02.05.2014, Die Bäckerei - Kulturbackstube, Innsbruck

KIMI KÄRKI

Text: Laichster
Veröffentlicht am 05.05.2014

Anfang Mai und das Aprilwetter scheint sich noch nicht mit dem Monatswechsel verabschieden zu wollen und so passt die heutige musikalische Veranstaltung am verlängerten Maiwochenende perfekt ins Konzept des verregneten Tages. Tiefgründige Akustikmusik von KIMI KÄRKI, dem Metalhead bestens bekannt als Gitarrist der aufgelösten finnischen Legende REVEREND BIZARRE und der noch lautstark aktiven Doom- Kapelle LORD VICAR steht heute am Programm. So schwingt sich der Schreiberling in sein Stahlross, um sich den Weg durch die sinnflutartigen Regenfälle in die Innsbrucker Location "Die Bäckerei" zu bahnen. Wer sich eine rifflastige Doomwalze im Stile der eingangs erwähnten Bands erwartet ist heute am falschen Platz. KIMI KÄRKI präsentiert heute sein erstes, im Dezember 2013 erschienenes, Akustik-Soloalbum mit dem Titel "The Bones of my Bones". Dem Stormbringer Abgesandten und seinen Begleitern, welche alle eher der härteren Schiene des Metaluniversums zugetan sind, wird sich im Laufe des Abends ein klangliches Erlebnis offenbaren, dass so gar nicht zum Image des nietenbewehrten Kuttenträgers passt, jedoch seinen ganz persönlichen Charme offenbart. 21:15 Uhr und die finnische Doom-Legende betritt mit seiner Akustik Gitarre die Bühne vor gezählten 20 Anwesenden Zuhörern im kleinen bestuhlten Auditorium der Location. Nachdem der Protagonist auf der kleinen Bühne Platz genommen hat, beginnt mit den leicht zurückhaltenden Worten "I hope you enjoy this acoustic evening" der Konzertabend. Dem Volksmund nach seien Finnen sehr zurückhaltende Menschen die wenig Emotionen zeigen, jedoch sollte mit diesem Gerücht im Laufe der folgenden Vorstellung ein für allemal aufgeräumt werden. Schon ab dem dritten Song "Red Rooster" wird klar, unter der Schale des harten Metalheads, verbirgt sich ein Musiker mit viel Gefühl der seine Songs exzessiv auf der Bühne lebt.

Die von persönlichen Erfahrungen und Ansichten inspirierten Stücke werden mit voller Leidenschaft vorgetragen und lassen eine nachdenklich melancholische Stimmung entstehen, welche die etwas deplatziert wirkende Bühnendeko der Location, in Form einer 70er Jahre Lampe und eines alten Nachttisches, vollkommen auslöscht. Ab der von Nathaniel Hawthrone inspirierten Nummer "Young Goodman Brown" bin ich absolut vom eingänglichen Sound des Musikers gefangen und die schnelleren Passagen des Songs animieren zum automatischen Kopfwippen, welches man wohl als akustisches Headbangen in der Lightversion bezeichnen kann. Aufgelockert werden die durchgehend mit schweren Texten versehenen Eigenkompositionen durch Coversongs, wie dem grandiosen "Hyacinth House" von THE DOORS, welche die ganz persönliche KIMI KÄRKI Note verpasst bekommen. Zum Ende des Sets wird noch die LORD VICAR Nummer "Endless November" dargeboten, welche vom Protagonisten einem erst kürzlich verstorbenen Freund gewidmet wird. In der Darbietung des Songs wird noch einmal klar wie sehr der Musiker seine Gefühle in Musik verpackt auslebt und die gezeigten Emotionen dürften nicht nur dem Schreiberling die Gänsehaut aufgestellt haben. Um das Publikum nicht mit dem Gefühl eines depressiven Songs in die Nacht zu entlassen, wird nach ausgiebigen Applaus mit dem LEONARD COHEN Cover "Chelsea Hotel Nr.2" der heutige Konzertabend abgeschlossen und KIMI KÄRKI verlässt nach 90 großartigen Minuten die Bühne. Der Finne signiert noch am Merchandise Stand und steht den Anwesenden zum Gespräch bereit. So erwirbt auch der Stormbringer Schreiberling den anfangs erwähnten Solodebütsilberling und kann nach Begutachtung an der heimischen Audioanlagen mitteilen: Dieser Sound entfaltet nicht nur Live seine ganze melancholische Wirkung, sonder tut es ebenso beim Konsum in den eigenen vier Wänden. Oder wie es der Finne in der freundlicher Weise abgegebenen persönlichen Widmung meines Exemplares treffend ausdrückt: "Some music from the heart". Dementsprechend meine Empfehlung: Sollte KIMI KÄRKI in eurer Nähe spielen, legt die stahlharten Metalerscheuklappen ab und hört euch diese Akustikerfahrung der besondern Art unbedingt an!

Setlist:
1. The Story Of Isaac
2. I am Aries
3. Red Rooster
4. My Name is Free
5. First Time I ever saw your Face
6. Entangled in Pleasure
7. Hyacinth House
8. Young Goodman Brown
9. Cortez the Killer
10. Archipelago
11. Thirteen
12. Famous blue Raincoat
13. Endless November
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12. Chelsea Hotel Nr.2


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