27.02.2014, Weekender

BROILERS

Veröffentlicht am 04.03.2014

Es gibt Konzerte, viele sogar…und dann gibt es diese ganz speziellen, die man nicht mehr vergißt. Am heutigen Abend sollte so eines stattfinden. Dem Weekender war eine kleine Sensation gelungen. Just zu dem Zeitpunkt, als die BROILERS die offiziellen deutschen Media Control-Album-Charts, und zwar den ersten Platz, erklommen hatten, durfte man die Band bei einer raren Clubshow quasi hautnah erleben, machten doch die mit „Noir“ voll durchstartenden Punkrocker auf der aktuellen Tour im beschaulichen Innsbruck Halt. In Deutschland schon seit längerer Zeit fast undenkbar, füllen die Fünf doch teilweise Venues mit einem Fassungsvermögen von mehreren tausend Zuschauern, nicht selten ausverkauft. Dass schon vor längerer Zeit „Sold Out“ verkündet werden durfte, war schließlich nur logisch und das Spektakel bekam nicht zuletzt dadurch noch einen zusätzlichen Hauch Exklusivität. Bevor es mit einem weiteren STORMBRINGER-Exklusiveport in die Vollen geht, ergeht noch ein Dank an zwei Andis, nämlich an Andi N., der mir die Band mit dem “Santa Muerte Live Tapes“-Album schmackhaft gemacht hat sowie Andi F., dem der Kraftakt gelungen ist, die Band im den Weekender Club zu buchen!

Als Vorband durften DELILAHS die Bühnenbretter verunsichern. Die Schwarz/Blond-Mädeltruppe mit männlicher Verstärkung konnte sich sowohl optisch als auch soundtechnisch für rund eine halbe Stunde beim schon recht vollgepackten Club empfehlen, stimmungstechnisch so richtig los ging es allerdings erst im Anschluß, als die knapp 400 Besucher im rappelvollen Club nach dem stilechten Abspielen von Mitbrüll- und Stadionhymnen wie „Bro Hymn“ von PENNYWISE und dem einen oder anderen Bier schon auf Betriebstemperatur gebracht wurden, bevor der Hauptact auf der Bühne erschien. Das Intro bildete den Kick Off zu einer denkwürdigen und geilen Liveshow, welche mit „Zurück zum Beton“ ihren ruhmreichen Anfang nahm und die schon zuvor von den Fans skandierte stadionhymnenkompatible Melodie des Songs volley in den Song überführte. Es gab kein Halten mehr, die BROILERS regierten die eher kleiner dimensionierte Bühne und stellten Fragen über Fragen: „Tanzt du noch einmal mit mir?“ wurde vom urgeilen „Ist da jemand?“ vom Erfolgsalbum „Noir“ (zum Review) abgelöst. Die gut geölten Kehlen der Fanmeute sangen dankbar mit und ließen die heutige Show zu einem vollen Erfolg werden. Bemerkenswert war vor allem die große Sympathie, welche die Band ausstrahlte – und diese ging überraschenderweise nicht nur von der hübschen Bassfrau Ines Maybaum aus. Wenngleich der lockere und umgängliche Frontmann Sammy Amara naturgemäß Dreh- und Angelpunkt war, war auch an den Bühnenseiten für sympathische Action gesorgt. Den rechten Flügel deckte die Basserin ab, auf der anderen Seite war Iro-Frise Ronald „Ron“ Hübner nicht zu übersehen, der wie der Rest der Band Sammy gesangstechnisch unterstützte und ebenfalls die Sympathiewerte nach oben schnellen ließ. Aufgrund der beengteren Bühnenkapazität gingen Drummer Andi Brügge und Keyboarder Chris Kubczak leider etwas unter, überzeugten aber durch eine solide musikalische Leistung.

Nicht zuletzt gestählt durch zahlreiche Festivalauftritte war die Bühnenerfahrung und -präsenz der fast 20 Jahre im Business tätigen Chartstürmer spürbar, dennoch ist selbst die professionellste Band nicht vor Unwegbarkeiten gefeit. Die Band wußte zwar, wo man sich geografisch befand, die kleinen Fauxpas in Bezug auf die Kenntnis der österreichischen Bundesländer („Unterösterreich“) oder in Bezug auf die lokalen sprachlichen Besonderheiten (in Tirol ist schließlich nichts „leiwand“) seien der Band aber gern verziehen und wurden von Sammy mit einem kräftigen Schluck aus der lokalpatriotischen Bierdose, Marke „Starkenberger“, einfach weggespült. Auch die scheinbar altersschwache Sicherung, die für Strom- und Instrumentenausfall auf der Bühne und somit für unfreiwillige Pausen rund um „Ruby Light & Dark“ sorgte (hatten die BROILERS etwa für Weekender Verhältnisse - trotz des auf dem letzten Album erhöhten Popfaktors - gar zu stark gestromt?), konnte die Band ebenso kaum aus dem Gleichgewicht bringen. Dank guten Sympathiewerten (siehe oben) und professioneller Spontaneität wurde die Zwangpause gut überbrückt und dank perfektem Krisenmanagement des Clubpersonals konnte der Gig anschließend zügig fortgesetzt werden. Alle Regler wieder auf 10 und weiter ging es mit „Paul der Hooligan“.

Schwer tätowiert und fesch in schwarz gestylt schüttelte der auf den Schwingen des Erfolgs segelnde Oi!/Rockabilly/Ska/Punkrock-Fünfer aus Düsseldorf einen Hit nach dem anderen aus dem sprichwörtlichen Hemdsärmel. Unter Killertracks wie „Meine Sache“ oder „In ein paar Jahren“ vom „Santa Muerte“-Album mischten sich ruhigere, aber dennoch eindringliche Klänge wie jene von „Ich brenn“ oder „Wie weit wir gehen“ und Ska-mäßige Nummern wie „In 80 Tagen um die Welt“ oder „Harter Weg“. Bei den BROILERS macht sich umgehend das „Fanomen“, also das „Fan/Phä-nomen“, bemerkbar. Zwar waren einige zum Beschnuppern bzw. aus Neugier hier, andere wiederum um Party zu feiern oder sich berieseln zu lassen, doch der Hauptteil der Anwesenden bestand aus „echten“ Kennern, die gekommen waren, ihre Helden zu feiern und die Band dementsprechend beklatschten, anfeuerten und die Texte mitsangen. „Cigarettes & Whiskey“ lautete die Devise und alles steuerte dem pflichtgemäßen Höhepunkt der BROILERS-Show „Blume“ zu, bevor die denkwürdige Show nach über zwei Stunden und einer Setlist, in die sich die zahlreichen Neo-Tracks von „Noir“ („Die Hoffnung stirbt nie“ etc.) geschmeidig einschmiegten, ihr würdiges Ende fand. Was sich meist pathetisch bzw. übertrieben anhört, war am heutigen Abend schlichtweg Realität. Die Nummer 1 der deutschen Charts lud zu einer kochenden F2F-Clubshow und präsentierte sich als hochsympathische, gleichsam geerdete und trotz aller Erfolge ihren Idealen und Attitüden treu gebliebene Band, die dem Publikum dermaßen einheizte, dass der Schweiß, respektive das Kondenswasser nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich von der Decke tropfte. Am heutigen Abend wurde auch eine Show in voller Länge dargeboten, keine abgespeckte Kurzversion. Es gab nur Gewinner, der Weekender konnte nach diversen Erfolgen eine weitere legendäre und energiegeladene Clubshow (noch dazu zum fanfreundlichen VVK-Preis von 22 €) auf der Habenseite verbuchen und empfahl sich weiter als tolle Konzertlocation.



Setlist:

Zurück zum Beton Tanzt du noch einmal mit mir? Ist da jemand? Grau, grau, grau Harter Weg (Go!) Werdet ihr folgen? Ruby Light & Dark Paul der Hooligan Die Hoffnung stirbt nie In ein paar Jahren... In 80 Tagen um die Welt Wie weit wir gehen LoFi Ich brenn' Eine Nation (Ich bin) bei Dir Zusammen Hey Suburbia Nur die Nacht weiß Nur nach vorne gehen --- Cigarettes & Whiskey Where Are They Now? Zurück in schwarz Meine Sache --- Singe, seufze & saufe 33 RPM Blume Pics: Tina Burgstaller, mehr Fotos seht ihr in ihrer Gallerie


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