08.08.2014 - 09.08.2014, Nepomukteich Waldhausen (AUT)

LAKE ON FIRE Festival 2014 - Tag 2

Veröffentlicht am 19.08.2014

Nach einer kalten Nacht auf dem harten Zeltboden - der gemütlichere VW-Bus meines Bruders konnte leider kein Ticket mehr ergattern - musste zuerst einmal der Kater bekämpft werden, der sich in der Nacht heimlich, als ich kurz nicht aufgepasst habe, in meinen Kopf geschlichen hat. Am Campinggelände an sich gab es aber sowieso nichts auszusetzen, der (aufgrund letztjährigem übermäßigen Alkoholkonsum) erst heuer entdeckte Badesee war ein Verbündeter im Kampf gegen das Kopfweh. Und so wurde der See am Samstag durch einen morgendlichen Sprung ins kühle Nass eingeweiht und Kräfte wurden mit Kaffee beim Seecafehaus aufgebaut. Viel Zeit blieb nicht, wollte ich doch bei der Jamsession zwischen zwölf und zwei Uhr Songs meiner Band ROCKODILE präsentieren und das gelang bei dem restverkaterten Publikum ganz gut. Zumindest war das Eis nach Songs wie "Bud Spencer Rules" und "Crocodile Rider" gebrochen, um damit weitere Musiker zum Betreten der Bühne zu motivieren. Und diese kamen zahlreich, wollten sie natürlich auch ihre eigenen Bands präsentieren und mit anderen "Artgenossen" auf dieser einzigartigen Bühne jamen. Bis zum Abend knallte die Sonne auf den Zuschauerbereich vor der Bühne. Einigen wie auch mir war es viel zu heiß und so sparte ich nachmittags am Badesee noch Kräfte für den Abend. Somit könnt ihr euch beim See beschweren, wenn ihr Berichte von TIMESTONE und GO BANANAS lesen wolltet. Da diese, laut Augen- und Ohrenzeugenberichten, sehr motivierten und energetischen Stoner-Rock Bands hoffentlich noch öfters in der Gegend spielen, werde ich bei den nächsten Gigs vor Ort sein. Somit waren THE HEAVY MINDS die erste Band, die ich zu Gesicht bekam. Diese kamen ohne Bass, dafür aber mit extrem fuzzigen Gitarren daher, sodass der Tieftöner im Gesamtsound nicht fehlte. Besonders blieb der Schlagzeuger mit seinen orgiastischen wie auch unterhaltsamen Gesichtsausdrucken in Erinnerung. Fette Riffs und lässige Rhythmen brachten mich schon langsam wieder in Bierstimmung.

Nach den drei lauten Bands wurden mit DOOMINA erstmals an diesem Tag ruhigere Post-Rock Töne angeschlagen. Der Versuch diese Band nach der letztjährigen Supportshow von JEX THOTH in der Arena wieder zu sehen, wurde schon zweimal aufgrund kurzfristiger Absagen vereitelt. Und auch an diesem Tag hatte sich wieder ein Bandmitglied etwas gebrochen. Deshalb fehlte der albumstechnisch einzigartigen Band heute live ein Gitarrist, was sich leider auch an der Performance abzeichnete. DOOMINA versuchten das Beste aus der Situation zu machen und waren auch eine willkommene musikalische Abwechslung. Beim zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Boden sitzenden Publikum machte sich aber ein wenig Lethargie breit. Das mit dem Sitzen sollte sich bald erledigt haben, aber nicht unbedingt wegen der nächsten Band, sondern mit dem heranziehenden Gewitter und so hatten dieses Jahr SEVEN THAT SPELLS die wettertechnische Arschkarte gezogen (letztes Jahr kamen SAMSARA BLUES EXPERIMENT zum Handkuss). Viele Besucher liefen zu ihren Zelten oder verharrten unter den paar wenigen Bierzelten, die aber zumindest mit Sicht zur Bühne dienen konnten. Vor der Bühne harrten nur ein paar Hartgesottene und/oder Betrunkene aus. Die sympathische Band aus Zagreb, deren Musiker sich schon während des Tages unter die Besucher mischten, zeigten sich vom Wetter unbeeindruckt und spielten ein solides Set, deren progressiv schräge Musik aber sicher nicht einfach zu genießen war. (Im Trockenen spielen sie in Kürze in Wien im Rhiz am 14. September.) Die darauf folgenden THE VINTAGE CARAVAN waren sicher jene, die am meisten Anklang bei Besuchern fanden, die auf nicht so abgefahrene Musik stehen. Mir war schon im Vorhinein klar, dass diese junge Band aus Island, die im Frühjahr für das großartige Tourpackage mit ZODIAC, AUDREY HORNE und GRAND MAGUS eröffneten, eine packende Show abliefern würde. Was dann aber wirklich in dieser knappen Stunde aufs Parkett der Seebühne gezaubert wurde ist kaum in Worte zu fassen. Hier steppte definitiv der isländische (Tanz)Bär. Keine andere Band auf dem Festival fühlte sich anscheinend so wohl hier zu sein. Und auch der Wettergott gehorchte den Ansagen ("Fuck the rain") des Frontmanns und "Angelo Kelly-Look Alikes" Óskar Logi Ágústsson, denn nach ein paar Songs war das Gewitter vorüber und die Band wurde durchgehend abgefeiert.

Ja, das ist eine Show, wie ich sie sehen will: durchgehend Bewegung auf der Bühne, extatische Mimiken, gezeigte Virtuosität, was will man mehr? Auch das Songmaterial ihrer ersten Platte überzeugte durchgehend mit Abwechslungsreichtum, fetten Riffs und genialen Solomelodien. Ich war hin und weg von Songs wie "Craving" mit dem einprägsamem Gitarrenlick oder dem schrägen Videohit "Expand Your Mind". Den Refrain von "Midnight Meditation" bekomme ich sicher nicht so schnell aus dem Kopf und und und. Für mich war an diesem Festival durch THE VINTAGE CARAVAN alles gesagt. Ich muss halt auch zugeben, dass diese Band meiner Affinität für härtere Musik am Nächsten gekommen ist. Die zwei noch folgenden Bands ordne ich für mich als durchaus interessant ein und bitte darum, bei Fans dieser sicher außergewöhnlichen Bands nicht in Ungnade zu fallen. Denn albumstechnisch können mich MY SLEEPING KARMA und auch die deutschen Urväter des Stoner Rocks COLOUR HAZE durchaus begeistern. Und auch wenn das LAKE ON FIRE Festival eigentlich die ideale Bühne für die psychedelischen Klänge beider Bands bot, werde ich eine Einzelshow wahrscheinlich der einer Festivalshow vorziehen. Es lag sicher auch daran, dass sich nach dem Gewitterguss und dem anstrengenden Vortag die Motivation nicht nur bei mir in Grenzen hielt.

MY SLEEPING KARMA, bei all ihrer spielerischen Finesse und kreativen Soundspielereien, lockten bei mir leider nicht mehr die Kräfte wie noch ein Jahr zuvor MONKEY3 hervor, die ja durchaus Parallelen vorzuweisen haben. Die zumindest für mich komischen hochdeutschen Ansagen trugen ihr übriges dazu bei, dass ich mich von den wortkargeren Bands bei diesem Festival mehr begeistert zeigte. Von den Ansagen her schlugen COLOUR HAZE in eine ähnliche Kerbe, auch vom Auftreten stellte ich mir die Band anders vor. Mir ist schon bewusst, dass dies eine durchwegs subjektive (und vielleicht auch intolerante) Arschmeinung ist, aber ich finde eben, dass live nicht nur die Musik zum Gesamt(erscheinungs)bild einer Band beiträgt. Musikalisch ließen COLOUR HAZE natürlich nichts anbrennen, obwohl dies beim namensgebenden LAKE ON FIRE Festival durchaus wünschenswert gewesen wäre.

Nach zwei anstrengenden Tagen muss ich sagen, dass das Festival nach wie vor mit Gemütlichkeit, Atmosphäre, einer großartigen Location und musikalischen Leckerbissen punktet. Subjektiv hätte ich bei einigen Bands mehr erwartet, aber alleine RED FANG und THE VINTAGE CARAVAN waren die 30 € (für gesamt 13 Bands!) wert. Der Gesamteindruck des Festivals bleibt überragend und ich werde mich nächstes Jahr gerne wieder von einigen Bands überraschen lassen.


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