26.04.2014, Tauberfrankenhalle

KEEP IT TRUE FESTIVAL 2014 (Tag 2)

Veröffentlicht am 14.05.2014

Der erste Tag (zum Livereport) des KEEP IT TRUE-Festivals XVII hielt mit grandiosen Gigs von u.a. FLOTSAM & JETSAM und JAG PANZER schon einige Highlights parat, der zweite Festivaltag sollte jedoch mit dem stimmungsvollen ATLANTEAN KODEX-Konzert und der überragenden METAL CHURCH-Show allem noch einen draufsetzen können.

Samstag:

Tags darauf ließ man es gemütlicher angehen, Paris Zeimpekos beäugte im späteren Verlauf des Tages die NWoBHM-Recken PERSIAN RISK:

NIGHT DEMON

Die Kalifornier hatten nach einem, verläßlichen Augen- und Ohrenzeugen zufolge, gelungenen Auftakt-Gig von

IRON KINGDOM

mit ihrem spritzigen und modern gezockten NWoBHM-Sound keine schlechten Karten, und präsentierten neben den flotten Songs ("Night Demon", "Ritual") ihrer 2012er EP (zum Review) einen neuen Song. Gelungene Show des Trios, das sich beim Publikum empfahl, einen Flying V-Bass hatte ich (wenn überhaupt) schon lang nicht mehr gesehen. Die Spanier

IRON CURTAIN

verzückten in der Folge ihre zahlreich anwesenden Landsleute, während Quasi-KIT Stammgast und Rampensau "King" Fowley (gastierte hier schon letztes Jahr mit OCTOBER 31) mit DECEASED und Titeln ("The Premonition" oder "Elly´s Dementia") vom “Supernatural Addiction“-Album überzeugte, bevor mit den UK-Legenden

PERSIAN RISK

und

VARDIS

die NWoBHM-Fraktion exzessiv bedient wurde. PERSIAN RISK schaute sich Paris an, der ja schon zuletzt Kollegen Dragonslayer beim "Up The Hammers"-Festival" in Athen unterstützte.

PERSIAN RISK

PERSIAN RISK waren, meiner Meinung nach, die beste NWoBHM Band des Festivals. Sehr gute Präsenz auf der Bühne, der passende Sound für ihre Musik, gut geprobt und ohne irgendwelche musikalischen Fehler, einfach so wie es sein sollte, oder wie ich das mir vorgestellt hatte. Sie haben Nummern aus ihrem ganzen Katalog gespielt: ein neuer Song von der ersten Platte nach der Wiedervereinigung, den NWoBHM-Klassiker "Rise Up", sogar "Ridin' High" und "Calling for You" von den entsprechenden 7'' vom Anfang der 80er Jahre. Alles hat gepasst. Und da die Briten die erste Gruppe waren, die ich an dem Tag sah, kann ich nur sagen: Was für ein toller Anfang! [Paris Zeimpekos]



ATLANTEAN KODEX

Nach einer ausgiebigen Ruhepause gestärkt, konnte man sich dem epischen Sound der Deutschen entspannt hingeben und die immense Wirkung der Band genüßlich aufsaugen. Sofort fiel das wuchtige Drumming auf, das einer Galeerentrommel gleich den Takt für das ausnehmend ergreifende, ja schlichtweg schöne Songmaterial im Stile der Genregrößen MANOWAR, WHILE HEAVEN WEPT, BATHORY & Co. vorgab. Spätestens mit "Sol Invictus" vom wahrlichen Wunderwerk "The White Goddess" (zum Review) hatte die Band das Publikum im Griff, das inbrünstig mitsang und den tollen Songs einen mehr als würdigen Rahmen bot. Sänger Markus Becker freute sich über seinen persönlich ersten KIT-Auftritt mit ATLANTEAN KODEX und begeisterte mit seiner tollen Stimme, ein weiteres Highlight war etwa "Heresiarch", das beim Epic-begeisterten Publikum immens gut ankam und für Gänsehaut sorgte. Die Verehrer erlebten einen der intensivsten, stimmigsten und stimmungsvollsten Auftritte des ganzen Festivals von einer der führenden und besten Bands des Genres, welche die Tauberfrankenhalle zum Erbeben, die Fans zum Mitsingen sowie zum Fäuste-in-die-Höhe-recken brachte. Wenn das Ganze statt bei Tageslicht in Dunkelheit und mit loderndem Feuer stattgefunden hätte, wäre es ohnehin gänzlich aus gewesen und das Publikum wäre endgültig steil gegangen.



LETHAL

Man darf es ruhig zugeben, zum Erscheinen des heute legendären "Programmed"-Albums hatte ich so meine Probleme, die Band wirklich gut zu finden, zu sehr stand sie im Schatten der übermächtigen angeproggten Metal-Riege jener Zeit (QUEENSRYCHE & Co.). Heute sieht das Ganze schon ganz anders aus. Über die Jahre schien das Album gewachsen zu sein, der heutige Auftritt unterstrich dies zudem eindrucksvoll. Dieser Umstand ist vor allem Sänger Tom Mallicoat geschuldet, der nicht nur übermäßig gut sang und auch die höchsten Töne perfekt traf, sondern auch für Schwung auf der Bühne sorgte. Nicht mal der albern anmutende Cowboyhut konnte den äußerst positiven Gesamteindruck der spielfreudig und gut gelaunt aufzockenden Band (vor allem der Basser spielte sich technisch in den Vordergrund) schmälern. Für mich persönlich waren LETHAL mit dieser kompakten und guten Leistung DIE Überraschung des gesamten Festivals.



TOXIK

Doch auf jede Freude folgt fast zwangsläufig auch eine Ernüchterung. Diese hörte heute auf den Namen TOXIK. Nicht wenige der Anwesenden verehrten die beiden Achtziger Techno-Trash-Feger "World Circus" und "Think This" und setzten große Hoffnungen in den Auftritt des amerikanischen Quartetts. Fetzte der Opener "Heart Attack" noch schwungvoll und nachvollziehbar daher und animierte das Publikum zum Mitbrüllen, so zerfranste der ambitionierte und eigentlich nicht schlechte Auftritt von TOXIK in der Folge in einem Übermaß aus fehlender Struktur, überbordender Komplexität und genreimmanent-hektischem Technik-Griffbrettgewichse von Sechssaiter Josh Christian. Sänger Mike Sanders kreischte zwar amtlich, dennoch schien man sich mit jeder Spielminute mehr und mehr im Set zu verlieren. Klarer Fall für Spezialisten und Die Hard-Fans, welche wohl auch über die gespielten Songs des anscheinend ins Haus stehenden neuen Albums urteilen werden. Für mich waren TOXIK jedenfalls kein würdiger Co-Headliner. Setlist: - Heart Attack - Greed - Too Late (Neuer Song) - Spontaneous - Door to Hell - No Rest for the Wicked (Neuer Song) - False Prophets - Crooked Crosses (Neuer Song) - Think This - Inhumanities (Neuer Song) - Social Overload - Breaking Class (Neuer Song) --- - World Circus - Think That



METAL CHURCH

Es gibt sie immer noch. Die Konzerte, die einen einfach wegfegen und zwischen dem enthusiastischen Mitbangen und Abgehen fassungslos starren lassen. METAL CHURCH lieferten am heutigen Tag so einen Gig. Durfte man eigentlich schon ob des grandiosen und aufgrund der Songauswahl quasi-historischen FLOTSAM & JETSAM-Gigs schon mehr als zufrieden sein, machten die Amerikaner ihrem Status alle Ehre und lieferten eine Headlinershow, die Power Metal in Reinkultur bot. Wesentlich dafür verantwortlich war natürlich Kraftpaket und Powerröhre Ronny Munroe, der vor allem den David Wayne draufhat, aber auch bei den Mike Howe-Stücken nicht abflachte. Dem Intro folgte flugs das "The Dark"-Doppel "Ton Of Bricks" und "Start The Fire", ab da hatte die Band ohnehin schon gewonnen. Das extrem harte Gitarrenbrett des gut gelaunten Bandchefs Kurdt Vanderhoof sowie von Rick Van Zandt fetzte darüber hinaus ohnehin alles weg. Die tighte Rhyhtmusfraktion besorgte den Rest, der Basser zeigte sich zudem äußerst agil auf der Bühne, wohingegen Drum-Tausendsassa Jeff Plate ohnehin in einer eigenen Liga trommelt. Auch Stücke des neuen Albums "Generation Nothing" wurden gespielt, wobei lediglich der Titeltrack überzeugen konnte, so richtig für Stimmung sorgte allerdings das Rhyhtmusmonster "Fake Healer", das wahrlich keinen im Publikum stillstehen ließ. Nach rund 75 Minuten waren alle Klassiker der ersten beiden Alben gespielt und auch beim Publikum machten sich nach fast drei Tagen Konzertprogramm Abnützungserscheinungen breit. Es stellte sich die Frage, was nach dem Debut-Titeltrack, "Beyond The Black" und den überirdisch geilen "Watch The Children Pray" und "Gods Of Wrath" noch folgen sollte. Klar, das "Highway Star"-Cover durfte nicht fehlen, warum allerdings gerade das zweifellos geile "Human Factor" diese fulminate Show beschließen durfte, erschließt sich mir nicht ganz. Dennoch waren sich alle langgedienten Metal"hasen" einig, dass dies eine fast perfekte Power Metal-Show war, die in puncto Kompaktheit und Qualität kaum zu überbieten ist. So und nicht anders muss das, alleine für diese Show hätte sich die Anfahrt nach in die deutsche Provinz gelohnt! Setlist: - Ton Of Bricks - Start The Fire - Generation Nothing - The Dark - A Light In The Dark - Fake Healer - Badlands - Gods Of Wrath - Dead City - Mirror Of Lies - Watch The Children Pray - Beyond The Black - Metal Church --- - Highway Star (DEEP PURPLE Cover) - The Human Factor METAL CHURCH bescherten uns (neben den überragenden Gigs von FLOTSAM & JETSAM, ATLANTEAN KODEX und JAG PANZER) einen mehr als würdigen Abschluß des bei nicht ohrenbetäubender Lautstärke stattfindenden Konzertmarathons, wir freuen uns schon auf das 18. KEEP IT TRUE-Festival 2015, bei dem neben Legenden wie LEATHERWOLF die im Original-Line Up antretenden EXCITER und die zuletzt am Metal Assault-Festival grandios aufspielenden RIOT auftreten werden. Wer sich nicht schon auf dem heurigen Festival eines der 2.000 Tickets gecheckt hat, hat einigermaßen Pech, da das Festival bereits zum jetzigen Zeitpunkt ausverkauft ist! Livepics (Thx!): Florian Hille und Michaela Schnell (LETHAL) Weitere tolle Livepics sehr ihr auf den Facebookseiten von Florian und Michaela!


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