27.06.2014 - 29.06.2014, Suvilahti Helsinki

TUSKA OPEN AIR METAL FESTIVAL

Veröffentlicht am 21.07.2014

Das TUSKA-Festival in Suvilahti, Helsinki, hat die Hauptstadt der Finnen auch dieses Jahr wieder zum Beben gebracht. Bereits einige Stunden bevor sich die Tore öffnen, befinden sich zahlreiche Festivalbesucher vor dem Gelände, leeren noch schnell ihre Getränke und warten bis die Show beginnt. Die Stimmung ist voller Vorfreude auf das gut durchgemischte Festival-Line-Up.

Tag 1



ENSIFERUM

Die Kult-Kilt-Träger ENSIFERUM starten ihren Gig gleich kurz nach Einlass. Man merkt wir sind hier im Heimatland der Pagan-Giganten, denn obwohl es erst sehr früh ist, ist der Publikumsansturm groß und in Mitsing-Laune. Der Frontmann Petri Lindroos ist ebenfalls gut gelaunt und macht mit fröhlicher Miene ein paar kurz eingeworfene Ansagen auf Finnisch, die das Publikum erheitern und schon geht es weiter mit dem nächsten Klassiker. Unter anderem hauen die Finnen „Hits“ wie „Token Of Time“, „Twilight Tavern“ oder „Iron“ raus. Auch die Gesang-Parts auf Finnisch werden hier vom Publikum fleißig mitgesungen und gegrölt. Bei den heiteren Songs springen und tanzen die Bandmitglieder schon fast wie u.a. der Gitarrist Markus Toivonen. Diese ausgelassene Stimmung kommt bei den Fans auch an und so kann das Festival ruhig weiter gehen.



CHILDREN OF BODOM

Dieses Bühnenbild ist einfach megacool! Amerikanische Autos und eine Bar, in der u.a. Mitglieder von LOST SOCIETY Getränke mixen, sind zu sehen. Alexi Laiho ist hier in Helsinki wahrscheinlich der coolste Rockstar von allen. Er weiß einfach, wie der Hase läuft und sein Publikum frisst ihm aus der Hand. Ein paar Worte seinerseits reichen aus, um das Publikum zum Toben zu bringen. Aber den Rest der Band darf man natürlich nicht vergessen, alle rocken hier gewaltig ab und bringen Neues, sowie alte Hits routinemäßig über die Bühne. Besonders gut haben mir „Bodom Beach Terror“ und „Hate Crew Deathroll“ gefallen, das sind einfach Klassiker, die immer wieder gerne gehört werden. Optisch wurde das Bühnenbild schon erwähnt, doch auch das Blumenhemd von Keyboarder Janne Wirman hatte Auffälligkeitswert. Auch bei diesem BODOM-Gig war es wieder ein Highlight die Soli von Alexi aber auch von Janne zu sehen und zu hören. Alexi hat seine Gitarre geschwungen, Basser Henkka Säpälää zum Spaß geschupst und war allgemein wirklich bemüht eine gute Show abzuliefern, was ihm und seiner „Crew“ auch gelungen ist. CHILDREN OF BODOM waren bestimmt eines der Highlights des gesamten Festivals.

SANTA CRUZ

Nun geht es weiter auf der Club Stage für die Jungs von SANTA CRUZ. Aber wahrscheinlich nicht mehr lange, denn so gut wie diese Hard Rock-Band derzeit ankommt, haben sie gute Chancen es bereits nächstes Jahr auf eine größere Bühne zu schaffen! Zwar sind die ersten Reihen fast ausschließlich von jungen Leuten, vor allem Mädchen, gefüllt, doch dafür ist es bis nach hinten zum Ausgang voll von neugierigen Besuchern. Man kennt die Songs der jungen Burschen in Finnland bereits und so wird mitgesungen bzw. kann man ein Kreischen von den Mädchen der vorderen Reihen vernehmen. SANTA CRUZ haben zwar schon länger nichts mehr Neues veröffentlicht, doch das scheint niemanden zu stören. Vor allem der Hit, der in Finnland auch im Radio zu hören ist, „We Are The Ones To Fall“, kommt megagut an und der Saal ist am Toben. Der junge Frontmann Archie weiß genau, wie man das Publikum bei Laune hält und seine Ansagen zwischendurch wirken bereits wie von einem alten Profi. Generell ist die Band sehr schwungvoll unterwegs und peppt bzw. erfrischt das komplette Line-Up ein wenig auf. Man könnte fast behaupten, sie wären die fröhlichste bzw. netteste Band des Abends, wahrscheinlich sogar des Festivals.



DIMMU BORGIR

Die Leute beginnen sich wieder vor der Main Stage zu versammeln und dann ist es soweit, die düsteren Gestalten von DIMMU BORGIR betreten die Bühne und alle sind gespannt. Die Norweger sind die letzte Band am ersten Festival-Tag und wissen, wie sie das Publikum mit bekannten Songs wie „Morning Palace“ oder „Gateways“ noch mal in Mitmach-Laune versetzen können. Die düsteren Klänge locken immer mehr Metalheads an und auch diejenigen, die nur vorbeigehen wollten, bleiben dann doch stehen und lauschen den Melodien. Der Auftritt von DIMMU BORGIR ist somit nicht nur etwas für eingesessene Fans, sondern sie schaffen es auch, Neuankömmlinge ins Boot zu holen. Die Show ist sehr solide, alles läuft glatt über die Bühne, doch so mancher hätte wohl eine etwas bombastischere Show der Symphonic Black Metal-Giganten erwartet. Nichtsdestotrotz erhalten die Norweger tosenden Applaus und Jubelausrufe, was offensichtlich zeigt, die Band kommt an, egal ob mit kleinerer oder gigantischer Bühnenshow. Was zur immer wieder einmaligen Atmosphäre beiträgt, sind neben den unverkennbaren Melodien wohl auch die einzigartigen Kostüme und ihr Corpsepaint. Aufbruchsstimmung herrscht auch nachdem die Band die Bühne verlassen hat. Es ist noch nicht zu bemerken, dass die Leute genug haben, sie wollen mehr. Und so haben es die Norweger geschafft, den ersten Festival-Tag gebührend abzuschließen.

Tag 2



STONE

Heute beginnt mein Tag vor der Main Stage. Alles ist hier gerammelt voll und wartet auf die Legende STONE. Das Intro ist fröhlich und die Menge beginnt zu klatschen. Dann geht es auch gleich los mit „Get Stoned“, einer richtig schönen Thrash-Nummer. Der Gitarrist Roope Latvala macht auch heute wieder einen fitten Eindruck, nachdem er gestern mit CHILDREN OF BODOM auf der Bühne gestanden hat. STONE liefern eine gelungene Show ab, doch ein Highlight, dass man sich merken würde ist nicht dabei, eben eine dynamische, aber doch etwas unspektakuläre Performance. Für viele STONE-Fans ist es ja schon etwas Besonderes, die Band überhaupt live zu sehen. Auf jeden Fall hat sich ein Großteil der Festival-Besucher es sich nicht nehmen lassen STONE zu bejubeln, denn es war gesteckt voll an diesem sonnigen Konzerttag. Mit den Zugaben „Finlandia/Sweet Dreams“ und „No Commands“ haben sie noch mal richtig Gas gegeben und gezeigt, was sie drauf haben. Für Fans des originalen Thrash: sehenswert.



TURMION KÄTILÖT

Etwas schrägere Töne sind nun von TURMION KÄTILÖT auf der Inferno Stage zu hören. Obwohl es mitten am Nachmittag ist, ist es vor der Bühne ziemlich voll. Liegt vielleicht auch ein bisschen daran, dass wir hier im Heimatland der TURMION KÄTILÖT, zu Deutsch, der „Hebammen des Verderbens“, sind. Die Band vermischt Elemente des Techno mit Metal und bringt das live auf eine etwas bizarre Weise wieder. Für einen Nicht-Eingeweihten ist es jedenfalls eine ungewohnte Performance. Das Corpsepaint und ähnliches wird auch sehr unterschiedlich innerhalb der Bandmitglieder aufgetragen. Der eine hält es eher typisch schwarz-weiß, der andere entscheidet sich dann doch eher für rot oder andere Muster. Zusammengefasst: unkonventionell. Die beiden Sänger der Truppe machen ordentlich Stimmung und das kommt beim Publikum an! Manche Leute im Publikum können sich fast gar nicht mehr zurückhalten, vor allem wenn Songs auf Finnisch gespielt werden, ist hier jeder in Mitsing-Laune. Ein bisschen verrückt sind sie wohl doch, die Finnen. Die Klänge, die angespielt werden, kann man auch nicht eindeutig zuordnen, manchmal nimmt man arabisch angehauchte oder sogar asiatische Tonfolgen wahr. Nichtsdestotrotz bekommen die TURMION KÄTILÖT einen fetten Pluspunkt für die ausgelassene Stimmung.

AMORAL

Auch AMORAL haben es geschafft die Club Stage zu füllen. Man muss dazu aber erwähnen, dass der Frontmann der Formation Ari Koivunen bei der Castingshow „Idols“ - einer finnischen Version der Castingshow „Pop Idols“ - teilgenommen hat und somit Promistatus in seinem Heimatland ergattern konnte, wovon man hierzulande aber nichts mitbekommen hat. Jedenfalls schlagen AMORAL auch ruhigere Töne an und laden auch mal zum Runterkommen anstatt nur Gemüter zu erhitzen. Was grundsätzlich nichts Schlechtes ist, denn AMORAL überzeugen mit wirklich „echtem“, erwachsenem Rock. Was auch nicht wenige Alt-Rocker im Publikum vor die Bühne holt. Ari Koivunen hat eine sehr außergewöhnliche Clean-Stimme die an frühere BLACK SABBATH-Aufnahmen erinnerg und die auch live ausgesprochen gut rüberkommt. Für die härteren Metaller im Getümmel gab es aber auch Growling-Parts mit härteren Gitarren-Elementen. Mich haben auch eher die schnelleren Nummern überzeugt und so sind mir vor allem „Leave Your Dead Behind“ und „Wound Creations“ in Erinnerung geblieben. Einige Songs wurden gesanglich von dem ehemaligen Sänger der Band, Niko Kalliojärvi, unterstützt, was sehr positiv war, denn so kam eine gewisse Dynamik in die Performance.

ANTHRAX

Bevor die letzte Band des zweiten Festivaltages die Bühne betritt, ist vor der Main Stage die Spannung schon unglaublich groß und die Thrash-Legenden ANTHRAX werden schon sehnsüchtig erwartet. Bereits beim Intro ist der Bühnengraben voll von Fotografen und die Menge rastet aus als die Show mit „Among The Living“ beginnt. Für mich überraschend, ich nehme auch sehr stark weibliches Gekreische wahr, die Band hat wohl einen noch größeren Fan-Rahmen, als angenommen. Das Konzert ist im Gange und keiner kann bei dem Groove so richtig ruhig bleiben. Der ein oder andere Moshpit war auch im Gange, sowie zum Beispiel bei dem Song „I Am The Law“ wo er sich ganz schön ausgebreitet hatte und so eine wirklich große Fläche in Anspruch nahm. ANTHRAX gehören auf dem TUSKA zwar zu den „alten“ Bands, doch jüngere Generationen können sich hier noch einiges abschauen. Denn diese Jungs wiesen wie man richtig abrockt. Aber natürlich gehören sie ja nicht umsonst zu den „Big Four“ des Thrash Metal. Bei ihrem Auftritt hier am Festival konnten sie sich wieder beweisen und wie ich finde haben sie eine der stärksten Performances abgeliefert. Obwohl die Spielzeit von 90 Minuten nicht zu kurz geraten ist, scheinen sich manche eingeschworene ANTHRAX-Fans nicht genug bekommen zu können. ANTHRAX haben es noch drauf, das Konzert von ihnen hat den Abend toll abgerundet! Und so geht auch der zweite Tag am TUSKA kurzweilig vorbei.

Tag 3



INSOMNIUM

Mit INSOMNIUM bekommt man vor der Main Stage getragene, schwere Klänge zu hören. Die Atmosphäre wird düster. Das kalte, regnerische Wetter heute am dritten Tag des TUSKA-Festivals hat wenigstens auch etwas Positives, es passt zur Musik von INSOMNIUM. Diese finnische Band ist etwas gedämpfter, alle Bandmitglieder wirken recht ernst, haben einen guten Stand und es wird weniger auf der Bühne herum gelaufen, wie es andere Bands gerne tun. Das Publikum hält sich noch etwas zurück und bleibt so ruhig wie die Band vor ihnen. Der Song „Revelation“ war der beste der Show, da ging es mehr ab und der Song hatte ordentlich Groove und der Refrain hat begeistert weil er hymnische Elemente hatte. Die Melodien sind generell sehr gut wahrnehmbar gewesen, man konnte sie gut aus dem kompletten Soundgefüge heraushören. Insgesamt ein sehr ruhiger Auftritt, der, verglichen zu anderen Performances, schnell mal untergeht.



SATYRICON

Bei der Performance von SATYRICON beginnt es richtig zu regnen. Doch das stört keinen einzigen Fan der Düster-Combo. Schnell wird die Kapuze aufgesetzt, oder der Regen wird einfach komplett ignoriert. Denn eine Band wie SATYRICON darf man nicht verpassen – und auch bei ihrem Auftritt am TUSKA haben sie das wieder mal bewiesen. Auch dieses Mal haben sie die Klassiker rausgehauen – und das zur großen Freude der Leute im Publikum! Das Konzert beginnt gleich mit „Now, Diabolical“, das mit voller Härte und Aggressivität vorgetragen wurde. Der Start in die Show hat gesessen, die Leute sind voll dabei. Jemand in der ersten Reihe hält ein verkehrtes Kreuz aus Holz in die Höhe, generell ist die Menge total heiß auf SATYRICON. Frontmann Satyr lockert die Stimmung durch kurze, unterhaltsame Ansagen zwischen den Songs immer wieder auf. Er beweist durchaus einen Sinn für Humor! Zwischendurch spielen sie Songs, die nicht ganz so bekannt sind und einer davon ist sehr tragend und langsam gehalten, doch dann wird der nächste Klassiker, „The Pentagram Burns“, angespielt und die Menge tobt wieder. Zum Abschluss dann die beiden Songs, die nun mal nicht fehlen dürfen: „Mother North“ und „K.I.N.G.“, die auch nach öfterem Hören nicht abgedroschen wirken. Vor allem bei „Mother North“ herrscht eine Stimmung, die man sonstwo vergebens sucht.

EMPEROR

Die Kult-Black-Metal-Band aus Norwegen schließt das Festival ab. Und es war ein würdiger Abschluss! Die Menge rafft sich noch mal auf und geht ordentlich ab, die Stimmung kommt noch mal auf einen Höhepunkt. Es ist etwas kalt, doch die Flammen auf der Bühne lassen das Black-Metal-Herz hoch schlagen. Es ist regnerisch und trüb als die Herrn von EMPEROR die Bühne betreten. Dann beginnt die Show mit dem Song „Into The Infinity Of Thoughts“. Unter den Leuten befinden sich nun auch deutlich mehr Nieten-Träger, die über das gesamte Festival hinweg eher untergegangen sind. EMPEROR sehen auf der Bühne eher unspektakulär aus, doch was sie von sich geben, ist Black Metal in seinen Ur-Formen und diese Stimmung ist sehr besonders. Gegen Ende der Show bei „I Am The Black Wizards“ sind dann wirklich alle Hörner gen Himmel gestreckt. Auch für Nicht-Black Metal-Anhänger ist das letzte Konzert des TUSKA 2014 etwas Besonderes. Das Gekreische von Ihsahn erscheint fast unmenschlich, umgeben von dieser Atmosphäre. Doch manche Menschen stehen immer noch in ihren Regenponchos in den ersten Reihen, was die bitterböse Stimmung nicht ganz so ernst erscheinen lässt. Der allerletzte Song des Konzerts von EMPEROR sowie des gesamten Festivals ist „A Fine Day To Die“, ein Cover der legendären Band BATHORY. Der bringt großen Jubel und Applaus mit sich und so mancher TUSKA-Besucher verlässt nur ungern den Platz vor der Bühne.


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Enslaved - Utgard
ANZEIGE