03.05.2014, Idalp

ROBBIE WILLIAMS

Veröffentlicht am 15.05.2014

ROBBIE WILLIAMS auf der Idalp in Ischgl ... diese Sensationsmeldung machte schon vor Monaten die Runde und lockte Tausende Gäste in das ansonsten beschauliche Paznauntal. Stormbringer war es eine Ehre, auch diesem Spektakel der Sonderklasse beizuwohnen zu dürfen und berichtet in gewohnter Ausführlichkeit von diesem Großereignis. Wer nicht so auf den Superstar abfährt, kann hier zum Livebericht von den SCORPIONS, zur NICKELBACK-Gallerie oder zum Report von den letztes Jahr hier auf der Idalp aufrockenden DEEP PURPLE (zum Konzertbericht) verzweigen. Heuer hieß es jedenfalls „Stormbringer goes Swing“… Konzerte in dieser Seehöhe sind immer etwas ganz besonderes und schon in der Vergangenheit ließen sich schon Superstars wie ELTON JOHN, TINA TURNER, JON BON JOVI, PINK & Co. die Chance nicht entgehen, ein Konzert in dieser wirklich besonderen Bergkulisse zu spielen. Der größte Coup war den Tourismusverantwortlichen allerdings heuer gelungen, als sie einen der weltgrößten Popstars für sich gewinnen konnten, der seine aktuelle „Swing Both Ways“-Tour in der Schnee-Top-Destination im Paznauntal performte. Schon im Vorfeld wurde dieses Event der Superlative kontrovers und medienwirksam diskutiert, schließlich mußte man entweder eine Saisonkarte für die Region sein Eigen nennen oder über eine Gästekarte (obligatorische Übernachtung!) der Region Paznaun/Ischgl verfügen, um einen Schipaß (ist gleich Eintrittskarte für das Konzert) für besagtes Wochenende erwerben zu können. Übliche Phänomene wie Schwarzmarkthandel und Anreisestau am Veranstaltungstag waren somit ebenfalls kein Thema beim heurigen „Top Of The Mountains“-Konzert und der Saisonsprolongationsgedanke der Paznauner Touristiker funktionierte, das Tal war weitgehend ausgebucht. Diese Herangehensweise ist auch zu respektieren, dergestalt ist die touristische Wertschöpfung für das Paznauntal einfach ungemein größer als mit Konzertgästen im herkömmlichen Sinne und auch die Kapazitätsfrage und Belastbarkeitsgrenze für das Schigebiet darf dabei nicht gänzlich außer Acht gelassen werden.

Schon die

Pressekonferenz

vor dem Konzert war eine Show für sich, die einen der größten Stars der Gegenwart quasi angreifbar machte und welche der Star schon für eine professionelle Präsentation seiner Person nützte. Der aus Turin angereiste Superstar gebärdete sich als bestens gelaunter, wieder frisch und fit wirkender und sehr adretter Entertainer, aber auch als glücklicher Ehemann und Familienvater. Der augenscheinlich allürenfreie und äußerst sympathische Williams bezeichnete die Ischgler und Tiroler Bergwelt als "Paradies", teilte mit, dass er schon seit Jahren nicht mehr auf Schiern stand, sang für die anwesende Journalistenmeute, verriet, dass er live am liebsten „Let Me Entertain You“ und „Angels“ performt und dass er bereits einen Song für sein nächstes Kind geschrieben hatte. Zudem war er sich nicht zu schön, eine schweizer Journalistin ausgiebig auf die Wange zu küssen, dies unter den Augen der ebenfalls anwesenden Ehegattin Ayda, das kleine Töchterchen Theodora Rose (die von den Ischglern ein Miniaturdirndl geschenkt bekam) war im Tal geblieben. Das Podium war seine Bühne und die Chance ließ sich der Medienprofi Williams nicht entgehen, zeigte aber auch seine – auf die exzessive Vergangenheit mit Parties und Drogen bezogene – nachdenkliche und ernsthafte Seite in Bezug auf Gesundheit, Vaterschaft und Ehe (seine Gattin sei ein „One Woman Cheerleading Team“, das ihn gleichzeitig unterstütze wie auch wieder auf den Boden der Tatsachen bringe). Dass er Deutschland, Spanien, Brasilien und Argentinien für die Favoriten für die kommende Fußball-WM hält und derzeit nicht viel von den kickenden Engländern hält, sei ebenso nur am Rande erwähnt, wie dass die Österreicher das beste Publikum der Welt seien. Diese unglaubwürdig-leere Worthülse wurde eher mit einem hämischen Lächeln denn freudiger Anerkennung quittiert, und auch sonst bemühte er bei so mancher witzig gemeinten Antwort die „Altitude“, sprich die Höhenluft, die ihn so beschwingt machen würde. Dem Sänger konnte zudem nicht bewußt sein, dass wahrscheinlich 4/5 des heutigen Publikums ohnehin eine andere Nationalität (hauptsächlich deutsche und schweizer) als die österreichische besaßen.

Danach war

Showtime

angesagt. Punkt 13 Uhr startete die

Entertainment Deluxe-Show

mit einem seiner größten Hits. „Let Me Entertain You“ hießen sowohl Song wie auch das Motto und ROBBIE WILLIAMS präsentierte sich so, wie er es zuvor angekündigt hatte. Wenn er nämlich bestens gelaunt auf die Bühne gehe und das Gefühl vermittele, dass ihn das Publikum liebe, dann würde er auch tatsächlich gut performen. Und gemäß dieser Devise heizte er die Leute an, interagierte mit ihnen im Weltklasseformat und spielte richtiggehend mit dem Publikum. Dies hatte er spätestens mit „Monsoon“ vollbracht, als die knapp 25.000 Zuschauer (der bisher mit 23.000 von JON BON JOVI gehaltene Zuschauerrekord wurde mit dieser Zahl eingstestellt) ihre Hände in die Höhe riessen und dem Engländer zuwinkten. Der Konzerteinstieg war bestens gelungen, und auch die zahlreichen Fotografen (das Medieninteresse aus dem In- und Ausland, inkl. TV war enorm!), die wie immer die ersten drei Songs knipsen durften, hatten Glück, dass sich genau in dieser Periode die teilweise auftretenden Nebelbänke verzogen hatten und auch der teils dicht fallende Schnee (die Idalp liegt auf 2.300 Meter Seehöhe!) machte eine Pause, sodass entsprechend gute Fotos für ihre Brötchengeber möglich waren. Der Superstar machte Halt in der Tiroler Bergwelt und sah sich prompt deren Widrigkeiten (inklusive einer Temperatur um den Gefrierpunkt) ausgesetzt. Doch die Menge ließ sich – ebenso wie die Bühnenakteure - keineswegs von den doch widrigen Wetterverhältnissen runterziehen, vielmehr startete das Bühnenensemble mit „Shine My Shoes“ in den Swingteil des Konzerts. Das Livespektaktel lehnte sich an das kürzlich veröffentlichte „Swings Both Ways“-Album an, das etwa mit dem Dschungelbuch-Thema „I Wan'na Be Like You“, dem BLUES BROTHERS-Gassenhauer „Minnie The Moocher“ oder dem Evergreen „Puttin’ On The Ritz“ ausreichend präsentiert wurde.

Der 40jährige„My Name Is Robert Peter Williams“ fegte, steppte und ulkte über die riesige Bühne (40 Meter breit, 12 Meter tief) und steckte die in Schikleidung gewandeten Zuschauer (Die Hard-Robbie-Fans waren nicht übermäßig viele anwesend) mit seiner guten Laune an, entsprechender Jubel und Geklatsche waren ihm somit sicher. Sowohl Bühne als auch Akteure präsentierten sich im Vergleich zu den vorangegangenen Hallenshows abgespeckt (die Songauswahl wurde umarrangiert, die Stepptänzer fehlten und auch die Bühnenaufbauten waren weit minimalistischer als bei den beiden Hallenshows zuvor in Wien vor jeweils 15.000 Zuschauern), dennoch sorgten Big Band, Backgroundsängerinnen und die Projektionswand im Rücken des Entertainers für ein Riesenspektaktel, das zudem mit einigen Gimmicks aufzuwarten hatte. Williams feierte zu „That´s Amore“ Showhochzeit mit Mareike aus Deutschland. „Do You Wanna Be My Show Wife?“ fragte er die Überglückliche, bei “Do Nothing Till You Hear From Me“ begleitete ihn sein Vater Peter am Mikrophon und auch die mittlerweile eh schon durchgedrungene Information, dass Überflieger Robbie zum zweiten Male Vater wird, wurde unter tosendem Applaus verkündet. „Are You Ready To Swing?“ lautete die Frage des Tages und der stilecht in Frack und Fliege gewandete Sänger trotzte den doch kühlen Temperaturen dank Spezialunterwäsche, viel Bewegung und bester Laune. Doch nicht nur die Swing-Großmeister wie etwa die Ratpack-Mitglieder Frank Sinatra („New York, New York“) oder Dean Martin (der Schunkelklassiker „That´s Amore“) wurden bemüht, auch andere Interpreten kamen zur Ehre, im Liveprogramm dieser Showbiz-Hommage gewürdigt zu werden. Und auch eigene Kompositionen wie „Shine My Shoes“ und „Swings Both Ways“ („ein Song über Bisexualität“) wurden vorgestellt; vorgestellt wurde in diesem Zuge auch Guy Chambers, der seit dem letzten Longplayer wieder mit von der Partie ist und in der Vergangenheit Robbies größte Hits mitkomponiert hatte, prompt wurde „Swing Supreme“ aka „Supreme“, ebenfalls eine Co-Produktion, das die beiden laut Robbie sogar in Österreich geschrieben hatten, gespielt. Aber nicht nur die goldene Ära des Swing wurde beschworen, auch Neuzeitliches (R. KELLY´s „Ignition“ und ALICIA KEYS´ „Empire State Of Mind“) fand seinen Weg in die Songauswahl.

Es war ja nicht Robbie´s erster Ausflug in Swing-Gefilde, bereits 2001 knüpfte er mit „Swing When You´re Winning“ an die glorreichen Zeiten der Performer an, „Mr. Bojangles“, das lässige „Ain´t That A Kick In The Head“ und „Mack The Knife“, alle von besagtem Album, wurden auch heute intoniert. Bei “Go Gentle” mußten die Finger des “King Of Swing” dann mit Handschuhen bedeckt werden, die Temperaturen waren doch um einiges tiefer als bei tags zuvor absolvierten, grandiosen Hallenshows. Wer enttäuscht war, dass er nicht mehr ältere Songs gespielt hatte, dem war wohl entgangen, dass diese Tour als „Swing“-Tour konzipiert war, zudem fanden sich eh genug ältere Titel und Hits im Programm, so wurden auch „Kids“, „Rock DJ“ und "Feel" im anschwellenden Finale intoniert, das mit den Klavierklängen des Superhits „Angels“ eingeläutet wurde. Mit diesem Song ging eine grandiose, in dieser Form und vor diesem Hintergrund einzigartige, neunzigminütige Season Ending-Show zu Ende, die wirklich „Top Of The Mountains“ war und auch mit einer zur laufenden Tour veränderten Setlist aufwartete. Nach der letztjährigen Show in der Wiener Krieau, die mit 65.000 Zuschauern eine derart irre Dimension erreicht hatte, dass der Sänger ab einer gewissen Entfernung nur mehr als Miniaturfigur erkennbar und Wege zu Dixi-WCs und Barbereichen schon mal eine halbe Stunde in Anspruch nahmen, war, stellte die Ischgl-Show trotz der riesigen Anzahl an Zuschauern eine willkommene Möglichkeit dar, den Star zumindest in Sichtweite zu haben und nicht nur auf Videoleinwänden wahrzunehmen. Etwas ganz Spezielles war das Spektakel ohnehin, wer das Ganze noch toppen soll, ist fraglich. Robbie Williams setzte seinen Weg jedenfalls in Richtung Amsterdam fort, seinen Livesiegeszug im Zeichen des Swing weiter fortzusetzen.

Setlist:

- Let Me Entertain You - Monsoon - Shine My Shoes - Puttin' On The Ritz (Jeff Richman Cover) - Ain't That A Kick In The Head (Dean Martin Cover) - Minnie The Moocher (Cab Calloway Cover) - Swing Supreme - That's Amore (Dean Martin Cover) - Mr. Bojangles (Jerry Jeff Walker Cover) - Ignition (R. Kelly Cover) - I Wan'na Be Like You (Louis Prima Cover) - Swings Both Ways - Medley: Trouble / Hit The Road / Reet Petite / Shout - If I Only Had A Brain (Ray Bolger & Ethel Merman Cover) - Go Gentle - Do Nothin' Till You Hear From Me (Duke Ellington Cover) - Empire State Of Mind (Alicia Keys Cover) - New York, New York (Frank Sinatra Cover) - Kids - Rock DJ - Feel - Angels


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