14.02.2014, Schlachthof

"Satan Wants Your Children Tour" feat. CRADLE OF FILTH & BEHEMOTH

Veröffentlicht am 21.02.2014

Es wird satanisch an diesem Valentinstag im Jahre 2014. Die beiden Düsterschwergewichte CRADLE OF FILTH und BEHEMOTH haben sich zusammengetan und rufen zur schwarzen Messe. Eine wahre Erlösung für Leid geplagte Metaller, ledig wie liiert, die das nicht auszuhaltende romantische Gesabbere im Alltag nicht länger ertragen wollen. Und spannender kann die Messe nicht sein. Nicht nur haben die Black/Death Boliden BEHEMOTH ein neues Scheibchen mit dem vielsagenden Titel "The Satanist“ veröffentlicht, welches ob des großen Erfolgs sogar über die Szenemedien heraus zumeist bei empörten christlichen Einrichtungen Aufmerksamkeit erregen konnte. Auch die inzwischen zur Multi-Kulti Truppe gereiften Dark Metaller CRADLE OF FILTH haben etwas zu feiern, nämlich den 20. Geburtstag ihres legendären Debütalbums "The Principle Of Evil Made Flesh“. Leider müssen letztere auf der "Satan Wants Your Children Tour“ den Ausfall gleich beider (!) Stammgitarristen verkraften. Wie sie diese Aufgabe meistern, dazu kommen wir später. Denn zunächst sind die Schwarzheimer von

SVARTTJERN

an der Reihe, den Abend recht früh noch vor 18.00 Uhr zu eröffnen. Normalerweise ein recht undankbarer Slot, aber auf Grund des Wochenendes und möglicherweise des Pseudo-Feiertages ist die Halle schon kurz nach Einlass sehr gut gefüllt, die Meute gut gelaunt und motiviert. Selbstläufer also? Mitnichten, der Schlachthof ist für klassischen Black Metal leider keine angemessene Venue. Oder anders gesagt: SVARTTJERN hat in einer Halle wie dem Schlachthof nichts verloren. Der massiv verwendete Hall macht es trotz einer generell als sehr gut zu wertenden Leistung des Soundteams einfach unmöglich, durch das präsentierte musikalische Gerumpel der fünf Herren auf der Bühne durchzusteigen. Trotz engagierter Performance und gut gemeinter Publikumsanimation will der Funke nicht wirklich überspringen. Setlist: Upon Human Ending Breathing Soil Ultimatum Necrophilia Hellig Jord Stillborn Acolyte Hymns For The Molested Code Human Interessanter ist da schon der Gig des Duos

INQUISITION

. Ja, richtig, Duo. Und das Duo spielt ebenso astreinen Black Metal, aber ungleich nuancierter und präziser als das gerade eben noch von einer weitaus zahlenstärkeren Mannschaft vorgetragen wurde. Dagon rifft und soliert sich durch die nachvollziehbaren schwarzkalten Songs, wobei er noch wie ein Derwisch konstant von der einen zur anderen Bühnenecke sprintet. Wenn er zwischenzeitlich noch Zeit hat zu Singen, so klingt er nach einer kautzigen Mischung aus Abbath und Nocturno Culto. Am beeindruckendsten bleibt aber tatsächlich der Sound. Was zwei Menschen nur mit Drums und Gitarre bewaffnet für eine Fülle kreieren können ist bewundernswert. Soweit zumindest zum Sound und der Performance. Denn pflichtgemäß weise ich darauf hin, dass es auf Grund des Signings bei einem dubiosen Plattenlabel zu Diskussionen um die Band gekommen ist, welche sogar in einem Auftrittsverbot im Wiener Gasometer resultieren. Ohne nähere Betrachtung lasse ich das aber unkommentiert. Setlist: Force Of The Floating Tomb Nefarious Dismal Orations Command Of The Dark Crown Astral Path To Supreme Majesties Infinite Interstellar Genocide Gäbe es in einer Herde voller schwarzer Schafe einen Ausreißer noch dunklerer Couleur, so wäre

IN SOLITUDE

dessen gesetzlicher Vormund. Zumindest im Umfeld dieser Tour. Denn auch wenn die Band thematisch absolut in ein Paket mit dem Namen "Satan Wants Your Children“ passt, so sind sie mit ihrem klassischen, zuweil psychedelischen und doomigen Heavy Metal dennoch die Außenseiter. Vorgetragen ist das Ganze auf absolut hohem Niveau. Wie in Trance rocken sich die Schweden durch ihre okkulten Beschwörungen. Dabei beeindruckt vor allem das Gitarrenduo Niklas Lindström und Henrik Palm mit ihren präzisen Maiden-artigen Soloduellen. Auch Sänger Pelle Ahman liefert stimmlich eine beanstandungslose Darbietung. Im Endeffekt dürstet der schwarzen Menge vor der Bühne allerdings doch eher nach Extremen, die IN SOLITUDE leider ob ihrer Grundausrichtung nicht liefern können. Schade eigentlich. Setlist: Death Knows Where Lavender Horses In The Ground A Buried Sun Sister Witches Sabbath Aber Extreme folgen auf dem Fuße. Es ist Zeit für den ersten Headliner des Abends, die polnischen Death/Black Metaller

BEHEMOTH

. Ja, „The Satanist“ ist ein richtig geniales Album. Und viele sind gespannt, ob die Atmosphäre der neuen Stücke auch auf der Bühne funktioniert. BEHEMOTH überlassen dieses Experiment nicht dem Zufall, denn man fährt die im extremen Metal wohl aufwändigste Bühnenshow aller Mitbewerber auf. Inmitten zweier umgedrehter Kreuze und opulenter Bühnendeko versammeln sich die dunklen Priester und fackeln den Schlachthof sprichwörtlich ab. Feuerbälle sausen gen Hallendecke, Rauchsäulen hüllen die Bühne zeitweise in blickresistenten Nebel. Mit Weihrauch wird die Halle zur Kathedrale umfunktioniert, während Nergal seine Beschwörungen loslässt. Das Tor zur Hölle steht heute Abend weit offen. Romantisch. Lediglich die obligatorische Konfettikanone im Finale muss ich nicht nachvollziehen können. Konfetti im Black Metal, auch wenn es schwarze Schnipsel sind, die da herabregnen, zerstören dann doch etwas die zuvor in mühsamer Detailarbeit aufgebaute Spannung. Wie auch immer, es funktioniert. Die Leute feiern als gäbe es kein Morgen, feuern ihre dunklen Helden aus ganzer Kehle an. Die Band bedankt sich mit einer absolut tighten Performance, die bis ins Letzte stimmig durchchoreografiert ist. Setlisttechnisch liefert man einen guten Schnitt durch alle bisherigen Alben, wobei mir als Neuling im BEHEMOTHschen Schaffen die atmosphärischen und melodischeren älteren Stücke, sowie das ganz neue Material eher zusagen als der etwas härtere und sterilere Rest. BEHEMOTH liefern eine durch und durch headlinerwürdige Show, die auch absolut auf eine Bühne in der Größe des Schlachthofs gehört. Setlist: Blow Your Trumpets Gabriel Ora Pro Nobis Lucifer Conquer All Decade Of Therion As Above So Below Slaves Shall Serve Christians To The Lion Driven By The Five-Winged Star The Satanist Ov Fire And The Void Alas, Lord Is Upon Me Furor Divinus At The Left Hand Ov God Chant For Echaton 2000 ------------- O Father O Satan O Son! Das denken auch viele der anwesenden Zuschauer, die vornehmlich wegen BEHEMOTH angereist sind. Denn zu

CRADLE OF FILTH

leert sich die Halle leider wieder etwas. Klar, das gothische Gemix zwischen Düsterkitsch, brutalharten Auswüchsen und Gruftpinscher Dani Filths unnachahmlichen Gesang polarisiert. Aber zum Jubiläum hat man einiges im Gepäck, was man gesehen haben sollte. Die Bühnendeko wirkt im Vergleich zu BEHEMOTH eher karg. Eine Videoleinwand dominiert den Hintergrund, auf dem ein Sammelsurium aus CRADLEschen Videoclips präsentiert wird, sonst aber verzichtet die ehemals theatralische Band auf Schnickschnack. Brauch man auch nicht, denn Dani Filth alleine ist eigentlich schon Show genug. Als das Licht erlischt und das Gänsehaut einjagende Intro "At The Gates Of Midian“ erklingt, erscheint dieser in einen Eremitenmantel gehüllt mit übergroßem Zepter in der Hand und zappelt schon im Intro wie ein nervöser Hund, der auf Ausgang wartet. Als die anderen dann zum "Midian“-Klassiker „Cthulhu Dawn“ einsteigen, drischt er mit solch einer Energie nach vorne, dass er beinahe das Gleichgewicht verliert. Also lieber weg mit dem Pelzmantel, damit er sich zu "Summer Dying Fast“ ungehinderter austoben kann. Zum Überklassiker "The Principle Of Evil Made Flesh“ bricht dann der Moshpit vor der Bühne aus, der bis zum großen Finale nicht mehr abebben will. Selbst bei der "Ballade“ "Nymphetamine“ ist Bewegung im Pit, was die Band eigenen Aussagen zu Folge bis jetzt noch nie erlebt hat. Auch wenn die Meute insgesamt etwas leiser schreit als bei BEHEMOTH, der Auftritt wird von der Band als absoluter Erfolg verbucht. Die Setlist hält neben obligatorischem Hitgut wie "Her Ghost In The Fog“ oder "Cruelty Brought Thee Orchids“ auch einige lange nicht gespielte Highlights bereit. Von "Cruelty And The Beast“ gibt es beispielsweise das, Zitat, "jahrhunderte nicht gespielte“ "Beneath The Howling Stars“ zu bestaunen, von "Dusk And Her Embrace“ ertönt die unglaublich schwierig zu spielende Nummer "Haunted Shores“ (bei welcher sich Dani dann auch leicht verhaspelt). Die fast komplett ausgewechselte Mannschaft macht übrigens einen hervorragenden Job. Sessionbassist Daniel Firth (Vorsicht: Verwechslungsgefahr) ist ja schon seit der letzten Tour dabei und zockt sich symphatisch und sicher auch durch knifflige Parts. Die mir bis Dato völlig unbekannten Ersatzgitarristen Ashok und Richard Shaw liefern einen guten Job, können sich aber erwartungsgemäß dank der kurzen Vorbereitungszeit nicht wirklich profilieren. Das war aber auch so nicht gefordert. Wer das allerdings mächtig erfolgreich hinbekommt ist Neu-Keyboarderin und Backgroundsängerin Lindsay Schoolcraft. Die Gesanglinien zu "Her Ghost In The Fog“ beinhalten auf Grund der Höhe und der teilweisen Atonalität einige der am schwierigsten zu singenden Parts überhaupt. Und Lindsay meistert alles hervorragend. Ich hoffe, von ihr wird man zukünftig noch viel hören, denn hier wartet ganz großes musikalisches Talent, nicht nur stimmlich. Aber auch ihr männlicher Counterpart liefert ab. Dani kreischt, grunzt, beschwört und singt (ja, das melodische singen) wie lange nicht mehr. Das er dabei so gut wie keine zwei Sekunden still steht, sondern konstant post, hopst und Schüttelanfälle bekommt hebt die Leistung noch einmal besonders hervor. Da ist es fast schon schade, dass diese Europatour laut eigenen Aussagen die letzte in einer langen Zeit gewesen sein soll. Setlist: At The gates Of Midian Cthulhu Dawn A Dream Of Wolves In The Snow Summer Dying Fast The Principle Of Evil Made Flesh Beneath The Howling Stars For Your Vulgar Delectation Haunted Shores Nymphetamine (Fix) Born In A Burial Gown Cruelty Brought Thee Orchids Her Ghost In The Fog ----------------- Funeral In Carpathia Abschließend darf jeder romantophop veranlagte Metaller mehr als zufrieden sein, an diesem Abend in Wiesbaden dabei gewesen zu sein. Aber auch wer sich jetzt noch für die restlichen Shows ein Ticket ergattert, der darf sich auf einen wahnsinnig unterhaltsamen schwarzen Abend freuen. Am besten in einer Location mit großer Halle, damit man in den Genuss der vollen BEHEMOTH Bühnenshow kommt.


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