01.07.2014, Wiener Stadthalle (Halle D)

ROD STEWART

Veröffentlicht am 03.07.2014

Er ist einer der ganz Großen der Rock- und Popgeschichte, zählt zu den meistverkaufenden Künstlern aller Zeiten (gerade mal Acts wie die BEATLES, MADONNA oder ELVIS PRESLEY und ELTON JOHN haben mehr Tonträger abgesetzt), und ist auch mit 69 Jahren noch kein bisschen müde: ROD STEWART ist auch 2014 noch auf Tour, und lässt am 1. Juli dieses Jahres die kultige Reibeisenstimme auch in der Wiener Stadthalle erklingen. Gefolgt sind dem rauhen Ruf doch einige tausend Leute; von einer ausverkauften Halle ist man jedoch einige Ränge entfernt. Davon lässt sich aber natürlich ein geeichter Entertainer wie Mr. STEWART nicht beirren, und startet um etwa 19:45 in ein knapp zweistündiges Set, das mit Klassikern der Musikgeschichte gespickt ist. "This Old Heart Of Mine" und "Having A Party" eröffnen schwungvoll das Set, und wo das Publikum zunächst noch etwas zurückhaltend agiert, da taut es spätestens bei "Some Guys Have All The Luck" auf, und erhebt sich erstmals auch tanzend von seinen Sitzgelegenheiten. Das stellt natürlich für manch einen Gast im doch fortgeschrittenen Alter eine gewisse Herausforderung dar, aber der Maestro goutierts mit einer schönen Interpretation des BONNIE TYLER-Krachers "It's A Heartache" - von Reibeisenstimme zu Reibeisenstimme, quasi.

Hervorstechend ist neben der Frisur und der Stimme des Mannes aber vor allem sein Modegeschmack, oder eben das Fehlen desselben: Auf gut Deutsch "scheißt sich" ROD STEWART einfach gar nichts, kommt zunächst mit gold-glitzerndem Jackett und den passenden(?) roten Socken dazu auf die Bühne; strickt sich zwischendurch das Hemd mal rein und dann wieder raus (auch Schuhbänder wollen zwischezeitlich gebunden werden), wechselt dann zu silbergrauem Anzug mit unsäglichem Polkadot-Hemd ehe man bei einer roten Hose plus Blumenhemd und Cowboy-Hut endet. In knapp zwei Stunde etwa zwanzig unverzeiliche Modesünden unterbringen und trotzdem eine coole Sau bleiben, das schafft man wohl nur als bona fide Rock'n'Roll-Hall-of-Famer. Auch ein wenig verwirrend, weil höchst unzusammenhängend, werden dann einige kurze Videoeinspielungen zu mehr oder minder lustigen Ereignissen über die Leinwände gejagt, die Mr. STEWART auch mehr oder minder lustig kommentiert - zugegeben, die Sinnhaftigkeit dieser entzieht sich mir zwar etwas, aber es handelt sich dabei wohl das showtechnische Äquivalent zu ROD STEWARTS eigentümlichem Modesinn.

Sei's drum - denn wenn man sich aufs Wesentliche - nämlich die Musik - konzentriert, dann bleibt ein Auftritt eines Gigangen wie ROD STEWART natürlich ein besonderes Gustostückerl. Gut bei Stimme und auch körperlich überraschend agil feuert der Meister neben weiteren Hits der Marke "Downtown Train" bei "Hot Legs" auch signierte Fußbälle ins Publikum; für den begeisterten Fußball-Fan und Celtic-Glasgow-Anhänger wohl eine Ehrensache. Als Zwischeneinlage drehen ROD und Band das Tempo etwas zurück, holen sich ein Streicher-Ensemble aus Wien zusätzlich auf die Bühne, und bringen mit "The First Cut Is The Deepest", "Reason To Believe" und dem VAN MORRISON-Cover "Have I Told You Lately" ein paar Schmachtfetzen vor dem Herren, die vom souligen und immer noch treffsicheren, unnachahmlichen Organ des Maestro veredelt werden; doch soll an dieser Stelle die tatkräftige Unterstützung durch die ebenso hübschen wie multiinstrumental begabten Background-Sängerinnen und -Musiker betont werden, die das schlichte und stilsichere Bühnenbild der ROD STEWART-Show gekonnt abrunden.

Eine der Background-Ladies darf dann auch kurzfristig die Führung beim CCR-Cover "Proud Mary" übernehmen, und schafft es dabei sogar, die Leute endgültig von den Sitzen zu reißen. Danach ist es für den Meister selbst beinahe nur noch Formsache: Mit "Sweet Little Rock & Roller" von CHUCK BERRY gibt man wieder etwas mehr Gas, und nach der (nicht nur) Fußball-Hymne "You're In My Heart (The Final Acclaim)" gibt's nach der erwähnten Abschlag-Orgie natürlich den Klassiker "Maggie May" zum Drüberstreuen. Kurz senkt sich dann der Vorhang, und die Band gibt noch "Baby Jane", das unsterbliche "Sailing" und den abschließenden Disco-Kracher "Da Ya Think I'm Sexy", bei dem ROD STEWART auch eine gehörige Portion Selbstironie beweist - unter Verweis auf ein Interview im Rolling Stone, in dem er vor Jahren betonte, mit 50 sicherlich nicht mehr "Da Ya Think I'm Sexy" singen zu wollen und zu einer Parodie seiner selbst zu verkommen.

Im bunten Luftballonregen scheint dieser hehre Vorsatz aber jäh vergessen; das versammelte Publikum feuert seinen Helden noch einmal gebührend ab - doch als der Vorhang schließlich endgültig unten bleibt, sieht man ROD STEWART ganz schnell von der Bühne abgehen und Richtung Backstage-Bereich huschen - aber gut, es ist ja auch WM.

Setlist ROD STEWART:

This Old Heart of Mine (Is Weak for You) Having a Party Tonight's the Night (Gonna Be Alright) You Wear It Well Can't Stop Me Now Some Guys Have All the Luck Rhythm of My Heart It's a Heartache Downtown Train Forever Young The First Cut Is the Deepest I Don't Want to Talk About It Reason to Believe Have I Told You Lately Sweet Little Rock & Roller Proud Mary You're in My Heart (The Final Acclaim) Hot Legs Maggie May Baby Jane Sailing Da Ya Think I'm Sexy?


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