19.04.2014, PMK, Innsbruck

ERL - Sacred Majesties 2014

Text: Laichster
Veröffentlicht am 23.04.2014

Nach der grandiosen WATAIN-Messe vergangene Woche (zum Livereport...), ziehen eine Woche später erneut dunkle Wolken über dem unheiligen Land Tirol auf, um pünktlich zu den Osterfeiertagen die Tore zu den Abgründen der Hölle zu öffnen. Die Konzertreihe "Sacred Majesties" geht in die blasphemische zweite Runde und die Veranstalter von Reign Of Chaos schicken heute eine handverlesene grim and frostbittene Allianz an Black-Metal-Bands auf die Bühne, um im Innsbrucker p.m.k so einzuheizen, dass selbst der hartnäckigste Permafrost zu schmelzen beginnt. Geboten werden heute die Tiroler Nachwuchsband ANGAROTH, die deutschen IREM, die Innsbrucker Black-Institution PORTAE OBSCURITAS, die Lokalmatadoren ERL, welche heute ihr Debütalbum "The Rise And Reign Of Lucifer" präsentieren, und die Schwarzmetall-Hanseaten NEGATOR. Aufgrund von Terminschwierigkeiten musste die Running Order kurzfristig geändert werden und so tauschen der ursprüngliche Headliner NEGATOR und ERL die Plätze, was dem Inferno aber keinen Abbruch tat.

ANGAROTH:
Wer oder was sind ANGAROTH? Dem Tolkien-Liebhaber fallen natürlich sofort die schwarzen Númenórean ein, welche von Sauron zur Dunkelheit verführt wurden und ungefähr so verhält es sich mit den Jungspunden, welche mit einem geschätzten durchschnittlichen Alter von 16 Lenzen heute die jüngste Fraktion auf den Brettern der p.m.k bilden. Vom Black-Metal-Konsum zum Formieren einer eigenen Band inspiriert, feiert die Innsbrucker 5er-Kombo heute ihr Livedebüt. Angesichts des Alters der Protagonisten erinnere ich mich mit Schrecken an die in meinen Metal-Anfangszeiten favorisierten Bands und befürchte nun mit jugendlichen Black-Wahnsinn, der über alle Strenge schlägt und mehr Krawall als Melodie beinhaltet, penetriert zu werden. Pünktlich um 20:10 Uhr betreten die Youngsters, stilecht mit Corpsepaint geschmückt, die Bühne und starten nach kurzen Intro mit "Pest" in den heutigen Abend und schaffen es, alle meine Befürchtungen zu vernichten. Die Songs sind strukturiert, schnelle und melodische Parts wechseln sich ab. Zudem wissen die Kinder des Zorns, wie sie ihre Instrumente zu bedienen haben und der Fronter keift sich gekonnt durchs Set. Ganz ohne Kritik geht es dann leider doch nicht, denn gerade bei den Übergängen von schnellen zu langsameren Parts sind Unsauberkeiten zu hören, welche wohl der Nervösität des ersten Auftritts vor Publikum zu schulden sind. Gebt den Jungs noch ein paar Stunden im Proberaum und die Chance zu weiteren Live-Auftritten, dann erwachsen uns hier Nachwuchsmusiker mit Potential. Nach einer knappen halben Stunde muss das Feld geräumt werden und die Zuschauer wurden positiv überrascht. Mit einem solch starken Debüt kann die Nervosität für die nächsten Auftritte getrost vergessen werden und ich behalte die Band jedenfalls auf meinem Beobachtungsradar!

Setlist:
1. Pest
2. Kommando 666
3. Salvation
4. Die Hure von Nazareth
5. In Ketten

IREM:
Die Black/Death-Kapelle aus Germany ist die nächste in der Reihe des heutigen schwarzen Zirkels. 2003 gegründet und mittlerweile mit vier Full-Length-Alben in der Bandhistorie, ließen IREM zuletzt mit dem 2013er Album "Obscuritas Aeterna" von sich hören. Man ist gespannt auf die Live-Wirkung der Mischung aus klassischen Black- und Death-Metal-Riffs.

Die Brecher vom erwähnten letzten Album werden gnadenlos gezockt und die Klangatmosphäre passt zum bedrohlich posenden, nietenbewaffneten Sänger Ralf. Die Publikumsreaktionen sind jedoch leider etwas verhalten, wurde hier doch eine solide Show geboten, welche den einen oder anderen Headbanger mehr verdient hätte. Mit "Xul" wird eine irrsinnig coole Speednummer dargeboten und mit "Arrogance" als Abschluss ist nach 45 Minuten das Ende einer sehenswerten Darbietung erreicht.

Setlist:
1. Maria's Sin
2. Eternal Hate
3. Your Blood
4. Last Sword
5. Temples
6. We'll Be Free
7. Chains Of Flesh
8. Xul
9. Mask Of Mankind
10. Battle Scene
11. Arrogance

PORTAE OBSCURITAS:
Die Innsbrucker mit dem für mich am schwersten lesbaren Logo der Tiroler-Szene sind schon lange ein Geheimtip,p wenn es um atmosphärischen Black Metal geht und heute ist eine der rar gesäten Live-Messen der okkulten Black-Metal-Kämpfer. 22 Uhr und PORTAE OBSCURITAS betreten in Mönchskutten gekleidet und flankiert von Altar mit Skull, Kerzenständer und Räucherstäbchen die Bühne, welche sich in den folgenden 45 Minuten in einen Tempel verwandeln sollte. Begleitet von einem sakralen Intro beginnt das Set mit "In A Twilight Obscurity" und als der Geruch der Räucherstäbchen vom Altar seinen Weg zu meiner Nase findet, wird klar, hier wird gleich etwas Großes zelebriert werden.

Stoisches Stageacting und Dunkelheit, gebrochen durch den entzündeten Kerzenständer, untermalen die klangliche Atmosphäre und bilden ein stimmungsvolles Bild. Die Übergänge der Songs werden nahtlos, wie in einer unheiligen Messe, durch Fronter Iskald in ehrfürchtigem Gesang zelebriert und spätestens ab "Imperious" befinden sich alle Anwesenden in einer Parallelwelt. Am Ende des Sets wird der Zuseher durch das Outro und Zeremonienmeister Iskald wieder zurück in die Realität geführt. So muss eine stimmungsvolle Show aufgebaut sein und mich persönlich hat die heutige Darbietung stark beindruckt. Es bleibt zu hoffen, dass bis zum nächsten finsteren Ritual nicht allzu viele Monde ins Land ziehen mögen!

Setlist:
1. Intro
2. In A Twilight Obscurity
3. Manifestation
4. Imperious
5. Enslaved
6. Sapientia Occultus
7. Outro

NEGATOR:
Wie eingangs schon erwähnt, übernehmen die Hamburger aufgrund von terminlichen Verpflichtungen anstatt des Headliner-Slots den vorletzten Part des heutigen Eissturms. Die stilistisch durch extrem schnelle und drückende Parts gekennzeichneten NEGATOR veröffentlichten 2013 ihr letztes Album unter dem Titel "Gates To The Pantheon" und haben sich in ihrem Heimatland zu ansehnlicher Bekanntheit gespielt und so gilt es heute zum ersten Mal die Tiroler Zuhörerschaft von ihren musikalischen Qualitäten zu überzeugen. Und der Opener "Epiclesis" des Albums fungiert heute als Seteinstieg. Fronter Nachtgarm teilt nicht nur sein Kopfhaar-Schicksal mit Bruce Willis, nein, auch bei ihm steht knallharte Action im Die-Hard-Stil auf dem Programm. In Tank-Top und Militärhose wird auf der kleinen Bühne heroisches Posing geboten und auch die beiden Gitarristen scheinen mit dem wenigen für sie verbleibenden Platz auszukommen und zeigen, dass sie es verstehen, brachiale Riffs zu konzipieren und umzusetzen.

Eventuell durch den Tausch der Running Order und der schon Sauna-ähnlichen Temperaturen in dem kleinen Gewölbe der p.m.k finden sich zur rifflastigen Vernichtung nur wenige Zuschauer ein, während sich der Rest an der Bar oder vor der Tür frische Luft verschafft. Der Fronter vermag es wider dieser Umstände die in der Hitzekammer Anwesenden zum schweißtreibenden Mitbangen zu animieren. Mit "Panzer Metal" wird der Höhepunkt der Show erreicht und "Der Infanterist" bildet nach einer guten Stunde den perfekten Abschluss für die gelungene Abrissbirne der heutigen Nacht.

Setlist
1. Epiclesis
2. The Last Sermon
3. Feuersturm
4. Nergal
5. King
6. Carnal Malefactor
7. Glomy Sunday
8. Serpent's Court
9. Panzer Metal
10. Atonement In Blood
11. Eisen wider Siechtum
12. Der Infanterist

ERL:
Erst vor einer Woche erschien das Debütalbum "The Rise And Reign Of Lucifer" (zum Review...), was in dieser Nacht mit einem blutigen Live-Massaker gefeiert werden sollte. In Tirol zu einer angesehenen lokalen Berühmtheit herangewachsen, präsentieren sich ERL heute ihren Fans zur mittlerweilen unchristlichen Zeit um 00:15 Uhr. Nach stimmungshebendem Intro bricht das höllische Feuer mit "Rise And Reign" aus und verschont niemanden in der mittlerweile wieder prall gefüllten Krypta des p.m.k. Passend zum zwischen Höllenfeuer und Permafrost pendelnden Feeling der Songs verhält sich das optische Auftreten der Band. Gitarrist Eligius scheint sich in letzter Zeit viele Live-Mitschnitte von IMMORTAL-Fronter Abbath reingezogen zu haben, was sich in stoischem Blick und herausgestreckter Zunge in Kombination mit Corpsepaint-Grimassen manifestiert. Drummer Prometheus werkt derweil präzise und setzt den Zuhörer einer gnadenlosen Salve nach der nächsten aus. Der Preis für die beste Kostümierung des Abends geht unbestritten an Fronter Carcharoth. Leder, Kapuze und Fell lassen den Fronter zur Ausgeburt aus den tiefsten Winkeln des Hades mutieren und entsprechend seines Outfits auch das Stageacting. Hier steht ein Besessener hinter dem knochendekorierten Mikro und keift sich die schwarze Seele aus dem menschlichen Leib. Die vordersten Reihen werden vom dämonisch befallenen Fronter in der Mitte des Gefechts mit Blut des Gehörnten geweiht und den Täuflingen sei gesagt: Bei Nebenwirkungen oder Beschwerden wenden Sie sich bitte an ihren Arzt oder Exorzisten!

Technische Schwierigkeiten in Form eines defekten Mikros werden gekonnt überbrückt und sind zwar für den Zuhörer lästig, fallen aber nicht weiter ins Gewicht. Mit "Herrschaft des Feuers" wird mein persönlicher Höhepunkt des Sets erreicht und mit dem unverzichtbaren "The Last Uprising - Luzifers Sturmgeschütz" fällt nach einer Stunde energiegeladenen Infernos der Vorhang für ERL und es darf von einer technisch ausgereiften Show mit hervorragend aufspielender Band gesprochen werden, die beweist, dass die Albumtracks live absolut brachiale Gewalt entwickeln.

Setlist:
1. Intro
2. Rise And Reign
3. Cruor Pro Predatorem
4. NIM (Protectress Of Inangrall)
5. Necros Terra
6. Die Herrschaft des Feuers
7. Hymn To The Dark
8. The Last Uprising (Luzifers Sturmgeschütz)

So darf in der Expertise von einem facettenreichen Abend gesprochen werden, der eine neue Tiroler Band präsentierte, von der man sich freuen darf, in Zukunft zu hören. Man durfte Lokalmatadoren und weit angereisten Bands in die Dunkelheit der Unterwelt folgen und kann somit von einer durch und durch erfolgreichen Veranstaltung sprechen. Der Schreiberling hofft und freut sich auf Wiederholung des "Sacred Majesties" im nächsten Jahr!


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