22.03.2014, Majestic Music Club (budova YMCA)

GAMMA RAY + RHAPSODY OF FIRE

Veröffentlicht am 26.03.2014

Die Strahlemänner von GAMMA RAY haben mit "Empire Of The Undead" ein brandneues heißes Eisen im Feuer, und ehe noch die neue Langrille der Hamburger Metal-Institution im April erscheint, sind die Männer rund um Genrebegründer Kai Hansen auch schon auf gemeinsamer Headliner-Tour mit den italienischen Kollegen von RHAPSODY OF FIRE. Nach netten Interviews mit den beiden Bands durfte ich mir natürlich auch die folgenden Shows im Majestic Music Club in Bratislava nicht entgehen lassen. Den Opener an diesem Abend machten jedoch zunächst ELVENKING, die bereits einmal im Vorprogramm von RHAPSODY OF FIRE auch in Österreich punkten konnten. Die Landsmänner von RHAPSODY machen auch an diesem Abend eine gute Figur und brettern mit beeindruckend brachialem Sound durch die Gemäuer des Majestic Music Club. Schön anzusehen sind dabei nicht nur die Stageoutfits der Protagonisten, sondern auch die originellen neongrünen Mikroständer, die der Show fast einen cyberpunkigen Touch bescheren. Auf musikalischer Seite lassen die Routiniers jedoch ebenfalls nichts anbrennen, insbesondere Sänger Damnagoras kann durch starke Vocal-Leistung überzeugen. Klar, vielleicht kommen ein paar Einspielungen zu viel vom Band, aber letztlich dient das natürlich auch der Auffettung des Gesamtsounds, und kann somit akzeptiert werden. Songs wie "Elvenlegions" oder "Moonbeam Stone Circle" werden amtlich abgefeiert, und die Band kann diesen Auftritt getrost als vollen Erfolg verzeichnen - auch wenn man auf Grund leichter terminlicher Verzögerungen bereits zu spielen beginnen musste, als die Halle gerade mal halb gefüllt war.

Setlist ELVENKING:

The Loser Runereader Elvenlegions The Divided Heart Moonbeam Stone Circle The Winter Wake

Im Anschluss durften aber dann bei bereits zum Bersten gefüllter Halle die Erfinder des "Epic Symphonic Hollywood Metal" (oder wie auch immer der Stil der Band aktuell bezeichnet werden mag) zu Werke gehen, und bei RHAPSODY OF FIRE weiß man ja, hier sind absolute Könner am Werk. Mit "Dark Wings Of Steel" hat man immerhin schon das zehnte(!) Album der Bandgeschichte am Start, und das möchte natürlich auch ausreichend zelebriert und präsentiert werden. Da ist es fast ein bisschen überraschend, dass sich RHAPSODY OF FIRE bei ihrem Bratislava-Gastspiel fast ausschließlich auf die ganz großen Bandklassiker beschränken: Angetrieben von der unfehlbaren Rhythmusfraktion der beiden Holzwarth-Brüder - ebenfalls Ausnahmekönner an ihren Instrumenten - fudeln und singen sich die verbleibenden Italiener (inklusive neuem Gitarristen Roby De Micheli) vornehmlich durch die schnelleren Stücke des Backkatalogs wie "Land Of Immortals" vom allerersten RHAPSODY-Album "Legendary Tales", "Unholy Warcy" oder dem fulminanten "Holy Thunderforce", und gönnen sich und dem Publikum gerade mal in Form von "Lamento Eroico" eine kleine Verschnaufpause.

Großartig ist nicht zuletzt auch wieder mal Über-Sänger Fabio Lione, der perfekt und fehlerfrei durch das anspruchsvolle Songmaterial der Italiener führt, und besonders bei Mitsingspielchen (wie etwa beim "March Of The Swordmaster") seine beeindruckende Range zur Schau stellen kann, und auch bei "Reign Of Terror" mal wieder die böse, schwarzmetallische Seite seiner Stimme in den Vordergrund rückt. Klar, bei einer Stunde Spielzeit und der beinahe konstant dominierenden Doublebass im RHAPSODY'schen Songmaterial können nach ein paar Songs schon Ermüdungserscheinungen auftreten; aber dennoch kann natürlich auch das abschließende, obligatorische "Emerald Sword" das Publikum nochmal ordentlich zum Headbangen animieren, und auch dieser Rezensent ist ob der grandiosen Live-Leistung der gesamten Band beeindruckt.

Setlist RHAPSODY OF FIRE

Rising From Tragic Flames Land of Immortals The March of the Swordmaster Unholy Warcry Dark Wings of Steel Lamento Eroico Holy Thunderforce Dawn of Victory Reign of Terror Emerald Sword Schließlich wurde des dann Zeit für den Headliner des Abends, und was soll man denn über eine Band wie GAMMA RAY noch schreiben?

In diesem Fall vielleicht, dass ein untypischer Einstieg ins Set gewählt wird: Statt auf eine schnelle, bekannte Nummer und Vollgas zu setzen, gehen es die Deutschen diesmal etwas ruhiger an, und noch dazu mit einem neuen Song - "Avalon" gibt die Marschrichtung vor, ehe mit "Hellbent" gleich nachgelegt wird. Leider haben Kai Hansen und Kollegen mit etwas schwammigem Sound zu kämpfen, und auch der Maestro selbst ist noch nicht ganz in stimmlicher Topform; etwas viel und oft verkommt da leider der Gesang zum Geschrei, und auch die gelgentlichen Backing-Vocal-Einspielungen können da nur bedingt Abhilfe schaffen. Dennoch kocht die Stimmung natürlich beim GAMMA RAY-Klassiker "Heaven Can Wait", wenngleich danach das Publikum etwas verhaltener agiert und erst nach dem obligatorischen Drum-Solo von Neo-Zeugler Michael Ehré und dem folgenden "Blood Religion" wieder voll bei der Sache ist. Zwischenzeitlich hat leider auch Basser Dirk Schlächter mit technischen Problemen zu kämpfen; immerhin lässt dies das geneigte Publikum in den Genuss eines zusätzlichen Henjo Richter-Solos kommen. Der ist wie immer über alle Zweifel erhaben und leider immer noch ein sträflich unterbewerteter Gitarrist. Was der Mann da aus seiner Klampfe rausholt ist letztlich das, was die ohnehin schon starken GAMMA RAY-Kompositionen nochmal auf die nächsthöhere Stufe hebt. Sensationelle Arbeit!

Wie eingangs erwähnt gab's erstaunlich viel Material vom neuen Album und auch der vorangegangenen EP "Master Of Confusion", wie beispielsweise die beiden Titeltracks - aber natürlich durften dann die ganz großen Bandklassiker auch nicht fehlen, und mit fast ein wenig zu routinierten Darbietungen von "Rebellion In Dreamland", "Land Of The Free" und "Man On A Mission" beenden Meister Hansen & Co. das reguläre Set. Als Zugabe liefert man dann noch den JUDAS PRIEST - "Metal Gods" - Tribute-Kracher "To The Metal", der nochmal für ein stimmungstechnisches Hoch sorgt, ehe dann die Hanseaten mit dem obligatorischen "Send Me A Sign" nochmal "Bescheid geben" und ein zufriedenes Publikum in den Feierabend schicken. Fazit: Ein wenig fehlt bei GAMMA RAY vielleicht noch die Tour-Routine, und diesmal konnten die Genreväter mich nicht ganz so restlos überzeugen wie vor einigen Jahren zuletzt am Masters Of Rock. Dennoch spricht die Qualität der Kompositionen natürlich Bände, und kaum eine andere Band wird da je mit Kai Hansen und seinen Göttersongs mithalten können. Souveräner waren an diesem Abend aber sicherlicher RHAPSODY OF FIRE, und auch ELVENKING konnten sogar als Opener mit starkem Sound und starker Performance überzeugen. Alles in allem ein Freudenfest für den Fan des melodischen Schwermetalls und ein Package, das absolut sehenswert ist!

Setlist GAMMA RAY:

Avalon Hellbent Heaven Can Wait Razorblade Sigh Tribute to the Past Time for Deliverance Pale Rider Drum Solo Blood Religion Master of Confusion Empire of the Undead Rebellion in Dreamland Land of the Free Man on a Mission ------------------- To the Metal Send Me a Sign


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