sweet Shadow” und “Take this Life” wurden deshalb nicht ohne Grund frenetisch gefeiert. Die Licht- und Pyro-Show waren bei diesem energiegeladenen Konzert allerdings nur mehr das Tüpfelchen auf dem i. Nach dieser spektakulären Show galt es, die Zeit bis PRIMORDIAL zu überbrücken. BLOODWORK-"Witzbold" Nikko hatte dafür schon eine Lösung: Pandabären-Schauen bei DARK FUNERAL. Und er sollte Recht behalten, war das dann doch eine sehr Poser-mäßige Corpsepaint-Performance dieser schwedischen Black Metaller. Vielen schien es zu gefallen, ich kann mich jedoch mit dieser Form des Black Metal eher nicht anfreunden. Also schaute ich noch kurz zu den ARCHITECTS und durfte die spastischen Workout-Künste einiger Fans bewundern, die ihre Extremitäten in die Luft schleuderten, als wären sie aus einer Irrenanstalt entflohen. Da war ich dann bei PRIMORDIAL schon besser aufgehoben: Sie performten um ein Uhr früh ein hochgradig emotionales Set. Und da ich diese Ausnahmeband des Black Metal-Genres schon seit Längerem sehen wollte, konnte ich mich Diskografie-technisch sehr gut auf ihr Konzert vorbereiten. Los ging es mit "No Grave Deep Enough" vom noch aktuellen aber bereits zwei Jahre alten Album "Redemption at the Puritan's Hand". Dann ging es gleich zehn Jahre zurück zum Milleniums-Werk "Spirit the Earth Aflame" von dem "Gods to the Godless" in einer ganz besonderen Atmosphäre vorgetragen wurde.

Nach einem weiteren neuen Song ("Bloodied yet unbowed") wurde mit "As Rome burns" in bester Kaiser Nero-Manier Rom niedergebrannt. Die Strapazen des Tages waren diesmal auch ohne Alkohol um halb zwei Uhr morgens dann doch deutlich zu spüren. Mein letzter langer Song war damit das unglaubliche "The Coffin Ships" von "The Gathering Wilderness" – Gänsehautfeeling pur! Danach kamen laut Berichten mit "Heathen Tribes" und zum Finale "Empire Falls" noch mal zwei Übersongs vom "To the Nameless Dead"-Meisterwerk an die Reihe. Diese Band werde ich mir unbedingt so bald wie möglich im fitten Zustand zu Gemüte führen. Am Weg zum Campingplatz verabschiedete ich mich dann von den noch wachen BLOODWORK-Jungs, bedankte mich für ihre Gastfreundschaft und schlief dann um halb drei zu den fernen Klängen von LONG DISTANCE CALLING ein. Obwohl diese Ausnahme-Instrumentalband zu meinen aktuellen Favoriten zählt, verzichtete ich diesmal auf ihr Konzert, da ich sie jetzt schon dreimal gesehen hatte. Und da ich spätestens seit dem letzten Arena-Konzert im vergangenen Frühjahr am eigenen Leib erfahren hatte, wie kräfteraubend so eine Show als Fan doch sein kann, sah ich mich am SUMMER BREEZE einfach nicht mehr dazu in der Lage, mit ihnen abzugehen. Am nächsten Tag machte ich mich dann schon früh auf den Weg in die Heimat, mit sehr interessanten und coolen Eindrücken von einem praktisch perfekten Metal-Festival. Ich vermute, dass auch in den nächsten Jahren mit so einem hochkarätigen Line Up gedient werden kann, da für 2014 schon einmal HEAVEN SHALL BURN, CHILDREN OF BODOM, BEHEMOTH, WINTERSUN, HYPOCRISY und ARCH ENEMY angekündigt werden. Ich hoffe jedoch, dass sich die Besucherzahlen auch in Grenzen halten werden, da das Areal zwar momentan noch groß genug ist, die Wege von einigen Richtungen des Campingplatzes aber doch schon ziemliche Distanzen aufwiesen. Ich bedanke mich bei "stormbringer", dass ich von diesem einzigartigen Festival berichten durfte und bewerbe mich hiermit schon mal für das nächste Jahr.


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