25.01.2014, ((szene)) Wien

PROTEST THE HERO

Veröffentlicht am 01.02.2014

Auch wenn ich am Abend des 25. Jänners 2014 gerne wieder einmal bei DREAM THEATER im Gasometer dabei gewesen wäre, entschied ich mich dann doch lieber für den kleineren Club-Gig in der Szene von vier aufstrebenden, im Vergleich zum "Traumtheater" noch viel zu unterbewerteten Bands. Obwohl im vollen Gasometer zwar gemäß Stormbringer-Bericht nach wie vor den Progressive-Metal-Göttern mit ihrem perfekten Spiel Tribut gezollt wurde, wollte ich bei allem Respekt für DREAM THEATER aber mal etwas Neues, Innovatives hören, und wie der gelungene Konzertabend bewies, war meine Entscheidung die richtige. Lediglich, dass ich aufgrund eines nirgendwo veröffentlichten Timetables von der ersten Band INTERVALS nur das Finale ihrer großartigen Show gesehen habe, hat mich zuerst ziemlich geärgert. Normalerweise bin ich bei einem Beginn um 20 Uhr äußerst pünktlich, aber eine Startzeit von 19:30 Uhr macht überpünktliches Erscheinen notwendig, was aber dann doch ein Großteil von dem durchwegs jüngeren Publikum geschafft hatte.

Die größtenteils instrumentalen Songs der INTERVALS hätten mir nämlich sehr gefallen, denn das finale Gitarrenduell war einmalig und technisch über jeden Zweifel erhaben. Über den fetten abgehackten "Djent"-Riffs – ein Genre, mit dem ich mich bis jetzt noch nicht beschäftigt habe – thronten Gitarrenmelodien zum Träumen. Eigentlich bin ich ja über den Progressive Metal von Bands wie PROTEST THE HERO, die nicht direkt als "Djent"-Band zu bezeichnen sind, auf diese Genre-Sparte gestoßen. Das Publikum lässt aber die Vermutung zu, dass viele eher über Metalcore-Bands auf die Bands des Abends gekommen sind, da es hier durchaus Parallelen zu dieser Richtung gibt. Hauptunterschied ist aber der größtenteils melodische, klare Gesang, was mir persönlich mehr zusagt. Beim nächsten Konzert von den INTERVALS aus Toronto, somit Landskollegen der Headliner des Abends, die im Frühjahr 2014 nach zwei EPs ihr Debüt-Album "A Voice Within" veröffentlichen, bin ich definitiv dabei!

Setlist INTERVALS

: Alchemy Mata Hari Ephemeral The Escape Tapestry

Die Engländer THE SAFETY FIRE gaben dann Vollgas. Die abgehackten Riffs ähnelten der Vorgängerband, die Gitarrenläufe waren teilweise aber richtig jazzig, besonders der Leadgitarrist, der seine Gitarre brusthoch spielte, zauberte die schrägsten Melodien hervor. Bei dem häufigen Rhythmuswechsel erforderte das Zusammenspiel der Band besonders beim Drummer höchste Konzentration. Publikumsnähe bewies aber vor allem Sänger Sean McWeeney, der zwischen aggressivem Gekreische und melodischem Klargesang mit charakteristischer Kopfstimme souverän wechselte, was aber sicher Geschmackssache ist. Vielleicht war es auch der Soundeinstellung geschuldet, denn in der Livesituation kam der Gesang zumindest zu Beginn ein wenig schwachbrüstig daher. Bei "Mouth Of Swords" zeigten sich dann doch noch ein paar Metalcore-Anleihen im Gesang und es wurde auch ordentlich gebrüllt und die Fans damit in Headbang-Laune versetzt. Dazwischen flirtete der Schönling am Mikro auch noch mit den Girls in der ersten Reihe. Bei "The Ghost That Wait For Spring" gab‘s dann futuristische Gitarrenklänge, irgendwie schräg, aber durchaus interessant. Was vollends überzeugte, war der Spaß, den die Band bei ihren vertrackten Parts wie beim finalen "Old Souls" hatten und dass sie zwar die Musik ernst nehmen, sich selbst vom Auftreten her aber nicht so sehr (textlich vor allem beim Song "Yellowism"), was ihnen Sympathien beim Publikum sicherte.

Setlist THE SAFETY FIRE:

Red Hatchet Mouth Of Swords Huge Hammers Glass Crush The Ghosts That Wait For Spring Yellowism Old Souls

Ein Großteil des Publikums schien anscheinend nur für TESSERACT angereist zu sein, vor allem Musikinteressierte aus den Nachbarländern wollten sich den ersten Wien-Besuch einer der "Djent"-Pioniere nicht entgehen lassen. Bei TESSERACT steht vor allem der phänomenal gefühlvolle Gesang von Ashe O’Hara im Vordergrund, was mit dem starken 14-minütigen, in drei Teile gegliederten Opener "Of Matter" des aktuellen Albums "Altered State" zu Beginn des Sets mehrfach bewiesen wurde. Der sich fast narzisstisch gebärdende Bassist, der seine Parts aber zugegebenermaßen echt geil spielte, drängte sich am meisten in den Vordergrund. Der Gitarrist beschäftigte sich hauptsächlich damit, Klangwelten entstehen zu lassen, die zum Teil an das anfangs erwähnte "Traumtheater" erinnerten, aber durchwegs selbstständigen Charakter hatten. Regelrecht in Ekstase sang sich der Frontmann im Laufe des Sets, wechselte aber nur selten zu aggressiven Screams. Die von der Band häufig eingesetzten polyrhythmischen Riffs forderten dann bei den Teilen des Konzeptwerks "Concealing Fate" die Nackenmuskulatur aufs Äußerste heraus. Unglaublich, was hier in der knappen Stunde musikalisch auf der Bühne passierte. Beim finalen Acht-Minüter "Acceptance", der mit späherischen Klängen beginnt und in fett groovende Riffs übergeht, konnte das Zusammenspiel der einzelnen Bandmitglieder nur als perfekt und die Stimmung im Publikum als magisch bezeichnet werden.

Setlist TESSERACT:

Of Matter - Proxy Of Matter - Retrospect Of Matter - Resist Concealing Fate, Part 2: Deception Concealing Fate, Part 3: The Impossible Of Energy - Singularity Of Mind - Nocturne Concealing Fate, Part 1: Acceptance Die total durchgeknallten Guys von PROTEST THE HERO starteten ihr Set mit dem verrückten "Underbite" (unbedingt Video anchecken!) vom aktuellen Progressive-Metal-Überalbum "Volition" und zogen hier schon alle Register ihres Könnens. Der Erfolg der Truppe zeichnet sich wohl auch durch ihre einfallsreichen und witzigen Videos aus. Die irre schnellen Gitarrenläufe sind einfach der Hammer und der Gesang von Oberscherzbold "Rody Walker" einfach nur phänomenal. Den Wechsel zwischen himmelhoch jauchzenden Tönen und gutturalen Screams beherrscht keiner so perfekt wie er. Den Grooves der Rhythmusfraktion und den darüber gespielten Gitarrenleads war bei der Geschwindigkeit – wie beim geilen Song "Clarity", den auch viele coole Breaks auszeichnen – nur schwer zu folgen. Bei den Ansagen nahm sich der Frontmann aber dann doch die Zeit, um die eine oder andere lustige Anekdote preiszugeben. Sehr sympathisch performte die ganze Truppe ein Highlight ihrer Diskografie nach dem anderen. Bassist Arif Mirabdolbaghi, der für die meisten Texte verantwortlich zeichnet, gab mit seinem durchgeknallten Auftreten den Oberspaßvogel.

Nach einigen durchwegs harten Bandklassikern muss ich aber attestieren, dass mir das Material des aktuellen Albums "Volition", wie das melodische "Mist", das mit göttlichen Gitarrenparts fasziniert, am besten gefällt. Das den Fans bereits sehr bekannte "C'est la Vie" vom Vorgängerwerk "Scurrilous" begeistert mit so vielen unterschiedlichen und genialen Parts innerhalb von vier Minuten - ein Feuerwerk an Kreativität! Das von virtuosem Gitarrentapping durchzogene "Sex Tapes" ließ, wie so oft während der Show, den Gitarristen im Publikum die Kinnladen runterfallen. Nach dem vermeintlich letzten Song "Tilting Agains Windmills" gab‘s dann mit "Blindfolds Aside" einen schnelleren Bandklassiker vom Debütalbum "Kezia". Nach 65 Minuten war der Spaß dann doch sehr schnell vorbei. Aber nach Aussage meines Bruders ("Die spielen halt die Songs doppelt so schnell wie andere Bands") wurde in der Stunde alles gesagt, was andere Bands in 90 oder 120 Minuten Set nicht zusammenbringen. Und die Vorfreude auf das nächste Konzert von den Kanadiern PROTEST THE HERO steigt damit ungemein.

Setlist PROTEST THE HERO:

Underbite Hair-Trigger Sequoia Throne Clarity The Dissentience Heretics & Killers Bury The Hatchet Mist Bloodmeat C'est la Vie Sex Tapes Tilting Against Windmills Encore: Blindfolds Aside


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