23.11.2013, Kesselhaus

AMON AMARTH + CARCASS @Kesselhaus München

Veröffentlicht am 26.11.2013

"Ausverkauft" lautete schon seit längerem die Devise, was laut Kesselhaus-Homepage übersetzt wohl über 1.700 Besucher heißt. Recht dichtgedrängt war das Ganze dann auch und ganz ungewohnt waren auch die einen oder anderen Rempeleien und Konflikte die Negativfolge dieser Tatsache. Das heute geschnürte, fette Metal-Paket verhieß einiges, allerdings dürfte das anstehende HEAVEN SHALL BURN/HYPOCRISY/DYING FETUS-Package dem auf dem Fuße folgen! HELL Das reanimierte Achtziger-Relikt startete pünktlich sein Set und brauchte seine Zeit, das Publikum mit seinem Theater-Metal halbwegs in Schwung zu bringen. Im Dunkel des Kesselhauses kam das Gruselkabinett jedenfalls um Längen besser rüber als im gleißenden Sonnenlicht von Balingen (zum Livereport). Der Uptempo-Banger "The Age Of Nefarious" vom neuen Album "Curse And Chapter" samt seinem platten "Aquarius"-Rip Off-Refrain eröffnete den heutigen Abend und powerte recht flott daher, das gute "On Earth As It Is In Hell" und auch die anderen Nummern wurden mit gewohnt großem Drama (Oben-Ohne-Showgeiselung) und auf Dauer stereotypen Gesten dargeboten, die ersten Reihen kamen mit zunehmender Dauer des halbstündigen Sets schließlich auch ein wenig in Schwung. Zu gefallen wußte vor allem das harte Gitarren-Brett von Erfolgsproduzent Andy Sneap, der wie auch die anderen Bandmitglieder um gutes Stageacting bemüht war. HELL sind zweifellos recht gut in dem was sie machen, eines ist aber sicher: sie sind sicherlich keine Offenbarung, wer aber auf quietschige Theatralik und soundmäßig eingefettete Alt-Riffs schwört, dem wurde am heutigen Abend bestens geholfen. Wie lange sich die Geisterbahngesellen noch auf der Bühne halten können werden, wird die Zeit weisen, die fanatischen Fans werden ihre Idole bis dahin sicher kräftig weiter supporten und pushen. Setlist: - Intro - The Age Of Nefarious - On Earth As It Is In Hell - Blasphemy And The Master - Something Wicked This Way Comes - The Quest - Save Us From Those Who Will Save Us

CARCASS Auf den gehypten Theaterdonner folgte anschließend Musik für "Große". Apropos Große...CARCASS sind solche und feierten mit dem zurecht hochgelobten "Surgical Steel"-Album eine fulminante Rückkehr. Das Covermotiv als riesiges Backdrop wurde gehisst, das Intro erschallte, danach durfte man die Rückkehr einer Legende miterleben. Dreh- und Angelpunkt der Show war Frontmann Jeff Walker, der wie erwartet entsprechend poste und feist keifte. Nach dem "1985" Intro ging es mit '"Buried Dreams" vom Erfolgsalbum "Heartwork" sogleich in die Vollen, mir wurde umgehend eine unvermeidbare Gänsehaut beschert, die anwesenden Fans waren im Sturm genommen, ein Gutteil der anwesenden Wackinger sah sich aber doch ein wenig von der geballten Allmacht und der Wucht der ehemaligen Grind-Kings überfahren. Da paßte die belustigende Frage von Jeff, ob hier mehr Pathologen oder mehr Wikinger anwesend seien, wie die Faust auf´s Auge. Sofort auffallend war, wie sich die neuen Stücke ("Unfit for Human Consumption") ultrahomogen in das Klassiker-Set ("Incarnated Solvent Abuse", "Corporal Jigsore Quandary" etc.) einschmiegten. Dass da kein Leitungsabfall zu beobachten war, zeigt die Klasse des Comeback-Albums, was im Zusammenhang mit den vergangenen Glanztaten der Band die wahre Leistung ist. CARCASS haben noch immer die perfekte Balance aus Härte, Melodie und Groove drauf.

Der Rest der Band (inkl. Alt-Mitglied Bill Steer), verhielt sich eher unauffällig (Michael Amott war leider nicht dabei), zockte die Songs aber mit sehr viel Drive und Dynamik, gerade davon leben ja Titel wie das geile neue "Cadaver Pouch Conveyor System". Jedem Fan ging jedenfalls ob der tighten und knackigen akustischen Performance das Herz auf. Selbst der etwas verwaschene Sound tat der Begeisterung keinen Abbruch, zu sehr hat man das Songmaterial ohnehin verinnerlicht. Ich wurde umgehend fast 22 Jahre zurückkatapultiert, als ich CARCASS auf der "Gods Of Grind"-Tour (mit ENTOMBED und CATHEDRAL) miterleben durfte, ewig erinnerlich dabei, wie sich die Haarpracht des seinerzeit noch dread-belockten Walker in den Stellschrauben seines Basses verfing. Ich könnte hier noch lange weiterschreiben und sezieren, jedoch ist weniger oft mehr und so heißt das Fazit: Eine Lieblingsband hat sich mit einem Anwärter auf das Album des Jahres auch auf der Bühne zurückgemeldet, man darf sich auf weitere, dann hoffentlich Headlinershows freuen, wo dann wohl auch Titel vom "Swansong"-Killeralbum, "Carnal Forge" oder "No Love Lost" etc. gezockt werden! Setlist: - Intro - Buried Dreams - Incarnated Solvent Abuse - Unfit For Human Consumption - This Mortal Coil - Cadaver Pouch Conveyor System - Genital Grinder/Exhume To Consume - Corporal Jigsore Quandary - Captive Bolt Pistol - Heartwork

AMON AMARTH Danach brauchte es schon einen echten Headliner, diese geile Performance noch zu toppen. Und dieser Headliner trug den Namen AMON AMARTH, die Wikingerhorde fiel ein und walzte alles nieder. Schon nach dem Intro beeindruckten die mächtigen Fanchöre (Gänsehautalarm Teil 2!) beim Opener "Deceiver Of The Gods", danach gab es kein Halten mehr. "Father Of The Wolf" setzte nahtlos fort, bevor die Death Metal-Macht mit "Death In Fire" fortgesetzt wurde, Trockeneisnebelsäulen pufften in die Luft, die blonden Nordmänner ließen ihre Muskeln spielen und das Hörnerfest wurde weiter zelebriert. Angeführt und dirigiert vom Fronthünen Johan Hegg, dem Prototypen eines Wikingers, powerte die Bang-Armada über alles hinweg, das 90minütige Konzert mutete oft mehr wie ein grollender Donnersturm aus dem Norden denn wie ein Gig an. Songtechnisch schöpften AMON AMARTH so dermaßen aus dem Vollen, dass einem Hören und Sehen verging, absolut headlinerwürdige Setlist. AMON AMARTH ist sowieso eine der wenigen Bands der härteren Garde, die es geschafft haben, in diese Riege einzutreten. Einzelne Songs sind fast nicht herauszustreichen, so kompakt und dicht war die Performance, so dermaßen hochklassig sind die Hits aus Schweden. Meine persönlichen Hightlights stammen vom "Twilight Of The Thunder God"-Album, "Free Will Sacrifice" ist ein röhrender Death Metal-Brecher, die Growls bei "Varyags of Miklagaard" und "Guardians Of Asgaard" können kaum tiefer gelegt werden! Riesige Begeisterung regierte auch bei "As Loke Falls", das frenetisch bejubelt wurde, ebenfalls sehr stark "Runes To My Memory", zu dem leuchtende Runensteine auf die Bühne gekarrt wurden. Die stimmungsvolle Lichtshow (giftiges Grün wechselte sich mit höllischem Rot und stimmungsvollen Blau ab), unterstrich die hammergeile und kompakte Performance, Bonuspunkte gab es für die sympathische Interaktion mit dem Publikum und Johan´s deutsche Ansagen zwischen den Songs.

Zu "Destroyer Of The Universe" wurde das "Surtur Rising"-Backdrop gehißt und die Pagan-Party steuerte dem Höhepunkt zu...der Live-Classic "Cry Of The Black Birds" und ein entfesselt rockendes "War Of The Gods" entfachten ein helles Wikingerfeuer, das Konzert war einfach nur irrsinnig dicht und pure Emotion, gleichzeitig irrsinnig brachial wie auch hochmelodisch, wie auch dieser Titel belegte. Die beiden vehement geforderten Zugaben wurden von einer wuchtigen Gewittersimulation eingeläutet, die das Kesselhaus erzittern ließ, Johan Hegg ließ den überdimensionalen Thorshammer niedersausen, es folgten Nebelsäulen und Stroboskopgewitter die Fanchöre zu "Twilight Of The Thunder God" zauberten ein fettes, aber auch sympathisches Grinsen des Stolzes, aber auch der Demut auf das Gesicht des Sängers, bevor der Knaller-Konzertabend um 23 Uhr mit "The Pursuit Of Vikings" (bei dem die Fans noch einmal kräftig mitspringen, singen und bangen konnten) beschlossen wurde. Weniger ein Konzertabend, mehr ein Triumphzug, zur Freude über die zurückgekehrten CARCASS gesellt sich tiefer Respekt für die tolle Leistung von AMON AMARTH, Wikingertheater und -hits, kompromißlose Härte und headlinerwürdige Liveleistung wie aus dem Bilderbuch! Setlist: - Deceiver Of The Gods - Father Of The Wolf - Death In Fire - Live for the Kill - As Loke Falls - We Shall Destroy - Runes To My Memory - Varyags Of Miklagaard - The Last Stand Of Frej - Guardians Of Asgaard - Warriors Of The North - Destroyer Of The Universe - Cry Of The Black Birds - War Of The Gods --- - Twilight Of The Thunder God - The Pursuit Of Vikings Weitere Fotos von der Show seht ihr in Tina´s Fotogallerie


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