28.02.2014, Gruenspan

"Satans Wants Your Children Tour" Behemoth & Cradle Of Filth

Veröffentlicht am 20.04.2014

Am 28.02.2014 hatte ich das Vergnügen mir die fünf Bands SVARTTJERN, INQUISITION, IN SOLITUDE, CRADLE OF FILTH und BEHEMOTH im ausverkauften Grünspan in Hamburg anzuschauen. Leider fielen die Opener SVARTTJERN dem hohen Verkehrsaufkommen auf der Autobahn zum Opfer, so dass ich lediglich die letzten zweieinhalb Songs von den Norwegern mitbekam. Roh und brachial prügelten sie ihr Set runter. Obwohl der Laden bereits zu Anfang gut gefüllt war, wollte der Funke nicht recht herübergespringen, wenngleich ich nicht behaupten kann, es läge daran, dass die Musiker auf der Bühne einen schlechten Job gemacht haben, der Fluch des Openers hat hier wohl eine größere Rolle gespielt. Nach gut dreißig Minuten Spielzeit durften INQUISITION dann mit dem Aufbau beginnen.

Wer bislang skeptisch war, ob ein Black Metal-Duo es live überhaupt schafft, irgendwie gut Stimmung zu verbreiten, der hat INQUISITION noch nicht live gesehen. Dagon turnte allein vorne auf der Bühne herum, aber es wurde nicht langweilig ihm zuzusehen, wie er die Bühne einnahm und den ganzen Platz für sich zu nutzen wußte. Obwohl neben dem Schlagzeug eben nur eine Gitarre zu Werke war, hatten nicht nur die Augen was zu sehen, sondern auch die Ohren sind auf ihre Kosten gekommen. Die Setlist gab Songs aus den letzten drei Alben her. Die beiden haben schon gut was gerissen, was das Publikum den Amerikanern mit zunehmendem Headbangen dankte.

IN SOLITUDE – die musikalische Ausnahmesituation auf dieser Tour. Ich habe mich gefragt, ob dafür etwaige jungfräuliche Schwestern zum Opfer fallen mussten oder BEHEMOTH und COF jemanden brauchten, der ihnen stets Bier holte, wenn es sie danach gelüstete... wie auch immer. Zwischen dem ganzen Black Metal kühlten IN SOLITUDE die Gemüter mit ihrer Heavy Metal Show wieder ab. Gottfrid Åhman fiel sofort ins Auge, da er selbst besagte geopferte Schwester hätte sein können. Aber als die Truppe dann letztlich loslegte, schwieg meine garstige Lästerzunge recht schnell. Vor allem Gottfrid machte derartig Alarm auf der Bühne, dass es Respekt verdiente, am 18. Tourtag noch derartig Power zu haben und galant wie eine Gazelle mit Bass in der Hand über die Bühne zu fegen. Leider gefiel mir die Musik dadurch nicht besser, aber es machte Spaß zuzuschauen. Die anwesenden Besucher waren offenbar meiner Meinung. Der Saal leerte sich, die noch Anwesenden sahen mit verschränkten Armen und eher kritisch schauend dem Geschehen zu.

Dann nach einer längeren Umbaupause war es soweit, erstmalig erlebte ich CRADLE OF FILTH live. Dank einer Setlist, die, wie versprochen, auch das alte Material beinhaltete, outete sich die Crowd als oldschool. So heizten COF dem Saal so richtig ein. Bei den aufgedrehten Gemütern blieb es auch nicht aus, dass sich zwei Streithähne doch ernsthaft in die Wolle kriegten. Zugegeben, dieses Spektakel lenkte mich von der Show ab. Aber für Danis Screams brauchte ich auch mehr Ohren als Augen. Selbst nach den vielen vorangegangenen Gigs kriegte es Mr. Filth noch hin, die Screams herauszukreischen. Gut, sie waren nicht so lang, wie es eigentlich der Song erforderte und gerade zum Ende merkte man, was für stimmliche Anstrengung dahintersteckte, aber das er überhaupt die Tonlagen alle so hinbekam, dass hätte ich dem Herrn, der vom Outfit her auch als Koboldkönig durchgehen konnte, nach all den Jahren gar nicht zugetraut. Die Cradle-Show war schon ok. Manko war, dass die im Hintergrund gezeigten Videosequenzen die Aufmerksamkeit zu sehr auf sich zog. Das Rumgehopse vom Frontmann erinnerte an Rumpelstilzchen oder an morgendliche "Wachwerd-"gymnastik. Es sah jedoch nur halb so albern aus, wie es sich anhört. Die alten Hits haben nicht nur mich, sondern auch das Publikum richtig mitgerissen. Es lag einfach Nostalgie in der Luft.

Das Schlußlicht dieses Abends bildeten BEHEMOTH. Dagegen wirkten COF eher wie eine Zwergenkompanie, die als Kanonenfutter diente. Orion hatte eine so starke Bühnenpräsenz, dass er die ganze Show hätte allein schmeißen können, dem Zuschauer wäre nicht langweilig geworden. Aber auch Nergal, dem man noch ansieht, dass er dem Krebs den Mittelfinger gezeigt hat, konnte, was Präsenz angeht, definitiv mit Orion mithalten. Mit viel Pyro und Nebel hatten BEHEMOTH sofort die gesammelte Aufmerksamkeit und der Laden fing an zu beben. Selten erlebte ich so eine Professionalität auf der Bühne. Das Miteinander zwischen den Polen war abgestimmt und hat einfach gepasst, es war tight gespielt und die Masse hat ihnen aus der Hand gefressen. BEHEMOTH spielten sich quer durch ihre Discographie und wieder bewies das Publikum, dass sie BEHEMOTH nicht erst seit The Satanist kennen, sondern vor allem das alte Zeug lieben. Es wurde gemoscht, geschrien und gepogt. Die Polen wurden richtig abgefeiert und das zu recht. Nergal hat an den passenden Stellen durch Mimik und Gestik die musikalische Inszenierung unterstrichen, es schien als wäre man Teil einer Massenbeschwörung. Ich erinnere mich noch an Wacken 1999 (oder war es 2001?) als ich BEHEMOTH zu einer unmöglichen Tageszeit im verpekten kleinen Zelt angesehen habe, der Sound war scheiße, die Show einfallslos. Es war schon enttäuschend. Das haben sie an diesem Abend auf jeden Fall wieder wett gemacht.Es war wirklich ein absolut gelungener Auftritt. Besonders zu erwähnen ist, dass es trotz der langen Stunden an ohrenbetäubender Lautstärke nicht halb so anstrengend war, wie an manch anderem langen Konzertabend. Der Club hat es tontechnisch ganz gut drauf, wobei hier und da der Gesang hätte lauter sein können. Aber das ist eher Nörgeln auf hohem Niveau. Selbst die Vorbands hatten einen klasse Sound. Der Tinnitus am nächsten Morgen war zwar da, verabschiedete sich jedoch überraschenderweise recht schnell. Was auch dafür spricht, dass der Tontechniker es verstanden hat, dass laut nicht immer gleich gut ist. Als Resümee halte ich also fest, Konzerte im Grünspan kann man sich gut geben und BEHEMOTH haben CRADLE mal so richtig die Hose ausgezogen.


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