16.06.2014, Ernst Happel Stadion

THE ROLLING STONES

Veröffentlicht am 18.06.2014

Helden sterben nie, Legenden leben ewig - ein Credo wie dieses dürften sich die Urväter des Rock'n'Roll, die legendären ROLLING STONES, wohl zum Lebensmotto gemacht haben. Als Berufsziel "Jugendlicher" deklariert, unter "Geschlecht" im Reisepass vermutlich "Coole Sau" eingetragen; die Erfahrung für wohl mehr als drei Lebzeiten in tiefen Furchen ins Gesicht gezeichnet - und auch mit guten siebzig Jahren immer noch mehr zu rocken, als viele Bands, die halb so alt sind. Oder ein Drittel so alt. Oder ein Viertel so alt. Auf unfassbare fünfzig (plus!) Karrierejahre blicken die Engländer rund um Mick Jagger zurück, unzählige Welthits für die Ewigkeit hat man im Backkatalog stehen; das eigene Leben ist Synonym für Rockstar-Kult und auch in einem Alter, in dem andere schon ein gutes Jahrzehnt im Ruhestand sind, haben die STONES noch immer nicht genug, und kommen mit "14 On Fire" zum vierzehnten Mal nach Wien. Im restlos ausverkauften Ernst-Happel-Stadion dürfen dann, während sich das Stadion langsam füllt, zunächst THE TEMPERANCE MOVEMENT als Opener ran, zu sehr moderater Lautstärke und ohne großes Aufsehen; klar, man will ja den großen Altvorderen nicht die Show stehlen. Der bluesige Rock der der Briten klingt dabei überraschend amerikanisch, kommt aber auf Grund der zurückhaltenden Mischung nie wirklich über den Status einer relativ schmerzfreien Hintergrundberieselung hinaus. Man kann sich aber durchaus vorstellen, dass diese Band in einem intimeren Rahmen durchaus abzugehen verstünde. Aber freilich, heute geht es um etwas anderes. Heute geht's um die Gottväter des Rock, um die Miterfinder, um die Ikonen. Das, was BLACK SABBATH für den Heavy Metal sind, das sind die ROLLING STONES für den Rock an sich. Und um etwa 20:45 starten die STONES dann auch gleich passend mit "Start Me Up" in ein mit den ganz großen Hits - und einigen Schmankerln - vollgestopftes Set. Mick Jagger ist dabei natürlich eine Faszination für sich: Der Statur und den Bewegungen nach wirkt er wie ein junger Bursche, bei dem sich die Pubertät noch nicht entschieden hat, vollends einzuschlagen; und dennoch besitzt der in diesem Jahr seinen 71. Geburtstag feiernde englische Sir, der zwischenzeitlich auch das eine oder andere Mal selbst zur Gitarre greift, eine kommandierende Bühnenpräsenz, die Ihresgleichen sucht. Aber mit dem Opener ist es natürlich nicht getan: Weitere unsterbliche Klassiker der Marke "It's Only Rock'n'Roll (But I Like It)", Kult-Schnulze "Angie", die per Internet-Voting bestellte Numme "Get Off Of My Cloud" oder auch "Out Of Control" bestreiten den ersten Teil des mit kultigen und wunderbaren Momenten gespickten Sets. Während Mick Jagger unnachahmlich unter großen Gesten von einem Bühnenende zum anderen stakst, schreitet Keith Richards vielmehr mit erhabenem Grinsen über dieselbe; Ronnie Wood bringt viel Stimmung mit, aber besonders Drummer Charlie Watts, mit viel elegantem Understatement spielend, bringt an diesem Abend den besonderen Groove in den Sound der ROLLING STONES, die selbstredend von einer erstklassigen Backing-Band an Bass, Keyboards, Bläsern und Gesang unterstützt werden. Für richtige Gänsehautstimmung sorgt dann erstmals "Honky Tonk Women", auf das auch eine Vorstellung der Band folgt - und natürlich wird da niemand lauter abgefeiert, als Gitarrist Keith Richards. Der, sein Hemd zu etwa sieben Achtel geöffnet, spaziert dann mit einer Zigarette in der Hand lässig zum Mikro, nimmt dann vor 55.000 wartenden Menschen erstmal genüsslich einen Zug (und upgraded damit seine Geschlechtsbezeichnung im Reisepass auf "coolste Sau aller bisherigen und noch kommenden Zeiten"), und bringt dann an den Lead Vocals die stimmungsvollen Songs "You Got The Silver" und "Can't Be Seen" - definitiv ein Highlight der Show, bei der Richards mit gefühlvollem Gesang überzeugen kann. Und ab dann ist's quasi nur mehr Formsache: Beim "Midnight Rambler" werden die ROLLING STONES auch noch von ex-Gitarrist Mick Taylor unterstützt, der dabei wohl die beste Gitarrenperformance des Abends aus dem Ärmel schüttelt, "Miss You" wird ebenso abgefeiert, und den musikalischen Höhepunkt erreicht man zweifelsfrei mit einer epischen Version von "Gimme Shelter", bei dem sich auch die STONES'sche Background-Sängerin spektakulär in Szene setzen darf. Partystimmung folgt dann mit "Jumpin' Jack Flash", dem großartigen "Sympathy For The Devil" und "Brown Sugar", ehe man nach kurzer Pause in den (fast etwas knappen) Zugabenteil startet: Hier gibt's dann noch eine feine Interpretation von "You Can't Always Get What You Want" mit Unterstützung der Wiener Singakademie, und natürlich das unvermeidliche "Satisfaction", mit dem die wohl coolsten Opas der Welt ihr - mindestens - drei Generationen umspannendes Publikum dann in den Montagabend entlassen. Es war ein Stück Rock-Geschichte, dieser Abend im Ernst-Happel-Stadion, und ein Erlebnis, wie man es in der Form wohl nie wieder sehen wird. Gut, bei den ROLLING STONES redet man schon seit mehr als zwanzig Jahren von der "endgültig letzten" Tour, aber auch vor Rock-Göttern macht die Zeit nicht ewig Halt, und irgendwann wird's wohl wirklich die letzte gewesen sein; bis dahin sollte man sich aber jedenfalls noch bei jeder Gelegenheit an den Altherren des Rock'n'Roll erfreuen, denn die STONES haben's erfunden, und die STONES haben's auch immer noch drauf.


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