11.07.2014 - 12.07.2014, Arena Ritten

ROCK IM RING

Veröffentlicht am 18.07.2014

Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit hieß es „Stormbringer goes South“. Hatte das AEROSMITH-Konzert in Mailand (zum Livereport) noch Arena-Dimensionen, ging es beim ROCK IM RING-Festival schon ein wenig beschaulicher zu. Unsere Anreise bzw. der Aufstieg nach Ritten/Klobenstein, das auf einem Hochplateau über Bozen liegt, sollte gleich zu Beginn mit einem Ausblick auf das wunderschöne Südtiroler Bergpanorama belohnt werden. Und auch das Festival präsentierte sich von einer sehr ansprechenden Seite. Rund um die Arena Ritten, einem Komplex mit Eishalle, weiteren Sportmöglichkeiten und einem Eisschnelllaufring (daher auch der Name des Festivals, da Bühne und Auditorium in diesem Ring aufgebaut sind) garantierten die Veranstalter dank der bestehenden Infrastruktur (Halle, Sanitär- und Gastroanlagen etc.) eine ideale Location für die seit mehr als 20 Jahren bestehende Veranstaltungsreihe, die als Höhepunkte über die Jahre bereits VOLBEAT, HEAVEN SHALL BURN, SUICIDAL TENDENCIES, HARDCORE SUPERSTAR, PENNYWISE, BEATSTEAKS, LORDI, CALIBAN, SOULFLY, AGNOSTIC FRONT, WALLS OF JERICHO, FETTES BROT oder die SPORTFREUNDE STILLER in die idyllische Dolomiten-Landschaft lockte und sich mit einigen Tausend Zuschauern zum mittlerweile größten Festivals Südtirols mausern konnte. Zusätzlich zur professionellen Organisation trug eine Armada von freiwilligen Helfern wiederum zu einem reibungslosen Ablauf des Spektakels bei und auch das Wetter steuerte seinen Teil dazu bei, dass auch das heurige Festival wieder ein voller Erfolg werden sollte. Die für mich schmerzliche Absage der ursprünglich angekündigten SLAYER (die ich heuer zum Glück schon am Novarock-Festival begutachten konnte) sollte durch das Einspringen von AIRBOURNE allerdings mehr als wettgemacht werden.



Freitag

Los ging es gleich mit den Österreichern KAISER FRANZ JOSEF, die ja – zumindest in ihrem Heimatland – viele von der Teilnahme bei der TV-Show „Die große Chance“ her kennen dürften. Wie es hier in Südtirol um den Bekanntheitsgrad steht, darüber kann nur gemutmaßt werden, das Wiener Trio nützte jedenfalls seine Chance, das recht offene Publikum mit seiner Mischung aus Classic/Vintage-Hardrock á la LED ZEPPELIN & Co. auf seine Seite zu ziehen. Hilfreich dabei das dynamische Bühnenacting (auch Drummer Tom trug mit seinem energetischen Schlagzeugspiel dazu bei) und die lässige Single „How Much Is A Mile“, dank derer die jungen Wiener ihren Anhängerkreis auch südlich des Brenners vergrößert haben dürften. MADBALL MADBALL repräsentierten nach dem gelungenen Auftritt der italienischen Metaller ARTHEMIS eigentlich den fetten Attitüde-Teil des Festivals. Harte Jungs aus New York, welche die Dolomiten mit ihren brachialen Hardcore-Groovebrechern, wenn schon nicht zum Bröckeln, so zumindest zum Erzittern bringen sollten und wollten. Und dieser Mission folgend betrat die Saitenfraktion mächtig cool die Bühne und eröffnete den Hardcore-Reigen mit wuchtigen Riffs. Zum Erscheinen von Fronter Freddy Cricien war die Hardcore-Welt noch in Ordnung, als er mit seinem Links-Rechts-Changieren Meter auf der Bühne machte. Recht bald schien jedoch eine gewisse Unzufriedenheit bei Leittier Cricien bemerkbar zu sein. Diese schien im Zusammenhang mit seinem Mikrofon zu stehen, das seinen Dienst versagte. Musste ursächlich mit dem wilden Gebaren des Sängers in Zusammenhang stehen, der mit seinem verkabelten Mikro wie von der Tarantel gestochen über die Bühne fegte und aufgrund der Ausfälle (infolge des Ausstöpselns des Mikros) den Techniker immer wieder zu schnellem Handeln zwang und augenscheinlich ins Schwitzen brachte. Der konnte immer wieder helfend eingreifen, während sich Cricien zur Überbrückung auch mal das Mikro von Gitarrist Mitts schnappte. So fegten ein schnelles "Get Out", "Born Strong" oder "R.A.H.C." flugs über die abgehende Menge hinweg, die schön langsam warm wurde, während der Sänger die Bühne nach einigen Mikroausfällen entnervt mit einer "Kopf ab und aus"-Handbewegung gen seine Mitmusiker verließ und die energiegeladene Show nach kaum 40 Minuten Spielzeit recht unspektakulär und unrühmlich zu Ende ging. Wenn zuviel Credibility (sprich OldSchool-Kabelmikro) die Musiker behindert, dann wäre es an der Zeit, flexibel zu reagieren und a) entweder behutsamer und umsichtiger über die Bühne zu hampeln oder b) auf ein Funkmikro umzusteigen. Gegenüber den zahlreichen Fans, denen der Mund zuvor mit einer fetten Hardcore-Sause wässrig gemacht wurde, kein professioneller Zug. Wenn die harten Jungs nämlich wie weinerliche Heulsusen agieren und ihr eigenes Ego vor das Interesse der ziemlich verdatterten Fans stellen, dann ist's mit Toughness und vor allem vielzitierten Respekt nicht weit her. Eigenes Unvermögen sollte nicht auf dem Rücken der ihn finanzierenden Fans ausgetragen werden, nicht wenige redeten nachher von Freddy "Dramaqueen" Cricien.

AIRBOURNE Nach dieser Enttäuschung lag es an Australiern, den Abend zu retten. Doch wie zu erwarten war, retteten sie ihn nicht nur, nein, sie zündeten eine Energiebombe sondergleichen. "Ready To Rock" waren auch die sie bejubelnden Zuschauer und dieser Song bildete die Einleitung dieses Feuerwerks der Rockmusik. Wer ihre großen Vorbilder sind, ist klar - simplen, stampfenden und straighten Haudrauf-Riffrock der Marke AC/DC hat sich der Vierer auf die Fahnen geschrieben und trotz aller AC/DC-Reminiszenzen haben sie sich inzwischen dermaßen etabliert, dass ihr Name fast in einem Atemzug mit den übermächtigen Landsmännern als Genrereferenz angegeben wird, die Coolness scheint ihnen ebenso in die Wiege gelegt worden zu sein. Fronter Joel O'Keefe erschien gewohnt oben ohne und mit seiner weißen Explorer und führte seine Riffrocker durch den Abend. "Too Much, Too Young, Too Fast", "Diamonds In The Rough", ein Brüller folgte dem nächsten. Beim allseits bekannten "No Way But The Hard Way" wurde der Fronter refraintechnisch wieder von seinen Bühnenkollegen unterstützt, während die lässige Lichtshow das energetische Kick-Ass-Gerocke der Aussies unterstrich. Der reguläre Showteil ging leider viel zu schnell zu Ende und die Band wurde mit Zugaberufen zurück auf die Bühne gerufen. Als Gimmick betätigte Frontmann Joel zuvor seine Luftschutzsirene und richtete einen Suchscheinwerfer ins Auditorium, bevor das geile "Live It Up" gezockt wurde, mit "Raise The Flag" schließlich endgültig die Luft brannte und beim finalen "Runnin' Wild" noch einmal alles auf (Sänger Joel zerdepperte etwa eine Bierdose auf seinem Lockenkopf) und vor (begeistertes Mitgrölen) der Bühne mobilisiert wurde, diesen, rund 75minüten High Energy-Auftritt als einen legendären in die Rock im Ring-Geschichte eingehen zu lassen und damit den schwer rockenden Freitag zu beschließen.

Samstag

Den Auftakt zum samstäglichen Konzerttag lieferten die Südtiroler HELDEN DER ZEIT, die man schon im Vorprogramm von UNANTASTBAR begutachten konnte (zum Livereport). In der (Eis-)Halle zockten die jungen Nachwuchs-Punkrocker ihr flottes Set, das leider unter der schlechten, weil nachhallenden Akustik der Eishalle zu leiden hatte. Davon unbeirrt gaben die Vier Nummern wie „Gesellschaft“ zum Besten und präsentierten die Livepremiere von „We Are Fans“. Mehrere BIZARRO WELT-Shirts im Publikum sorgten im Vorfeld für Neugier auf den Sound der Combo mit dem obskuren Namen. Man sollte auch nicht enttäuscht werden, bemüht eigenwillig punkrockten die Südtiroler und ließen immer wieder mal an die skurrilen DEICHKIND denken. HOMIES 4 LIFE trugen sodann mit ihrem deutschsprachigem Rap mit Heimatbezug und sozialkritischen Lyrics ebenso zur Auflockerung des rockdominierten Programms bei wie das Reggae/Riddim-Kollektiv SISYPHOS, das die Rauchschwaden aufsteigen ließ. Die Italiener ANDEAD blieben mit ihrer Punkrock/Rockabilly-Mischung vor allem wegen des stark ausgeprägten "S"-Sprachfehlers des Sängers in Erinnerung, bevor die Kanadier THE BRAINS dem Publikum (mit Kontrabass bewaffnet) eine fetzige Ladung Rockabilly verabreichten.

PLANET OF ZEUS Die Griechen wussten die ihnen zur Verfügung stehende Dreiviertelstunde dazu zu nützen, ihre Fanbase zu vergrößern. An mir war die Truppe bislang vorbeigegangen, dementsprechend unbefangen und unbelastet konnte ich dem breitbeinigen Rocken des Hellas-Vierers lauschen. In der Bühnenmitte regierte klar Fronter Babis, der auch die Sechssaitige bediente. Irgendwo zwischen Southern Metal und Stoner Rock bestach die Band mit fett rockenden und rollenden Gitarrenriffs und einem ansprechenden und auch amüsanten Rotz- und Assi-Charme. Auch wenn sie ihre Art von Sound nicht revolutionieren, haben die Jungs definitiv Pfeffer im Arsch und verfügen auch über das spürbare Bemühen, ihre Professionalität und ihren dick rockenden Sound in die weite Musikwelt hinauszuwalzen und zu -stoßen. Überzeugendes Set der lässig klingenden Griechen, für jedermann zur Meinungsbildung auf YouTube & Co. nachzuhören. SKINDRED n Die 1998 aus der Asche von DUBWAR emporgestiegenen Engländer mit dem schwarzen Frontrapper Benji Webbe am Mikro durften am heutigen Abend auf eine überraschend große Zahl an Fans zählen, der Platz vor der Bühne füllte sich erstaunlich rasch. Nach dem Intro feuerte die UK-Armada unter Federführung von ZZ TOP-Gedächtnisbartträger Mikey Demus an der Gitarre Groove- und Riffbomber wie „Rat Race“, „Doom Riff“ oder „Ninja“ in die begeisterte Menge. Zwar klang das Ganze wie ein Relikt aus den glorreichen Zeiten für Crossover Mitte der Neunziger mit (optisch) GEORGE CLINTON am Mikro, dennoch funktionierte die Mischung auch live erstaunlich gut. Wenn auch lautstärketechnisch verhalten, fanden die Nummern besten Anklang, Benji ist ein geiler Sänger, mimte den Motivator und übertrieb es fast mit seinem Gelaber, weniger Animations-Commader-Charme wäre besser gewesen. Sample- und einspielungstechnisch ließen sich die fünf Herren ebenfalls nicht lumpen, PRODIGYs „Breathe“ begeisterte ebenso wie MACKLEMOREs „Thrift Shop“, „Sad But True“ von METALLICA und das Blitzgezappel-Sample von „Harlem Shake“. Ein überraschend kurzweiliger und zündender Gig ging mit bestens gelauntem Publikum zu Ende, dennoch sei die Relevanz einer Band wie SKINDRED in heutiger Zeit zumindest hinterfragt.

DROPKICK MURPHYS Ausgerechnet kurz vor dem Gig des Headliners begann es wie aus Kübeln zu regnen. Eigentlich der stimmungsmäßige Tod für eine Partyband wie die irischstämmigen Amerikaner, so möchte man zumindest meinen. Doch konnte Rock im Ring auf die robusten und nässeresistenten und augenscheinlich partywilligen Südtiroler zählen, die dem Regen trotzten und der folgenden Folk Rock-Party einen - angesichts der Umstände – mehr als würdigen Rahmen boten. Unter "Let's Go Murphys"!-Anfeuerungsrufen eröffneten die Boston-Jungs mit dem Kracher „The Boys Are Back“ ihr Set und feuerten gleich "Citizen C.I.A." nach. Ohne großes Gelaber zündeten die MURPHYS trotz des Regens ihr Gute-Laune-Feuerwerk voller Folk-Punkrock-Kracher und Fronter Al Barr verbuchte zusätzliche Sympathiepunkte für die Band mit seinen knappen, aber teils auf Deutsch verkündeten Ansagen. Wie schon am Novarock-Festival schüttelten sie die Kracher nur so aus dem Ärmel. „Black Velvet Band“, „Don't Tear Us Apart“, „Going Out In Style“, „Prisoner's Song”, „Worker's Song“, “Johnny I Hardly Knew Ya”, “The Walking Dead” und „Jimmy Collin's Wake“ hießen die Mitgröl- und Abgehhymnen, die lauthals mitgebrüllt und –geträllert wurden. Aktivposten war Vocalist Al Barr, der sich am Mikro mit Stamm-Murphy, Basser Ken Casey, abwechselte. Sehr cool auch die Coverversion von „Which Side Are You On?“ sowie das Traditional “The Wild Rover”, zu dem das Publikum “An der Nordseeküste” anstimmte. Weiters mauserte sich das von Ken Casey gesungene „Rose Tattoo“ vom letzten Album “Signed And Sealed In Blood“ innerhalb kürzester Zeit zu einem Evergreen, wie der heutige Abend bewies, als der Refrain aus zahlreichen Kehlen intoniert wurde. Danach ging es Schlag auf Schlag, einem weiteren Traditional („The Irish Rover“) folgte das aus dem Film „Departed“ bekannte „I'm Shipping Up To Boston“, bevor eine unnötige Coverversion von AC/DCs „T.N.T.“ den Schlußpunkt unter eine energetische DROPKICK MURPHYS-Show setzte. Schon zuletzt am Novarock hatten sie sich an einem Hit der Australier (nämlich „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“) vergriffen, angesichts des mit tollen Nummern gespickten Repertoires hätte man wohl besser zu einer weiteren Eigenkomposition gegriffen. „Out Of Our Heads“ wurde noch als Zugabe dargeboten, die Fans mobilisierten noch einmal alle Kräfte, bevor FRANK SINATRAs „My Way“ die durchnässten Durchhalter nach der 90-Minuten-Show in die feuchte Sommernacht entließen. Man durfte froh sein, wenn man diese Nacht nicht auf dem eigentlich idyllisch nahe am Wald gelegenen Campingplatz verbringen musste, der inzwischen wohl mehr Schlamm als Wiese war. Ein lässiges und sehr gelungenes Festival war leider mit einer unfreiwilligen Open Air-Dusche zu Ende gegangen, man darf gespannt sein, welche Asse die Veranstalter nächstes Jahr aus dem Ärmel ziehen werden! Photos by Lars Hagen l www.elementalevents.info Weitere tolle Livepics seht ihr in der Festival-Gallerie (Freitag und Samstag)


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