25.06.2014, Arena Fiera, Mailand

AEROSMITH, ALTER BRIDGE, EXTREME

Veröffentlicht am 11.07.2014

STORMBRINGER GOES SOUTH ... oder ein Wiedersehen nach 20 Jahren!

Eigentlich war im Vorfeld als Geburtstagsgeschenk für die Holde ein AEROSMITH-Konzert geplant, doch sorgte das bombige Line-Up des heutigen Konzerttags auch bei mir für immer größere Aufregung und Vorfreude, hatte es doch einen gewissen Festivalcharakter. Dass der Konzerttripp dann gleich zu einem Kurzurlaub mit Mailand-Besuch, Shoppingtour und Gardasee mutierte, machte das Unterfangen noch schmackhafter und entspannter. Für Nordlichter ungewöhnlich, sorgte beim Einrücken ins Gelände die Ausstattung vieler Konzertgänger mit Rucksäcken für Verwunderung. Warum sich dies bewähren sollte, wurde allerdings recht bald klar. Die Italiener brachten ihre Verpflegung nämlich vielfach selber mit (alles hatte generell ein bißchen Volksfest- und Sit-In-Charakter). Dass sich dies auszahlen sollte, zeigte der Blick auf die Preisliste an den Verpflegungsständen, wo 0,4 Liter Bier mit 5 Euro zu Buche schlugen, selbst für Softdrinks waren 4 Euro zu berappen, lediglich das Wasser sollte mit 1,50 Euro recht günstig sein. Vorteile hat so ein Konzert im Süden allerdings auch, das Wetter und Temperatur war prima und die tendenziell kleinere Körpergröße der Italiener garantierte dem 1,80-Meter-Berichterstatter tolle freie Sicht auf die Bühne.

THE TREATMENT Los ging es mit THE TREATMENT, die mit ihrem simpel-effektiven Classic Hardrock der AC/DC/AIRBOURNE-Bauart einen idealen Opener des heutigen Abends im Zeichen der Stromgitarre bildeten. Fesch in Schwarz und Leder gewandet, rockte und rollte der UK-Fünfer unter ihrem "Running With The Dogs"-Riesenbanner. Vor allem Sänger Matt Jones konnte mit seinen dirty Vocals überzeugen und präsentierte sich als bewegungsfreudiger Frontmann, seine Mitstreiter agierten angesichts der noch frühen Uhrzeit ebenso schon recht rockig und dennoch nicht übertrieben bemüht auf "Action". Wer die Band noch nicht kennt und auf diese Art von straightem Bodenstampfer-Rock steht, sollte hier (etwa "Drink, Fu*k, Fight", "Emergency" und "Shake The Mountain") mal ein Ohr riskieren. Dem Publikum gefiel´s, ein verheißungsvoller Konzerttag hatte seinen würdigen Kick Off gefunden.

WALKING PAPERS Die Band rund um den ehemaligen GUNS n´ ROSES-Viersaiter enterte mit Orgelintro die große Mailand-Bühne und konnte sofort mit ihrem coolen Rocksound punkten. Der erfolgsverwöhnte Duff McKagan stellte sich aber keineswegs in den Vordergrund, fügte sich vielmehr ins Bandgefüge ein und mimte den Aktivposten, da der Aktionsradius von Gitarrist/Sänger Jeff Angell und Keyboarder Benjamin Anderson eingeschränkt war. Mit Titeln wie dem Opener "Climber" oder "Capital T" konnte die Band um den lässigen Sänger mit ihrem relaxten ("Red And White"), aber keineswegs langweiligen Programm vor kurzer Zeit schon am Novarock überzeugen, ebenso vermochten die WALKING PAPERS auch am heutigen Tage ihre Duftmarken zu hinterlassen.

EXTREME Angesichts des EXTREME-Gigs bekam ich umgehend einen Nostalgie-Backflash, hatte ich doch exakt die gleiche Kombination, nämlich EXTREME/AEROSMITH, vor ziemlich genau 20 Jahren auf der „Get A Grip“-Tour schon live zusammen auf der Bühne gesehen. Am heutigen Tage sollte jedenfalls die zweite Begegnung in derselben Konstellation anstehen. Unter dem riesigen Comic-Backdrop durfte das alte Dreamteam, der auch heute wieder sehr aktive Sänger Gary Cherone (der auf der Bühne wie weiland DAVID LEE ROTH rumturnte und einige Kilometer zurückzulegen schien) sowie Sechssaiter Nuno Bettencourt, am heutigen Nachmittag wieder zaubern. Dies taten sie auch, was jedoch vor zwei Dekaden noch recht frisch war, hatte jedoch am heutigen Tage richtiggehenden Classics/Oldie-Charakter. Wenngleich die Titel immer noch ihre Magie versprühen, hatte man „Decadence Dance“, „Cupid´s Dead“ oder „Kid Ego“ doch über die Jahre sehr oft gehört und auch verinnerlicht. Höhepunkt (neben „Hole Hearted“) war naturgemäß der akustische Schmachtfetzen „More Than Words“, bei dem die beiden Hauptprotagonisten und Frauenschwärme punkten konnten, die Fans sangen den Hit jedenfalls lauthals mit. Ein tolles „Get The Funk Out“ beschloß einen lässigen Gig der bis auf den Drummer in 90er-Erfolgsformation aufgeigenden Amerikaner.

Setlist:
Decadence Dance
Kid Ego
It(´s A Monster)
Am I Ever Gonna Change
Play With Me
More Than Words
Cupid´s Dead
Hole Hearted
Get The Funk Out

ALTER BRIDGE Auf meine ALTER BRIDGE-Livepremiere war ich im Vorfeld sehr gespannt. Die aus den Überresten der einst sehr erfolgreichen CREED hervorgegangene Band hat sich ja Ausnahmesänger Myles Kennedy geschnappt und einen musikalischen Siegeszug rund um die Welt angetreten. Dass sie zurecht so erfolgreich sind, bewiesen am heutigen Tag Hits wie "Isolation", welche die Band ohrenscheinlich nur so am Fließband zu schreiben vermag. "Addicted To Pain" bildete den recht zahnigen Auftakt, doch auch der Rest wußte zu gefallen. Die Performance der Band war allerdings insgesamt recht statisch, von Bühnenbewegung war leider wenig die Rede. Hier sind allerdings die Kennedy-Mitstreiter an Sechs- und Viersatiger in die Pflicht zu nehmen, da der sympathische und starke Fronter naturgemäß am Mikro kleben bleiben muß. Der Vierer war leider durch die einstündige Spielzeit limitiert und hätte ruhig noch weiter im Songfundus graben können. ALTER BRIDGE sind eine richtig gute Band mit tollem Songmaterial, die aber am heutigen Tage leider wenig angriffig wirkte, was allerdings durch den tollen und mit einem großen stimmlichen Wiedererkennungswert ausgestatteten Ausnahmesänger mehr als wettgemacht wurde. Nicht förderlich waren zudem das regierende Tageslicht und die fehlende Licht- und Videoshow. Trotzdem egal, die zahlreichen Anhänger der Band ließen die in gänzlich in schwarz gewandeten US-Rockstars hochleben und feierten Titel wie "Cry Of Achilles" und "Rise Today".

Setlist:
Addicted To Pain
Come To Life
Before Tomorrow Comes
Cry Of Achilles
Ghost Of Days Gone By
Fortress
Metalingus
Blackbird
Isolation
Rise Today
 

AEROSMITH Was dann folgte, stellte die zuvor gezeigten Leistung spielend in den Schatten. Zwar galt es eine halbe Stunde Verspätung zu überbrücken, aber genau diese Wartezeit steigerte die Nervosität und Vorfreude nur noch mehr. Erlösung erfuhren die Tausenden Zuschauer mit einer fetzigen Intro-Videoeinspielung und dem Eröffnungsriff von „Mama Kin“, das die beiden Hauptdarsteller an Mikro und Gitarre auf einer kleinen (Laufsteg-)Bühne inmitten des Publikums performten. Wie noch des Öfteren am heutigen Abend rockten und rollten die beiden Rock-Grandseigneure mitten im „Golden Circle“ (vorderer Teil vor der Bühne) und zauberten den Anwesenden begeisterte Freude ins Gesicht. „Eat The Rich“ folgte auf dem Fuße, der Reigen war eröffnet und die als Toxic Twins bekannt gewordenen Bandköpfe Steven Tyler und Gitarrist Joe Perry veranstalteten ihre Rockshow Deluxe. Vor allem der Sänger zeigte sich äußerst agil, fegte und steppte über den mit einem riesigen Bandlogo ausgestatteten Bühnenboden und wirkte dabei mit seiner neuen Gesichtsbehaarung wie der Vater von Cpt. Jack Sparrow.

Tyler schien angesichts der wohligen Temperaturen im Süden (und den Tausenden begeisterten Fans) bestens in Form und bei Laune zu sein und erfreute die Meute mit einer tollen Gesangsleistung und zahlreichen Showeinlagen, indem er etwa mit dem Bühnenpersonal (Kameramann, Techniker) seine Späßchen trieb und auch immer wieder die Nähe zu seinem jahrzehntelangen Bühnenpartner Joe Perry, der heuer seinen 64. Geburtstag feiern wird, suchte. Einen derart agilen Performer und Paradiesvogel (samt Sonnenbrille, bunten Tüchern, Glamour, Glitzer & Co.) findet man in Verbindung mit seiner einzigartigen Rockröhe und gepaart mit derart hochklassigem Songmaterial selten im Musikbusiness. Kurz auf den Punkt gebracht: Steven Tyler ist einfach eine „geile Sau“…und das darf man von einem immerhin 66jährigen! behaupten, der gleich einem guten Wein reift und in Kombination mit Joe Perry immer wieder an das Duo Infernale Jagger/Richards erinnert. Angesichts der Ausnahmeperformance der beiden Hauptprotagonisten schien der Rest der Band fast ein wenig unterzugehen, dank der riesigen Videowall und entsprechender Kameraübertragung wurden aber auch Gitarrist Brad Whitford und Drummer Joey Kramer sowie der Aushilfskeyboarder entsprechend in Szene gesetzt. Über das Songmaterial viele Worte zu verlieren erscheint müßig, ein Blick in die Setlist sagt alles. Dennoch sei angemerkt, dass der US-Fünfer neben den Standards ein gutes Händchen zur Vervollständigung der Setlist hat.

Ein Geschenk von der Band, ohne Musiker-Selbstverwirklichungs-Langeweile und gröbere Soloeskapaden. Von einer tollen Profiband zusammengestellt für ihre begeisterten Fans! Bemerkenswert war jedenfalls das von Joe Perry gesungene „Freedom Fighter“, zu dem Bilder über die Videowall (kam bei den Vorbands leider nicht zum Einsatz) flimmerten, wie sich Perry untertags im der City von Mailand den Straßenmusiker verdingte und bereitwillig Autogramme gab etc. Zeigt wie geerdet und äußerst sympathisch, aber auch witzig sie sind, müßten die Superstars jedenfalls nicht machen. Naturgemäß kamen Titel wie „Cryin´“, "I Don't Want To Miss A Thing" oder „Livin´ On The Edge“ beim sangesfreudigen und emotionalen Italo-Publikum bestens an, aus tausenden Kehlen wurden diese Welthits intoniert. Sehr lässig auch die zeitgemäßen und fetzigen Versionen von Uralt-Krachern wie „No More No More“ oder „Rats In The Cellar“ und auch das aktuelle „Oh Yeah“ (von „Music from Another Dimension!“) paßte sich ideal ins Programm ein.

Eine tolle Hit-Songauswahl bog mit dem coolen BEATLES-Cover „Come Together“ in die Zielgerade, ein fetziges „Dude Looks Like A Lady“ und ein kerniges „Walk This Way“ beendete den vielbejubelten offiziellen Teil, dessen Event- und Entertainment-Charakter kräftig von einer kunterbunten Lichtshow unterstrichen wurde. Doch AEROSMITH ließen sich nicht lange bitten, schon stimmte der mit einer Italien-Tricolore-Flagge behangene Tyler am Piano hingebungsvoll „Angel“ an, das nahtlos in den Bandklassiker „Dream On“ überging, das Joe Perry und in weiterer Folge auch Steve Tyler auf dem Piano stehend absolvierte. Diese Showeinlage wurde nach dem Bassintro von Viersaiter Tom Hamilton bei „Sweet Emotion“ aber fast noch getoppt. Mit grellen Neonfarben bemalt, gab es für Steven Tyler auf der Bühne kein Halten mehr, das emotionale Auditorium sang ergriffen mit und das ganze Szenario gipfelte in einem kunterbunten Konfettiregen, der noch einmal vor Augen führte, welch außergewöhnlichem Spektakel (samt Joe Perry´s JIMI HENDRIX-Einlage-Gitarre-reibt-an-Verstärker-bis-derselbe-glüht-und-der-Rauch-aufgeht) und Rockkonzert man am heutigen Abend beiwohnen durfte!

AEROSMITH hätten am heutigen Abend noch lange weiterspielen können, Hits wären noch zuhauf (“Train Kept A-Rollin´”, “Back In The Saddle”, Chip Away The Stone”, “Toys In The Attic”, "Amazing", “Crazy” etc.) zu intonieren gewesen, allerdings boten die über Sechzigjährigen, die (obgleich selbst sehr von den ROLLING STONES & Co. geprägt) Legionen von Sleaze-/Hard-/Hairspray-Rockern maßgeblich beeinflußt hatten (von GUNS n´ ROSES bis hin zu aktuellen Skandinavien-Welle) über 90 Minuten lang perfektes Rock n´ Roll-Entertainment, das dankbar aufgenommen wurde. Die Herren sind aufgrund ihrer 45jährigen Präsenz im Musikbusiness zwar eigentlich wahre Dinosaurier, die mit der heute gezeigten Liveleistung allerdings noch weit vom Aussterben entfernt sind. Es bleibt zu hoffen, dass die Herren aus Boston in Bälde wieder über den großen Teich übersetzen werden, den Fans wieder eine derart tolle Show zu präsentieren, denn auf der diesjährigen „Global Warming“-Tour waren ja die Venues recht selektiv gewählt, für Österreicher standen im näheren Umkreis nur Dortmund oder eben Mailand zur Debatte. Da Bilder oft mehr als tausend Worte sagen, darf ich den AEROSMITH-Fans die tollen Fotos von Michele Aldeghi, der uns die Livebilder zur Verfügung stellte, empfehlen, die ihr euch HIER reinziehen könnt.

Setlist:
Mama Kin
Eat The Rich
Love In An Elevator
Oh Yeah
Cryin´
Livin´ On The Edge
Last Child
Rag Doll
Freedom Fighter
Same Old Song And Dance
Rats In The Cellar
I Don't Want To Miss A Thing
No More No More
Come Together
Dude (Looks Like A Lady)
Walk This Way
-
Dream On
Sweet Emotion


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