26.03.2014, Olympiahalle Innsbruck

ROCK MEETS CLASSIC (Innsbruck)

Veröffentlicht am 05.04.2014

Die Konzertreihe

"Rock Meets Classic"

gastierte heuer erstmals in Innsbruck. Vorerst sei kurz das Prinzip dieser Veranstaltung erklärt. "Rock Meets Classic" ist eine Symbiose aus klassischen Streichereinlagen und Rockmusikern. Das Orchester stand bzw. saß in Gestalt des "Bohemian Symphony Orchestra Prague", das mit rund 40 Leuten angetreten war, auf der großen Bühne. Als Rock-Part wuselte die Band um SINNER-Chef Mat Sinner samt Gitarrist Axel Beyrodt und noch andere Persönlichkeiten (Amanda Somerville, PRIMAL FEAR´s Ralf Scheepers) und Nebenerscheinungen des Rock auf der Bühne. Neben dem nur von diesen Akteuren gezockten Intro bzw. Zwischenspielen gaben mit Midge Ure (ULTRAVOX), Joe Lynn Turner (RAINBOW), Mick Box & Bernie Shaw (URIAH HEEP), KIM WILDE und dem Headliner ALICE COOPER - untermalt von Rockband und Orchester - diverse arrivierte Gastsänger 4 bis 6 Songs aus dem eigenen Repertoire vor den geschätzten und von den Medien bestätigten 2.000 Anwesenden (und somit bei Ticketpreisen zwischen rund 43 und 67 Euro nicht ausverkauften Konzert) zum Besten. Doch bevor das eigentliche Spektakel (mit ausschließlich Sitzplätzen) auf der ausladend groß dimensionierten und unüblich quer in der Halle aufgebauten Bühne beginnen konnte, stimmte die Rock Meets Classic-Crew vorab QUEEN´s "The Show Must Go On" zur Einstimmung auf das folgende Rock-Veteranentreffen an.



MIDGE URE

Der ULTRAVOX-Sänger hatte die Ehre, den heutigen Konzertabend zu eröffnen. "Rock Meets Classic" lautete das Motto, doch der Schotte wollte nicht so ganz in das heute präsentierte Konzept passen. Die ULTRAVOX-Hits wahrlich in nostalgischen Ehren haltend, konnte der Co-Autor von "Do They Know It's Christmas?" auch gesanglich die herausfordernden Studioleistungen kaum halten. Viel Drama (das breitenwirksame, aber harmlose Gestöhne "Breathe") und druckloser Pomp (das schwülstige "Vienna") tönte von der Bühne, als MIDGE URE die Bühnenbretter mit "Dancing With Tears In My Eyes" verließ, bei dem die primär anwesenden 40-50jährigen einen zweiten Frühling erlebten und steil gingen. Mir wäre bei aller Wertschätzung des Oeuvres des Künstlers eine echte Rocklegende (hat hier jemand BILLY IDOL gesagt?) lieber gewesen. - Hymn - Breathe - Vienna - Dancing With Tears in My Eyes

JOE LYNN TURNER

Der Ausnahmesänger war da in Anschluß schon von einem anderen (Rock-)Format. Gut bei Stimme intonierte der ehemalige RAINBOW-Frontmann klassische Achtziger-RAINBOW-Hits wie "I Surrender" und "Stone Cold", die allerdings für einen eingefleischten Hardrockfan im belanglosen Klassik-Rock-Treiben des fast über 50 Menschen zählenden Bühnenpersonals fast zu belanglos untergingen. Für Kenner ein Leckerbissen, für den Großteil des heute anwesenden Publikums wahrscheinlich eher melodische Staffage. Es war dies nach dem "SCHUBERT IN ROCK"-Spektakel (zum Livereport) die zweite Performance des Amerikaners in Innsbruck. Keinesfalls von schlechten Eltern, wenngleich mit viel Schnulzenappeal war die DEEP PURPLE-"Slaves And Masters"-Coverversion von "Love Conquers All", bevor der von Russ Ballard geschriebene Hit "Since You Been Gone" den Schlußpunkt unter die Show des wohl Toupet-tragenden und meist sonnenbebrillten kleinen Manns, setzte. Seine Publikums-Anfeuerungsrufe verhallten allerdings weitgehend ungehört im hüftlahmen Sitz-Publikum, das sich zu diesem Zeitpunkt fast nur zum artigen Mitklatschen durchringen konnte. - I Surrender - Stone Cold - Love Conquers All - Since You Been Gone



KIM WILDE

Die Blondine war in den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts ein echt heißer Feger in der Musiklandschaft. Am heutigen Abend war die 53jährige zwar ein optischer Aufputz inmitten der Altherrenriege, war jedoch schon nach dem Opener "You Came" trotz nicht wirklich hemmungsloser Stageaction außer Atem. Man litt fast mit der drallen Grande Dame des Achtziger-Pops während der Zwischenansagen und wünschte ihrer Atemlosigkeit fast ein Sauerstoffzelt zu Hilfe. Die Backgroundsängerinnen kaschierten zudem die eine oder andere stimmliche Unzulänglichkeit in den Songs. Einige der anwesenden Ladies im Publikum überkam es plötzlich, euphorisiert sprangen sie von ihren Sitzen auf und zelebrierten - oftmals neben dem Takt klatschend und den Hintern rhythmisch hin- und herwiegend - ihre Jugendzeit samt wohl damit verbundenen Disco-Erlebnissen, bevor zum großen Hit "Kids In America" final noch einmal alles aufgeboten wurde. - You Came - Cambodia - You Keep Me Hangin' On - Kids in America Danach mußte sich so manche(r) erstmal erholen, wie gelegen wurde eine rund 20 minütige Pause eingeläutet, damit sich die Damenwelt nachschminken konnte und die Herren ihre Stimmung durch Flüssigkeitszufuhr heben konnten, bevor als Einleitung für den zweiten Teil "Another Brick In The Wall" von PINK FLOYD intoniert wurde.

MICK BOX & BERNIE SHAW

Gitarrist Mick Box & Sänger Bernie Shaw von URIAH HEEP enterten die Bühnenbretter, die unpassenden roten Schuhe von Shaw wirkten - unpassend zum restlichen Bühnenoutfit - irgendwie grotesk, dennoch vermochte die Gesangs- und Saitenfraktion der legendären Hardrocker das Publikum zu fesseln. Beim Opener "Easy Livin´" war mächtig was los in der Halle, hier bebten die Grundfesten der altehrwürdigen Olympiahalle, hier wurde feist gerockt und gerollt, bei allseits bekannten Classics wie "Free Me" ohnehin fast vorprogrammiert. Hoffnung keimte in den Rockherzen auf, dass das ganze Spektakel mehr Schwung aufnehmen und Power verbreiten könnte, schließlich faßten sich auch im Arenabereich immer mehr Anwesende ein Herz, rockten im Stehen und ließen die Protagonisten mit ihrem wohl größten Hit "Lady In Black" hochleben. - Easy Livin' - Free Me - July Morning - Lady in Black

Damit das Orchester auch noch kräftig auf sich aufmerksam machen konnte, wurde als Einleitung für den Headliner noch die allseits bekannte Fünfte von BEETHOVEN intoniert, damit sich das riesige Aufgebot auch bezahlt macht.

ALICE COOPER

Der Hauptact ALICE COOPER erfüllte anschließend die Erwartungen der Fans und bot eine Hitarmada aus "Welcome To My Nightmare", "Billion Dollar Babies" und "Trash"-Hits dar. Flankiert von Gitarristin Orianthi (Prinzip junge hübsche Gitarristin unterstützt Altherrenrocker) passte bei der sechs Songs umfassenden Performance alles. Der 66jährige agierte erstaunlich agil und zog ein gebührliches Set ab. Stilechtes Feuer bei "House Of Fire" gesellte sich zu einer von seiner Ehegattin balletmäßig eingetanzten Einlage zu "Only Women Bleed" (samt effekthascherischem Blut-Biß in den Unterarm und dämlicher Ehedrama-Einlage). Theater-Klamauk für das dankbare Publikum, das mit dem Evergreen "School´s Out" noch einen finalen All-Star-Auflauf erlebte. Sämtliche mitwirkenden Akteure versammelten sich auf der Bühne und gaben den totgenudelten Song zum Besten. Die Luftballone stiegen hoch und die Innsbruck-Show neigte sich endgültig dem Ende zu, als das ergreifende "The Show Must Go On" von QUEEN den rund 150minütigen Konzertabend beschloß. - House of Fire - No More Mr. Nice Guy - Only Women Bleed - Welcome To My Nightmare - Poison - School's Out

Nachdem der Abend im Zeichen des Rocks und auch der Klassik aureichend gewürdigt wurde, hier noch eine kleine Anmerkung des Sitzplatz-geplagten STORMBRINGER-Redakteurs, der sich auf einem Tribünensitzplatz so langweilte wie nie zuvor in seiner über ein Vierteljahrhundert währenden Konzertkarriere: Eingekeilt von Achtziger-Nostalgieverrückten Muttis hatte der Rezensent sitzend und auf die Programmpause wartend, auszuharren, einem weitgehend blutleeren und drucklosen Treiben auf der Bühne beiwohnen zu müssen, eine lockere Unterhaltung mit seinem Sitznachbarn stellte aufgrund der weichgespült-niedrigen Lautstärke kein größeres Problem dar. Statt des erwarteten Klassik-Pomps und der wuchtigen Verschmelzung von kräftigem Rock mit effektvollen klassischen Einlagen (etwa a la METALLICA) tönte der Sound eher verhalten und unvoluminös aus den die riesige Bühne flankierenden Boxentürmen. Die Veranstaltung hatte eher den Charme und den Druck eines "Sommerfests des Schlagers" denn eines kernigen Rockspektakels. Symptomatisch dafür sei etwa das Foxtrott-tanzende Paar bei URIAH HEEP´s "Free Me" genannt. Mit einigen netten Gimmicks und Evergreens aufgepeppt, vermochte das Spektakel die Anwesenden, Marke Couch-Potatoes, die sich heute mal einen wilden Tag gönnten, allerdings vollends zufriedenzustellen. Nicht zuletzt angesichts des tags darauf stattfindenden GORGOROTH-Konzerts war "Rock Meets Classic" eine mehr als beschwerliche Übung, von der richtigen Nostalgie auf dem fast auf dem gleichen Sitzplatz erlebten IRON MAIDEN-Konzert 1988 gar nicht zu reden! Mit anderen Worten: Auch wenn die meisten der Anwesenden das anders sehen mögen, für mich hat die (Sitz-)Veranstaltung einfach nicht gerockt - sah wohl auch die Tiroler Tageszeitung so ähnlich, welche die Veranstaltung recht treffend als "Mischung aus verrockter Kaffeefahrt und klassischem Skilager" titulierte. Dank geht an unsere Fotografen Alex und Michelle von Stormbringer und Bernhard Schösser! Weitere tolle Fotos könnt ihr in Alex´ Stormbringer-Fotogallerie, auf Freizeit in Tirol und auf Metal Rock Impressions unserer Stormbringer-Fotografin Michaela Schnell sehen.


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