22.10.2013, ((szene)) Wien

QUEENSRYCHE

Veröffentlicht am 25.10.2013

Nach dem unschönen Split von Sänger Geoff Tate, der nunmehr mit GEOFF TATE'S QUEENSRYCHE durch die Länder tourt, und ein eher mäßiges Album an den Start gebracht hat, schickten sich die verbleibenden Mitglieder an, mit ihrer eigenen Version von QUEENSRYCHE weiterzumachen, holten dafür Todd LaTorre als neuen Sänger an Board, und veröffentlichten das selbstbetitelte Album "Queensryche", das nun standesgemäß promoted werden möchte. Dabei sollte sie ihr Weg auch nach Graz führen; die Show im dortigen Orpheum wurde jedoch kurzerhand in die Szene Wien verlegt, und so kam die Hauptstadt in den Genuss dieser Kult-Band. Ehrensache, dass auch STORMBRINGER.at vor Ort dabei war. Den Abend durften dabei die Wiener von MANIAC SAINT eröffnen, und die Mannen rund um "Terrasound"-Chef Reinhard Resch zählen ja auch schon seit über fünfzehn(!) Jahren zu den fixen Größen der heimischen Metal-Szene. Die Geschichte der Band ist dabei durchaus eine bewegte, und auch an diesem Abend präsentierte man sich mit neuem Sänger und Basser in der Szene Wien. Mit spartanischem Setup aus einer Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang (sowie den gelegentlichen Sampler-Einspielungen) präsentieren MANIAC SAINT ihren klassischen Heavy Metal mit gelegentlichen Prog-Einschlägen bei druckvollem Sound in der Szene. Die Gitarre knarzt ordentlich, die Rhythmusfraktion groovt solide und auch Michael Schröttel, der neue Mann am Mikrofon, macht seine Sache sehr gut. Das war auch für mich eine positive Überraschung, zumal frühere Vocalisten von MANIAC SAINT nicht wirklich überzeugen konnten. Mit seiner kratzigen Stimme passt Michael aber hervorragend zum erdigen Sound der Band, liegt auch intonationstechnisch immer schön auf der Spur, und veredelt so Songs wie das atomsphärische "Resolution" (wohl mein Favorit in der Setlist von MANIAC SAINT an diesem Abend) oder das abschließende "Promised Land". Gut, ein bisschen mehr Dynamik auf der Bühne könnte man sich wünschen, aber da die Band ja doch mit relativ neuem Lineup unterwegs ist, wird das wohl einfach mit mehr Bühnenroutine als Einheit schon noch kommen. An den Individualleistungen gibt's jedenfalls klarerweise nichts auszusetzen, hier sind schließlich Musiker mit langjähriger Erfahrung am Werk. In Punkto Songwriting konnten mich aber nicht alle Songs mitreißen; der neue Song "Between The Lines" etwa könnte noch etwas Feinschliff vertragen, und auch bei dem einen oder anderen weiteren Track wären noch Verbesserungen im Detail drin gewesen, da manche Übergänge etwas holprig erschienen. Aber gut - das kann in der Studioversion ja alles noch ganz anders klingen. Alles in allem liefern MANIAC SAINT einen stilistisch passenden und unterhaltsamen Gig als Support für die großen QUEENSRYCHE, und es bleibt zu hoffen dass dieser Fixpunkt der Wiener Szene auch weiterhin erhalten bleibt.

Setlist MANIAC SAINT:

The Parasite Believe Resolution Sanguine Angel Between The Lines Rocka Rolla Promised Land Nach der Umbaupause startete dann aber der Headliner relativ pünktlich in sein Set, und schnell war klar, dass Headbangen zu Kult-Klassikern angesagt sein würde! Mit "Queen of the Reich" startete man amtlich ins Set, und mit "Speak" legt man sofort nach. Der Sound lässt jedoch etwas zu wünschen übrig: Der Leadgitarren-Sound von Michael Wilton ist konstant zu leise, während Zweitgitarrist Parker Lundgren durchwegs viel zu laut ist. Etwas dominant auch der Bass von Eddie Jackson, aber dafür hört man Neo-Sänger Todd LaTorre durchwegs gut - und das ist auch verdammt nochmal gut so! Denn der kleine Mann kann - nach kurzer "Aufwärmphase" mit den ersten beiden Songs, wo die Stimme noch ein wenig gepresst klingt und das Vibrato noch nicht ganz sitzt - mit einem mächtigen Organ beeindrucken, dass die irren Höhen der QUEENSRYCHE-Songs bravourös meistert. Und ab dem wunderbar mit mehrstimmigen Chören gebrachten "Walk In The Shadows" ist dann auch das Publikum restlos überzeugt, und der Gig beinahe nur noch Formsache: Neben Klassikern wie "The Needle Lies", "The Whisper" und "En Force" aus den Frühzeiten der Band haben auch einige neue Songs ihren Weg ins Set der Band gefunden. Die müssen sich aber keineswegs neben Göttergaben wie "Empire" und natürlich "Eyes Of a Stranger" verstecken, und so überzeugen auch "A World Without" und "Fallout".

Für etwas Auflockerung zwischendurch sorgt ein beeindruckendes Gitarrenduell von Michael Wilton und Parker Lundgren, die ihre Flitzefinger-Orgie ohne Unterstützung von Scott Rockenfield an den Drums meistern - eine amtliche Einlage! Das gibt natürlich auch Fronter Todd LaTorre etwas Zeit, in ein neues Outfit zu schlüpfen (überhaupt zeigt sich der kleine Mann mit der großen Stimme sehr wandlungsfreudig an diesem Abend), aber immer noch großartig zu singen. Speziell seine ganz hohen Screams sorgen desöfteren für staunende Augen und offene Münder. Nach dem obligatorischen kurzen Abgang nach "Empire" legen die Herren aber nochmal mit "Jet City Woman" und "Take Hold Of The Flame" nach, auch wenn das vielleicht nicht die besten Wahlen als Zugaben waren; da hatte man doch zwingendere Songs schon im restlichen Set verbraten. Aber sei's drum: QUEENSRYCHE überzeugen großteils an diesem Abend, was sie nicht zuletzt ihrem grandiosen Frontmann Todd LaTorre verdanken. Denn der Sound war leider über lange Strecken nicht das gelbe vom Ei, und erst gegen Ende des Sets konnte dieser halbwegs unter Kontrolle gebracht werden. Todd LaTorre sorgte dankenswerterweise auch für die nötige Action auf der Bühne, denn die - ja auch schon etwas gesetzteren - Herren der ersten Stunde bei QUEENSRYCHE springen nicht mehr ganz so agil über die Bretter. Dennoch entschädigt ein Set gespickt mit Klassikern der Rock- und Metalgeschichte für so manches, und der mit etwa 200 Leuten eher durchschnittlich gut besuchte Abend konnte letztlich doch als Erfolg verbucht werden.

Setlist QUEENSRYCHE (ohne Gewähr):

Queen of the Reich Speak Walk in the Shadows The Whisper En Force Child of Fire Warning X2 Where Dreams Go to Die Midnight Lullaby A World Without The Needle Lies Prophecy Roads to Madness Fallout My Empty Room Eyes of a Stranger Empire ---------------- Jet City Woman Take Hold of the Flame


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