25.11.2013, Planet.tt, Bank Austria Halle, Gasometer

AMON AMARTH + CARCASS @Gasometer Wien

Veröffentlicht am 28.11.2013

Es gibt sie doch noch, die interessanten Packages abseits von jeglichen Themen-Touren, wo man in kürzester Zeit in den Genuss einer möglichst breiten Stil-Palette kommt. Unsere Lieblings-Wikinger AMON AMARTH luden mal eben die Nostalgie-Metaller von HELL und die wiederauferstandenen Melodic-Death-Grind-Götter CARCASS ein, zusammen die europäischen Konzerthallen unsicher zu machen. Alle Bands haben neue Alben mit im Gepäck, HELL konnten trotz anfänglicher Skepsis viele neue Freunde gewinnen, und auf CARCASS haben die meisten von uns eh schon eine halbe Ewigkeit gewartet. Da steht einem gelungenen Abend nichts mehr im Wege... Bereits um kurz vor acht erscheinen die Herren von HELL auf der Bühne, wobei gleich mal offensichtlich wird, wie sehr an den Rand gedrängt die beiden Vorbands heute Abend agieren müssen: trotz der doch recht stattlichen Größe der Gasometer-Bühne bleibt dem Opener etwa nur ein Drittel der vorhandenen Fläche. Die schrulligen Briten machten das Beste daraus und agierten locker-flockig wie eh und je, allen voran Sänger und Schauspieler David Bower. Ohne diesen Glücksgriff von einem Frontmann wären HELL wahrscheinlich "nur" eine gute Metal-Band, aber die Performance des charismatischen Mittfünfzigers mit dem gestählten Körper hievt das ganze Theater mindestens eine Etage höher. Der Saal ist zu Beginn etwas spärlich gefüllt, viele wundern sich ob der skurillen Typen da oben, die aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen (und das teilweise ja auch tun), und den hyperaktiven, gestikulierenden Hansdampf, der von einer Ecke zur anderen wuselt. Wegen der etwas kurzen Spielzeit kommen heute bloß zwei Songs des gerade erschienenen, saustarken Werkes "Curse & Chapter" zum Zuge, und gerade in der Live-Gegenüberstellung merkt man, wie sehr sich das Material doch von dem des Vorgängers unterscheidet: eine komplexe, langatmige Nummer wie "Blasphemy And The Master" zündet halt gerade in größeren Hallen extrem schlecht, da krachen "The Age Of Nefarious" mit dem angedeuteten "Hair"-Refrain und "Something Wicked This Way Comes" schon ungleich schöner im Gebälk. Mit dem NWoBHM-Groover "The Quest" und dem flotten "Save Us From Those Who Would Save Us" kann man dann auch endlich fast alle Anwesenden vor die Bühne locken. Andy Sneap ist mit seinem neuen Look der Marke "Waldschrat" kaum wieder zu erkennen, und Trommler Tim Bowler erinnert immer ein wenig an Grandpa Munster. Der riffgeladene Metal in Reinform findet heute Abend offensichtlich einige neue Freunde, und auch die Band scheint mit dem Feedback zufrieden. Insgesamt eine gelungene Performance, auch wenn anfangs der Sound ein wenig mager daherkommt. Ich möchte diese Band dann endlich mal als Headliner durch kleinere Hallen tingeln sehen - sie haben es sich spätestens mit "Curse & Chapter" mehr als verdient! Setlist: - Intro - The Age Of Nefarious - On Earth As It Is In Hell - Blasphemy And The Master - Something Wicked This Way Comes - The Quest - Save Us From Those Who Will Save Us

Natürlich ist ein nicht unbeträchtlicher Teil der Anwesenden - mich mit eingeschlossen - heute nur wegen einer Band hier: CARCASS. Die Liverpooler Chirurgie-Experten sind mit dem mörderisch starken Scheibchen "Surgical Steel" vor kurzem wieder auferstanden und zementieren ihren Kultstatus nun auch mit erstmaliger Live-Präsenz in Österreich seit Ende des letzten Jahrtausends. Und man kann durchaus von ein wenig Magie sprechen, als die Vier auf die in gleißendes OP-Weiß gehüllte Bühne stiefeln. Die Setlist bringt natürlich erwartungsgemäß Gustostückerl aus fast allen Epochen, "Incarnated Solvent Abuse" und "Corporal Jigsore Quandary" vom 1991er-"Necrotism"-Meilenstein stehen Rücken an Rücken mit drei neuen Songs, eröffnet wird der Reigen von "Buried Dreams" aus dem wegweisenden "Heartwork"-Album, von dem noch zwei Faustschläge folgen, so auch der Titelsong als gelungenes Finale. Doch eher überraschend das Medley "Genital Grinder/Exhume To Consume" von den ersten beiden Scheiben, und auch hier - immerhin sind die Songs im Original astreiner Grindcore - braucht man sich in Punkto Intensität nicht vor den aktuellen Krachern verstecken.

Ben Ash an der zweiten Klampfe und das menschgewordene Uhrwerk Dan Wilding (ABORTED, TRIGGER THE BLOODSHED) am ziemlich reduzierten Drumkit fügen sich auch live bestens in den Altherrenverein ein, Bill Steer wirkt schlaksig und etwas hippie-esk und der kleine Frontschreihals Jeff Walker agiert besonnen und gezielt, bleibt dabei immer bodenständig und glänzt durch seine derb-sarkastischen Ansagen. So sind sie halt, die Briten. Und wir Österreicher verstehen das. Das Publikum ist mittlerweile beträchtlich angewachsen, das Bier ölt die Kehlen und andächtig werden Songs mit gegrölt, die gut zwanzig Jahre und ein wenig mehr am Buckel haben. Ein schönes Gefühl, die Jungs wieder in voller Pracht vor sich zu haben. Für mich und viele andere sind CARCASS heute Abend der Headliner, gottseidank kann man den Standard, der mit "Surgical Steel" ja neu definiert wurde, auch auf der Bühne locker halten. Die Stimmung während des Sets ist intensiv, eine Mischung aus Nostalgie, Gänsehautmomenten und dem schieren Dampfhammer, und ich bezweifle dass das die Wikinger, die nun folgen, auch nur annähernd an diese Leistung herankommen können. Setlist: - Intro - Buried Dreams - Incarnated Solvent Abuse - Unfit For Human Consumption - This Mortal Coil - Cadaver Pouch Conveyor System - Genital Grinder / Exhume To Consume - Corporal Jigsore Quandary - Ruptured In Purulence / Captive Bolt Pistol - Heartwork

Mein hochgeschätzter Kollege Thomas Patsch hat ja schon viel vom AMON AMARTH-Gig in seinem Bericht vom München Konzert am 23.11.2013 vorweggenommen, ganz so euphorisch hab ich Johnan Hegg & Co. dann aber nicht wahrgenommen. Zugegeben, AMON AMARTH, die ja mittlerweile weltweit die Charts dominieren (u.a. Top 10 in Österreich, Deutschland usw.), haben dutzende Superhits im Gepäck, auch ist es bei nun schon neun Studioalben nicht immer leicht eine adäquate Set-List zusammenzuzimmern, die konsequente Verweigerung aller Alben bis einschließlich „The Crusher“ hat aber nicht nur Krone-Schreib-Ikone Robert Fröwein sauer aufgestoßen. Dem anwesenden Publikum (der Gasometer zu Wien war gut gefüllt, aber bei weitem nicht ausverkauft!) war das natürlich egal. Ich wage hier auch einmal die Behauptung, dass große Teile der Anwesenden mit Langrillen wie „The Avenger“, dem Debüt „Once Sent From The Golden Hall“ oder besagtem „The Crusher“ noch nie in Berührung gekommen sind. Meisterlich war ohne Zweifel der nun auch schon schauspiel-erfahrene Fronthüne Johan Hegg, der die Meute nach Belieben dirigierte, mit sympathischen in Deutsch gehaltenen Ansagen punktete und ohne Frage eines der letzten Urviecher des melodischen Death-Metals verkörpert. Seine Hintermannschaft agierte eher routiniert bis zurückhaltend. Olavi Mikkonen ließ nicht nur jedes Soli seinem Partner Johan Söderberg zelebrieren, sondern hatte auch sonst einen doch arg beschränkten Aktionsradius. Lediglich die aufgebauten Treppen wurden von der Saiten-Fraktion des Öfteren genutzt. Sonst verhielten sich Mikkonen, Söderberg und Basser Ted Lundström eher dezent zurückhaltend. „Monday Night Is Metal-Night“ tönte Hegg mit seiner Bass-Stimme ins Auditorium und sogleich folgte die Aufforderung zu „Varyags Of Miklagaard“ die Jump-Jump-Einsätze zu koordinieren. Froh war der Rezensent, dass man den wohl einzigen annähernd am Doom kratzenden Song der Bandgeschichte „The Last Stand Of Frej“ (vom „Surtur Rising“-Album) knapp nach der Hälfte einbaute, ein dringend notwendiger Farbklecks in den ansonsten eher zum Mitschunkeln geeigneten Viking-Hymnen der Schweden. Das dürfte auch Hegg ein wenig mitbekommen haben, nicht umsonst brummte er vor seinem Favourite Party-Song „Guardians Of Asgaard“ ein bebendes Österreich seid ihr müde? gen Auditorium.

Highlights folgten dann aber doch noch: „Destroyer Of The Universe“, bei dem erstmals das riesige Backdrop getauscht wurde, fegte ebenso über den Gasometer wie der letzte Track des regulären Sets, das pfeilschnelle „War Of The Gods“, müßig zu erwähnen, dass auch dieser Song von „Surtur Rising“ stammt. Die Zugaben waren –erneut mit neuem Backdrop unterlegt - dann wieder Standard-Kost, wenn gleich man schon beeindruckend feststellen muss, dass sowohl der „Twilight Of The Thunder God“ (mit geschwungenem Riesenhammer), aber natürlich DIE AMON AMARTH-Hymne schlechthin, „The Pursuit Of Vikings“, richtig knackige Hits sind. Bei letzterem durfte das Publikum noch einmal aus allen zur Verfügung stehenden Kehlen die charmante Textzeile Oden! Guide Our Ships, Our Axes, Spears And Swords, Guide Us Through Storms That Whip, And In Brutal War mitträllern. Wobei auch hier die Routine einzog, denn die Hegg’sche Ansage It Doesn’t Matter If You Don’t Know The Words, That’s Death Metal, No One Fucking Knows The Difference kommt auch schon seit etlichen Jahren in gleicher Form daher. Auch wenn ich mich wiederhole, aber AMON AMARTH waren definitiv gut, hatten über mehr als 80 Minuten alles im Griff, allein der Rezensent (und möglicherweise auch diverse andere Gestalten, welche diesen Abend beiwohnten) hätte sich eine Spur mehr Mut und etwas weniger Routine gewunschen. [-reini-] Setlist: - Deceiver Of The Gods - Father Of The Wolf - Death In Fire - Live for the Kill - As Loke Falls - We Shall Destroy - Runes To My Memory - Varyags Of Miklagaard - The Last Stand Of Frej - Guardians Of Asgaard - Warriors Of The North - Destroyer Of The Universe - Cry Of The Black Birds - War Of The Gods --- - Twilight Of The Thunder God - The Pursuit Of Vikings


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