25.01.2014, Gasometer

DREAM THEATER - Along For The Ride

Veröffentlicht am 29.01.2014

Wieder einmal gastiert das Traumtheater in unserer schönen Stadt und wenn die New Yorker zur Audienz bitten, dann strömen die Fans zahlreich heran, auch aus dem nahen Ausland. Und nehmen teils stundenlanges Anstellen bei gefühlten zehn Grad minus in Kauf, der Tür-Politik im Gasometer sei Dank. Konzert um kurz nach 20 Uhr, Türen auf um kurz nach 19 Uhr - wie soll das gehen bei ausverkauftem Haus? Das Resultat: Bei den ersten Klängen des Intros ist die Halle gerade mal zu zwei Dritteln gefüllt. Die Aussicht auf eine knapp dreistündige Show lässt die Leute jedoch geduldig draußen ausharren und selbst wenn man zu spät kommt, bekommt man ja noch genug geboten. Aber prinzipiell waren heute sicher ein paar Menschen etwas ungehalten, denn man bezahlt ja auch nicht gerade wenig für so einen Gig.

Nach dem obligatorischen Intro starten DREAM THEATER ihren dreigeteilten Set (Act 1, Act 2 und Encores) mit "The Enemy Inside" und für die nächsten 170 Minuten sollte der frenetische Jubel dann nicht mehr abreißen. Das Quintett hat diesmal eine Setlist im Gepäck, die so ziemlich alle Anwesenden mit der Zunge schnalzen lässt. Bei zwölf Alben und einem Back-Katalog von gut 20 Stunden Musik fällt die Auswahl halt nicht immer so leicht, aber die Balance aus Neuem und Altem ist es, die heute Abend die Magie ausmacht. So hat man mit "Trial Of Tears" einen der besten Tracks des vielfach unterschätzen "Falling Into Infinty"-Albums von 1997 parat, bei "Enigma Machine" zelebriert Mega-Drummer Mike Mangini mal eben so nebenbei ein wahnwitziges Drum-Solo, aber wo liegt der Unterschied, wenn eh der ganze Set wie ein Drumsolo wirkt? Ja, und sogar John Myung lässt sich hie und da zu einem Duell mit Klampfenfürst John Petrucci hinreißen. Ich habe ihn sogar lächeln sehen dabei. Ich schwöre!

Überraschungen gibt es im Traumtheater aber außer der Setlist nicht wirklich. Das routinierte Zusammenspiel lässt - außer vielleicht für Mangini - nur wenig Platz für Improvisation, und die Fans bekommen die Songs exakt so geboten, wie sie sie erwarten. Dass DREAM THEATER trotzdem nie maschinell rüberkommen, liegt unter anderem auch daran, dass es seit dem Ausstieg von Mike Portnoy wieder ganz viel menschelt zwischen den Musikern und seinem Publikum. Sogar der als arrogant bekannte James LaBrie, heute übrigens wieder mal bestens bei Stimme, kann sich die ein oder andere Rührungsträne nicht verkneifen. Das Mienenspiel von Sankt Petrucci, wenn er die Gitarre würgt, ist einfach nur köstlich und unterhaltsam, obwohl er sonst eigentlich nicht viel macht, außer eben die Gitarre würgen. Und Jordan Rudess, mittlerweile mit 30cm Kinnbart unterm Glatzenhaupt, rotiert um die eigene Achse und seine Flitzefinger sind auch in Nahaufnahme nie ganz nach zu verfolgen. Apropos: Wir würden uns des Öfteren diese geilen Kamera-Close-Ups von Mike Mangini auf der riesigen Vidi-Wall wünschen, der von seinem monströsen Drum-Kit ja quasi assimiliert wird. Diesem Mann muss man beim Schlagzeug ja eh nichts mehr erklären, außer vielleicht wo der Ein- und Ausgang bei dem Ding ist.

Die Balladen "Lifting Shadows Off A Dream" und das auch selten bis nie gespielte, floydeske Kevin Moore-Vermächtnis "Space-Dye Vest" zaubern kollektive Gänsehaut in die Menge, der zweite Akt wird von fünf "Awake"-Tracks dominiert, gekrönt vom Monster-Epos "Illumination Theory" vom aktuellen, selbstbetitelten Album. Der eigentliche Höhepunkt erfolgt dann aber für alle Anwesenden im Raum bei den "Zugaben": bei "Overture 1928", "Strange Deja Vu", der Fingerbrech-Übung "The Dance Of Eternity" und dem abschließenden "Finally Free" bleibt kein Mund geschlossen, kein Auge trocken und keine Hand in der Hosentasche. Besser kann man diesen eh schon überirdischen Set nicht krönen, der unter anderem auch die mittlerweile zu Live-Klassikern avancierten "On The Backs Of Angels" (Grammy anyone?) und "Breaking All Illusions" beinhaltet. Sicher, es ist schade, dass nichts von den ersten beiden Alben kam und auch nichts von "Six Degrees Of Inner Turbulence" oder "Octavarium".

Andererseits werden die New Yorker Prog-Götter natürlich nie alle ganz zufrieden stellen können. Die "Along For The Ride"-Setlist ist da schon ein guter Kompromiss und dieser Abend wird für mich - wie schon die acht Abende mit DREAM THEATER zuvor - unvergessen bleiben. Eine Band in ihrem x-ten Frühling, ein Publikum, das mittlerweile drei Generationen umfasst und zeitloser Prog-Rock der einfach nur Spaß macht. DREAM THEATER sind anno 2014 besser denn je, und nach oben hin ist hoffentlich noch ein wenig Platz.

Setlist

Act 1 False Awakening Suite (Intro) The Enemy Inside The Shattered Fortress On The Backs Of Angels The Looking Glass Trial Of Tears Enigma Machine (with drum solo) Along For The Ride Breaking All Illusions Act 2 The Mirror Lie Lifting Shadows Off A Dream Scarred Space-Dye Vest Illumination Theory Encore Overture 1928 Strange Deja Vu The Dance Of Eternity Finally Free Illumination Theory (Outro) Ein spezielles Dankeschön an Yaroslav Zechner für die Fotos!


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