20.01.2014, Arena

KYLESA

Veröffentlicht am 30.01.2014

Die große Halle der Arena Wien öffnet heute Tür und Tor für KYLESA. Die US-Südstaatler brachten 2013 mit „Ultraviolet“ ein richtungsweisendes Album in Sachen Psychedelic-Sound auf den Markt und touren dieser Tage gemeinsam mit den Norwegern JAGGED VISION und den kanadischen Stonerrockern SIERRA. Eben waren die MusikerInnen noch in Norwegen, Schweden und Berlin. Von Wien aus geht es nun weiter auf einen Roadtrip To Outta Space. Um 21:00 stehen die Opener JAGGED VISION bereits in den Startlöchern. Die Norweger, die ihren Stil gerne als Stoner-Hardcore bezeichnen, präsentieren sich mit Kutte und Gelfrisur recht blasiert. Gespielt wird ein lockerer Mix aus corigen Riffs und aggressivem Gesang. Während das Quintett Bands wie SLEEP, DOOMRIDERS, ELECTRIC WIZARD oder BLACK SABBATH als Haupteinflüsse für ihre Musik nennt, ist live davon nicht viel zu spüren. Zu unbeholfen und aggressiv sind die Nordeuropäer um in einem Atemzug mit den obigen Doomgrößen gennant zu werden und ganz ehrlich – zu wenig abwechlungsreich. Auch wenn auf der Bühne viel Bewegung und protzige Moves herrschen, der Funke will nicht so richtig überspringen. So leert sich gegen ende des Gigs die ohnehin noch spärlich gefüllte Halle und mit den letzten Tönen der mehr Core- als Stoner- Band freut man sich zunehmend auf den Rest des Abends.

Nach einer kurzen Verschnaufpause erscheinen SIERRA mit einem Kontrastprogramm. Der rockige Metal wird von einen Powertrio präsentiert das es in sich hat. Die Dynamik zwischen linkshänder Bass und dem Sänger/Gitarristen Jason Taylor ist nicht nur musikalisch eine Wohltat sondern macht auch optisch was her (die nach außen gerichteten Klampfen rahmen sozusagen den Bühnenbereich). Der zweiter Song „Control Folly“ ist dabei eine Classic-Rock inspirierte Berg-und Talfahrt und sorgt so bereits zu Beginn des knappen Sets für hochgezogene Mundwinkel. Auch wenn die Gitarrenparts von „Breaking Through“ nach einer poppoigen Variante des „The Pot“ -Riffings klingen, ist der TOOL-Vergleich als durchaus hohes Prädikat gemeint. Das junge Trio (est. 2012) vereint nämlich Sludge und Classic Sounds in progressiver Retro-Manier und erinnert dabei nicht selten an so manche Genregröße. Die Stimmung ist angeheizt und KYLESA kann kommen.

Um 22:45 ist es schließlich so weit. Mit fünf MusikerInnen, zwei kompletten Schlagzeugzsets und einem elektronischen Schwurbelkasten treten KYLESA vors Publikum. Das Theremin,welches zu spielen wirklich ein harter Borcken ist, leitet das corige „Scapegoat“ mit hochfrequenten Tönen ein. Nahtlos geht die Band zum kraftvollen „Unspoken“ des 2013er Albums „Ultraviolet“ über. Die eingängigen Riffs und der flächige Gesang stehen dabei für die kompositorische Klasse der Band aus Savannah, auch wenn die live-Performance den Druck der Album-Version eine Spur vermissen lässt. Ähnliches ist beim ohnehin gemächlichen „Quicksand“ der Fall, wobei hier außerdem noch ein paar Ungereimtheiten mit den Bending-Parts auftauchen. Bedenkt man allerdings die Dichte an Phrasierungen und Variationen im Sound der Doom/Psych/Sludge-Metaler lassen sich diese kleinen Kerben getrost mit einem Schuterzucken beiseite schieben.

Viel Interessanter ist ohnehin die Songauswahl und einzigartige Vokalharmonie welche die Stimmfraktion an den Tag legt. KYLESA, die den Weg vom Crustcore über Sludge hin zu psychedelischeren Gefielden gegangen sind, haben nämlich in sechs Studioalben Bandgeschichte ein breites Repertoire an Stil- und Genremixes zu bieten. Während „Hollow Server“ (2006, „Time Will Fuse Its Worth“) beispielweise ganz im Zeichen von Punk und Harcore steht, wälzt sich „Unkown Awareness“ (2009, „Static Tension“) mit dem heiteren Riffing irgendwo in fuzziger Fröhlichkeit. Gemeinsam mit den flächigen Sounds der „Ultraviolet“-Nummern könnte man jetzt meinen, der Band fehlt ein gewisser roter Faden aber genau hier liegt der Clou. Die bunte Vielfalt an musikalischem Ausdruck ist das was KYLESA von Genre-KollegInnen abhebt und auf gewisse Weise besonders macht. Die Experimentierfreudigkeit und der abwechlsungsreiche Songmix mag zwar chaotisch wirken, im Live-Setting ergibt sich dabei aber ein kurzweiliges Set, das durch die gekonnten Theremin-Klänge zusätzlich an Abwechlungsreichtum gewinnt.

Nach dem holprigen Start lässt sich sagen, dass er Abend mit fortschreitender Stunde an Intensität und musikalischer Klasse zulegte. Während Sierra mit ihrem kurzen Set einen energiegeladene Einstieg schufen, trieben es KYLESA bis zum Encore auf die Spitze. Gerne hätte man die Aktivität der letzten Songs „Don’t Look Back“ und „Said and done“ auch im Rest des Sets gespürt. Zurückbleibt aber nur die Erinnerung an einen facettenreichen Sound der mit Gelassenheit eben Dynamik beweist.


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