26.09.2014, ((szene)) Wien

AXEL RUDI PELL

Veröffentlicht am 15.10.2014

Er zählt auch nach dreißig Jahren im Rockbusiness immer noch ein bisschen zu den Geheimtipps: Saitenzupfer AXEL RUDI PELL. Seit drei Dekaden rockt sich der Maestro also schon durch die internationale Hard Rock- und Metal-Szene, kann dabei auf 16(!) Studioalben mit ARP zurückblicken - die Compilations, Livealben und DVDs werden da mal außen vor geleassen - und es scheint ihm immer noch Spaß zu machen. In diesem Jahr erschien "Into The Storm", das sechzehnte Studioalbum, und das möchte natürlich auch im amtlichen Rahmen präsentiert werden. Und amtlich ging es auf jeden Fall zu - fast zum Bersten gefüllt war die Szene Wien an diesem Freitagabend, was mich für einen Act aus dem Hard Rock-Genre doch etwas überraschte; normalerweise sind die Wiener Rock-Fans ja nicht mehr so leicht aus dem Haus zu locken. Gut, es lag vielleicht auch großteils daran, dass eben Freitag war - und so schaffte AXEL RUDI PELL, was vielen anderen Kollegen oft verwehrt bleibt, und konnte vor fast ausverkauftem Haus spielen. Das tut natürlich auch der Spielfreude gut, und die Mannen um den Gitarrenhexer (wie immer stilsicher mit blondierter Strubbelmähne und halboffenem Hemd) legen von Beginn an auf Höchsttempo los. Dreh- und Angelpunkt der Show ist jedoch für mich auch diesmal wieder Sänger Johnny Gioeli - und wahrscheinlich für viele Fans auch ein Hauptargument, eine AXEL RUDI PELL-Show zu besuchen. Denn der gute Mann aus Brooklyn, New York hat ein Ausnahmeorgan vor dem Herren; und mit dieser gewaltigen Rockröhre bewaffnet fällt es ihm natürlich auch leicht, die klassischen geradlinigen Rocker von ARP ins Publikum zu pfeffern - da bereitet nicht mal die von ihm immer wieder angesprochene Erkältung wirklich Schwierigkeiten, mit der er an diesem Abend zu kämpfen hatte. So gab's also Tracks wie "Burning Chains", "Nasty Reputation" und "Strong As A Rock" gleich mal zum Einstand, herausragend auch die Backing-Vocals speziell von Keyboarder Ferdy Doernberg, der neben starken Gesangsleistungen auch einige Schmankerl am Tastenbrett hervorzaubern kann, wie er bei einem ausgedehnten Solopart (inklusive unvermeidlicher Anspielung des DEEP PURPLE'schen "Perfect Strangers"-Riffs auf der Hammond-Orgel) zu späterer Stunde unter Beweis stellen durfte. Überraschend am Set war jedoch ein gelungenes NEIL YOUNG-Cover von "Hey Hey, My My", bei dessen Ende die Band noch einige Klassiker der Rockgeschichte kurz anspielte - "Smoke On The Water" war hier ebenso vertreten wie der "Man On The Silver Mountain" von DIO - ehe man mit "Warrior" wieder eigenes Material lieferte. Auch Drummer Bobby Rondinelli durfte sich ein bisschen bei einem Drumsolo nach "Into The Storm" austoben, und zum Abschluss des regulären Sets gab's dann nochmal ein schmuckes Medley aus "Too Late", "Call Her Princess" und "Eternal Prisoner". Nach lautstarkem Jubel - insbesondere natürlich für Maestro Pell und Mr. Gioeli - legt man dann noch "The Masquerade Ball" und ein abschließendes "Rock The Nation" nach, ehe eine zufriedene Meute im großteils schon fortgeschrittenen Rocker-Alter zwischen 35 und 60 Jahren in den Freitagabend entlassen wurde. Wieder einmal bot AXEL RUDI PELL eine rundum gelungene Show zwischen Hard Rock und Heavy Metal, bei der neben Flitzefinger-Soli des Meisters selbst vor allem sein grandioser Sänger brillieren durfte - hier sind letztlich halt noch ausnahmslos Könner am Werk, bei denen es einfach Spaß macht, ihnen bei der Arbeit zuzusehen. Und in dem Sinne hoffen wir, dass uns ARP auch noch öfter in heimischen Gefilden besuchen werden.


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