11.04.2014, KuFa (Kulturfabrik)

WATAIN

Veröffentlicht am 15.04.2014

Nur wenig Hipster-Alarm war heute zu verzeichnen in Kufstein. Verwunderlich, hatte doch DIE Black Metal-Band der Stunde, WATAIN, zu einer Audienz in der Tiroler Bergwelt gebeten, zu der allerdings nur knapp über 200 Jünger angetreten waren, sich die schwarze Absolution angedeihen zu lassen. Immerhin ein paar mehr als beim GORGOROTH-Eissturm (zum Livereport) ein paar Tage zuvor. ASPHAGOR Den Kick-Off des heutigen Abends bildeten die Unterländer ASPHAGOR, die zuletzt mit dem lässigen “ANTI“ nicht nur als bei Stormbringer, sondern auch als Unsigned Band des Monats im Rock Hard Mag präsentiert wurden. Dass ihnen diese Ehre nicht zu Unrecht zuteil wurde, untermauerte das Quintett am heutigen Abend. Neben den geilen Songs von genanntem Album, die von herrlich dissonant shreddernden Gitarren begleitet wurden und abseits der trockenen Hi-Speed-Orgien teils doomig angehaucht aus den Boxen drückten. Auch outfittechnisch hatten sich die Blackies adäquat rausgeputzt, vor allem der skelettbehangene Mikroständer versprühte authentisch-morbides Flair. Recht aggressiv ließ es auch Sänger Steff/Morgoth angehen, der sich trotz kürzlich erlittenem Bandscheibenvorfall (wegen dem u.a. die Show als GORGOROTH-Support gecancelt werden mußte) wie ein Wilder gebärdete und den Kopf rotieren ließ. Ein wüst und flott dahergerotztes „Havoc“ machte klar, wie ein kleiner Genre-Hit klingen muß. Dass es ASPHAGOR drauf haben, bewiesen sie spätestens mit dem finalen Titeltrack „Anti“, zu dem auch ein professionelles Video gedreht wurde. Gelungener, wenn auch mit 30 Minuten recht kurzer Auftritt, der mit entsprechendem Jubel quittiert wurde und Lust auf mehr machte.

Setlist:

- Intro - Cemetary Of Gods - The Rebirth (In The Age Of Nemesis) - Suffering Flesh - Havoc - Anti

Den folgenden Auftritt von DEGIAL nahm sich der mit der Band bestens vertraute STORMBRINGER Dave genauer unter die Lupe: DEGIAL Black/Death-Fans freuten sich wahrscheinlich schon enorm auf den Gig von DEGIAL bevor WATAIN ihr Ritual durchführen sollten. Nach dem starken Album „Death's Striking Wings“ (2012) und der nicht minder guten EP „Death And Darkness Buries All....“ (2010) zuvor, konnten sich die Schweden im Underground fest etablieren. Auf ihren Lederwesten prangte das Logo von „Death Metal Uppsala“, denen auch INVIDIOUS und GRAVELESS angehören, und der Name sollte an diesem Abend Programm werden. Reichlich angeschwärzter Death Metal im Stile von MORBID ANGEL (sowohl zu Demo- als auch zu „Altars of Madness“-Zeiten), SADISTIC INTENT oder auch DISSECTION bot sich den Leuten. Leider wollte das Publikum einfach nicht warm werden. Wenige Matten flogen und auch die Band selber verhielt sich eher statisch auf der Bühne. Obwohl die Band super eingespielt war und die Jungs musikalisch einiges auf dem Kasten hatten, litt ihre Performance unter dem grottigen Soundmix, der weder die Gitarren, noch den Gesang richtig zur Geltung brachten. Die erhoffte Black/Death-Explosion blieb dementsprechend leider aus und die Performance konnte wahrscheinlich nur die Leute überzeugen, die mit den Songs der Schweden auch vertraut waren. [David Gappmaier]

WATAIN Schon das Intro „Night Visions“ hatte sakralen und betörenden Charakter. Einen schweren Bühnenvorhang hatte ich in der KuFa auch noch nicht erlebt, doch diese Verhüllung vermochte um 21.30 Uhr die Aufregung der gespannt Ausharrenden ebenso wie die undefinierbaren Gerüche, welche in die Nasen drangen, nur weiter zu befeuern. Die Erregung steigerte sich mit jeder verstrichenen Sekunde, bis schließlich das mächtige "De Profundis" von “The Wild Hunt“ die Spannung löste. Die Bühne in Blutrot getaucht und begleitet von wummernden Klängen zogen die Trockeneis-Nebelschwaden über die Bühne, hier regierte eine der authentischsten und hingebungsvollsten Black Metal-Combos die Bühne, darüber bestand ob der Mächtigkeit des Seteinstiegs kein Zweifel. Auch das recht bald folgende, grimmig-rockende „Malfeitor“ (von „Lawless Darkness“) untermauerte dies eindrucksvoll. Die nächsten knapp 90 Minuten waren geprägt von ergreifendem Black Metal, der mit überirdisch-mächtigen Parts veredelt wurde. Unglaublich stark dabei das fett rockende “Legions Of The Black Light” und "Total Funeral", welches die KuFa mit Dunkelheit und Zerstörung überzog. Puristen mag diese akustische Inszenierung aus wuchtiger Raserei und epischer Hymnik (auch optisch) unter Umständen zu Mainstream sein, allerdings haben WATAIN die einsamen Wälder und modrigen Hütten schon längst verlassen und sich der Mission verschrieben, ihre boshafte Message mittels akustischer Giftspritzen in Legionen von Fans zu injizieren.

WATAIN, allen voran der stilecht in eine (mit Federn und herabhängenden Fetzen geschmückte) apokalyptisch anmutende Leder-Kostümierung gehüllte Fronter Erik, entführten die Anwesenden auf eine Reise in die Finsternis, auf die dunkle Seite. Ein Blick in die Augen Danielssons offenbarte die wilde Entschlossenheit und die dort emporlugenden Abgründe des menschlichen Daseins, fast konnte man ob des wahlweise manisch-irren bzw. starrenden Blickes Angst bekommen. Der schmächtige Frontmann meinte es heute ernst mit seinem philosophischem Zugang zu den dunklen Mächten samt der damit verbundenen teils rabiaten, teils seancenartigen Bühnenperformance. Von der mystischen Aura, welche den kleinen Mann, der auf der Bühne – von Bodenscheinwerfern diabolisch in Szene gesetzt - über sich hinauszuwachsen scheinen ließ, nicht zu reden. Der Gute schien seine Exerzitien zu vollführen und sich – getragen vom Publikumszuspruch – an seine eigenen Grenzen bzw. darüber hinaus zu bewegen. Angsteinflößend zudem Basser Alvaro Lillo, der nicht nur wüst geschminkt war, sondern auch entsprechend grimmig (sowie dreckig und stachelbewehrt) über die Bühne stapfte und die Seiten changierte sowie der mit arger Kriegsbemalung verzierte Gitarristen-Glatzkopf Set Teitan, der ehemals schon für DISSECTION shredderte. Die große Feuershow konnten die Schweden auf der doch etwas niedrigen KuFa-Bühne zwar nicht abfackeln, dennoch züngelten kleinere Flammen auf der vom Hintergrund diffus und würdevoll-höllenrot ausgeleuchteten Bühne und auch eine rituelle Bluttaufe (zum saustarken "Devil´s Blood") durfte das Publikum in den ersten Reihen über sich ergehen lassen. Derart zelebriert, strotzte der Auftritt nur so vor Atmosphäre und satanischer Attitüde und war zugleich eine tiefe Verneigung vor dem Altar des Transzendenten und Allmächtigen. Recht guter Sound, der auch nicht zu laut daherfönte, bildete den Rahmen für diese halluzinogene Reise ins Dunkel. Und trotz allen Brimboriums blitzte dank der kurzen, verhallten Bühnenansagen inmitten des perfekt inszenierten Spektakels auch eine gewisse Nahbarkeit zum Zeremonienmeister durch.

Als Einleitung zum getragenen und das Setende markierenden "The Wild Hunt" schritt Danielsson die Bühne ergriffen mit einer Fackel ab und erleuchtete stimmungsvoll ein paar Funzeln. Kaum war die Pflicht getan, schritt das Quintett - begleitet vom Ethno-Intro zu "Outlaw" - zur Kür. Der rabiat gezockte Videotrack läutete samt " Sworn to the Dark" die Zugabenrunde ein und lud zum Mitgrölen ein. Das Spektakel mutete aufgrund des Habitus der Musiker sowie der optischen Aufmachung der Bühne (obligatorisch schädelbehangene Ständer, stimmige Knochen-Bühnenkulissen etc.) ohnehin mehr wie eine Zeremonie denn wie ein Konzert an, das Ganze fand sein tiefrotes Grande Finale mit dem epischen "The Serpent´s Chalice" und dem ätherisch wirkenden, tranceartig-wabernden Ausklang, bei dem der Mastermind bis zu den letzten Outro-Klängen auf der Bühne verweilte, nur um nach dem Verlassen derselben die Fans mit offenen Mündern und ungläubigem Staunen zurückzulassen. Eines der zurecht angesagtesten heißen Eisen im lodernden Höllenfeuer lieferte heute eine äußerst mächtige und beeindruckende Vorstellung ab, die wohl für jeden Zuschauer eine besondere Erfahrung war und noch lange im Gedächtnis verhaftet bleiben wird. Klasse statt Masse lautete wohl die treffende Aussage heute, auch wenn die Qualtiät diesfalls ob des fast zu geringen Zuschaueraufkommens für einen Quasi-Headliner auf Extrem-Metal-Veranstaltungen, leider zu Lasten der Kasse des Veranstalters ging. Für mich (neben HEAVEN SHALL BURN oder NAPALM DEATH) eines der intensivsten Konzerteerlebnisse, die ich in der KuFa erfahren durfte! Besonderer Dank geht an Fotografin Melanie Haberl, die nicht nur für die lässigen Livepics (mehr davon HIER) sorgte, sondern auch einiges an Gerüchen direkt vor der Bühne auszuhalten hatte.

Setlist:

- Night Vision - De Profundis - Malfeitor - Storm Of The Antichrist - Puzzles Ov Flesh - Devil's Blood - Sleepless Evil - Legions Of The Black Light - Total Funeral - The Wild Hunt --- - Outlaw - Sworn To The Dark - The Serpent's Chalice


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